Anthony Sheridan/Alex Rübel: Die Zoowelt in Europa 2020 – Sheridans Zoohandbuch 2015 -2030 (Rezension)

Erneut gibt uns Anthony Sheridan einen umfassenden Überblick über die führenden europäischen Zoos und beurteilt diese mit Augenmerk auf die Besucherfaktoren, Bildung und Naturschutz, sowie Management und Organisation, in einer aktualisierten Version seiner überaus bekannten Ranglisten. 2016 enthält seine Untersuchung um die 120 zoologische Einrichtungen aus 28 Ländern. Neben zahlreichen Informationen zur Landschaftsgestaltung und Ausstattung, Bildungsangeboten, Ex-situ-und In-situ Schutzmaßnahmen sowie Geschäfts- und Marketingstrategien befasst sich der Autor mit den Fördervereinen und Zoo-Verbänden, der Rolle des Zoodirektors im Allgemeinen und ausgewählten Vertretern, aber auch den beliebtesten Zootierarten. Ein zukunftsweisendes Buch für alle Zoointeressierten – Skeptiker, Enthusiasten, Besucher, Zoomitarbeiter, Zoobesitzer, Politiker, Sponsoren, Umwelt- und Naturschützer.
Bestenlisten sind so eine Sache, sie müssen nicht immer dem persönlichen Geschmack betreffen und oft sind auch die Kriterien nicht ersichtlich, nach denen die Liste ausgewählt wurde. Die Zoorangliste von Anthony Sheridan wird gerne für Werbezwecke benutzt, aber bei genauerem Hinsehen ist es auch nur eine Bestenliste wie jede andere, mit Kriterien die mehr oder weniger nachvollziehbar sind.
Die Zoowelt in Europa 2020 ist sozusagen das Handbuch zur Liste, bietet aber viel mehr und das dritte seiner Art. Allerdings ist eine seiner Schwächen, dass es bereits mit dem Erscheinen schon nicht mehr aktuell ist, da sich viele der Informationen auf das Jahr 2019 beziehen …
Die ersten Kapitel geben einen Überblick über allgemeine Themen wie Botanik, Gehege- und Landschaftsgestaltung oder Bildungsmöglichkeiten. Alle diese Themen könnten eigene Bücher füllen und werden hier nur oberflächlich betrachtet. Man hätte meiner Meinung auch gerne ganz darauf verzichten können. Etwas wichtiger und auch ausführlicher Dargestellt sind die Artenschutzbemühungen der Zoos und die Vorstellung diverser Zooverbände (internationale und nationale). Ebenso interessant (und viel zu kurz) ist die Vorstellung einiger europäischer Zoodirektoren (lobenswert dabei, dass es sich nicht nur um bekannte deutsche Direktoren handelt).
Den Hauptteil des Buchs bilden 126 ausführliche Zooprofile, die Sheridan anhand des im Anschluss erklärten Rankings bewertet und in verschiedene Gruppen einteilt. Bei den Vorstellungen der Zoos gibt es allerdings einige „Unpässlichkeiten“, welche das Ranking gleichzeitig hinterfragen. Da werden Tiere genannt, die es nicht mehr im entsprechenden Zoobestand gibt (Dallschafe in Krefeld); Gebäude oder Anlagen, welche zum Stichtag des Buchs noch im Bau waren (Lewa-Savanne im Zoo Zürich) oder Häuser die es gar nicht gibt (jedenfalls ist mir kein begehbares Affenhaus im Thüringer Zoopark bekannt). Grundsätzlich sind die Zooprofile von unterschiedlicher Qualität. Bei vielen Profilen hätte man den Platz besser nutzen können, viel freie Fläche ist ungenutzt. Manche Zoos bekommen auch nicht den Platz der ihm zustehen würde, so teilen sich der alte und der neue Zoo in Posen eine Doppelseite. Und Freunde von Fischen und Amphibien werden größtenteils vollkommen außen vor gelassen. Vogelparks werden zumindest am Rande erwähnt.
Den Abschluss des Buchs bildet die Rangliste und verschiedene Kriterien, eine Freude für jeden Listenfan.
DIE ZOOWELT 2020 hat seine Schwächen, aber was mir persönlich (trotz aller Ungenauigkeiten und persönlicher Freiheiten) gefällt sind die Zoovorstellungen, die einem Zoofan wie mir neue Inspirationen für die nächsten Zoobesuche gibt.

Übrigens: In der aktuellen Ausgabe des TIERGARTEN gibt es eine ausführliche Beschreibung und Rezension des Buchs.
Bezug des TIERGARTEN 2/2022
Weitere Themen: Das Nachttierhaus und der Affe – Eine kurze Entstehungsgeschichte, In memoriam Dr. Bernhard Blaskiewitz, Zoo der Minis

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