Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

12.01.2026, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Typus-Genomik: DNA-Schatz in der Sammlung
Neue Studie zeigt, wie DNA aus Typusexemplaren die Biodiversitätsforschung revolutionieren kann. In einem gemeinsamen Appell plädiert ein internationales Forschungsteam, darunter Senckenberg-Wissenschaftler Prof. Dr. Steffen Pauls, für die gezielte und umfassende Genomsequenzierung von Typusexemplaren – den Referenz-Exemplaren einzelner Arten, die in naturkundlichen Sammlungen aufbewahrt werden.
In ihrem in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Systematic Biology“ veröffentlichten Beitrag betonen die Forschenden um Erstautor Dr. Harald Letsch (Universität Wien und Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe) die große Bedeutung der Entschlüsselung dieser genetischen Codes für die Biodiversitätsforschung und zeigen, wie sich durch modernste Technologien „digitale Zwillinge“ der oftmals historischen Museumsexemplare erstellen lassen.
In naturwissenschaftlichen Sammlungen auf der ganzen Welt lagert ein ungehobener Schatz: die DNA von sogenannten Typusexemplaren. Von jeder bekannten Art gibt es irgendwo auf der Welt ein Exemplar – ein Tier, eine Pflanze oder ein Fossil – das zur offiziellen Beschreibung und Benennung dieser Art verwendet wurde. Diese einmaligen und sorgsam aufbewahrten Objekte in den Sammlungen von Museen und Forschungseinrichtungen sind die „offiziellen Nachschlagewerke“ der Natur. Sie helfen Forschenden dabei, Arten eindeutig zu identifizieren und korrekt einzuordnen.
„Typusexemplare sind das Fundament unserer biologischen Namensgebung und unseres Artverständnisses“, erklärt der Erstautor des Artikels Dr. Harald Letsch von der Universität Wien und dem Naturkundemuseum Karlsruhe. „Wenn wir ihre Genome entschlüsseln, können wir besser verstehen, wie Arten miteinander verwandt sind, wie sie sich entwickelt haben – und wie wir sie schützen können.“
Doch die Zeit hinterlässt Spuren: Viele der Typusexemplare sind jahrhundertealt, empfindlich und gefährdet – durch Alterungsprozesse, unsachgemäße Lagerung oder Naturkatastrophen. Dank neuer Sequenzierungstechnologien ist es inzwischen möglich, genetische Informationen selbst aus sehr alten und fragilen Objekten zu gewinnen, ohne sie dabei zu zerstören.
Die Wissenschaftler*innen der Universität Wien und des Naturhistorischen Museums Wien, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Museums für Naturkunde Berlin, des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels und weiterer Institutionen plädieren dafür, dass Sammlungs-Kurator*innen und Forschende aus den Bereichen der Taxonomie und Genomik verstärkt zusammenarbeiten, um das große Potenzial der „Typus-Genomik“ für die Biodiversitätsforschung nutzbar zu machen.
Ihr Appell ist Teil einer umfassenderen Bewegung zur Digitalisierung naturkundlicher Sammlungen. Die physische Unversehrtheit von Typusexemplaren zu bewahren, steht oft im Widerspruch zum Wunsch nach ihrer wissenschaftlichen Nutzung. Jede Untersuchung des physischen Exemplars oder dessen Ausleihen an andere Einrichtungen birgt Gefahren für die wertvollen Objekte. Moderne Technologien wie Hochdurchsatz-Sequenzierung auf Basis minimal-invasiver DNA-Entnahmemethoden und die Erstellung sogenannter „digitaler Zwillinge“ bieten hierfür neue Lösungsansätze: Hochauflösende Bilder, morphometrische Daten und genetische Informationen machen dabei die Eigenschaften der Typusexemplare für die Wissenschaft zugänglich, ohne die Originalexemplare zu gefährden.
„Technologien wie hochauflösende Bildgebung und minimal-invasive DNA-Entnahme verändern alles“, betont Dr. Steffen Pauls vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und Seniorautor der Studie. „Wir können einmalig große Datenmengen aus einem Exemplar gewinnen – und diese Informationen dann global teilen, ohne das Original erneut zu belasten.“
„Der Aufbau datenreicher, umfassend digitalisierter Sammlungen durch Projekte wie die Typus-Genomik macht Biodiversitätsinformationen für die weltweite Forschung zugänglich und unterstreicht den Wert von Museumssammlungen als zentrale Forschungsinfrastruktur und lebendige Archive der Erdgeschichte“, ergänzt Dr. Jenna Moore vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels und Museum der Natur Hamburg.
