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Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

21.07.2026, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Bandwurm lässt Ameisen länger leben
Arbeiterinnen der Ameisenart Temnothorax nylanderi, die vom Bandwurm Anomotaenia brevis befallen sind, leben um ein Vielfaches länger als ihre nicht infizierten Nestgenossinnen. Außerdem sind sie weniger aktiv, während ihr Stoffwechsel zum Teil dem von Königinnen ähnlicher wird. Eine neue Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die nun in der Fachzeitschrift BMC Genomics erschienen ist, zeigt die molekularen Hintergründe dieses ungewöhnlichen Effekts.
Ein Bandwurm verändert das Leben von Ameisen grundlegend: Arbeiterinnen der Art Temnothorax nylanderi, die vom Bandwurm Anomotaenia brevis befallen sind, leben um ein Vielfaches länger als ihre nicht infizierten Nestgenossinnen. Außerdem sind sie weniger aktiv, während ihr Stoffwechsel zum Teil dem von Königinnen ähnlicher wird. Eine neue Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die nun in der Fachzeitschrift BMC Genomics erschienen ist, zeigt die molekularen Hintergründe dieses ungewöhnlichen Effekts. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass der Parasit vorhandene biologische Programme der Ameise verändert. Für den Bandwurm könnte diese Veränderung vorteilhaft sein, denn die Ameisen dienen ihm als Zwischenwirte. Vollständig entwickelt sich der Parasit erst in Spechten, seinen Endwirten. Dass infizierte Arbeiterinnen länger leben und weniger aktiv sind, könnte seine Weitergabe begünstigen.
Für die Studie untersuchte das Team um Prof. Dr. Susanne Foitzik vom Institut für Organismische und Molekulare Evolution (iomE) der JGU Ameisen aus dem Lennebergwald bei Mainz. Diese wurden im Labor drei Gruppen zugeordnet: Königinnen, vom Bandwurm infizierten Arbeiterinnen und nicht infizierten Arbeiterinnen. Aus den Tieren präparierten die Forschenden jeweils Gehirn und Fettkörper, ein unter anderem für Stoffwechsel und Immunsystem wichtiges Gewebe im Hinterleib. Anschließend analysierten sie mithilfe von RNA-Sequenzierung, welche Gene in den Gehirnen und Fettkörpern aktiv waren. Zusätzlich untersuchten sie Genom- und Transkriptomdaten des Bandwurms, also Daten zu seinem Erbgut und zu den Genen, die in ihm aktiv sind. So sollte geprüft werden, ob der Parasit körpereigene Signalstoffe der Ameisen nachahmt.
Infektion verändert Physiologie der Ameisen gezielt
„Unsere Genanalysen zeigen, dass die Infektion die Ameisen nicht einfach krank macht, sondern ihre Physiologie sehr gezielt verändert“, sagt Susanne Foitzik. „Auf molekularer Ebene zeigten befallene Arbeiterinnen ein in Teilen königinnenähnliches Profil.“ Besonders deutlich wurde dies im Fettkörper. „Dort fanden sich deutliche Überschneidungen zwischen infizierten Arbeiterinnen und Königinnen.