Jan Zweyer: Der vierte Spatz (Rezension)

Durch einen Unfall gelangt aus einem Forschungslabor ein für Vögel hochansteckendes und tödliches Virus in die Umwelt. Innerhalb weniger Monate sterben daran fast alle Vögel auf der Erde. Die Folgen sind verheerend. Doch damit nicht genug: Sollte das Virus mutieren und auf den Menschen übergehen, wäre eine Pandemie kaum noch aufzuhalten.
Doch warum wurde überhaupt an diesem Virus geforscht?
Die Journalisten Karola Rothschild und Alex Stewart kommen einem Verbrechen auf die Spur, das nicht nur sie, sondern die gesamte Menschheit auszulöschen droht.

Es muss ja nicht immer eine menschenbedrohende Viruspandemie oder Insektensterben sein. Es geht auch anders …
Und muss dabei nicht einmal an den Haaren herbeigezogen werden.
Aber es ist nicht leicht einen dauerhaft spannenden Thriller mit (ehr oder weniger) aktuellem Bezug zu schreiben und ich erlebe dieses Phänomen bei vielen Wissenschaftsthrillern. Es beginnt spannend, aber die Lösung und das Ende sind unbefriedigend. Aber zumindest das kann ich sagen: Das Ende passt zum Buch und der Story, ist also absolut nachvollziehbar.
Der Beginn ist spannend geschrieben und wirft zahlreiche Fragen auf, nach deren Auflösung der Leser dürstet. Der Leser bekommt einen Einblick in wissenschaftliche (nicht ganz legale) Arbeiten und die Unwissenheit diverser universitärer Einrichtungen. Leider verliert sich die Spannung im zweiten teil und auch wenn es interessant bleibt, so muss ich sagen: Interessant ist nicht unbedingt spannend.
Vielleicht liegt das auch an den Hauptpersonen, zu denen mir der Zugang fehlte. Sie wirkten zu oberflächlich und eine Charakterentwicklung konnte ich auch nicht erkennen, obwohl im Laufe der Handlung auch etwas Zeit vergeht.
Das Thema ist interessant und regt auch zum Nachdenken an (nicht wegen des Virus, eher die Überlegung was passiert, wenn eine Tiergruppe verschwindet. Und es spielt keine Rolle ob es Insekten, oder wie in diesem Fall Vögel, handelt)

Der Vierte Spatz ist ein netter Thriller, der eine gute Idee im Sand verlaufen lässt. Er beginnt stark, lässt aber schnell nach.
Schade, ich hatte mir mehr erwartet.

(Rezensionsexemplar)

Veröffentlicht unter Rezension | Schreib einen Kommentar

Christopher McDougall: Das Glück ist grau (Rezension)

Wie ein Esel sich und seine Menschen verwandelte
Warme Augen, vorwitzige Ohren, die Hufe eines Champions und das Herz eines Helden: Das ist Sherman. Doch der kleine Esel strotzte nicht immer vor Lebensfreude – ganz im Gegenteil. Als Christopher McDougall ihn bei sich aufnimmt, ist er so stark verwahrlost, dass kaum jemand an sein Überleben glaubt. Fest entschlossen, Sherman seinen Lebenswillen zurückzugeben, fasst McDougall den wahnwitzigen Plan, ihn für Eselrennen auszubilden, wie man sie in den Rocky Mountains veranstaltet. Auf seinem Weg zum selbstbewussten Läufer wird Sherman von McDougalls Familie, Freunden, Nachbarn und ein paar seiner Artgenossen begleitet. Und erweist sich dabei für einige seiner Gefährten als Quelle des Trostes und der Unterstützung.
Christopher McDougall gelingt es, ein authentisches Bild des ländlichen Amerikas zu zeichnen – lebendig, liebevoll, unverkitscht. Und er führt uns vor Augen, was die meisten von uns verloren haben: die jahrtausendealte enge Verbindung von Mensch und Tier.
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Rezension | Schreib einen Kommentar

Gerald Durrell: Das Fest der Tiere (Rezension)

