Bereits 2013 habe ich auf neu entdeckte Tiere hingewiesen, aber vollständig war diese Liste nicht, und auch in ZOOTAXA werden nicht alle neuen Arten beschrieben. Und natürlich sind nicht alle neu beschriebenen Arten so spektakulär wie das Vietnamesische Waldrind, das Okapi oder Zwergflusspferd. Aber es werden immer wieder neue Arten entdeckt und beschrieben. Oft sehr kleine Arten und oft schon vom Aussterben bedroht.
Hier ein paar Beispiele:
Eine neue Art der Fischratten
Pacheco, V., Sánchez-Vendizú, P., Fajardo, Úrsula, Cossíos, D. & Cadenillas, R. (2025) Hidden diversity in Daptomys (Rodentia: Cricetidae): a new species from lower montane forests of central Peru. Zootaxa, 5696 (4), 451–481. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5696.4.1
Sechs neue Arten aus der Familie der Glattnasen-Fledermäuse
Eger, J.L., Sedlock, J.L., Lim, B.K. & Heaney, L.R. (2025) Systematics and biogeography of tube-nosed bats, Murina (Mammalia, Chiroptera, Vespertilionidae), from the Philippines with descriptions of six new species. Zootaxa, 5691 (1), 1–44. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5691.1.1
Drei neue Arten aus der Gattung der Philippinen-Waldmäuse
Heaney, L.R., Balete, D.S., Duya, M.R.M., Duya, M.V., Kyriazis, C.C., Rickart, E.A., Steppan, S.J. & Rowsey, D.M. (2025) Three new species of Philippine forest mice (Apomys, Muridae, Mammalia), members of a clade endemic to Mindoro Island. Zootaxa, 5647 (1), 1–26. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5647.1.1
Eine neue Art von Mausohr-Fledermäusen
Saikia, U., Chakravarty, R., Csorba, G., Laskar, M.A. & Ruedi, M. (2025) Taxonomic reassessment of bats from the Western Himalayas, India and description of a new species of the Myotis frater complex (Mammalia, Chiroptera, Vespertilionidae). Zootaxa, 5644 (1), 1–78. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5644.1.1
Nagetiere und Fledermäuse gehören zu den zahlreichsten Säugetierordnungen, da verwundert es nicht, wenn neue Arten entdeckt werden, zumal neben der Größe auch die oft heimliche (weil nachtaktive) Lebensweise dafür sorgen, dass sie dem menschlichen Auge bisher verborgen blieben.
Es gibt aber auch andere Tiergruppen, bei denen neue Arten entdeckt und beschrieben wurden:
Ein neue Wieselart
Wei, Qiu-Jin; Cao, Lei; He, Xing-Cheng; Abramov, Alexei; Wang, Jin; Fu, Jie; Li, Rui; Yang, Qi-Sen; Fu, Li-Qiang; Huang, Yao-Hua; Zhou, Cai-Quan; Wen, Zhi-Xin; Ge, De-Yan (8 December 2025). „Phylogenomics of the Genus Mustela with description of a new species from China“. Journal of Systematics and Evolution jse.70029 (published 14 November 2025). doi:10.1111/jse.70029
Mustela mopbie ist eine Wieselart, die in Sichuan im südlichen China vorkommt. Es ist die kleinste Art der Gattung Mustela (also auch kleiner als das heimische Mauswiesel) und damit auch der kleinste Marder und das kleinste Raubtier.
Mustela mopbie ist bisher nur aus einem Naturschutzgebiet (Dafengding National Nature Reserve) im Hengduan-Gebirge in Sichuan bekannt. Dort wurden die Typusexemplare in einer Höhe von 2488 Metern gefangen. Wie weit die Art in der weiteren Umgebung verbreitet ist, ist bisher nicht bekannt.
Eine neue Spitzmausart
Rainer Hutterer, Mark T. Swanson, Jacob A. Esselstyn and Lawrence R. Heaney. 2025. The Shrew of Nagaland: A Remarkable New Genus and Species from Northeast India, With A Discussion of The Phylogeny and Classification of The Soricidae (Mammalia). Bulletin of the American Museum of Natural History. (474); 1-72. DOI: doi.org/10.1206/0003-0090.474.1.1
Das einzige bekannte Exemplar der neubeschriebenen Art Nagasorex albidens wurde bereits 1950 in Nagaland (Nordost-Indien) gesammelt, blieb jedoch Jahrzehnte unidentifiziert in Museumssammlungen liegen.
