Rewilding

Exmoorponys (Wildpark Sababurg)

Als Rewilding bezeichnet man ein ökologisches Konzept, das darauf abzielt, durch ein Zurückfahren menschlicher Eingriffe und andere Methoden in einem bestimmten Projektgebiet eine ursprüngliche Wildnis und natürliche ökologische Prozesse wiederherzustellen. Der Begriff, seine Methoden und auch die Varianten des Konzeptes sind allerdings nur unscharf zu definieren bzw. voneinander abzutrennen. Häufig umfassen Rewilding-Projekte eine Auswilderung von Spitzenprädatoren und/oder Schlüsselarten. Praktische Beispiele für die Umsetzung des Konzeptes bzw. einer seiner Varianten sind das niederländische Schutzgebiet Oostvaardersplassen, die Wiederansiedelung von Wölfen im Yellowstone-Nationalpark und der Pleistozän-Park in Russland.

Die Freilassung von Spitzenprädatoren bzw. Schlüsselarten, wie der Wolf im Yellowstone-Nationalpark, kann eine Methode des Rewilding sein
Unter dem Terminus Rewilding versteht man allgemein die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme und prinzipiell natürlicher Landschaft in zuvor von Menschenhand in Kulturlandschaften umgewandelten Gebieten. Im Laufe der Zeit sollen die menschlichen Eingriffe in die Natur so weit wie möglich zurückgefahren werden, die Natur im Endeffekt also sich selbst überlassen werden. Häufig wird die Annahme vorausgesetzt, dass der Mensch im Anthropozän seine Umwelt zum Negativen verändert habe. Die Vorstellungen der Rewilding-Konzepte korrespondieren meist mit den Vorstellungen einer Umwelt, wie sie vor dem Anthropozän aussah, oftmals wird aber nicht eine Rückentwicklung, sondern eine Adaption für die Zukunft anvisiert. Eine langfristige Laufzeit zeichnet entsprechende Projekte ebenfalls aus. Eine trennscharfe Definition des Begriffs und seiner genauen Praktiken existiert nicht. Insbesondere in größeren Landschaften funktioniert das Prinzip unter anderem über die Auswilderung von Spitzenprädatoren zur Schaffung natürlicher Graslandschaften,was häufig mit dem Rewilding-Prinzip gleichgesetzt wird, wenngleich es auch andere Ansätze gibt. Auch Renaturierungen und das Verwildernlassen bestimmter Flächen können zum Rewilding gehören, ebenso die Auswilderung größerer Herbivoren, beziehungsweise sogenannter Schlüsselarten. Sozial gesehen gehört auch eine Einbindung der Gesellschaft, gegebenenfalls in Kombination mit wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten (bspw. in Hinblick auf Ökotourismus), mitunter zum Konzept des Rewilding. Selbst die Zurückzüchtung domestizierter Arten in mittlerweile ausgestorbene Wildtierarten kann zum Rewilding-Konzept gezählt werden.

Im Unterschied zu klassischen Renaturierungen habe das Rewilding-Konzept kein konkretes Ziel oder Endstadium, sondern soll ergebnisoffen und ohne konkretes Abschlussdatum sein. Vielmehr soll nach einem sich frei entwickelnden und selbst unterhaltenden Ökosystem ohne die Notwendigkeit menschlicher Eingriffe gestrebt werden. Nichtsdestotrotz ist auch die Abtrennung zwischen Renaturierung und Rewilding mitunter fließend. Im Gegensatz zum klassischen Naturschutz stehe nicht der Schutz bestehender wertvoller Ökosysteme im Fokus, sondern das Zurückbringen wilder Natur in heute mitunter intensiv genutzte Kulturlandschaften. Deutschlandfunk Kultur nannte 2002 „die Verbindungen zwischen verschiedenen Ökosystemen, intakte Nahrungsketten und natürliche Störereignisse wie Überflutungen von Feuchtgebieten“ als Eigenschaften von Gebieten, auf denen Rewilding angewandt wurde. Die Organisation Rewilding Europe nennt eine Selbstverwaltung der Natur, die Rückkehr des Wildlebens, ein „Wohlbefinden“ nicht nur der Natur, sondern auch der Gesellschaft, und auch eine langfristige Durchführung ohne konkretes Ziel als Grundsäulen des Konzepts. Im überregionalen Sinne kann das Rewilding-Konzept auch Bestrebungen umfassen, überregionale Korridore fürs Wildleben zwischen einzelnen Schutzgebieten zu schaffen. In Deutschland beschäftigt sich unter anderem das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung mit dem Rewilding-Konzepts und konkreten Anwendungsfällen. Die IUCN gründete 2017 eine spezielle Arbeitsgruppe fürs Rewilding.