Um die Zusammenarbeit zwischen Kurator*innen, Taxonom*innen und Genomforscher*innen zu fördern, entwirft das Team eine Strategie, mit der sich die Datengewinnung aus Typusexemplaren maximieren und gleichzeitig die Auswirkungen von DNA-Entnahme und anderen musealen Analyseverfahren minimieren lassen. „Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um sowohl die Qualität als auch die Menge der Daten aus Typusexemplaren zu optimieren. Idealerweise wird ein Typusexemplar nur einmal physisch angefasst, um möglichst viele Informationen zu gewinnen“, so Pauls.
Museale Netzwerke sowie standardisierte DNA-Entnahmeprotokolle könnten künftig gewährleisten, dass genomische Daten aus Typusexemplaren weltweit verfügbar sind. Dr. Iker Irisarri vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels und dem Museo Nacional de Ciencias Naturales (MNCN-CSIC) in Madrid betont: „Der Aufbau vernetzter Kataloge naturkundlicher Sammlungen kann die Beschreibung neuer Arten beschleunigen und die Erhaltung der Biodiversität gezielt unterstützen – vorausgesetzt, die entsprechenden Genomdaten sind offen zugänglich.“
Dr. Harald Letsch ist überzeugt: „Die Bereitstellung genomischer Informationen aus Typusexemplaren ist ein entscheidender Schritt in der digitalen Transformation naturkundlicher Sammlungen. Mit gemeinschaftlicher Expertise und moderner Technologie können wir die Forschung revolutionieren und biologisches Wissen für kommende Generationen bewahren.“
Originalpublikation:
Harald Letsch et al., Type genomics: a Framework for integrating Genomic Data into Biodiversity and Taxonomic research, Systematic Biology, Volume 74, Issue 6, November 2025, Pages 1029–1044 https://doi.org/10.1093/sysbio/syaf040

12.01.2026, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Auf frischer Tat ertappt: Forschende beobachten aktuelle Infektion von Koalas mit krebserregenden Retroviren
Ein internationales Forschungsteam analysierte eine aktuell ablaufende Integration von Retroviren in das Erbgut von Koalas und daraus resultierende, zum Teil tödlich verlaufende Krebserkrankungen. Sie sequenzierten dafür das Genom von über 100 Koalas aus mehreren Generationen in US-amerikanischen und europäischen Zoos und untersuchten die Integration des Virus-Erbguts in oder in der Nähe von Genen, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. In „Nature Communications“ legen sie dar, dass neue Integrationen der Retroviren in die Keimzellen von Koalas innerhalb einer Generation auftraten und Krebs-Todesfälle durch retrovirale Integration verursacht wurden.
Auf der Grundlage dieser Arbeit konnte das Team genetische Risikowerte (genetic risk scores, GRS) errechnen, die wertvolle Informationen für Zuchtprogramme darstellen und damit dem Schutz der Koalas zugutekommen können.
Retroviren integrieren sich beim Befall von Zellen in das Genom des Wirts. Geschieht dies in der Keimbahn und betrifft damit die Keimzellen (Spermien und Eizellen), können die integrierten Viren von Generation zu Generation vererbt werden, ohne dass dafür eine Infektion bei den Nachkommen auftreten muss. Dies ist evolutionsgeschichtlich ein häufiger Vorgang; in allen Lebewesen, einschließlich des Menschen, integrierten sich in der Vergangenheit Retroviren in deren Genom. Fragmente dieser Viren machen beispielsweise rund acht Prozent des menschlichen Genoms aus. Bei Koalas (Phascolarctos cinereus) handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen vergangenen, abgeschlossenen Vorgang, sondern um einen, der sich aktuell vollzieht – mit schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen auf heute lebende Individuen. Koalas befinden sich in einem frühen Stadium der Integration des Koala-Retrovirus (KoRV) in deren Genom und leiden infolgedessen häufig unter Krebserkrankungen.
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) untersuchte in Zusammenarbeit mit der San Diego Zoo and Wildlife Alliance (SDZWA), Zoos in ganz Europa, der Universität Nottingham und dem Biotechnologieunternehmen Illumina das Genom, die Lebensgeschichte und die Gesundheit von 111 Koalas, die 55 Dreiergruppen („Triaden“) aus Vater, Mutter und Nachkommen aus mehreren Generationen repräsentieren. Das Ziel der Forschenden war zu verstehen, was mit dem Koala-Retrovirus (KoRV) und dem Retrovirus „phaCin-β“ sowie den individuellen Koalas über Generationen hinweg geschieht.