“ Betroffen waren unter anderem Gene, die mit Stoffwechsel, Immunsystem, Stressresistenz und Alterungsprozessen zusammenhängen. „Die Befunde im Fettkörper sprechen dafür, dass der Bandwurm an vorhandene Signal- und Stoffwechselwege der Ameise anknüpft und diese verschiebt“, so Foitzik. Für die Alterung der Tiere ist dieser Befund besonders interessant: Aus früheren Untersuchungen zu diesem Ameisen-Bandwurm-System ist bekannt, dass infizierte Arbeiterinnen Überlebensraten aufweisen, die denen von Königinnen näherkommen. Königinnen dieser Art können bis zu 20 Jahre alt werden, während Arbeiterinnen in der Regel nur ein bis zwei Jahre leben. Dass infizierte Arbeiterinnen im Fettkörper teilweise ein königinnenähnliches molekulares Profil zeigen, könnte dazu beitragen, diesen Effekt zu erklären.
Gedämpfte Signale im Gehirn
Anders sah das Bild im Gehirn aus. Dort ähnelten infizierte Arbeiterinnen den Königinnen deutlich weniger. Stattdessen waren viele Neuropeptide, also Botenstoffe, die Verhalten, Nahrungsaufnahme und soziale Reaktionen beeinflussen können, sowie ihre Rezeptoren herunterreguliert. Die veränderte Aktivität dieser Signalwege könnte dazu beitragen, dass infizierte Arbeiterinnen weniger arbeiterinnentypisches Verhalten zeigen. „Der Effekt der Infektion ist also gewebespezifisch“, erklärt Giulia Blasi, Erstautorin der Studie und Doktorandin am iomE. „Im Fettkörper sehen wir eine Verschiebung in Richtung eines königinnenähnlichen Stoffwechselprofils. Im Gehirn dagegen werden viele Signalwege gedämpft, die mit Verhalten und Aktivität zusammenhängen.“
Eine mögliche Erklärung wäre gewesen, dass der Bandwurm Botenstoffe der Ameisen nachahmt, indem er eigene Neuropeptide bildet, die denen der Ameisen ähneln und so deren Signalsystem täuschen. Dafür fanden die Forschenden jedoch keine Hinweise, da die vom Parasiten gebildeten Peptide denen ihres Wirts nicht ausreichend ähnelten. „Die Daten sprechen eher dafür, dass der Parasit die Ameise indirekt beeinflusst, indem er in körpereigene Regulationsnetzwerke eingreift, die unter anderem Stoffwechsel, Immunsystem, Alterung und Verhalten steuern“, so Blasi.
Modell für parasitäre Manipulation
„Königinnen und Arbeiterinnen sozialer Insekten haben dieselbe genetische Grundlage, unterscheiden sich aber stark in Lebensweise und Lebensdauer“, sagt Susanne Foitzik. „Dass infizierte Arbeiterinnen im Fettkörper teilweise ein königinnenähnliches molekulares Profil zeigen, deutet darauf hin, dass der Parasit an vorhandene biologische Programme der Ameise anknüpft.“ Das Ameisen-Bandwurm-System liefere daher ein geeignetes Modell, um zu untersuchen, wie Parasiten Alterung und Verhalten ihrer Wirte verändern können.
Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Daran beteiligt waren Susanne Foitzik, Giulia Blasi und Katharina Schwolow von der JGU sowie Hugo Darras von der Zhejiang University in Hangzhou, China.
Originalpublikation:
G. Blasi et al., Cestode infection is linked to transcriptional shifts in neuropeptide signalling and caste-specific ageing pathways in a social insect, BMC Genomics, 15. Juni 2026,
DOI: 10.1186/s12864-026-12959-6
https://link.springer.com/article/10.1186/s12864-026-12959-6 Weiterlesen