Erst durch moderne systematische Vergleiche und neue genetische wie morphologische Analysen konnten Forschende erkennen, dass es sich um eine völlig neue Gattung und Art handelt.
Ein neue Beutelrattenart
Silvia E. Pavan, Edson F. Abreu, Pamela Y. Sánchez-Vendizú und Robert S. Voss (2025): A New Species of Marmosa (Mammalia, Didelphimorphia, Didelphidae) from Parque Nacional del Río Abiseo, Peru. American Museum novitates, Juni 2025, Nr. 4037
Der Holotyp von Marmosa chachapoya, eine junges, aber ausgewachsenes Männchen, hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 10,7 Zentimeter, einen 16 Zentimeter langen Schwanz und wiegt 21 Gramm. Der Hinterfuß ist 2 Zentimeter lang, die Höhe der Ohren beträgt 1,8 Zentimeter. Die Schnauze ist auffallend schmal. Das Rückenfell ist orangebraun und leicht heller als die Haare auf der Kopfoberseite. Ein dunkler Streifen in der Mitte des Rückens ist nicht vorhanden. Die dunkle Maske um die Augen reicht nicht bis zur Basis der Ohren. Auf der Bauchseite ist das Fell cremefarben. Vorder- und Hinterpfoten sind auf der Oberseite dicht mit hellgelben Haaren bedeckt. Das Skrotum ist dunkelblau. Der Schwanz ist mit langen Haaren bedeckt, die Haut darunter ist einfarbig braun und mit Schuppen bedeckt, die meist in spiralförmigen, seltener in ringförmigen Reihen angeordnet sind.
Marmosa chachapoya ist ein klassisches Beispiel für eine kryptische Art. Sie ist äußerlich anderen Marmosa-Arten (z. B. M. mexicana, M. waterhousei) sehr ähnlich und wurde lange Zeit falsch zugeordnet oder nicht unterschieden-
Erst die Kombination aus Genetischen Daten, Schädel- und Zahnmerkmalen, Geografischer Isolation deutete auf eine neue Art hin. Viele Exemplare lagen bereits jahrelang in Museumssammlungen, wurden aber erst im Rahmen einer Revision erkannt.
Das sind nur ein paar Beispiele, es wurden weitaus mehr Arten beschrieben (die vermutlich auch nach und nach den Weg in den Blog finden werden).
Viele Arten leben in schwer zugänglichen Gebieten wie tropischen Regenwäldern, Bergnebelwäldern oder abgelegenen Reservaten, was lange unentdeckte Arten erklärt. Und wie bereits erwähnt führen viele eine etwas heimliche Lebensweise und sind nicht besonders groß.
Moderne Methoden wie DNA-Analysen, bioakustische Überwachung, Kamerafallen und eDNA-Techniken beschleunigen gleichzeitig die Entdeckung und Abgrenzung neuer Säugetierarten. Dazu gehört das Indoburmesische Schuppentier (Manis aurita), das 2025 in der Literatur als eigenständige Art von seinen Verwandten abgegrenzt wurde. In der Publikation wird der Name Manis indoburmanica angegeben, aber der Name Manis aurita hat laut den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur Vorrang, auch wenn bisher Manis aurita als Unterart des Chinesischen Schuppentiers Manis pentadactyla galt.
Wangmo, Lenrik Konchok; Ghosh, Avijit; Dolker, Stanzin; Joshi, Bheem Dutt; Sharma, Lalit Kumar; Thakur, Mukesh (2025-01-07). „Indo-Burmese pangolin (Manis indoburmanica): a novel phylogenetic species of pangolin evolved in Asia“. Mammalian Biology. 105 (5): 691–698. doi:10.1007/s42991-024-00475-7. ISSN 1616-5047.
Zijlstra, Jelle S. (2025-04-25). „Manis aurita Hodgson 1837 as a valid species of pangolin: a comment to Wangmo et al. (2025)“. Mammalian Biology. 105 (5): 699–701. doi:10.1007/s42991-025-00495-x. ISSN 1616-5047.
Eine gute Quelle für Publikationen von neu beschriebenen Tierarten stellt der Blog Species New to Science dar.



