Zoobesuche im März

Fleischfressende Pflanzen (Tiergarten Ulm)

Anfang März gab es eine kleine Zooreise nach Tripsdrill. Nicht zum ersten Mal und bestimmt nicht zum letzten Mal haben wir ein Wochenende während der Faschingsferien genutzt um im Wildparadies im Baumhaus zu übernachten und abends Glühwein zu trinken und eine Führung zu den Wölfen des Wildparks zu machen … immer wieder schön. Und nachts haben wir auch die Wölfe gehört, was auch immer ein kleines Highlight ist … und ein bisschen gruselig. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Zoobesuch - Update | Schreibe einen Kommentar

Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

24.03.2025, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Wer ruft da? Fledermäuse lösen sensorische Konflikte und erkennen Täuschungsversuche
Würden Sie jemandem helfen, der um Hilfe ruft, wenn diese Person unversehrt direkt vor Ihnen steht? Wahrscheinlich nicht – und Fledermäuse haben ähnliche Vorbehalte, wie eine neue Studie in Current Biology zeigt. Forschende vom Museum für Naturkunde Berlin und der Universität Neapel Federico II zeigen, dass Fledermäuse visuelle oder geruchliche Eindrücke mit akustischen Signalen abgleichen, um die Realität einer Situation einzuschätzen.
Wenn Fledermäuse von Fressfeinden gefangen werden, stoßen sie sogenannte Notrufe (distress calls) aus, die den Angreifer erschrecken oder Artgenossen alarmieren können. Häufig nähern sich Fledermäuse rufenden Artgenossen in Not, vermutlich um die Gefahr abzuschätzen oder um den Fressfeind zu vertreiben. Die Wissenschaftler*innen nutzten dieses Szenario, um zu testen, ob Fledermäuse Gruppenmitglieder anhand stimmlicher Merkmale individuell erkennen können.
Das Forschungsteam, bestehend aus Mirjam Knörnschild, Martina Nagy und Danilo Russo, analysierte zunächst die akustischen Eigenschaften der distress calls wildlebender Fledermäuse der Art Saccopteryx bilineata in Panama. Sie fanden heraus, dass distress calls individuelle stimmliche Merkmale aufweisen, die es ermöglichen, einzelne Fledermäuse anhand ihrer Stimme statistisch zu unterscheiden.
Um zu überprüfen, ob diese stimmlichen Fingerabdrücke für die Fledermäuse von Bedeutung sind, spielten die Forschenden den Tieren distress calls von Gruppenmitgliedern vor. Diese Playbacks, die in unmittelbarer Nähe ihres Tagesquartiers abgespielt worden, simulierten die unmittelbare Not eines Gruppenmitglieds. Dabei setzten die Forschenden eine Methode ein, bei der die vermittelten Informationen über Gruppenmitglieder entweder übereinstimmten oder widersprüchlich waren. So konnten sie testen, wie Fledermäuse auf widersprüchliche sensorische Signale reagieren.
Im plausiblen Szenario hörten die Fledermäuse distress calls eines Gruppenmitglieds, das das Tagesquartier gerade verlassen hatte. Im unmöglichen Szenario ertönten distress calls eines Gruppenmitglieds, das sich nachweislich noch im Quartier befand, während ein anderes Gruppenmitglied das Quartier verlassen hatte. Erstaunlicherweise reagierten die Fledermäuse nur auf das plausible Szenario – im unmöglichen Szenario, bei dem die distress calls räumlich nicht zum Aufenthaltsort des Rufenden passte, ignorierten die Fledermäuse die Playbacks vollständig. Dies zeigt, dass Fledermäuse sensorische Eindrücke abgleichen und Widersprüche erkennen können – ein Hinweis auf fortgeschrittene kognitive Fähigkeiten.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Fledermäuse über eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit verfügen“, erklärt Mirjam Knörnschild. „Indem sie Informationen aus verschiedenen Sinneskanälen integrieren, können sie soziale Signale interpretieren und angemessen reagieren – eine entscheidende Fähigkeit für ihre sozialen Interaktionen.“
Die Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, wie stimmliche Individualität komplexe soziale Strukturen bei Fledermäusen unterstützt. „Große Sackflügelfledermäuse leben in stabilen sozialen Gruppen, in denen die individuelle Erkennung vermutlich essenziell für soziale Interaktionen ist. Wir haben beobachtet, dass dominante Männchen als Erste auf distress calls reagieren – was ihre wichtige Rolle in der Kolonieverteidigung unterstreicht“, erläutert Martina Nagy. Zudem stellte das Team fest, dass größere Gruppen stärker auf distress calls reagierten, was darauf hindeutet, dass größere Gruppen eine höhere kollektive Reaktionsbereitschaft zeigen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung multisensorischer Integration bei sozialen Tieren und vertiefen unser Verständnis von Tierkommunikation und Kognition. „Die Fähigkeit, sensorische Informationen zur individuellen Erkennung zu kombinieren, ist ein Kennzeichen fortgeschrittener Kognition, wie man sie bei Primaten oder Elefanten findet“, erklärt Danilo Russo. „Unsere Studie trägt zur wachsenden Forschung über Tierkommunikation bei und hebt die kognitiven Fähigkeiten von Säugetieren mit komplexem Sozialverhalten hervor.“
Die Forschungsarbeiten wurden mit wildlebenden Großen Sackflügelfledermäusen auf Barro Colorado Island, einer Forschungsstation des Smithsonian Tropical Research Institute in Panama, durchgeführt. Das Projekt wurde durch Fördermittel der Baden-Württemberg Stiftung sowie des Europäischen Forschungsrats (ERC) im Rahmen des Horizon 2020-Programms der Europäischen Union (2014–2020) / ERC GA 804352 unterstützt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wissenschaft/Naturschutz | Schreibe einen Kommentar

