Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

13.01.2020, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Wer zuerst kommt, brütet zuerst: Die Ankunftszeit im Brutgebiet ist auch für Standvögel wichtig für die Fortpflanzung
Der Zeitpunkt für die Ankunft im Brutgebiet ist bei Vögeln mitentscheidend dafür, wer am Ende brütet und wer nicht. Dies ist für Zugvögel bekannt, wurde aber nun zum ersten Mal auch eine als Standvogel bezeichnete Vogelart untersucht. Auch sie verlassen oft ihr Brutgebiet, wenn die Jungen das Nest verlassen haben. Die zuerst wieder zurückkehrenden Vögel brüten dann erfolgreicher. Die Ergebnisse zeigen, dass es möglicherweise gar keine Standvögel im eigentlichen Wortsinn gibt. Als Vogelzug müssten dann nicht nur die Reisen über hunderte oder tausende von Kilometern gelten, sondern auch kürzere Flüge zwischen den Überwinterungs- und den Brutgebieten.
Zugvögel, die früh im Brutgebiet ankommen, finden eher einen Partner und/oder ein gutes Territorium zum Brüten und erhöhen so ihren Fortpflanzungserfolg. Zu früh im Jahr aufzubrechen kann jedoch auch schnell lebensgefährlich werden, wenn die Umgebungsbedingungen noch zu rau und winterlich sind. Für Standvögel hingegen gab es bisher noch keine Untersuchungen darüber, wann sie im Brutgebiet ankommen. Vermutlich wurde angenommen, dass die meisten Tiere auch außerhalb der Brutzeit im Gebiet bleiben.
Die Blaumeise ist in ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet ein Teilzieher, gilt aber im Rest Europas als Standvogel. In einem Studiengebiet in Bayern haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie mit Hilfe eines selbst entwickelten und konstruierten Beobachtungssystems alle dort vorkommenden Blaumeisen über das ganze Jahr erfasst. Den einzelnen Tieren konnten sie über eine PIT-Markierung folgen. Diese „Passiv-Integrated-Transponder“ sind kleine Chips mit einer individuellen Kennzahl. Sie werden von außen durch ein Lesegerät aktiviert, welches in 16 Futterautomaten und allen 277 Nistkästen im Gebiet eingebaut wurde. So konnten die Forscher*innen die genauen Besuchszeitpunkte jedes PIT-markierten Vogels registrieren und darüber die Ankunftszeit jedes erwachsenen Vogels im Studiengebiet bestimmen.
Am Ende der Brutzeit im Juni hörten die Blaumeisen für einige Monate auf, die Nistkästen zu besuchen. Viele Individuen wurden dann erstmalig wieder im Herbst an einem Futterautomat oder einer Nestbox registriert (zwischen Ende August und Oktober). Ein weiterer Schwung Vögel kam im Winter an (zwischen Januar und März). „Durch diese Daten gehen wir davon aus, dass einige Vögel wirkliche Standvögel gewesen sind, die auch den Winter im Brutgebiet verbracht haben, während andere das Gebiet nach dem Brüten verlassen haben“, sagt Carol Gilsenan, Erstautorin der Studie.
Unterschiedliche Ankunftszeiten des Partners erklärt das Vorkommen von Scheidungen
Überraschenderweise tauchen einzelne Tiere jedes Jahr ungefähr zur gleichen Zeit im Brutgebiet auf – und das, obwohl sich die Ankunftszeiten über acht Monate erstrecken. Dabei erreichen Männchen das Brutgebiet im Allgemeinen früher als Weibchen.
Vögel, die schon zuvor gemeinsam gebrütet haben, tauchen fast gleichzeitig wieder im Brutgebiet auf. Eine frühere Studie aus der Forschungsabteilung zeigt jedoch, dass die Männchen und Weibchen nach ihrer Ankunft nicht geduldig auf den Partner warten: Taucht er oder sie nicht innerhalb einer Woche auf, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Trennung stark an. „Bei einer kurzlebigen Art wie der Blaumeise würden Tiere, die sich fürs Warten entscheiden, am Ende vielleicht ohne Gelege dastehen“, erklärt Gilsenan.
Die Wissenschaftler fanden, dass früh ankommende Vögel auch eher brüten und dass die Ankunftszeit sich auf zahlreiche Aspekte des Bruterfolges auswirkt. Wie weit sich einige der Blaumeisen vom Brutgebiet entfernen und wo sie die Wintermonate verbringen, bleibt unklar. Bart Kempenaers, der die Untersuchung geleitet hat, ist sich jedoch sicher: „Unsere Daten zeigen, dass möglicherweise die meisten Blaumeisen das Brutgebiet außerhalb der Brutzeit verlassen. Zugvögel und Nicht-Zugvögel unterscheiden sich vielleicht vor allem darin, wie weit sie dann fliegen.“ Ob weitere Untersuchungen der saisonalen Bewegungen von Individuen die Gegensätzlichkeit zwischen „Standvögeln“ und „Zugvögeln“ aufbricht, bleibt abzuwarten.
Originalpublikation:
Carol Gilsenan, Mihai Valcu, Bart Kempenaers (2020). Timing of arrival in the breeding area is repeatable and affects reproductive success in a non-migratory population of blue tits. Journal of Animal Ecology, veröffentlicht am 12.01.2020 (https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1365-2656.13160) Weiterlesen