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Kängurus

Sumpfwallaby
Bennettkänguru
Parmakänguru

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Dr. Nacktmaus

Es begann als Spielerei, aber irgendwie hat mich das nicht mehr los gelassen, und es wurden immer mehr Nacktmäuse … die, immer wieder nach passenden Gelegenheiten suchten, unter das Volk gebracht zu werden (einige davon sind sehr persönlich und tatsächlich nur für einzelne Personen entstanden, andere kann man vielseitig verwenden).
Und es werden mehr und mehr … Und inzwischen hat der kleine Kerl (der hin und wieder Farbe und Geschlecht ändert, aber wenn stört’s) auch einen Namen: Dr. Nacktmaus (irgendwie offensichtlich)

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6. Zooreise 2026 – Something Rotten

Geplant war es nicht, aber wenn sich ein Gedanke festsetzt und nicht gehen will, muss man dem Impuls einfach nachgehen. Also haben wir uns (mehr oder weniger) spontan für einen Besuch in Bad Hersfeld entschieden, um dort SOMETHING ROTTEN zu sehen.
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Celine Edinger: Die Austernfischerin (Rezension)

Pazifische Auster (ChatGPT)

Die Pazifische Auster stammt ursprünglich aus den Küstengewässern des westlichen Pazifiks von Sachalin (etwa 48° N) im Norden bis nach Kyūshū (Japan) im Süden, an der Festlandsküste bis Südchina (ca. 30° N). Sie wurde aber mittlerweile über große Teile der Welt als Zuchtauster verbreitet. Nach genetischen Analysen stammten die Zuchttiere von der Küste der Präfektur Miyagi im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshū. Von den Austernkulturen in Europa hat sie sich weiter verbreitet. 1964 wurde die Art in der Oosterschelde (Niederlande) ausgesetzt, von wo sie sich anschließend nach Nordwesten ausbreitete und etwa 1980 das Wattenmeer bei Texel erreichte. Im Bereich der deutschen Nordseeküste wurde sie erstmals 1986 in der Nähe der ersten deutschen Austernfarm westlich von Norddeich entdeckt. Bis 2002 gab es nur wenige Pazifische Austern im Niedersächsischen Wattenmeer. Inzwischen wird befürchtet, dass das Neozoon aufgrund des Fehlens von Fressfeinden und durch mildere Winter die Miesmuscheln als vorherrschende Muscheln verdrängen könnte. Auch im Mittelmeer wurde sie angesiedelt, wo sie sich von den Austernfarmen weiter ausgebreitet hat.
Die Pazifische Auster ersetzt in der Nordsee aber nicht die dort bis 1930 durch Überfischung ausgerottete Europäische Auster (Ostrea edulis), da diese Art Austernbänke ausschließlich im flachen Sublitoral bildete. Weiterlesen

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TTT: Neuerscheinungen des zweiten Halbjahres

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Godzilla Minus One und Godzilla Minus Zero

Ende des Jahres erscheint der neueste japanische Godzilla-Film: GODZILLA MINUS ZERO.
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Luke Reagan und die ausgestorbene Tierwelt…

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Zoopresseschau

Zoo Heidelberg 17.07.2026
Spendenlauf für Schildkröten geht in die zweite Runde