Das Koala-Retrovirus wurde nicht „gezähmt“ und breitet sich über neue Integrationen in den Tieren aus
Der Bioinformatiker Dr. Guilherme Neumann von der Leibniz-IZW-Abteilung für Wildtierkrankheiten und seine Kolleg:innen analysierten die Genom-Daten der Zoo-Koalas. Sie stellten für einen Teil der Stammbäume fest, dass das KoRV in ein Gen integriert war, das dafür bekannt ist, bei Mutation an der Entstehung von Krebs beteiligt zu sein. Dies konnten sie auch in Fällen nachweisen, in denen sowohl die Eltern als auch alle Nachkommen an Krebs starben. In einigen Fällen schien die Integration von KoRV in Gene jedoch für die Gesundheit der Koalas von Vorteil zu sein, da sie mit einer geringeren Krebsanfälligkeit, einer höheren Lebenserwartung oder einer höheren Fortpflanzungsrate in Verbindung gebracht werden konnte. Ein Beispiel hierfür ist das Gen SLC29A1, in welchem bei 50 Prozent der in menschlicher Obhut lebenden und wildlebenden Koalas eine KoRV-Integration vorliegt. Individuen mit dieser Integration zeigten eine Hochregulation von SLC29A1 und eine geringere Krebsanfälligkeit. Der Mechanismus, durch den die erhöhte Expression dieses Gens Schutz vor Krebs bieten könnte, ist noch nicht bekannt. Die Anzahl von KoRV-Integrationen in der Untersuchungsgruppe nahm im Laufe der Zeit tendenziell zu – ein Anzeichen dafür, dass retrovirale Integrationen in frühen Stadien der Genomintegration gravierende Folgen haben können, mit der Zeit jedoch harmloser werden oder gar vereinzelte positive Effekte haben können.
Die Wissenschaftler:innen beobachteten auch das Auftreten neuer retroviralen Integrationen innerhalb einer einzigen Koala-Generation. Einige Nachkommen wiesen Keimbahnintegrationen auf, die bei keinem der Elternteile gefunden wurden. Das bedeutet, dass eine Keimbahnintegration in jenen Zellen der Eltern stattgefunden hatte, die Spermien oder Eizellen produzieren. Diese retrovirale Integration wurde an ihre Nachkommen weitergegeben, während sie in den untersuchten Körperzellen der Elterngeneration nicht nachgewiesen wurde. Eine derart schnelle Bildung neuer Kopien des Retrovirus im Genom zeigt, dass es noch nicht wie die meisten endogenen Retroviren des Menschen oder vieler Wildtierarten „gezähmt” wurde und nach wie vor ein Gesundheitsrisiko für Koalas darstellt.
Erkenntnisse zur retroviralen Integration bei Koalas kommen dem Artenschutz zugute
Ein so großer Genom-Datensatz mit vielen damit verbundenen Lebenslauf- und Gesundheitsdaten erlaubte es dem Team, genetische Risikowerte (genetic risk scores, GRS) zu berechnen. Dies ermöglicht es zukünftig, einzelne Integrationen zu untersuchen und belastbar einzuschätzen, ob sie ein Risiko für negative gesundheitliche Auswirkungen darstellen – oder sie wahrscheinlich positive Effekte oder gar keine Auswirkungen auf die Gesundheit haben werden. Die Forschenden validierten den GRS in ihrem Datensatz und dokumentierten einen Fall, in dem ein Tier den höchsten GRS für die Entwicklung von Leukämie in Verbindung mit einem KoRV, das sich in ein Onkogen integriert hatte, aufwies. Dieser Koala starb noch während des Projekts an Leukämie, was die Vorhersagekraft des GRS unterstreicht.
„Der auf dieser Studie basierende GRS kann dazu beitragen, Koala-Zuchtprogramme so zu steuern, dass die Anzahl der KoRVs, die mit schlechten gesundheitlichen Prognosen verbunden sind, verringert und gleichzeitig diejenigen erhöht werden, die für in menschlicher Obhut lebende Populationen vorteilhaft sind oder keine Auswirkungen haben“, sagt Prof. Alex Greenwood, Leiter der Abteilung für Wildtierkrankheiten am Leibniz-IZW. „Dies könnte langfristig die Gesundheit der in Gefangenschaft lebenden oder aktiv gemanagten, wildlebenden Koala-Populationen verbessern.“ Die Autor:innen des Artikels in „Nature Communications“ hoffen, dass mit den Informationen aus diesem umfangreichen Datensatz Fortschritte bei der Verbesserung der Gesundheit und des Schutzes von Koalas erzielt werden können, indem Zuchtstrategien eingeführt werden, die die negativen Auswirkungen einer KoRV-Infektion vermeiden und gleichzeitig die ebenfalls beobachteten positiven Effekte maximieren. Um von den GRS profitieren zu können, müsste aktuell das gesamte Genom des betreffenden Koalas sequenziert werden. In Zukunft könnten jedoch kostengünstigere Abkürzungen – z. B. Primer zur Amplifikation der relevanten Regionen im Genom oder ein maßgeschneiderter SNP-Chip für Koalas einschließlich der Integrationen – Bestandteile einer praxisnahen Vorgehensweise für die Risikoabschätzung für Zoos sein.