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Portrait: Amerikanischer Aal

Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Kohorte: Elopomorpha
Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
Familie: Anguillidae
Gattung: Aale (Anguilla)
Art: Amerikanischer Aal  (Anguilla rostrata)

Amerikanischer Aal (Duane Raver – U.S. Fish & Wildlife Service)

Sein Körper ist wie der anderer Aalartiger schlangenartig lang gestreckt. Männchen erreichen eine Länge von bis zu 152 Zentimetern, Weibchen von bis zu 122 Zentimetern. Das dokumentierte Maximalgewicht liegt bei 7,3 Kilogramm. Der relativ lange Kopf trägt die kleinen Augen weit vorne. Die Lippen sind kräftig. Ausgewachsene Tiere sind bräunlich bis blauschwarz mit hellem, bis weißem Bauch. Jungtiere weisen einen gelblichen Rand an der Schwanz- und Afterflosse auf. Die Schwanzflosse ist abgerundet und mit der Rücken- und der Afterflosse verwachsen. Die Kiemenöffnung sitzt vor der unteren Hälfte der gut entwickelten Brustflosse. Der Unterkiefer ist länger als der Oberkiefer. Weiterlesen

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Portrait: Meeraal

Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Kohorte: Elopomorpha
Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
Familie: Meeraale (Congridae)
Gattung: Conger
Art: Meeraal (Conger conger)
Meeraal (Brehms Tierleben)

Meeraal (Brehms Tierleben)

Der lange, zylindrische Körper des Meeraals ist schuppenlos. Er besitzt zwei gut ausgebildete Pectoralia. Über dem Hinterende der einzelnen Pectoralia liegt der Beginn der Dorsalis, welche sich über den gesamten Körper hinfort zieht. Dorsalis und Analis sind am posterioren Ende mit der Caudalis verschmolzen. Der Oberkiefer des Meeraals ist etwas länger als der Unterkiefer. Beide Kiefer sind jeweils mit zwei Reihen an Zähnen bestückt. Weiterlesen

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Portrait: Europäischer Aal

Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Kohorte: Elopomorpha
Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
Familie: Anguillidae
Gattung: Aale (Anguilla)
Art: Europäischer Aal (Anguilla anguilla)
Aal (Brehms Tierleben)

Aal (Brehms Tierleben)

Der Europäische Aal ist in ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika beheimatet. Er hat einen schlangenförmigen, langgestreckten, drehrunden Körper. Die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen durchgängigen Flossensaum. In der dicken Haut sind sehr kleine Rundschuppen eingebettet. Der europäische Aal hat ein oberständiges Maul, das heißt, der Unterkiefer ist etwas länger als der Oberkiefer. Die Färbung der Oberseite kann zwischen schwarz und dunkelgrün, die der Unterseite zwischen gelb (junger, sog. Gelbaal) und weiß (erwachsener, sog. Blankaal) variieren.
Erwachsene Weibchen können bis zu 150 cm lang und 6 kg schwer werden, Männchen erreichen nur 60 cm Länge. Solche Größen werden aber extrem selten erreicht, und schon ein Weibchen von einem Meter Länge ist ausgesprochen groß. Vom Amerikanischen Aal ist der Europäische Aal äußerlich kaum zu unterscheiden. Weiterlesen

