Sonia Kleindorfer: Die erstaunliche Welt der Graugänse (Rezension)

Was wir von den intelligenten Wildtieren und ihren starken Persönlichkeiten lernen können
Rebellin, Kraftprotz oder Influencer: Jede Graugans hat ihren eigenen Charakter. Ihre ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmale entscheiden über ihren Erfolg in der Liebe, im sozialen Miteinander und letztendlich über das Überleben. Sie gehören zu den faszinierendsten Wildtieren, die wir auch in unseren Breitengraden erleben können. Die unglaublich klugen Pflanzenfresser erkennen einander am Ruf und an ihren unverwechselbaren Gesichtern – und sie vergessen kein Gesicht, auch nicht das von uns Menschen.
Mehr als 100 Stundenkilometer schnell können sie fliegen, aus zwei Kilometern Entfernung erkennen sie nicht nur einen Adler, sondern auch, was er im Schnabel trägt. Vielleicht können wir auch etwas in Sachen Zusammenleben von den Graugänsen lernen: Die sozialen Tiere, von denen man lange annahm, dass sie streng monogam sind, leben vielmehr in vielen verschiedenen Beziehungsformen. In einer Gänseschar gibt es immer viel Drama – manchmal mit dem Ergebnis, dass ein enttäuschter Liebespartner in ein anderes Land zieht, um dort sein Glück zu versuchen. Kein Wunder also, dass mit der Erforschung der Graugänse durch Konrad Lorenz vor 50 Jahren auch die moderne Verhaltensforschung beginnt.

Die Verhaltensbiologin und Ornithologin Sonia Kleindorfer war für ihre Forschungsarbeit weltweit unterwegs, bevor sie die Leitung der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau übernahm. Wichtige Stationen davor waren Tansania, wo sie mit der berühmten Schimpansen-Forscherin Jane Goodall gearbeitet hat, Australien sowie die Galapagos-Inseln. Sie hat an der Uni Wien promoviert und knapp 20 Jahre an der Flinders University in Adelaide, Australien u. a. an Prachtstaffelschwänzen geforscht und gelehrt. Nach wie vor ist die vielfach ausgezeichnete Forscherin als wissenschaftliche Leiterin des BirdLabs in Adelaide (Australien) tätig.
In DIE ERSTAUNLICHE WELT DER GRAUGÄNSE nimmt uns die Autorin mit in die Lebenswelt der einst als gottähnlich verehrten Tiere und zeigt wie unterschiedlich diese Tiere sein können udn wie wir nach wie vor vieles von ihnen lernen können. Mit Leidenschaft und mit den neuesten Erkenntnissen ihrer Forschung erzählt Kleindorfer vom Leben mit den Graugänsen im Almtal – und von einem neuen Modell für das Denken in Sachen Artenvielfalt in einer Welt, die von äußerst wachsamen Pflanzenfressern, die Ökosysteme stabilisieren, profitieren könnte.
Hier liegt ein Buch vor, welches die Wissenschaft dem Laien verständlich macht. Und durch die Nähe zu den Tieren ist es auch ein persönliches Buch, das nicht nur über Graugänse berichtet, sondern natürlich auch über die Autorin und ihre Mitarbeiter selbst. Und auch Konrad Lorenz, dem man die Graugansforschung und viele Erkenntnisse über diese Vögel verdankt, kommt nicht zu kurz.
Leicht verständlich und höchst interessant, auch wenn der Fokus hin und wieder in andere (persönliche) Gefilde abdriftet und man das Thema Graugans vergeblich sucht. Aber die Autorin schwafelt nicht und kommt immer wieder zum Thema zurück. Auch die Mischung aus Texten und Bildern ist gut gelungen. Es macht das Geschriebene noch Anschaulich und manche der Forschungsobjekte/Graugänse bekommen ein Gesicht.
Und wer denkt, dass sich seit Konrad Lorenz niemand mehr mit Anser anser auseinandersetzt, bzw. neue Forschungserkenntnisse hinzuzufügen hat. Aber … dass es noch viel zum Thema Graugans zu sagen gibt und geben wird wird hier anschaulich demonstriert.

(Rezensionsexemplar)

Entgegen der Behauptung der Autorin gibt es mehrere Zoos/Wildparks mit Wolf/Bär-Gemeinschaftshaltung, da ist der Wildpark Cumberland nicht der einzige.

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