Weitere Informationen zum Koala-Retrovirus-Projekt bei Illumina können unter folgender Adresse abgerufen werden: https://www.illumina.com/company/news-center/feature-articles/iconserve-koala-re…
Originalpublikation:
Neumann GB, Tarlinton R, Korkuć P, Gaffney PM, Viaud-Martinez KA, Urbaniak S, Nobuta K, Dayaram A, Mulot B, Tenes K, Alquezar-Planas DE, Roca AL, Jern P, Singleton CL, Greenwood AD (2025): Multi-generational koala pedigree analysis reveals rapid changes in heritable provirus load associated with life history traits. Nature Communications 17, 345 (2026). DOI: 10.1038/s41467-025-66312-8

13.01.2026, Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz
Den richtigen Ton treffen: Nachtigallen passen ihren Gesang in Tonhöhe und -länge an ihre Rivalen an
Auf den Punkt gebracht:
• Vokale Adaption im Duell: Männliche Nachtigallen passen sowohl die Tonhöhe als auch die Tonlänge ihrer Gesänge in Echtzeit an.
• Flexible Kompromisse: Bei ungewöhnlichen Klangkombinationen zeigten die Vögel eine flexible Strategie: Manchmal glichen sie die Silbenlänge, manchmal die Tonhöhe genauer an – je nachdem, welche Kombination sie hörten.
• Zukünftige Ausrichtung: Die neuen Erkenntnisse können dazu beitragen, vokale Kommunikation unterschiedlicher Tierarten besser zu verstehen. Zudem gewähren sie Einblicke in den Prozess, mit dem das Gehirn komplexe Klänge in Echtzeit verarbeitet.
Während eines Gesprächs passen Menschen ihre Stimme – meist sogar völlig unbewusst – an die ihres Gegenübers an. Sprechgeschwindigkeit und Satzlänge werden angeglichen, der Rhythmus beim abwechselnden Sprechen wird synchronisiert. Neue Forschungsergebnisse aus dem Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz und dem Institute of Science and Technology Austria konnten nun zeigen, dass auch Nachtigallen während ihrer nächtlichen Gesangsduelle eine ganz ähnliche stimmliche Meisterleistung vollbringen: Sie passen sowohl die Tonhöhe, als auch das Timing ihrer Gesänge an die der Konkurrenz in der Nachbarschaft an.
Das Nachahmen von Lauten, also das direkte Übernehmen von gerade Gehörtem, ist eine seltene Fähigkeit im Tierreich. Es erfordert eine außergewöhnlich schnelle Verarbeitung des Gehörten und fast gleichzeitig die Erzeugung einer passenden Antwort. Delfine etwa nutzen das Nachahmen von Lauten, um über große Entfernungen hinweg Kontakt zu halten, während Papageien diese Fähigkeit einsetzen, um sich in sozialen Hierarchien zurechtzufinden. Auch Nachtigallen besitzen diese seltene Gabe: Sie produzieren Pfeifgesänge mit stark variierender Tonhöhe und nutzen ihre vokale Anpassungsfähigkeit, um ihren Rivalen klarzumachen: „Was auch immer du singst, ich sing es besser!“ Um Gesänge jedoch präzise anzupassen, müssen komplizierte Variablen wie Tonhöhe und Silbenlänge sowie deren Kombination imitiert werden, was besonders bei einem großen Gesangsrepertoire wie dem der Nachtigall schwierig ist und teilweise Kompromisse erfordert.
Frühere Forschungsprojekte konnten bereits zeigen, dass männliche Nachtigallen ihre Tonhöhe präzise anpassen. Wie variabel anpassbar jedoch andere Gesangsmerkmale sind, blieb unklar. Die aktuelle Studie fügt dem Gesamtbild somit eine weitere entscheidende Dimension hinzu: Sie zeigt, dass auch die Silbenlänge flexibel verändert werden kann. Mit der Kombination dieser beiden Fähigkeiten zeigen Nachtigallen eine flexible Kompromissstrategie, statt bei der Anpassung einfach generell ein Merkmal zu priorisieren: Je nach gehörter Kombination passen sie entweder die Tonhöhe oder die Tondauer an – und zwar in Echtzeit.
