Torsten Schäfer zieht aus in die ungezähmte Wildnis Europas, um seine eigene innere Wildnis wiederzufinden. Vom Auenwald vor der eigenen Haustür über das Mittelmeer bis zum Wasserschlund des Tana-fjords an der nördlichen Spitze Norwegens setzt er sich der Natur aus, beobachtet, taucht ein.
Seine Begegnungen mit Tieren und Landschaften öffnen den Blick auf ein anderes Eingebundensein des Menschen in die Natur – Verbindung statt Trennung, Zusammenleben statt Zerstörung. Dabei zeichnet er ein tiefgründiges Bild davon, was es heißt, heutzutage Mensch zu sein. Und was es in Zukunft heißen könnte.
DIE WILDNIS IN UNS ist eine eindringliche literarische Annäherung an ein Konzept, das im modernen Europa scheinbar widersprüchlich geworden ist: Wildnis. Schäfer stellt dabei in mehreren Essays nicht nur die Frage, wo es noch ungezähmte Natur gibt, sondern auch, ob Wildnis nicht ebenso ein innerer Zustand des Menschen ist.
Schäfer begibt sich auf Reisen zu verschiedenen Landschaften Europas, von Auenwäldern in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen bis hin zu abgelegeneren Naturräumen. Der Autor untersucht, was Wildnis heute bedeutet, in einer Zeit, in der nahezu jeder Ort kartiert, verwaltet und kontrolliert ist. Umso Schäfer verbindet er Naturbeobachtung, persönliche Erfahrung, ökologische Reflexion und kulturgeschichtliche Überlegungen. Wildnis stellt hier keine romantische Gegenwelt zur Zivilisation dar, sondern als fragile Realität, die vom Verschwinden bedroht ist, und gleichzeitig als notwendige Erfahrung, um ein Gefühl von Freiheit, Unverfügbarkeit und Selbstbegegnung zu bewahren.
Schäfer schreibt mit journalistischer Präzision, aber zugleich mit einer literarischen Sensibilität, die Landschaften und Stimmungen plastisch erfahrbar macht. Besonders überzeugend ist seine Fähigkeit, wissenschaftliche und ökologische Themen zugänglich zu machen, ohne belehrend zu wirken. Gutes NatureWriting, das die Botschaft auf den Punkt bringt, ohne verklärend zu wirken.
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(Rezensionsexemplar)