Portrait: Gelbbrust-Pfeifgans

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Pfeifgänse (Dendrocygninae)
Gattung: Dendrocygna
Art: Gelbbrust-Pfeifgans  (Dendrocygna bicolor)

Gelbbrustpfeifgans (Amerikatierpark Limbach-Oberfrohna)

Gelbbrust-Pfeifgänse zeigen keinen Geschlechtsdimorphismus; das Männchen ist lediglich etwas größer als das Weibchen und das Gefieder der Weibchen ist etwas matter. Beide Geschlechter wiegen etwa 700 Gramm. Die Körperlänge beträgt 48 bis 53 Zentimeter. Pfeifgänse zählen zu den langbeinigen Enten. Ihr gesamtes Erscheinungsbild ist eher gänse- als entenähnlich.
Der Schnabel der Gelbbrust-Pfeifgans ist lang und grau gefärbt. Der Kopf hat eine längliche Form. Kopf, Brust und Flanken sind lehmgelb gefärbt, während der Schwanz und die Flügel kastanienbraun gefiedert sind. Ein weißes „V“, das im Flug gut sichtbar ist, trennt die dunklen Schwanzfedern und den Rumpf. Die Küken zeigen am Kopf und an der Oberseite ein dunkelgraues Dunenkleid. Ihre Körperunterseite sowie ein breites Nackenband und die Gesichtszeichnung sind schmutzig weiß gefärbt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Tierportrait | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

Portrait: Zaupelschaf

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Ziegenartige (Caprini)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: (Armenisches) Wildschaf (Ovis gmelini)
Unterart: Hausschaf (Ovis gmelini aries)

Waldschaf (Wildpark Hundshaupten)

Das Zaupelschaf war ein kleines, zierliches Tier mit feinem Knochenbau, vielfältiger Farbgebung und charakteristischer Mischwolle. Während die Böcke beeindruckende Hörner trugen, waren weibliche Tiere teilweise hornlos. Auffällig waren die kleinen, waagrecht abstehenden, spitzen Ohren, das unbewollte Gesicht mit einer geraden Nasenlinie und einem markanten Wollschopf auf der Stirn, der sogenannten Schaupe. Zudem hatte das Zaupelschaf einen langen, dicht bewollten Schwanz, der bis mindestens zu den Sprunggelenken reichte. Bis in die Neuzeit war es die dominierende Schafrasse im Alpenraum, und sein genetisches Erbe lebt in den heutigen traditionellen alpenländischen Schafrassen weiter. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Ausgestorben, Tierportrait | Verschlagwortet mit , | Schreibe einen Kommentar

Portrait: Zaire-Flösselhecht

Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Cladistia
Ordnung: Polypteriformes
Familie: Flösselhechte (Polypteridae)
Gattung: Eigentliche Flösselhechte (Polypterus)
Art: Zaire-Flösselhecht (Polypterus delhezi)

Zaire-Flösselhecht (Naturkundemuseum Karlsruhe)

