Ausgestorbene Wale 2 (Archiv)

(Erstveröffentlichung am 22. März 2017)

Ambulocetus natans (© N. Tamura)

Ambulocetus natans (© N. Tamura)

Bereits in einem früheren Beitrag wurden die Wale Basilosaurus und Livyatan vorgestellt. Die Ordnung der Wale umfasst aber noch weitaus mehr prähistorische Vertreter, einschließlich einiger Arten, die erst den Weg ins Wasser wagten.
Die Ambulocetidae sind eine Gruppe ausgestorbener Vorfahren der Wale. Zu ihnen zählen die Gattungen Ambulocetus, Gandakasia und Himalayacetus. Während die erste durch den Schädel, die Zähne und den größten Teil des übrigen Skeletts bekannt ist, sind von den letzten beiden nur Zähne und Kieferfragmente fossil überliefert worden.
Diese Urwale waren schon gut an ein Leben im Wasser angepasst, konnten sich aber auch noch an Land fortbewegen. In ihrer Lebensweise und der Art der Fortbewegung könnten sie mit den heutigen Ottern, teilweise aber aufgrund ihrer besonderen anatomischen Merkmale auch mit Krokodilen verglichen werden.

Lange wurde angenommen, dass Ambulocetus als urtümlicher Wal neben seiner Schwimmfähigkeit noch die Möglichkeit besaß, sich an Land fortzubewegen. Funktionsmorphologische Untersuchungen von Ando und Fujiwara (2016) konnten jedoch nachweisen, dass der Brustkorb des Tieres zu schwach war, um die beim Gehen einwirkenden Kräfte zu kompensieren. Somit besaß Ambulocetus nicht mehr die Voraussetzung für eine terrestrische Fortbewegung und war bereits zur voll-aquatischen Lebensweise der heutigen Wale übergegangen.
Das Tier, dessen Überreste in Asien entdeckt wurden, wird als Übergangsform angesehen, welche klar zeigt, dass sich Wale aus kleinen, landlebenden Säugetieren entwickelt haben. Der drei Meter lange Ambulocetus wies einige anatomische Gemeinsamkeiten mit heutigen Krokodilen auf, was ein Indiz für eine amphibische Lebensweise ist. Auch seine Hintergliedmaßen waren eher für die Fortbewegung im Wasser als an Land geeignet. Ambulocetus bewegte sich im Wasser wahrscheinlich bereits mit senkrechten, wellenförmigen Bewegungen (Undulation) fort, so wie die modernen Wale. Man hat spekuliert, dass er wie Krokodile jagte, indem er im flachen Wasser lauerte, um unaufmerksame Beutetiere zu ergreifen. Chemische Analysen seiner Zähne zeigten, dass Ambulocetus sowohl in Salz- als auch Süßwassergewässern lebte.
Ambulocetus besaß keine Ohrmuscheln. Um Beutetiere aufzuspüren, legte er möglicherweise seinen Kopf auf den Boden und spürte mit dem Unterkiefer die Vibrationen, die potenzielle Beutetiere verursachten.

Pakicetus inachus (© N. Tamura)

Pakicetus inachus (© N. Tamura)