„Nachtigallen zeichnen sich unter den Singvögeln durch ihre bemerkenswerte stimmliche Flexibilität aus. Die Männchen können sowohl Tonhöhe, als auch Silbentiming schnell anpassen, wenn sie um Weibchen und Territorium konkurrieren“, erklärt Juan Sebastián Calderón-García, Erstautor und Doktorand am Institute of Science and Technology Austria. „Diese stimmliche Koordinierung erfordert eine Verarbeitung in Echtzeit und eine enorme neuronale Flexibilität. Wir konnten zeigen, dass Nachtigallen sowohl die Tonhöhe, als auch die zeitliche Struktur des Konkurrenzgesangs verfolgen und darauf reagieren. Die Fähigkeit, Tonhöhe und Dauer unabhängig voneinander zu trennen und in Echtzeit anzupassen, zeugt von einer bemerkenswerten Präzision –sowohl beim Hören, als auch bei der Stimmkontrolle. Die neuronale Koordination muss besonders ausgefeilt sein, um mehrere solcher Klangmerkmale gleichzeitig zu jonglieren.“
Pfeifen auf dem Prüfstand
In früheren Studien zu Gesangsmustern von Nachtigallen wurden bereits Verschiebungen in der Silbenlänge festgestellt. Das deutete darauf hin, dass auch diese Variable bei der Stimmanpassung von Bedeutung sein könnte. Bei der Analyse der Aufnahmen von Nachtigallen in freier Wildbahn in Brandenburg, Deutschland, über zwei Paarungszeiten hinweg stellten die Forschenden fest, dass natürliche Pfeifsilben sich längenmäßig in drei Gruppen einteilen lassen: kurz (unter 140 Millisekunden), mittel (140–310 ms) und lang (über 310 ms). Das Team erstellte daraufhin künstliche Gesänge mit selten verwendeten beziehungsweise extremen Silbenlängen und präsentierte sie den Wildtieren. Deren Reaktion zeigte, dass die gesangliche Anpassung auch hier einem klaren Muster folgte. Die Vögel beachteten also sowohl das Timing, als auch die Tonhöhe bei ihren Antworten.
Anschließend testeten die Forschenden unnatürliche Kombinationen mit Hilfe der künstlich erstellten Gesänge: hohe Pfeiftöne mit sehr kurzer oder ungewöhnlich langer Dauer, oder besonders tiefe Pfeiftöne mit ungewöhnlich langer Dauer. Die Vögel reagierten sehr flexibel auf diese nicht zum normalen Repertoire gehörigen Laute – je nach Kombination passten sie sich manchmal eher der Dauer, manchmal eher der Tonhöhe an. Computermodelle zeigten, dass das Timing die Anpassung der Tonhöhe beeinflusst, was wiederum die flexible Reaktion der Vögel erklärt.
„Der Gesang der Nachtigallen gibt Aufschluss darüber, wie das Gehirn komplexe Lautäußerungen spontan koordiniert“, sagt Giacomo Costalunga, Erstautor und Doktorand am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz. „Der Großteil dessen, was wir über die neuronalen Schaltkreise für die Stimmbildung wissen, stammt von Arten, die relativ feste, stereotype Lieder singen. Nachtigallen hingegen justieren ihren Gesang flexibel und in Echtzeit, um sich dem unglaublich großen Spektrum an Gesängen ihrer Konkurrenz anzupassen zu können. Zu verstehen, wie ihre neuronalen Schaltkreise diese schnelle Koordination ermöglichen, erlaubt uns auch besser zu verstehen, wie Tiere erlernte Lautäußerungen in sozialen Interaktionen modifizieren, welchen grundlegenden Einschränkungen diese Fähigkeiten unterliegen und was wirklich nötig ist, damit Menschen sinnvolle Gespräche miteinander führen können.“
Originalpublikation:
Interplay between syllable duration and pitch during whistle-matching in wild nightingales
Calderon-Garcia J.S.*, Costalunga G.*, Vogels T.P., Vallentin D.,
* contributed equally to this work
Current Biology, online 12 January 2026
https://doi.org/10.1016/j.cub.2025.12.025

13.01.2026, Deutsche Wildtier Stiftung
Wie unterhalten sich eigentlich Fledermäuse?
Für ihre Forschung zur Kommunikation bei Hufeisennasen erhält Dr. Ahana Aurora Fernandez den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung
Sie koordinieren nächtliche Beutezüge, tauschen sich über sichere Schlafplätze aus und versuchen, das andere Geschlecht mit ihren Gesängen zu beeindrucken: Fledermäuse führen ein erstaunlich komplexes Sozialleben – und das vor allem über ihre Stimme. Wie gelingt ihnen das, sind die Lautäußerungen angeboren oder erlernt, und verändern sie sich im Laufe des Lebens? Das möchte die Verhaltensbiologin Dr. Ahana Aurora Fernandez herausfinden. Für ihre Forschungsprojektidee mit dem Titel „Von der Geburt bis zur Balz: Eine akustische Reise durch das Leben von Hufeisennasen“ erhält sie den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 13. Januar in der Botschaft der Wildtiere in der Hamburger HafenCity verliehen.