Der Zaire-Flösselhecht wird maximal 44 Zentimeter lang. Der Oberkiefer ist etwas länger oder gleich lang wie der Unterkiefer. Auf dem Rücken hat er 10 bis 13 der für Flösselhechte typischen Flössel. Die Afterflosse hat 11 bis 14 Flossenstrahlen. Die Brustflossen reichen angelegt nicht bis zum ersten Flössel. Ober- und Unterkiefer sind gleich lang, oder der Unterkiefer ist etwas kürzer.
Wie bei allen Flösselhechten ist sein Körper mit harten Ganoidschuppen bedeckt. Die Anzahl der Schuppen entlang des Seitenlinienorgans beträgt 52 bis 58, eine Reihe rings um den Körper hat 36 bis 40 Schuppen. Vor den Flösseln befinden sich 12 bis 17 Schuppen.
Die Fische sind olivgrau, der Bauch gelblich oder weiß. Auch die Unterseite des Kopfes ist heller. An den Flanken hat der Zaire-Flösselhecht sieben bis acht unregelmäßige, aber deutlich sichtbare schwarze Querbinden die vom Rücken bis zur Seitenmitte reichen. Die Flossen sind gelb mit schwarzen oder braunen Punkten oder einer dunklen Querzeichnung. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Tierportrait | Verschlagwortet mit | Schreibe einen Kommentar

TTT: Leuchttürme

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Top Ten Thursday | 9 Kommentare

Annabelle Chase: Spellbound 5 – Lieber verhext als verstorben (Rezension)

Die angehende Hexe Emma beschließt, eine Therapie zu machen und hofft, dass ihre Vampir-Therapeutin sie nicht aus Versehen aussaugt. Zuzutrauen wäre es ihr. Zum Glück sorgt ihre Freundschaft mit dem Architekten Markos, dem begehrtesten Minotaurus von Spellbound, für Abwechslung! Als jedoch in dessen neuestem Projekt der Bauinspektor tot aufgefunden wird, findet sich Emma schnell in ihrer nächsten Mordermittlung wieder. Leider ist sie so abgelenkt wie noch nie, denn sie muss ständig an den Engel Daniel und dessen Verlobung denken. Doch wenn Emma nicht bald ihren Kopf frei bekommt, könnte sie das nächste Opfer des Killers werden …
LIEBER VERHEXT ALS VERSTORBEN, Teil 5 der CosyFantasyreihe SPELLBOUND. Diesmal muss sich Emma mit einem toten Satyr, der Verlobung ihres Schwarms Daniel, einer komischen Therapeutin, einem Date mit einem Minotaurus und einem Werlöwen, der im Besitz von illegalem Nachtschatten auseinandersetzen. Und natürlich diversen anderen Kreaturen … inklusive Geistern, Harpyien und anderem…
Da hat nicht nur Emma einiges zu tun, der Leser wird auch gut unterhalten. SPELLBOUND muss man einfach lieben, leichte Unterhaltung für zwischendurch, dabei alles andere als langweilig und durchaus kreativ. Und was den Humor anbelangt … da kommt man auch nicht zu kurz. Der hartgesottene UrbanFantasyfan wird mit der Serie nicht viel anfangen können, dafür ist sie vielleicht doch etwas zu seicht, aber wer sich in die Tiefen der Feel Good Stories ohne ernsten Hintergrund hinablassen möchte, der ist wirklich willkommen. Und ich gebe es gerne zu … ich mag die Geschichten und ich freue mich auf die Fortsetzungen, zumal die Geschichte mit Daniel und Emma noch nicht zu Ende ist und ich auf die Auflösung gespannt bin. Abgesehen davon gibt es aber noch viele andere Geheimnisse zu entdecken und zu lüften. Wenn die einzelnen Bände nicht so kurz wären …

Veröffentlicht unter Rezension | Schreibe einen Kommentar

Josh L. Davis: Queer (Rezension)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Rezension | Schreibe einen Kommentar