Die Pakicetidae sind eine Gruppe ausgestorbener früher Vertreter der Wale, die noch Gliedmaßen hatten, die ihnen das Leben an Land ermöglichten. Sie lebten im Eozän in Südasien und ermöglichen wichtige Rückschlüsse auf die Evolution. Es sind drei Gattungen bekannt: Pakicetus, Nalacetus und Ichthyolestes.
Die Pakicetidae ähnelten einander stark im Körperbau und waren etwa fuchs- bis wolfsgroße Tiere, die äußerlich noch wenig Ähnlichkeiten zu den heutigen Walen erkennen ließen. Sie besaßen vier säugetiertypische Gliedmaßen, die für eine Fortbewegung an Land geeignet waren. Einige Anpassungen zeigten aber, dass die Tiere zumindest zeitweise im flachen Wasser gelebt haben könnten, etwa eine Verdickung der Knochen, was den Auftrieb verringert haben könnte. Die Augenhöhlen waren hoch oben am Kopf, die Nasenlöcher befanden sich über den Schneidezähnen. Die Zugehörigkeit zu den Walen lässt sich am Bau der Ohren, der Schädelhöhle und der Backenzähne (in der Anordnung der Höcker) erkennen.
Die Pakicetidae lebten im Eozän vor etwa 50 Millionen Jahren. Fossilfunde sind aus Pakistan und Indien bekannt, und man vermutet, dass in dieser Region die Entwicklung der Wale stattfand.
Pakicetus erreichte ungefähr die Größe eines Wolfes und hatte vier säugetiertypische Gliedmaßen. Die Schnauze war langgestreckt, die Nasenlöcher befanden sich über den Schneidezähnen, die Augenhöhlen waren hoch oben am Kopf. Die Anordnung der Höcker der Molaren, der Bau des Ohres und der Schädelhöhle lassen bereits eindeutig die Zugehörigkeit zu den Walen erkennen. Die Gliedmaßen waren schlank, der Bau des Sprunggelenks glich dem der heutigen Paarhufer. Schulter und Beckengürtel zeigten keine spezifischen Anpassungen an das Wasserleben. Allerdings lässt sich eine Verdickung der Knochen erkennen, was möglicherweise dazu diente, den Auftrieb zu verringern.

Die Remingtonocetidae sind eine Gruppe ausgestorbener Säugetiere aus der Stammlinie der Wale (Cetacea) aus dem Eozän (vor 49 bis 43 Millionen Jahren), deren Fossilien in Indien und Pakistan gefunden wurden. Zu ihnen gehören die Gattungen Andrewsiphius, Attockicetus, Dalanistes, Kutchicetus und Remingtonocetus.
Die Vertreter der Remingtonocetidae lebten wahrscheinlich amphibisch, jagten mit ihren langen Schnauzen nach Art der heutigen Otter nach Fisch. Sie waren schon besser an das Leben im Wasser angepasst als die Ambulocetidae.
Ihre kleinen Augen und die weit auseinander stehenden Ohren deuten darauf hin, das sie sich unter Wasser mit dem Gehör orientierten.

Rodhocetus (Pavel Riha)

Rodhocetus (Pavel Riha)

Rodhocetus ist ein ausgestorbener Vertreter der Vorfahren der Wale. Er gehört zu den frühen Formen, die charakteristische Merkmale von Landsäugetieren besitzen und damit die evolutionäre Entwicklung dieser Tiere vom Land- zum Wasserleben zeigt. Die erste gefundene Art Rodhocetus kasranii zeigte ein großes, mit der Wirbelsäule verschmolzenes Becken, Hinterbeine sowie unterschiedlich gestaltete Zähne auf.
Bei dem später gefundenen Rodhocetus balochistanensis fand man außerdem Knochen der Fußwurzel, die die Hypothese der näheren Verwandtschaft zu den Huftieren unterstützte und zugleich die zu den ausgestorbenen Fleischfressern Mesonychia in Frage stellte. Diese Art wird heute als anerkannter Beweis für die Verwandtschaft mit den Paarhufern gesehen (zu denen die heutigen Schweine und Flusspferde gehören). Die Fußwurzelknochen der Art zeigen eindeutige Merkmale dieser Tiergruppe, während die Gehörknöchelchen eindeutig denen der Wale gleichen. Die ersten Fossilien dieser Art wurden 2000 von Philip Gingerich in Belutschistan (Pakistan) gefunden. Ihr Alter wird auf 47 Millionen Jahre geschätzt. Aus der gleichen Region stammen Fossilien der Pakicetidae, welche weitere Fakten über die Evolution der Wale aufzeigen.

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