Der Jersey Zoo (früherer Name Durrell Wildlife Park) ist ein zoologischer Garten, der vom englischen Autor und Naturforscher Gerald Durrell (1925–1995) im Jahr 1958 auf der Kanalinsel Jersey gegründet wurde. Er wird vom Durrell Wildlife Conservation Trust betrieben, der seit 1964 hier auch seinen Sitz hat (früherer Name Jersey Wildlife Preservation Trust).
Durell begann seine Karriere als Tierfänger für Zoos, kam aber zur Überzeugung, dass es wichtiger sei, dass sich Zoos mehr um den Erhalt von Tieren kümmern, anstatt diese zur Unterhaltung auszustellen.
Es gelang ihm (am Arsch der Welt … oder zumindest irgendwo im Meer) seinen Traum zu verwirklichen.
GeraldDurrell war aber nicht nur Zoodirektor, er war auch Schriftsteller, der neben einigen Romane (u. a. Der Spottvogel) auch seine eigenen Erlebnisse (als Kind und als Erwachsener) autobiografisch niederlegte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Rezension | Schreib einen Kommentar

Cats (Musical)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Der Schabrackenschakal in Brehms Tierleben

Schabrackenschakal (Brehms Tierleben)

Der Schabrakenschakal (Canis mesomelas, Vulpes mesomelas, Canis variegatus) ist sehr niedrig gestellt und von allen übrigen Schakalen schon hierdurch, mehr noch aber durch die Bildung seines Kopfes unterschieden. Dieser hat den Bau des Fuchskopfes und zeichnet sich besonders aus durch die sehr großen, am Grunde breiten, oben spitzig zulaufenden, ein gleichmäßiges, unten etwas verschmälertes Dreieck bildenden, dicht nebeneinanderstehenden Ohren, welche eher an die des Fenek als an die des Schakals erinnern. Die großen braunen Augen haben runden Stern. Der Schwanz reicht bis zum Boden herab, wird jedoch gewöhnlich aufrecht gekrümmt getragen. Das Fell ist dick, fein und kurzhaarig. Die Färbung, ein schönes Rostroth, geht nach unten zu in Gelblichweiß über. Die ganze Oberseite deckt eine seitlich scharf begrenzte Schabrake von schwarzer Färbung mit weißlicher Fleckenzeichnung. Auf dem Halse wird diese Schabrake durch eine nach hinten zu undeutliche weiße Linie eingefaßt. Die Fleckenzeichnung ändert sich, je nach der Lage der Haare, da sie überhaupt nur durch das Zusammenfallen einer Menge von Haarspitzen entsteht, welche sämmtlich lichte Färbung haben. Kehle, Brust und Bauch sind weiß oder lichtgelb. An den Innenseiten der Läufe dunkelt diese Färbung, und zwischen den Vorderläufen geht sie in Grau über. Das Kinn ist röthlich, aber sehr hell, wenig von der lichteren Kehle abstechend. Auf dem Kopfe mischt sich Grau unter die allgemeine rostrothe Färbung. Der Rücken der sehr spitzen, fuchsartigen Schnauze ist schwarz, während die Lippen sehr licht, fast weiß erscheinen. Die Ohren sind außen und am Rande lebhaft rostroth, innen mit gilblichen Haaren besetzt. Vor ihnen steht jederseits ein gelber Fleck, und ein ähnlich gefärbter umrandet auch das Auge, unter dem sich dann noch ein dunklerer Streifen hinzieht. Ein dunkles Halsband, wie es die meisten übrigen Hunde und namentlich die Schakale zeigen, fehlt dem Schabrakenschakal gänzlich. Der Schwanz ist an der Wurzel rostfarben wie der übrige Leib, sodann aber, in den letzten zwei Dritteln der Länge, schwarz. An Länge übertrifft der Schabrakenschakal seinen Verwandten, an Höhe steht er ihm nach. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar

Klein Vogtland 2

Klein Vogtland 1

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Meeresaquarium Oberwiesental

Eingang (Meeresaquarium Oberwiesenthal)

Der Kurort Oberwiesenthal bietet mit seinem Meeresaquarium Deutschlands höchstgelegenes Korallenriff. Bei einem Wasservolumen von 23000 Litern und einer Länge von 17 Metern ist es zugleich das längste Korallenriff Deutschlands. Dort kann man zahlreiche Meeresbewohner sehen, Fische und Wirbellose.
Das Hauptaugenmerk des Meeresaquariums liegt dabei bei Meeresbewohnern (Süßwasserfische sucht man dort vergeblich).
Daneben finden ich aber noch 38 kleinere Terrarien mit Fröschen, Spinnen, Skorpionen und Insekten. Stumpfkrokodile bewohnen eine 78 qm große Anlage.
Angeblich hat das Meeresaquarium auch Schwarzspitzenriffhaie, aber gesehen habe ich sie nicht.
Oberwiesenthal ist eher bekannt als Wintersportort, aber wenn man mal vom Skitourismus Abstand nehmen möchte, bietet sich ein Besch im Meeresaquarium an.
Preislich ist es auch erschwinglich und beim Besuchen des Aquariums ist das Parken kostenlos.