Zoopresseschau

Zoo Augsburg, 24.03.2025
Aus dem März-Newsletter
Wegen der Beschränkungen durch Vogelgrippe gibt es bei den Änderungen im Tierbestand nicht viel zu berichten. Es wurden keine Tiere abgegeben und Neuzugänge aus anderen Zoos gibt es ebenfalls nicht.
Ein Höckerschwan und ein Fukien-Waldrebhuhn sind verstorben.
Die letzte Testung mit fast 100 Proben war ohne positiven Befund was AIV betrifft. Somit muss „nur“ noch die 90 Tagesfrist eingehalten werden, und die Sperrung ist vorbei. Damit ist auch die Tropenhalle wieder für die Besucher geöffnet und alle Beschränkungen was Tiertransporte angeht beendet.
Es kam dann noch eine vierte Geburt bei den Hirschziegenantilopen hinzu, und beiden Jungtieren geht es bisher ganz hervorragend.
Geboren wurde außerdem ein Springtamarin – beachtlich, war die letzte Geburt doch erst vor etwas mehr als sieben Monaten.
Ebenfalls geboren wurde mindestens ein Baumstreifenhörnchen, genaueres über die Anzahl kann man erst sagen, wenn sie so selbständig sind, dass sie ihre Höhle verlassen.
Wegen der Beschränkungen durch die Vogelgrippe keine Neuzugänge im Berichtszeitraum.
Die Kragenbären haben ihre Winterruhe beendet.
Das Übergangsquartier für die Wasserbüffel ist nahezu fertig, der Umzug der vier Büffel wird in den nächsten Wochen erfolgen.
Nachdem die Abrissarbeiten zunächst erledigt sind, kann man erst richtig sehen wir groß das Areal für die zukünftige Himalaya-Anlage eigentlich ist. Ebenfalls erkennt man nun die Steilheit der Hügel, passend zum Lebensraum der später hier gehaltenen Tiere.
Sprayer Herr Oschatz war wieder im Zoo unterwegs. Nach der Tropenhalle und dem Paviangehege hat er dieses Mal den Kiosk am Spielplatz und den Eingangsbereich der Schimpansen gestaltet. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Zoopresseschau | Schreibe einen Kommentar

Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

20.03.2025, Technische Universität Berlin
Schwindende Artenkenntnisse und Naturverbundenheit unter der Jugend
Forschende untersuchten das Wissen über einheimische Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge und konstatieren einen Zusammenhang zwischen Alter und der Bereitschaft, sich für Fauna und Flora einzusetzen
Die Kenntnis häufiger Tier- und Pflanzenarten, die Naturverbundenheit unter den Generationen und deren Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen, nehmen von älteren zu jüngeren Menschen ab. Das ist ein wesentliches Ergebnis der Studie „From nature experience to pro-conservation action: How generational amnesia and declining nature-relatedness shape behaviour intentions of adolescents and adults“. Unter Leitung von Prof. Dr. Tanja Straka und Prof. Dr. Ingo Kowarik wurde erstmals systematisch untersucht, wie sich Jugendliche, junge Erwachsene und ältere Erwachsene hinsichtlich ihres Naturkontakts, der Artenkenntnis, der Naturverbundenheit und der Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen, unterscheiden. Durchgeführt wurde die Studie am Institut für Ökologie der TU Berlin.
An der Studie nahmen insgesamt 600 Menschen teil: darunter 252 Berliner Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren sowie 215 junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren und 133 ältere Erwachsene zwischen 30 and 76 Jahren aus ganz Deutschland.
Phänomen der Generationenamnesie
Eine weitere wichtige Erkenntnis: Trotz der Unterschiede zwischen den Altersgruppen bestand durchgängig eine direkte (oder indirekte) Verbindung zwischen Artenkenntnis, Naturverbundenheit und der Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen. Demnach fördert ein gutes Artenwissen die Naturverbundenheit, also die emotionale, kognitive und erfahrungsbezogene Verbundenheit mit der Natur. Ist diese erhöht, steigt wiederum die Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen. „Es lohnt sich also, die Artenkenntnis und Naturverbundenheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern. Dabei sollte auch die Chance genutzt werden, Wissen und Erfahrungen über Natur über Generationen hinweg weiterzugeben“, sagt Prof. Dr. Tanja Straka, die Erstautorin der Studie. Mittlerweile lehrt und forscht sie an der FU Berlin.
Wie notwendig das ist, belegen die abnehmenden Artenkenntnisse im Übergang von älteren zu jüngeren Teilnehmenden der Studie. Verschiedene Organismengruppen sind zudem unterschiedlich gut bekannt: Schmetterlinge weniger als Vögel, und Vögel weniger als Pflanzen. So können 73 Prozent der Jugendlichen die Brombeere richtig benennen, aber nur 29 Prozent die Elster und nur noch 3 Prozent den Tagfalter Kleiner Fuchs. Im Vergleich dazu erkennen immerhin 22 Prozent der älteren Erwachsenen diesen in Deutschland verbreiteten Schmetterling, 61 Prozent die Elster und 84 Prozent die Brombeere. Das bestätigt das Phänomen der ‚generational amnesia‘, das einen Verlust an Kenntnissen über die Natur im Übergang von älteren zu jüngeren Generationen annimmt.
Den Tagfalter Kleiner Fuchs kennt kaum jemand
Insgesamt sollten die 600 Teilnehmenden zwölf Arten bestimmen: Bei der Gruppe der Vögel das Rotkehlchen, die Amsel, die Elster, den Haussperling. Als Schmetterlinge den Kleinen Kohlweißling, den Zitronenfalter, das Tagpfauenauge, den Kleinen Fuchs und bei den Pflanzen die Brombeere, die Brennnessel, die Silber-Birke sowie die Rosskastanie als wichtigen Stadtbaum. Die Arten, die über alle drei Gruppen hinweg am häufigsten richtig benannt wurden, waren Brennnessel (86 Prozent), Haussperling (67,3 Prozent) und Zitronenfalter (58,2 Prozent). Die Arten, die über alle drei Gruppen hinweg am seltensten richtig benannt wurden, waren die Rosskastanie (52,8 Prozent), die Elster (41,5 Prozent) und der Kleine Fuchs (10,8 Prozent). Keine der zwölf Arten wurde von allen Teilnehmenden richtig benannt.
Weiterhin sollten die Teilnehmenden Angaben zur Häufigkeit ihrer Grünflächenbesuche machen sowie dazu, inwieweit sie sich mit der Natur verbunden fühlen und sich für sie einsetzen würden. Während es bei der Häufigkeit der Grünflächenbesuche keine Unterschiede zwischen den Altersgruppen gab, nahmen die Naturverbundenheit und die Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen, signifikant von älteren hin zu jüngeren Teilnehmenden ab. Der Wert für Naturverbundenheit sank von 3,98 auf 3,09, und der Wert für die Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen, betrug 3,76 bei älteren Erwachsenen, aber nur noch 2,82 bei Jugendlichen.
Veränderte Lebensstile von Kindern und Jugendlichen
„Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine Herausforderung für heutige und zukünftige Generationen – auf globaler wie lokaler Ebene. Viele Studien haben nachgewiesen, wie wichtig Naturerfahrungen, eine emotionale Verbindung zur Natur sowie Wissen über Tier- und Pflanzenarten sind, damit Menschen sich für die Natur einsetzen. Allerdings wurde auch gezeigt, dass aufgrund veränderter Lebensstile Kinder und Jugendliche häufig weniger Kontakt zur Natur haben und auch weniger als Erwachsene über Natur wissen. Damit wird die Befürchtung verbunden, dass sich zukünftige Generationen weniger für die Erhaltung der Natur einsetzen werden“, sagt Prof. Dr. Tanja Straka.
Ein überraschendes Ergebnis der Berliner Studie kam bei der Auswertung der Häufigkeit des Grünflächenbesuchs zutage, ein etablierter Indikator für Naturerfahrungen. Anders als erwartet, gab es hier keine Unterschiede zwischen den Altersgruppen. „Die Bereitstellung von Grünflächen und anderen naturnahen Gebieten in Städten reicht nicht aus, wenn wir Naturerfahrungen und die damit verbundenen positiven Effekte für Naturverbundenheit und Einsatzbereitschaft für die Natur fördern wollen“, sagt Prof. Dr. Ingo Kowarik, der von 1999 bis 2021 das Fachgebiet Ökosystemkunde, insbes. Pflanzenökologie der TU Berlin leitete. Insofern lege die Berliner Studie, so der Ökologe, zwei Konsequenzen nahe: „Die erste ist, verstärkt Zugänge zur Kenntnis unterschiedlicher Organismengruppen zu vermitteln, vom Kindergarten bis hin zur universitären Ausbildung. Die zweite Schlussfolgerung: Besonders Kinder und Jugendliche sollten darin unterstützt werden, sich nicht nur im Grünen aufzuhalten, sondern dort auch über die Natur zu lernen und positive emotionale Erfahrungen mit Natur zu gewinnen.“
Weiterführende Informationen:
Link zur online frei verfügbaren Veröffentlichung „From nature experience to pro-conservation action: How generational amnesia and declining nature-relatedness shape behaviour intentions of adolescents and adults: https://link.springer.com/article/10.1007/s13280-025-02135-7 Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wissenschaft/Naturschutz | Schreibe einen Kommentar