Zoolauf-Anmeldung ab sofort möglich Laufen und den Bau des Schildkrötenhauses auf der Zielgeraden unterstützen: Am Sonntag, den 06. September 2026 organisiert der Zoo Heidelberg erneut einen Zoolauf mit dem Ziel eine hohe Spendensumme für die Heidelberger Schildkröten zu erreichen. Der Zoo Heidelberg freut sich auf zahlreiche Läufer, die zusätzlich zum Startgeld eine Spende für die Riesenschildkröten eintragen. Diese Spenden fließen in den Bau des neuen Schildkrötenhauses für die vier Aldabra-Riesenschildkröten, die möglichst noch in diesem Jahr nach Heidelberg zurückkehren sollen. Der diesjährige Spendenlauf startet am Sonntag, 06. September 2026 um 9 Uhr bei der Elefanten-Trainingswand. Die Strecke führt vorbei am Flamingosee und der Löwenanlage, über den Wehrsteg entlang des Neckarkanals und schließlich zurück in den Zoo. Die Teilnehmer können zwischen einer, zwei oder drei Runden mit einer Länge von jeweils rund drei Kilometern wählen. So ist der Lauf sowohl für Freizeitläufer als auch für ambitionierte Sportler geeignet. Die Startplätze sind begrenzt, eine Anmeldung ist ab sofort bis zum 30. August 2026 online unter https://tickets.zoo-akademie.org/Zoolauf2026/ möglich. Die Spenden unterstützen den Neubau des Schildkrötenhauses im Zoo. Im Februar 2022 wurde das bisherige Gebäude während eines Sturms so schwer beschädigt, dass es vollständig abgerissen werden musste. Die vier Riesenschildkröten wurden glücklicherweise nicht verletzt, musste jedoch übergangsweise in einen anderen Zoo umziehen. Inzwischen ist der Rohbau abgeschlossen und als nächstes entsteht der Holzbau. Nach der Fertigstellung des neuen Hauses erwartet die Besucher zudem ein ganzjährig zugänglicher Ausstellungsbereich rund um den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Tierwelt. Zu den Höhepunkten werden die vier Aldabra-Riesenschildkröten zählen, die nach Abschluss der Bauarbeiten nach Heidelberg zurückkehren. „Der Schildkrötenlauf verbindet sportliches Engagement mit einem konkreten Beitrag für den Zoo Heidelberg“, sagt Zoodirektor Klaus Wünnemann. „Wir freuen uns, dass viele Menschen den Bau des neuen Schildkrötenhauses mit zusätzlichen Spenden unterstützen.“ Die Startgebühr beträgt für Erwachsene 20 Euro, für Kinder bis 12 Jahre 10 Euro und deckt die organisatorischen Kosten. Ein exklusives Laufshirt mit dem Laufmotiv kann für 12 Euro pro Person erworben werden. Mit einer zusätzlichen freiwilligen Spende unterstützen die Sportler den Bau des neuen Schildkrötenhauses. Die Spenden leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung des Projekts und kommen direkt dem neuen Zuhause der Schildkröten zugute. Ein besonderes Dankeschön erwartet zudem jeden Läufer, der einen Spendenbetrag ab 50 Euro tätigt. Diese Spender dürfen sich auf eine Einladung zur feierlichen Eröffnung des Schildkrötenhauses freuen. Als Erinnerung erhalten alle Läufer eine Teilnehmerurkunde sowie ein kleines Erinnerungsgeschenk. Im Anschluss an den Lauf werden die schnellsten Zeiten ausgezeichnet. Wer am Veranstaltungstag nicht mitlaufen kann, hat trotzdem die Möglichkeit, das Vorhaben zu unterstützen: Über die Kooperation „Team Schildkröte Heidelberg“ mit dem WWF. Jede Mitgliedschaft trägt zum Bau des neuen Schildkrötenhauses und gleichzeitig zum Schutz bedrohter Meeresschildkröten an der Küste Mexikos bei. Weiterlesen