Pleistocene Rewilding ist eine Variante des Rewilding, bei dem die Renaturierung von Naturgebieten mittels der Wiedereinführung der in der jeweiligen Region ehemals vertretenen Megafauna angestrebt wird.
Dies geschieht basierend auf der Annahme, dass vom Menschen ausgerottete oder aus der Wildnis verdrängte Arten, insbesondere Großtiere, einen wichtigen Beitrag zu der Funktionalität ihres Ökosystems leisteten, und deren Wiedereinführung daher essentiell für eine authentische Dynamik in den jeweiligen Arealen sei. Dies wird als sogenannte Megaherbivorenhypothese bezeichnet. Teilweise hängt die argumentative Legitimation der Wiedereinführung von im Pleistozän lokal ausgestorbenen Arten bzw. deren Ersatz vom Zutreffen der Overkill-Hypothese ab, welche den Menschen als die Hauptursache für die Pleistozäne Aussterbewelle sieht.
Der Pleistozän-Park (russisch Плейстоценовый парк, englisch Pleistocene Park) ist ein wissenschaftlich begleitetes ökologisches Experiment und Klimaschutzprojekt in Ostsibirien am Unterlauf des Flusses Kolyma südlich der Siedlung Tscherski.
Ziel des Projektes ist, das die Erderwärmung beschleunigende Auftauen des Permafrostbodens zu vermindern, indem – in Anlehnung an das Konzept des Pleistocene Rewilding und die Megaherbivorenhypothese − durch Wiederansiedlung großer Pflanzenfresser das einst für dieses Gebiet typische Weideökosystem der Arktis des späten Pleistozäns wiederhergestellt wird. Hierfür wurden in einem eingezäunten Areal von 144 Quadratkilometern Fläche Jakuten-Pferde, Rentiere und Elche angesiedelt. Im Herbst 2010 kamen Moschusochsen von der Wrangelinsel hinzu, im Frühjahr 2011 Europäische Wisente und Altai-Marale, 2021 Trampeltiere und Ziegen. Weiterhin wird die Ansiedlung Sibirischer Tiger in Erwägung gezogen.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt 1996 von dem russischen Wissenschaftler Sergei Simow. Mittlerweile hilft auch sein Sohn Nikita Simow bei der Verwaltung des Parks.

Rewilding Europe ist eine Organisation mit Sitz in Nijmegen, Niederlande, die in einigen Regionen Europas an der Umgestaltung von Landschaften nach dem Konzept des Rewilding arbeitet. Das zuvor als „Wild Europe Field Programme“ bezeichnete Programm wurde 2011 von vier Organisationen ins Leben gerufen: WWF-Niederlande, ARK Nature, Wild Wonders of Europe und Conservation Capital, im Anschluss an die „Konferenz über Wildnis und große natürliche Lebensräume“ (Wild Europe) in Prag im Jahr 2009.
Die Organisation sieht Möglichkeiten für den Naturschutz im Wandel in der landwirtschaftlichen Praxis. Die Initiative hat zum Ziel bis 2022 rund 1 Million Hektar Land neu zu gestalten und Wildnisgebiete in ganz Europa zu schaffen. 2014 unterzeichnete Luigi Boitani, der Präsident der Large Carnivore Initiative for Europe, eine Vereinbarung zur Kooperation mit der Organisation.

Die Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung im ländlichen Lebensraum (VWL) in den Schweizer Alpen wendet sich gegen das Rewilding und die Einrichtung von Naturparks mit Großraubtieren und weist auf die schwerwiegenden Folgen für die einheimische Bevölkerung hin. Der Dachverband Lebensraum Schweiz ohne Großraubtiere wendet sich ebenfalls gegen die Präsenz von Großraubtieren in Nationalparks und im bergbäuerlichen Lebensraum, da die Bergbauern infolge der Übergriffe auf ihre Weidetiere nach und nach zum Aufgeben ihrer Ländereien genötigt werden, wovon die Organisation Rewilding Europe profitieren kann. „Das Rewilding mit streng geschützten Großraubtieren führt zum Untergang der Jahrtausende alten alpinen Kulturlandschaft mit ihrer durch Alpwirtschaft einzigartigen hohen Biodiversität“ (Georges Stoffel).

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Rewilding Europe
IUCN CEM Rewilding Thematic Group
PleistozänPark
Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung im ländlichen Lebensraum

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