Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

07.01.2025, Universität Greifswald
Riechen mit den Beinen – Spinnen nutzen haarähnliche Sinnesorgane, um Duftstoffe zu erkennen
Spinnen können riechen: Sie verwenden haarähnliche Sensillen mit Poren, um flüchtige Substanzen aufzuspüren. Dies ist die Erkenntnis einer Studie, die jetzt (Januar 2025) in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (DOI: www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2415468121) veröffentlicht wurde. Das internationale Autor*innenteam um die die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gabriele Uhl von der Universität Greifswald fand heraus, dass Spinnenmännchen an allen Beinen Tausende von Sensillen haben, mit denen sie Sexuallockstoffe wahrnehmen. Das Projekt wurde von der DFG gefördert.
Der Geruchssinn oder Chemosensing ist für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Tieren von zentraler Bedeutung. Er hilft ihnen beispielsweise, Beute- oder Raubtiere zu erkennen oder Paarungspartner aufzuspüren. Bisher wurde hauptsächlich zur Chemosensorik bei Insekten geforscht, vor allem im Rahmen der Pheromonforschung zur Schädlingsbekämpfung. Obwohl Spinnen als die wichtigste Gruppe natürlicher Feinde von Insekten gelten, da sie schätzungsweise 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten pro Jahr fressen, ist nur wenig über die chemosensorische Welt der Spinnen bekannt.
Das Greifswalder Team der Arbeitsgruppe Allgemeine und Systematische Zoologie am Zoologischen Institut und Museum https://zoologie.uni-greifswald.de/ an der Universität Greifswald wies mit Hilfe eines hochauflösenden Feldemissions-REM (1) Sensillen mit Poren in der Haarwand bei Männchen der Wespenspinne Argiope bruennichi nach. Sie ist eine der wenigen Spinnenarten, für die das Sexualpheromon bekannt ist, das Weibchen produzieren, um Männchen anzulocken. Ähnlich wie die Wand-Poren-Sensillen bei Insekten sind diese Haare innen nicht kompakt, sondern mit Lymphe gefüllt, die wiederum Fortsätze von Neuronen enthält. Dr. Hong-Lei Wang von der Pheromongruppe der Universität Lund testete, ob diese Sensillen, die ausschließlich bei männlichen Spinnen vorkommen, auf das artspezifische Sexualpheromon der Weibchen reagieren. Er konnte eine deutliche und konzentrationsabhängige neuronale Reaktion auf das Pheromon nachweisen.
In einer vergleichenden Untersuchung von 19 Spinnenarten wurden diese nur bei Männchen vorhandenen Sensillen bei den meisten, aber nicht bei allen Arten gefunden. Die vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass die Geruchswahrnehmung mit diesen Sensillen nicht das Grundmuster bei Spinnen ist, sondern sich bei Spinnen unabhängig von anderen Spinnentiergruppen und Insekten entwickelt hat.
Die Forschenden werden nun die Bedeutung des Geruchssinns bei Spinnengruppen mit und ohne diese Sensillen im Kontext von Partnerwahl, Beutefang und Fressfeindvermeidung vergleichen und die morphologischen Unterschiede und die molekulare Ausstattung des Geruchssinns zwischen Insekten und Spinnen erforschen. Diese Untersuchungen und Forschungsergebnisse erweitern das Wissen über die Ökologie von Spinnen und führen zu einem besseren Verständnis der Evolution des Geruchssinns bei landlebenden Gliederfüßern.
Weitere Informationen
„Olfaction with legs – spiders use wall-pore sensilla for pheromone detection“ wurde veröffentlicht und ist erhältlich unter http://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2415468121 (DOI: 10.1073/pnas.2415468121).
(1) Ein Feldemissions-REM ist ein spezielles Rasterelektronenmikroskop. Mit ihm war die 50 000-fache Vergrößerung möglich, um die Poren erkennen zu können. Weiterlesen

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Portrait: Bentheimer Landschaf

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Antilopinae
Tribus: Ziegenartige (Caprini)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: (Armenisches) Wildschaf (Ovis gmelini)
Unterart: Hausschaf (Ovis gmelini aries)

Bentheimer Landschaf Wildpark Reuschenberg)

Das Bentheimer Landschaf ist eine robuste, anspruchslose Hausschaf-Rasse und gilt als die größte deutsche Heideschaf-Rasse.
Die Rasse ist aber nicht mit den Heidschnucken verwandt, sondern in der Region Bentheim/Emsland/Drente zeitgleich durch Kreuzung holländischer und deutscher Heideschafe entstanden. Benannt ist sie nach der Grafschaft Bentheim im südwestlichen Niedersachsen. Sehr eng verwandt ist das Bentheimer Landschaf mit dem Schoonebeker Schaf aus den Niederlanden, das eine Schwesterrasse darstellt und die Entstehungsgeschichte des Bentheimer Landschafes teilt. Erstmals erwähnt wurde das Bentheimer Schaf 1864.
Das Bentheimer Landschaf erreicht eine Widerristhöhe von bis zu 75 cm. Böcke werden 90 bis 110 kg schwer, Mutterschafe bis 75 kg. Die Tiere haben weiße Wolle, um die Augen und an den Füßen gibt es dunkle Stellen.