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Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

13.07.2026, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Schon wirbellose Tiere können sich auf Krankheitserreger anpassen
Meeresbiologie: Veröffentlichung in Nature Communications
Forschende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und der Universität Kiel untersuchten die Funktion des Immunsystems in einem einfachen Tier, einer Seeanemone. Sie entdeckten, dass das Immunsystem dieser Tiere in der Lage ist, zwischen verschiedenen Mikroorganismen gezielt zu unterscheiden und damit nützliche gegenüber schädlichen Bakterien zu fördern – eine Fähigkeit, die bisher nur Wirbeltieren zugeschrieben wurde. Eine wichtige Rolle dabei spielen die „Nematosomen“, wie die Forschenden nun in der Fachzeitschrift Nature Communications beschreiben. Die Ergebnisse sind im Sonderforschungsbereich SFB 1182 entstanden.
Das sogenannte angeborene Immunsystem gilt als die erste Verteidigungslinie gegen Krankheitserreger. Nach der klassischen Lehrmeinung reagiert es schnell, aber weitgehend unspezifisch auf eindringende Mikroorganismen. Dagegen wird dem „adaptiven Immunsystem“ der Wirbeltiere die Fähigkeit zugeschrieben, zwischen nützlichen und schädlichen Mikroorganismen gezielt zu unterscheiden. Denn erst das adaptive Immunsystem besitzt Antikörper und Gedächtniszellen, die durch den Kontakt mit Krankheitserregern im Laufe des Tierlebens trainiert werden.
In der nun in Nature Communications erschienenen Studie zeigt ein Forschungsteam um Prof. Dr. Sebastian Fraune vom HHU-Institut für Zoologie und Organismische Interaktionen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dass diese Sichtweise ergänzt werden muss. Die Forschenden wiesen nach, dass bereits ein evolutionär sehr ursprüngliches Tier, die Seeanemone Nematostella vectensis, Mikroorganismen gezielt unterscheiden kann – obwohl sie ausschließlich über ein angeborenes Immunsystem verfügt.
Im Mittelpunkt der Arbeit standen frei bewegliche Zellverbände im Inneren der Seeanemone, die sogenannten Nematosomen. Die Forschenden zeigten, dass diese Strukturen bevorzugt fremde Bakterien aufnehmen und abbauen, während sie die natürlich zur Seeanemone gehörenden und für sie nützlichen Bakterien, ihr „Mikrobiom“, weitgehend verschonen. Auf diese Weise tragen die Nematosomen dazu bei, eine stabile und gesunde Gemeinschaft im Mikrobiom zu erhalten.
Eine Schlüsselrolle spielt das Gen cJun, das die Funktion der Nematosomen steuert. Mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 schaltete die Forschenden dieses Gen gezielt aus. Die veränderten Tiere bildeten deutlich weniger Nematosomen und verloren die Fähigkeit, fremde und körpereigene Bakterien zuverlässig zu unterscheiden. Dadurch geriet das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht und die Tiere wurden anfälliger für bakterielle Infektionen.
Dr. Nida Kaya ist Erstautorin der Studie, die Forschungen waren Schwerpunkt ihrer Promotion: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gezielte Erkennung von Mikroorganismen kein Privileg des adaptiven Immunsystems ist. Vielmehr besitzen bereits Wirbellose hochentwickelte Mechanismen, mit denen sie ihre nützlichen Mikroorganismen fördern und potenziell schädliche Bakterien gezielt kontrollieren können.“
Prof. Fraune ergänzt: „Die Fähigkeit, Mikroorganismen selektiv erkennen zu können, ist damit vermutlich deutlich älter als bisher angenommen. Sie entwickelte sich bereits früh in der Evolution der Tiere. Dazu liefert diese Studie wichtige neue Erkenntnisse über die evolutionären Ursprünge des Immunsystems. Sie zeigt, wie Tiere seit Hunderten von Millionen Jahren das Gleichgewicht zwischen nützlichen Mikroorganismen und Krankheitserregern aufrechterhalten.“
Hieraus ergeben sich neue Perspektiven, um das angeborene Immunsystem und dessen evolutionären Entwicklung zu erforschen. Gleichzeitig wirft die Studie Frage auf, wie weit die Leistungsfähigkeit des angeborenen Immunsystems tatsächlich reicht. Die Seeanemone bietet dafür ein gutes Modellsystem, um grundlegende Prinzipien der Immunbiologie zu entschlüsseln, die bis heute in vielen Tiergruppen erhalten geblieben sein können.
Prof. Fraune: „Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Immungedächtnis bei wirbellosen Tieren. Auch ohne adaptives Immunsystem scheinen sie, nach einer ersten Begegnung mit bestimmten Krankheitserregern, bei einem erneuten Kontakt schneller oder wirksamer reagieren zu können. Dieses Phänomen wird als ‚Immune Priming‘ oder angeborenes Immungedächtnis bezeichnet.“
Die in der Studie beschriebenen Nematosomen bieten ein vielversprechendes Modellsystem, um die zellulären und molekularen Grundlagen solcher Gedächtniseffekte zu untersuchen. Da die Zellen zwischen eng verwandten Bakterienstämmen unterscheiden können und ihre Aktivität durch cJUN gesteuert wird, lassen sich künftig gezielt die Signalwege erforschen, die einer verbesserten Wiedererkennung von Mikroorganismen zugrunde liegen.
Sonderforschungsbereich SFB 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“
Der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ist ein interdisziplinäres Netzwerk unter Beteiligung von rund 80 Forschenden, das die Interaktionen spezifischer Mikrobengemeinschaften mit vielzelligen Wirtslebewesen untersucht. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden.
Ziel ist es zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule in Kiel zusammengeschlossen.
Originalpublikation:
N. H. Kaya, M. Abukhalaf, G. Fuentes, J. Taubenheim, U. Hentschel, A. Tholey & S. Fraune; c-JUN controls microbial colonization via selective phagocytosis in the sea anemone Nematostella; Nat Commun 17, 6087 (2026)
DOI: 10.1038/s41467-026-75511-w Weiterlesen

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