Seit September 2025 leitet Fernandez an der Universität Münster eine Juniorforschungsgruppe zur Fledermausforschung. Sie untersucht, wie die nachtaktiven Tiere Laute entwickeln und erlernen. Ihre Forschungsobjekte sind bisher die neotropische Große Sackflügelfledermaus und das einheimische Große Mausohr, eine streng geschützte Fledermausart, die in Europa weit verbreitet ist und auf der Roten Liste der Säugetiere als „nicht gefährdet“ geführt wird. Im Rahmen des von der Stiftung geförderten Projekts will sie ihre Untersuchungen nun auf die Familie der Hufeisennasen ausweiten. Sowohl die Kleine Hufeisennase als auch die Große Hufeisennase stehen in Deutschland unter besonderem Schutz: Die Kleine Hufeisennase wird als „stark gefährdet“ eingestuft, die Große Hufeisennase gilt sogar als „vom Aussterben bedroht“.
Für Ihre Arbeit kooperiert Fernandez mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV). In zwei Gebäuden des LBV bringen die Fledermäuse ihre Jungtiere zur Welt. Keller und Dachgewölbe der Quartiere sind mit Videosystemen ausgestattet, die Einblicke in diese sogenannten Wochenstuben ermöglichen. Mithilfe von Ultraschallmikrofonen an den Kameras hofft Fernandez nun mehr über die innerartliche Kommunikation der Hufeisennasen zu erfahren.
„Mithilfe der Kombination aus Video- und Lautaufnahmen können mein Team und ich das Lautrepertoire dieser faszinierenden Fledermausarten beschreiben und gleichzeitig mehr über deren Sozialfunktion erfahren“, sagt Fernandez. Für den Artenschutz sind diese Erkenntnisse besonders wertvoll: „Wenn wir das Sozialverhalten von Fledermäusen besser verstehen, können wir gezielte Schutzmaßnahmen entwickeln – etwa an Wochenstuben oder Balzquartieren“, so Fernandez.
„Gerade in der Wildtierforschung fehlen häufig die finanziellen Mittel – hier setzt die Deutsche Wildtier Stiftung mit ihrem Forschungspreis an“, sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wir freuen uns sehr, mit Dr. Ahana Aurora Fernandez eine Preisträgerin fördern zu können, die mit ihrem wissenschaftlichen Projekt einen wertvollen Beitrag zum Verständnis über unsere heimischen Fledermäuse leistet.“
Seit 1997 vergibt die Deutsche Wildtier Stiftung alle zwei Jahre ihren Forschungspreis. Eine Liste aller bisherigen Forschungspreisträgerinnen und -träger finden Sie hier:
https://www.deutschewildtierstiftung.de/naturbildung/forschungspreis

14.01.2026, Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels
Historische Präparate zeigen menschlichen Einfluss auf das Fressverhalten von Seehunden
Abnutzungsspuren auf Seehundzähnen untersucht
Wie stark der Mensch das Fressverhalten von Seehunden beeinflussen kann, zeigen Zahnproben aus historischen Präparaten naturkundlicher Sammlungen. Anhand der Abnutzungsspuren der Zähne lassen sich deutliche Unterschiede in der Nahrungsnutzung zwischen verschiedenen Regionen und Zeiträumen nachweisen. Die Untersuchung wurde vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) gemeinsam mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie der Universität Leipzig durchgeführt und kürzlich in der Fachzeitschrift Frontiers in Marine Science veröffentlicht.
Im Mittelpunkt der Studie standen historische Seehundpräparate aus wissenschaftlichen Sammlungen. Mithilfe der sogenannten dentalen Mikroverschleiß-Texturanalyse (DMTA, dental microwear texture analysis) analysierten die Forschenden feinste Abnutzungsspuren auf den Zahnoberflächen, die beim Fressen entstehen. Diese erlauben Rückschlüsse darauf, wie die Tiere ihre Nahrung nutzten.
Verglichen wurden Seehunde aus dem deutschen Wattenmeer aus den späten 1980er-Jahren mit Tieren aus dem dänischen Kattegat aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Die Kattegat-Seehunde wiesen stärkere und komplexere Abnutzungsspuren auf den Zähnen auf als ihre Artgenossen aus dem Wattenmeer. Dies deutet darauf hin, dass sich sowohl ihre Nahrung als auch die Art der Nahrungsaufnahme voneinander unterschied.
**Lebensbedingungen prägen Fressverhalten**
Die Forschenden führen diese Unterschiede auf die sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen der Tiere in den jeweiligen Jahrzehnten und Regionen zurück. In den 1960er- und 1970er-Jahren standen Seehunde im Kattegat unter starkem Jagd- und Nutzungsdruck, zudem veränderten sich Fischbestände durch intensive Fischerei. Im Wattenmeer hingegen griffen ab den 1980er-Jahren zunehmend Schutzmaßnahmen, wodurch sich Bestände und Lebensräume stabilisierten. Die Seehunde reagierten offenbar flexibel auf diese Bedingungen und passten ihr Nahrungsspektrum an die jeweils verfügbaren Ressourcen an.