Mehr über das Meeresaquarium erfährt man hier und hier (Zootierliste)

Veröffentlicht unter Zoovorstellung | Schreib einen Kommentar

7. Zooreise 2017 – Tag 3: Vogtland, Erzgebirge, Tschechien ….mit dem Auto durch die Pampas… (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 2. November 2017)

Der letzte Tag unseres verlängerten Wochenendes war angebrochen.
Geplant waren Besuche im Tierpark Chemnitz (weil das Wetter zumindest etwas Sonnenschein und keinen Regen versprach), das Meeresaquarium in Oberwiesenthal und das Fischereimuseum in Tirschenreuth (warum auch immer…).
Bevor wir unsere Heimatreise antraten genossen wir noch ein leckeres Novotel-Frühstück. Es gab sogar leichte Veränderungen zu gestern (u. a. Eier mit Kaviar und kalter Braten, nichts, was mich angesprochen hätte). Chiapudding gab es auch, gestern und heute, geschmacklos, aber gegessen haben wir ihn trotzdem (heute hatte ich ihn mit Bircher Müsli gemischt, da fiel die Geschmacklosigkeit gar nicht auf, die Chiasamen merkte man nur, weil sie in den Zahnzwischenräumen hängen blieben.
Leider läuft der Pachtvertrag für das Novotel in Gera aus … was danach kommt, weiß man allerdings noch nicht. Schade eigentlich, aber es gibt auch noch andere Novotels, wenn auch kein Accor-Hotel mehr in Gera. (Inzwischen haben wir aber wieder im Novotel in Geraübernachtet … es ging also weiter)
Auf dem Weg nach Chemnitz wurde das Wetter schlechter, es wurde bewölkter, aber es blieb trocken. Mein letzter Besuch im Tierpark Chemnitz war 2014. Seit dem hat sich einiges getan. Es wäre allerdings schöner, und auch dem Tierpark sicher nicht abträglich, wenn die Gitter verschwinden würden. Es gibt viele Möglichkeiten, Tieranlagen ansprechend zu gestalten, das dürfte auch nicht so teuer sein. Aber trotz der negativen Schlagzeilen, die man vom Tierpark immer wieder hört, ist der Zoo nicht so schrecklich, wie man vermuten möchte. Es gibt schlimmere … Weiterlesen

