In der Natur geht Seltsames vor. Grillen verstummen, Tintenfische schrumpfen, Vögel verändern ihr Aussehen und Echsen wachsen lange Beine. Durch den Klimawandel, die Globalisierung, die Zerstörung der Habitate, den Einsatz von Pestiziden und intensive Bejagung verändern sich viele Arten überraschend schnell. So gibt es zum Beispiel immer mehr Elefanten ohne Stoßzähne, weil sich die stoßzahnlosen Exemplare vermehren können, während die mit Stoßzähnen Wilderern zum Opfer fallen. Der Mensch befeuert die Evolution, die Zeiten langsamen Wandels sind vorbei.
Doch neben der wünschenswerten Rettung unserer Tier- und Pflanzenwelt durch die Evolution gibt es auch eine dunkle Seite. Denn auch die unzähligen Mikrobenarten nutzen die rettende Kraft der Evolution. Das Ergebnis sind Resistenzbildungen von Krankheitserregern und Schädlingen. In beiden Fällen geht es um dasselbe Phänomen, daher brauchen wir ein tiefer gehendes Verständnis dieser Prozesse. Bernhard Kegel zeigt, dass wir die Kraft und die Möglichkeiten evolutionärer Veränderungen unterschätzt haben, und entführt uns in die aufregende Welt der Evolutionsbiologie.
Evolution bezeichnet in der Biologie die Veränderung vererbbarer Merkmale von Populationen über Generationen hinweg. Vereinfacht gesagt: Lebewesen einer Art unterscheiden sich voneinander, ein Teil dieser Unterschiede ist erblich, und über viele Generationen verändert sich dadurch die Zusammensetzung einer Population.
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Evolution ein langwieriger Vorgang ist, aber tatsächlich geht das viel schneller als erwartet vor sich. Das zeigt Bernhard Kegel in seinem Buch RETTUNG DURCH SCHNELLE EVOLUTION sehr eindrucksvoll.
Anhand zahlreicher aktueller Forschungsbeispiele zeigt der Autor. dass sich Arten innerhalb weniger Generationen an neue Umweltbedingungen anpassen können – manchmal schnell genug, um dem Aussterben zu entgehen.
Da ist die Rede von stoßzahnlose Elefanten als Reaktion auf Wilderei, verstummte Grillen auf Hawaii als Reaktion auf parasitäre Wespen, kleiner werdende Fische (wie der für die Fischerei wichtige Kabeljau) oder neue Anpassungen an den Klimawandel. Kegel verbindet spannende Naturgeschichten mit fundierter Evolutionsbiologie. Dabei erklärt er komplexe Zusammenhänge verständlich, ohne sie zu vereinfachen oder zu verfälschen.
Kegel macht deutlich, dass schnelle Evolution zwar manchen Arten helfen kann, sie aber keineswegs eine universelle Rettung vor dem menschengemachten Artensterben darstellt. Ebenso beleuchtet er die Schattenseite derselben Prozesse: Antibiotikaresistenzen und resistente Schädlinge entstehen durch dieselben evolutionären Mechanismen. Dadurch vermittelt das Buch ein differenziertes Bild der Evolution als kraftvolle, aber wertfreie Naturerscheinung.
Interessant ist, dass Kegels Evolutionsbeispiele oft menschgemacht sind. Invasive Arten, Veränderungen in den Umweltbedingungen, Tiere, die sich an den Menschen anpassen müssen (wenn man nicht erkennen will, dass auch der Mensch eine invasive Art ist). Einfach erklärt, ein spannendes Thema auch für Nichtwissenschaftler verständlich.
Vielleicht sind einige Erklärungen/Beispiele zu kurz und oberflächlich abgehandelt, bei manchen Themen/Beispielen hätte ich mir mehr Hintergründe gewünscht, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass das den Rahmen des Buchs sprengen würde. Es zeigt aber auch wie vielseitig das Thema ist und auf die Evolution, die auf wenig menschliches Zutun zurück geht, wird wenig eingegangen. Aber … der Leser muss nicht mit allen Aspekten der Evolution überfrachtet werden. Wer sich für Evolution, Ökologie oder Naturschutz interessiert, findet hier vermutlich eines der spannendsten Bücher zum Thema.
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(Rezensionsexemplar)