**Sammlungen als Archiv vergangener Lebensweisen**
Die Studie unterstreicht den hohen wissenschaftlichen Wert historischer zoologischer Sammlungen. Sie zeigen nicht nur, wie Tiere früher aussahen, sondern liefern – kombiniert mit modernen Analysemethoden – wichtige Hinweise darauf, wie sich Umweltbedingungen und menschliche Eingriffe langfristig auf marine Ökosysteme auswirken.
Originalpublikation:
Lehnert K, Bethune E, Schulz-Kornas E, Siebert U, Kaiser TM (2025). Intra-specific foraging dynamics reveal anthropogenic impact on harbour seals (Phoca vitulina) in the Danish Kattegat and the German Wadden Sea. Front. Mar. Sci. 12:1589549.
https://doi.org/10.3389/fmars.2025.1589549

15.01.2026, Universität zu Köln
Das Bodenleben in der Atacama-Wüste ist überraschend vielfältig
Fadenwürmer trotzen extremer Trockenheit und ungünstigen Bodenbedingungen mit unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien und zeigen, wie Organismen sich an eine extreme Umwelt anpassen / Veröffentlichung in „Nature Communications”
Eine neue Studie zeigt, dass selbst unter harschen und extrem trockenen Voraussetzungen stabile und erstaunlich vielfältige Lebensgemeinschaften im Boden existieren. Ein internationales Team unter Leitung von Kölner Forschenden untersuchte winzige Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, in der chilenischen Atacama Wüste. Die Atacama gilt neben den Polarregionen als trockenster Ort der Erde. Fehlender Niederschlag, hohe Salzgehalte im Boden und starke Temperaturschwankungen machen sie zu einem der lebensfeindlichsten Orte der Welt. Das interdisziplinäre Team mit Forschenden aus der Zoologie, der Ökologie und der Botanik zeigte auf, mit welchen Strategien unterschiedliche Fadenwürmer sich unter diesen Bedingungen behaupten. Die Studie, die im Fachjournal Nature Communications unter dem Titel „Geographic distribution of nematodes in the Atacama is associated with elevation, climate gradients and parthenogenesis“ veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Mustern der Biodiversität und der Umweltvariablen, die eine Landschaft definieren.
Nematoden zählen zu den häufigsten und artenreichsten Bodenorganismen. Innerhalb eines Ökosystems spielen sie eine zentrale Rolle, denn sie regulieren Bakterienpopulationen, wirken am Nährstoffkreislauf mit und sind wichtige Indikatoren für den Zustand von Böden. Ihre Vielseitigkeit zeigt sich auch in ihrer Anpassungsfähigkeit: Nematoden überleben in der Tiefsee, in arktischen Regionen oder sogar in extrem salzhaltigen Böden.
„Böden sind für die Leistung eines Ökosystems wichtig, etwa für die Speicherung von Kohlenstoff und die Nährstoffversorgung. Daher ist ein Verständnis der darin lebenden Organismen – und hier sprechen wir nicht von Mikroben, sondern von mehrzelligen Tieren – von großer Bedeutung,“ so Dr. Philipp Schiffer vom Institut für Zoologie der Universität zu Köln und einer der Autoren der neuen Studie. „Daten zu Böden aus extremen Ökosystemen wie der Atacama sind allerdings bislang rar.“
Das Forschungsteam ist Teil des Sonderforschungsbereichs 1211 „Earth – Evolution at the Dry Limit”, der seit vielen Jahren in der Atacama tätig ist. Für diese Studie Das analysierten sie sechs ausgewählte Regionen der Atacama mit unterschiedlichen Umweltbedingungen: von feuchteren Hochlagen mit Vegetation über salzhaltige Gebiete mit hoher UV-Strahlung bis hin zu nebelgespeisten Oasen, die für die vorherrschenden Bedingungen eine überraschende Pflanzenvielfalt aufweisen. Proben aus Sanddünen, Salzseen, Flusstälern und Gebirgshöhen wurden entnommen, untersucht und in Bezug auf Artenvielfalt, Fortpflanzungsstrategien und Gemeinschaftsstruktur der Nematoden ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: In höheren Lagen treten vermehrt Nematodenarten auf, die sich asexuell fortpflanzen – dies unterstützt eine bislang unbestätigte Theorie, nach welcher die Asexualität in extremen Bedingungen einen Vorteil bringt. Außerdem folgt die Vielfalt der Gattungen dem Muster des Wassers: Mit zunehmendem Niederschlag nimmt auch die Artenvielfalt zu. Temperaturunterschiede erwiesen sich ebenfalls als ein entscheidender Faktor für die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften.