Veröffentlicht unter Archiv, Zoo-Reise | Schreib einen Kommentar

Zoopresseschau

Münchener Tierpark 16.10.2020
Giovanna, Nookie und Nuna: Die neue Eisbären-Weibchen-Gruppe in Hellabrunn
Die Eisbären-Anlage in Hellabrunn ist jetzt ganz offiziell eine Dreier-Damen-WG: Denn vor kurzem wurden die beiden weiblichen Neuzugänge erfolgreich mit der Hellabrunner Eisbärin Giovanna zusammengeführt. Zwölf Tage – seit der taggleichen Ankunft der beiden Neuzugänge Anfang Oktober – hat die stufenweise Eingewöhnung der neuen Eisbären-Wohngemeinschaft im Münchner Tierpark gedauert und verlief insgesamt sehr harmonisch: Zunächst erkundeten die zwei neuen Eisbärinnen die Felsenanlage in der Hellabrunner Polarwelt getrennt voneinander. Die jeweilig andere Jungbärin konnte dabei von der anderen Seite des sogenannten Schmuse-Gitters zusehen. Beim gegenseitigen Beschnüffeln und den sanften Berührungen mit der Schnauze durch die Stäbe vermittelten beide einen solch entspannten Eindruck, dass sie bereits wenige Tage nach ihrem Eintreffen zusammengeführt werden konnten. Anfangs noch etwas schüchtern, wagte die jüngere, fast dreijährige Eisbärin Nanook, die in ihrem Geburtszoo – der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen – den Spitznamen „Nookie“ bekommen hat, den ersten Schritt und forderte die bald vier Jahre alte Eisbärin aus Frankreich zuerst zum Spielen auf. Tags darauf waren die beiden bereits ein Herz und eine Seele und sind seither praktisch nur noch als lebhaftes Doppelpack an Land und im Wasser unterwegs. Eine Woche nach ihrem Eintreffen erkundeten sie die Tundra-Anlage in Hellabrunn bereits gemeinsam. „Trotz des grauen Herbstwetters haben sich die beiden Neu-Münchnerinnen schon hervorragend hier eingelebt. Sie sprühen vor Energie und sind sehr verspielt. Für Besucherinnen und Besucher gibt es hier immer etwas Spannendes zu beobachten“, so Verena Dietl, Aufsichtsratsvorsitzende der Münchener Tierpark Hellabrunn AG und 3. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München. „Da beide Neuzugänge phonetisch denselben Namen tragen, wenn auch in unterschiedlicher Schreibweise, hat die Eisbärin aus Frankreich von ihrem Tierpaten nun einen neuen Hellabrunner Hausnamen erhalten. Sie wird im Münchner Tierpark fortan mit dem Namen ‚Nuna‘ gerufen“, verkündet Tierparkdirektor Rasem Baban. „Wie schon ihr Zuchtbuch-Name ‚Nanuq‘ wohnt auch ihrem neuen Namen eine Bedeutung inne. Der Name ‚Nuna‘ entstammt ebenfalls einem Wort aus der Inuit-Sprache und soll so viel wie ‚das Land, das an die nördlichen Ozeane angrenzt‘ heißen.“ Französische Eisbären-Fans dürften jedoch beruhigt sein: Im Europäischen Zuchtbuch für Eisbären, in dem alle europäischen Zoos geführt werden, die sich an der Erhaltungszucht für diese bedrohte Tierart beteiligen, bleibt ihr eingetragener Name „Nanuq“ bestehen. Sollte Nuna Hellabrunn also eines Tages auf Empfehlung des Zuchtbuchkoordinators verlassen, kann sie gegebenenfalls wieder den in Zoos sehr beliebten Eisbären-Namen „Nanuq“, der in der Inuit-Sprache „Eisbär“ bedeutet, annehmen. Im Rahmen der schrittweisen Eingewöhnung lernten Nuna und Nookie am vergangenen Montag ebenfalls ihre neue Mitbewohnerin, die erwachsene Eisbärin Giovanna, kennen. Die Zusammenführung der drei wurde durchaus mit Spannung erwartet. Gegenüber ihrer dreijährigen Tochter Quintana, die Hellabrunn im Juli verlassen hat, hatte sich Giovanna zuletzt ablehnend verhalten. Der Grund hierfür: Die fast ausgewachsene, junge Eisbären-Dame hatte immer noch versucht, bei ihrer Mutter zu trinken: eine Unannehmlichkeit, die bei den Neuzugängen nicht mehr zu erwarten ist. „Der Vorteil einer reinen Weibchen-Haltung ist, dass wir den Tundra- und Felsenteil der Eisbären-Anlage nun nicht mehr zeitweise abtrennen müssen, da das Zusammenleben in einer reinen Weibchen-Haltung in der Regel sehr gut funktioniert. Die Eisbärinnen können so entscheiden, in welchem Teil der Anlage sie sich gerade aufhalten möchten“, so Beatrix Köhler, Leiterin der Zoologischen Abteilung und Kuratorin für Eisbären. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Zoopresseschau | Schreib einen Kommentar

Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

13.10.2020, Forschungsverbund Berlin e.V.
Auf der Spur neuartiger Krankheitserreger bei Wildtieren
Erste wissenschaftliche Beschreibung einer bislang unbekannten Streptokokkenart von Chaco-Pekaris
Die Artenvielfalt von Zoo- und Wildtieren spiegelt sich in der Verschiedenartigkeit ihrer Krankheitserreger wider. Leider ist das Wissen sehr begrenzt und ihr Nachweis oft schwierig. Bei der für Menschen und Tiere bedeutenden Bakterienfamilie der Streptokokken ist die Wildtierforschung nun einen Schritt vorangekommen.
Ein Forscherteam unter Leitung von Kristin Mühldorfer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und Tobias Eisenberg vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) untersuchte die Ursachen von schweren Atemwegserkrankungen bei Nabelschweinen und charakterisierte eine neue Streptokokkenart (Streptococcus catagoni sp. nov.) taxonomisch anhand ihrer phänotypischen und genetischen Eigenschaften. Die im „International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology“ veröffentlichten Ergebnisse tragen zu einem besseren Verständnis und der sicheren Identifizierung der neuen Bakterienart bei.
Die Familie der Streptokokken beinhaltet natürlich auf der Haut und den Schleimhäuten vorkommende Bakterien und bedeutende Krankheitserreger. Neben Streptokokkenarten, die bei Menschen und verschiedenen Wirbeltieren vorkommen, enthält die Familie Arten, die eine Anpassung an bestimmte Wirte oder Lebensräume zeigen und nur dort nachgewiesen wurden. Dazu gehören Streptococcus castoreus bei Bibern, Streptococcus didelphis bei bestimmten Beuteltierarten oder Streptococcus phocae bei Meeressäugern und Fischen.
Die Autorinnen und Autoren untersuchten eine bisher unbekannte Streptokokkenart genauer, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in einer zoologischen Haltung von Chaco-Pekaris (Catagonus wagneri) zu schweren Erkrankungen geführt hat. Betroffen waren vor allem Tiere im ersten Lebensjahr, die eitrige Infektionen der oberen und unteren Atemwege zeigten. Mindestens fünf Pekaris verstarben an der Infektion. Die neue Bakterienart wurde nach ihrer Herkunft als Streptococcus catagoni sp. nov. benannt.
„Es sind die ersten bestätigten Fälle bei Chaco-Pekaris“, sagt Dr. Kristin Mühldorfer, Wissenschaftlerin am Leibniz-IZW. Das Chaco-Pekari ist eine stark gefährdete Art, die eine stete Abnahme der Populationsgröße zeigt. „Leider kennen wir oft nicht die Bedeutung von Infektionskrankheiten in Wildtierpopulationen und die beteiligten Krankheitserreger“, so Mühldorfer. Die Gründe liegen in der Artenvielfalt, fehlenden Erkenntnissen zum Gesundheitszustand und in der eingeschränkten Erreichbarkeit der Tiere in ihren Lebensräumen.
Neuartige Infektionserreger werden bei Zoo- und Wildtieren häufiger beobachtet. Doch diese Erreger können mit etablierten Testsystemen und Datenbanken oft nicht identifiziert werden, womit sich der zeitliche und methodische Aufwand der Labore erheblich steigert. Die MALDI-TOF Massenspektrometrie bietet hier eine gute Lösung, da die Identifizierung der Bakterien über neu definierte Referenzspektren schnell und verlässlich erfolgen kann. Die Datenbankeinträge für Streptococcus catagoni wurden am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart erstellt und können über die MALDI-TOF MS User Plattform (https://maldi-up.ua-bw.de/) ausgetauscht werden.
„Wir freuen uns über die gelungene Zusammenarbeit der beteiligten Institute, die wir zukünftig gerne fortsetzen möchten“, sagen Kristin Mühldorfer und Tobias Eisenberg. Das Ziel der Mikrobiolog*innen ist es, Erkenntnisse über bakterielle Infektionserreger von Wildtieren zu sammeln, und deren Vorkommen und Bedeutung in bestimmten Arten zu untersuchen. Moderne Ansätze in der Wildtierforschung fördern den Nachweis von Krankheitserregern und die Entwicklung geeigneter diagnostischer Verfahren, um bestehende Grenzen zu überwinden und Artenschutzbemühungen zu unterstützen.
Originalpublikation:
Mühldorfer K, Szentiks CA, Wibbelt G, van der Linden M, Ewers C, Semmler T, Akimkin V, Blom J, Rau J, Eisenberg T (2020): Streptococcus catagoni sp. nov., isolated from the respiratory tract of diseased Chacoan peccaries (Catagonus wagneri). International Journal of Systematics and Evolutionary Microbiology.
Doi: https://doi.org/10.1099/ijsem.0.004471 Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wissenschaft/Naturschutz | Schreib einen Kommentar