Besonders geeignet ist die Rasse für die Landschaftspflege und für die Pflege von Sand- und Moorheiden. Im Tierpark Nordhorn, im Wildpark Schwarze Berge und im Freilichtmuseum am Kiekeberg wird das Bentheimer Landschaf als bedrohte regionale Haustierrasse erhalten und gezüchtet.

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Portrait: Gelbschnabelente

Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Anatinae
Tribus: Schwimmenten (Anatini)
Gattung: Eigentliche Enten (Anas)
Art: Gelbschnabelente (Anas undulata)

Gelbschnabelente (Zoo Heidelberg)

Gelbschnabelenten ähneln in Größe und Gestalt den Stockenten. Sie erreichen ein durchschnittliches Gewicht von etwa 900 Gramm. Die Art zeigt nur einen gering ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen ist ein wenig größer und zeichnet sich durch einen längeren Hals aus. Am Kopf ist das Gefieder stärker gestrichelt und wirkt deshalb insgesamt etwas dunkler.
Das Dunenkleid der Gelbschnabelküken gleicht dem der Stockenten. Weiterlesen

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Portrait: Graskarpfen

ohne Rang: Otophysa
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Unterordnung: Karpfenfischähnliche (Cyprinoidei)
Familie: Xenocyprididae
Gattung: Ctenopharyngodon
Art: Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella)

Graskarpfen (Wilhelma)

Graskarpfen haben einen langgestreckten, dem Döbel (Leuciscus cephalus) ähnlichen Körper und werden bis zu 150 Zentimeter lang. Die Schnauze ist stumpf und zwischen den Nasenlöchern eingedellt. Der Mund ist leicht unterständig und weist keine Bartfäden auf. Die Bauchseite ist abgerundet. Der Graskarpfen hat große Schuppen, von denen entlang der Seitenlinie 42 bis 45 vorhanden sind. Unterhalb der Seitenlinie finden sich fünf Schuppenreihen, beim Döbel sind es dagegen nur drei bis vier. Die Rückenflosse weist zehn, die Afterflosse elf Strahlen auf, wovon die ersten drei ungefiedert sind. Die Schlundzähne sind zweireihig, seitlich zusammengedrückt, schräg abgeschliffen und sägeförmig gekerbt. Der Rücken ist dunkelgrün bis grünschwarz gefärbt. Die Flanken sind heller und grünlich, der Bauch ist weißlich. Die Schuppen haben eine dunkle Umrandung (Netzzeichnung). Weiterlesen

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TTT: Meine Flops 2024

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Martin Heimberger: Leise mordet der Schnee (Rezension)

Ein unerwarteter Wintereinbruch – Karlsruhe versinkt im Schnee! Die beiden Frischverliebten Fabienne und Moritz spazieren im winterlichen Tierpark Oberwald durch das romantische Wildgehege. Zwischen Hirschen und Elchen wird Fabienne von einer unheimlichen Krähe angegriffen. Am nächsten Morgen findet ein Tierpfleger im Gehege eine Frauenleiche – Fabienne! Kommissar Schiemann erkennt schnell, dass es sich um ein Verbrechen mit Tierbezug handelt und bittet die Tierflüsterin Kira Mauerfuchs um Hilfe.
LEISE MORDERT DER SCHNEE – Teil 6 der Tierkrimiserie DER BULLE UND DER SCHMETTERLING … diesmal spielt der Karlsruher Stadtgarten keine Rolle (bzw. eine untergeordnete), Schauplatz ist diesmal der Tierpark Oberwald (den ich selbst noch nicht besucht habe … weil ich ihn noch nicht gefunden habe … peinlich aber wahr), aber sonst ist alles beim Alten, irgendwie… Fans der Serie bekommen was sie kennen und erwarten dürfen: Seichte (unblutige) kurzweilige Unterhaltung mit sympathischen, gut harmonierenden Protagonisten, die zwar auch gerne streiten, aber im Großen und Ganzen ist es sehr harmonisch. Und die kleinen Kabbeleien gehören irgendwie dazu und sorgen auch für die eine oder andere humorvolle Szene. Und dann gibt es noch das Speeddating mit Igel … könnte man auch als Folter einmal anders bezeichnen. Die Geschichte ist gewohnt flüssig geschrieben und (leider) schnell gelesen.
Kurzweilig, spannend, ein bisschen Sozialkritik hier, ein paar Seitenhiebe auf die Gesellschaft hier, und alles passt doch zusammen.
Und neben den Mordermittlungen lichten sich die Nebel um den Tod von Kiras Mutter … auch wenn die aufkommenden Fragen mehr werden … ich bin gespannt wie sich das noch entwickeln wird, aber ich freue mich auch auf die nächsten Fälle.