Die Studie zeigt, dass selbst unter extremen Bedingungen und an sehr entlegenen Orten stabile Bodenökosysteme existieren können. Dies ist ein Hinweis darauf, dass auch andere Trockengebiete potenziell größere biologische Vielfalt beherbergen, als bisher angenommen. Andererseits beinhalten die Ergebnisse auch Warnsignale: „In einigen untersuchten Gebieten deuten vereinfachte Nahrungsnetze darauf hin, dass die Ökosysteme bereits geschädigt und damit anfälliger für Störungen sein könnten.“
„Angesichts der global zunehmenden Trockenheit, von der immer mehr Regionen der Erde betroffen sind, gewinnen diese Erkenntnisse an Relevanz. Das Verständnis dafür, wie sich Organismen in extremen Umgebungen anpassen und aufgrund welcher Zusammenhänge mit ihrer Umwelt sie sich verbreiten, kann helfen, ökologische Folgen des Klimawandels besser abzuschätzen,“ so Schiffer.
Die Ergebnisse legen nahe, dass sich makroökologische Muster wie Niederschlagsgradienten oder die Bedeutung der Höhenlage auch unter extremen Bedingungen und auf genetischer Ebene wiederfinden lassen. Damit stellt die Studie einen wichtigen Schritt dar, um die Reaktionen von Bodenorganismen auf Umweltveränderungen weltweit besser einzuschätzen.
Originalpublikation:
https://www.nature.com/articles/s41467-025-67117-5

15.01.2026, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Wildkatze nach Jahrhunderten zurück im hohen Norden
Genetische Haaruntersuchung liefert erstmals den 100-prozentigen Nachweis
Wildkatze nach Jahrhunderten zurück im hohen Norden / Genetische Haaruntersuchung liefert erstmals den 100-prozentigen Nachweis
Eine kleine Sensation zum Jahresbeginn: Zum ersten Mal seit Jahrhunderten wurde in Schleswig-Holstein eine Europäische Wildkatze genetisch nachgewiesen. Damit ist die streng geschützte Art offiziell in das nördlichste Bundesland zurückgekehrt. Um mehr über eine mögliche Verbreitung der Wildkatze zu erfahren, startet der BUND gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt (LfU), der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dem Zweckverband Schaalsee-Landschaft und weiteren Partnern in den nächsten Tagen das erste sogenannte Lockstock-Monitoring in Schleswig-Holstein – eine Sammlung von Haarproben.
Bereits im März vergangenen Jahres hatte das LfU mit einer Wildtierkamera ein Tier mit wildkatzentypischen Merkmalen, wie dem buschigen Schwanz, im Kreis Herzogtum Lauenburg fotografiert. Nun gelang ganz in der Nähe der erste genetische Nachweis einer Wildkatze.
Erster Nachweis nach Rettung aus Wildzaun
Das Tier wurde zuvor von Jäger Jan Haberkamm in höchster Not entdeckt. Er fand die Katze fest verknotet in einem Zaun hängend. Sie konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien. Der Jäger schnitt die Katze frei und rettete ihr damit das Leben. Anschließend sammelte er Haare ab, die das Tier am Zaun hinterlassen hatte und das LfU ließ die Haare beim Institut Senckenberg in Gelnhausen genetisch analysieren. Das Ergebnis ist eindeutig: eine Europäische Wildkatze.
Viele Wildtiere verenden qualvoll an Knotengeflechtzäunen. Der BUND setzt sich seit Jahren dafür ein, diese Zäune abzubauen und durch sichere Alternativen aus Holz zu ersetzen.
Erfolg jahrzehntelanger Schutzarbeit
Martin Schmidt, Pressesprecher des LfU: „Der Nachweis der Wildkatze in Schleswig-Holstein ist ein echter Meilenstein für die Art und ein bedeutender Erfolg für den Naturschutz.“
Friederike Scholz, Koordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND-Bundesverband: „Unsere langjährige Arbeit zum Schutz und zur Vernetzung von Wildkatzenlebensräumen zeigt Wirkung. Jetzt möchten wir herausfinden, wo die gefährdete Wildkatze im Norden genau lebt. Nur so können wir ihre Lebensräume sichern und die Art bei der Rückkehr unterstützen.“
Gemeinsam auf Spurensuche
Ob sich die Wildkatze dauerhaft in Schleswig-Holstein angesiedelt hat, ist noch offen. Um mehr zu erfahren, startet in Kooperation verschiedener Akteure nun das erste sogenannte Lockstock-Monitoring in Schleswig-Holstein. Dabei sammeln Freiwillige Haarproben an Lockstöcken, die mit Baldrian besprüht werden – ohne die Tiere zu stören. Sie untersuchen dabei Flächen im Umkreis des neuen Wildkatzenfundes.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern geht der BUND den Spuren der Wildkatze direkt angrenzend an Schleswig-Holstein nach auch direkt im Grenzgebiet. Gemeinsam mit dem Müritz Nationalpark und dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft werden in beiden Schutzgebieten Lockstöcke aufgestellt und von Freiwilligen betreut.

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