Frans de Waal: Mamas letzte Umarmung (Rezension)

Hunde, Katzen, Affen, Elefanten, Delphine, Wale haben Gefühle. Tiere sind nicht weniger emotional als Menschen. Tatsächlich wäre es vermessen, menschliche Gefühle als einzigartig herauszustellen. Frans de Waal, der weltweit führende Forscher auf diesem Gebiet, schildert spannend und mitreißend die vielen, nicht nur emotionalen Gemeinsamkeiten von Tier und Mensch. Sind Affen die besseren Menschen? De Waal schildert in seinem Meisterwerk anschaulich, wie Tiere – insbesondere Menschenaffen – empfinden, mitempfinden, leiden, sich freuen, sozial sind, trauern, wütend, umgänglich sind. Affen haben ein tiefes Gefühlsleben, das sie aber nicht so artikulieren können wie wir Menschen. Gerade beim Abschied der alten Schimpansin »Mama«, die auf ihre Weise mitteilt, dass sie sterben wird, gehen Beobachtung und Schilderung in ein intensives Mitgefühl über. Im Reich der Tiere entdecken wir die elementaren Grundlagen unseres Körpers und unserer Emotionen. Hier zeigt sich, wie großartig und tiefgründig Tiere sind und was wir von ihnen lernen sollten. Das persönlichste und bewegendste Buch von Frans de Waal.
Fast jeder Haustierbesitzer wird bestätigen, dass sein Tier Gefühle hat und auch Emotionen zeigen kann (sofern es die Mimik zulässt, bei manchen Tieren ist die Interpretation etwas schwierig) und dass uns Menschenaffen nahe gehen, beweist auch die Diskussion um Menschenrechte für Menschenaffen.
Frans de Waal beschreibt in seinem Buch die Gefühle und Emotionen von Tieren, hauptsächlich von Bonobos und Schimpansen und die Reaktionen des Menschen (meistens die vom Autor) darauf. Auch andere Tiere werden berücksichtigt, aber den größten Teil nehmen die Primaten ein (verständlich bei einem Primatologen als Autor)
Mamas letzte Umarmung ist ein Buch das wissenschaftliche Forschung und emotionale Beobachtungen gut miteinander verbindet ohne zu fachlich oder zu gefühlsbetont zu wirken. Ich will nicht sagen, dass der Autor den Menschenaffen auf Augenhöhe begegnet (das ist meiner Meinung nach zwischen unterschiedlichen Arten nicht möglich, egal was sich manche Menschen auch einreden wollen, aber ich will mit dieser Aussage den Menschen nicht über den Nichtmenschen stellen), aber seine Herangehensweise zeigt dem Leser, wie ähnlich (und manchmal doch verschieden) wir unseren Mitbewohnern sind.
Der Schimpanse (oder Bonobo, oder jedes andere Tier) wird nicht verniedlicht sondern ernst genommen, von wissenschaftlicher Seite (um die Beobachtungen zu erkennen und zu vergleichen) und auf emotionaler (menschlicher?) Seite (um Vergleiche ziehen zu können und die Beobachtungen begreifen zu können).

Der Leser lernt viel über die Emotionen der Tiere, lernt aber auf der anderen Seite viel über sich selbst und vielleicht begreift er seine Mitbewohner danach besser (wenn er das nicht schon tut)

Ein lesenswertes, lehrhaftes Buch, das aber leicht verständlich geschrieben wurde.
Ich hätte mir nur anstelle der Illustrationen Fotografien gewünscht.

(Rezensionsexemplar)

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