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R. L. Carson: Geheimnisse des Meeres (Rezension)

Denkt man an Rachel Carson (R. L steht für Rachel Louise) fällt einem vielleicht erst ihr bekanntestes Werk DER STUMME FRÜHLING ein. Aber sie hat weitaus mehr geschrieben und getan und ich war neugierig darauf, was an dieser Frau so besonders ist. DER STUMME FRÜHLING kenne ich noch nicht, aber ich habe ein anderes ihrer Bücher zufällig (über einen öffentlichen Bücherschrank) in die Hände bekommen: GEHEIMNISSE DES MEERES.
Aber auch dieses Buch ist bemerkenswert und hat den Ruf der amerikanischen Meeresbiologin gefestigt. Das 1951 erschienene Buch ist das zweite aus ihrer sogenannten Meerestrilogie. Oft als „poetisch“ beschrieben, war es Carsons zweites veröffentlichtes Buch und dasjenige, das sie in die Öffentlichkeit und eine zweite Karriere als Schriftstellerin und Naturschützerin brachte. Einzelne Kapitel und Auszüge erschienen im Vorfeld in Science Digest und Yale Review. Das Kapitel The Birth of an Island („Geburt einer Insel“) gewann den „George Westinghouse Science Writing Preis“ der American Association for the Advancement of Science für den besten wissenschaftlichen Artikel des Jahres 1950. Neun Kapitel des geplanten Buches erschienen als Vorabdruck im Wochenmagazin The New Yorker. Als The Sea Around Us als Buch auf den Markt kam, stand es für 86 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times; es kam später in einer gekürzten Fassung bei Reader’s Digest heraus. Rachel Carson wurde für ihr Buch 1952 mit dem National Book Award und der John Burroughs Medaille sowie zwei Ehrendoktortiteln ausgezeichnet. Weiterlesen

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Pinguine können keinen Käsekuchen backen

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Zoopresseschau

Tierpark Nordhorn 28.12.2024
Über 2.000 Besucher lassen beim „Schoosollenbacken“ das Tierparkjahr ausklingen
Mit dem traditionellen „Schoosollenbacken“ ließen Förderverein, Tierparkmitarbeiter, Nachbarn und Freunde sowie der Groafschupper Plattproater Kring und über 2.000 Besucher das Tierparkjahr ausklingen. „Zwischen den Jahren kommt man mit Freunden und Nachbarn beim Schoosollenbacken zusammen. Diese regionale Tradition leben wir im Nordhorner Familienzoo!“ so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. Schon seit 1995 gibt es diese Tradition im Tierpark bei der man gemeinsam am knisternden Feuer das Jahr verabschiedet. „Bei dem kalten Winterwetter haben wir alle gebackenen Schoosollen zugunsten des Fördervereins verkauft!“ freuten sich die vielen Aktiven. Die bis zu 200 Jahre alten Backeisen, von denen viele mit Familienwappen verziert sind, wurden mit dem duftenden Teig in die beiden Öfen gehalten und die frischen Gebäckstücke anschließend an die Besucher abgegeben. Viele Familien betrachteten das Geschehen rund um die Öfen und schauten voller Vorfreude gebannt in die knisternde Glut. Glühwein, Eierpunsch, Waffeln und Bratwurst vom Bunten Bentheimer Schwein rundeten das traditionelle Fest ab und sorgten für einen stimmungsvollen Jahresausklang. Ebenfalls fast von Anfang an dabei und seit Jahren fester Bestandteil waren die Musiker des Groafschupper Plattproater Krings, die mit ihren Musikstücken die Besucher begeisterten und zum Mitsingen verführten. In diesem Jahr gaben die drei Musiker, die gemeinsam über 250 Jahre alt sind, ihr Abschiedskonzert. Zoodirektor Dr. Nils Kramer bedankte sich bei den Musikern im Namen aller Zoomitarbeiter für die jahrzehntelange, musikalische Unterstützung bei vielen Traditionsveranstaltungen und wünschte ihnen mit launigen Worten noch viele gemeinsame Musikabende ohne den Druck der öffentlichen Auftritte. Insgesamt ein bewegender und würdevoller Abschluss des Tierparkjahres. Das Rezept für Schoosollen ist ein wohlgehütetes Geheimnis jeder Familie, welches von Generation zu Generation weitergegeben wird. Der Teig bekommt erst seine Festigkeit, wenn er eine Nacht geruht hat. Ein bewährtes Rezept ist: 4,5 kg Weizenmehl 2 kg Zucker 750 g Butter 4 Eier 2 Liter Wasser 3 EL Öl Nach Geschmack Vanillezucker, Anis, Zimt Weiterlesen

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Zoobesuche im Dezember

Im Rahmen einer kleinen Reise Ende des Monats wurden auch einige Zoos besucht, trotz des Wetters:
Tierpark Hirschfeld
Zoo Dresden
Zoo Hoyerswerda
Zoo Leipzig
Zoo Halle Weiterlesen

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