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Schmetterlinge

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6. Zooreise 2015 – Tag 8: Rückkehr (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 3. Juli 2015)
Ursprünglich waren Besuche in den Zoos von Dresden, Chemnitz und Limbach-Oberfrohna geplant. Aufgrund meines Zustands (der über Nacht nicht wirklich besser wurde und ich eigentlich nur heim wollte. Immerhin musste wir keine Zwischenstopps einlegen), besuchten wir keinen davon und machten uns auf den geraden Weg nach Hause.

Ich weiß nicht ob ich es einrichten kann einen oder mehrere dieser Zoos in diesem Jahr noch zu besuchen. Das war Zooreise sechs, eine weitere ist noch in Planung (soll aber eher in Richtung Westeuropa gehen) und bisher ist eine spontane Zwischenreise nicht in Sicht, hilfreiche Feiertage sind nicht in Sicht und Urlaubstage schwinden auch dahin.
Vielleicht 2016 wieder.

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TTT: 10 Neuerscheinungen, auf die ich mich 2020 freue

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Torolf E. Kroglund: Reise mit Aal (Rezension)

Die Geschichte der Aale fasziniert die Menschen seit jeher. Und doch wissen wir immer noch viel zu wenig über diesen schlangenartigen Fisch. Was vielen Menschen gar
nicht bewusst ist: Die Aale verschwinden, und zwar so rapide, dass sie schon in wenigen Jahren ausgestorben sein können. So ist der Bestand des europäischen Aals in den letzten zehn Jahren um 90 % zurückgegangen. Der Schriftsteller, Journalist und Sportfischer Torolf Kroglund geht der Frage nach, warum das so ist, und folgt dem Aal dafür durch ganz Europa. Seine Reise beginnt auf der norwegischen Insel Frøya, wo er als Kind Aale fing, und führt ihn danach u. a. nach Deutschland, Spanien, England und die Niederlande. Unterwegs begegnet ihm ein breites Spektrum an Themen rund um die Natur, er erfährt aber auch persönliche Herausforderungen. Beides flicht Kroglund auf faszinierende Weise in seine Erzählung ein.
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Wildgehege Moritzburg

Bereits im albertinischen Sachsen des 16. Jahrhunderts errichtete der sächsische Herzog Moritz im später nach ihm benannten Moritzburg ein herrschaftliches Jagdhaus. Er erklärte den Friedewald, einen etwa um 1500 durch Georg den Bärtigen umfriedeten Wald, zum ausschließlichen Jagdgebiet für die Herrscher Sachsens. Fortan war die Jagd im Friedewald den Adligen vorbehalten. Moritz’ Nachfolger, Kurfürst August von Sachsen, ließ Ende des 16. Jahrhunderts erste Gehege anlegen, um den Wildbestand für die zahlreichen Treib- und Parforcejagden zu sichern. Das Jagdhaus wurde von 1656 bis 1672 zum Jagdschloss Moritzburg ausgebaut. Der sächsische Kurfürst Johann Georg IV. ließ 1693 die ursprünglichen Wildgatter zu einem Thiergarten erweitern, um die Wildbestände für die zunehmenden herrschaftlichen Jagden weiter zu garantieren. Teile der originalen Bruchsteinmauern sind erhalten geblieben und dienen noch immer als Gehegebegrenzung. Aus der Zeit August des Starken, Kurfürst von Sachsen ab 1694, ist die Bezeichnung Menagerie aller seltenen Arten von Hochwild für das Wildgehege überliefert. Dieser Name deutet darauf hin, dass hier auch seltenere Tiere, wie zum Beispiel Wölfe und Bären, gefangen gehalten wurden. Sie dienten zum einen der Vorführung und der Demonstration des kurfürstlichen Reichtums, zum anderen kamen sie im Rahmen von Festlichkeiten am sächsischen Hof bei Tierkämpfen oder -hetzen zum Einsatz. Weiterlesen

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6. Zooreise 2015 – Tag 7: Der Beginn vom Ende (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 2. Juli 2015)
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