Qualzuchten bei Katzen

Hauskatze (Zoo Bratislava)

Von Qualzuchten bei Hunden habe ich ja bereits hier berichtet. Dort gehe ich auch allgemein auf Qualzuchten ein, denn natürlich sind auch andere Haustiere (und Nutztiere) davon betroffen.

Bei Katzen gelten folgende Merkmale als Qualzucht:
Kurzschwänzigkeit und Schwanzlosigkeit
Unterschiedlich ausgeprägte Fehlbildungen der Schwanzwirbelsäule führen zur Verkürzung des Schwanzes. Man unterscheidet zwischen verkürzt aufgerollten Schwänzen, geraden kurzen Schwänzen (tailed), Stummelschwänzen (rumpy rise, stumpy) und völlig schwanzlosen Katzen (rumpy).
Betroffene Rassen: Manx Katze und Cymric; Japanese Bobtail; Kurilen Bobtail
Kurzläufigkeit / Chondrodysplasie
Verkürzte Gliedmaßen, die durch den sogenannten disproportionierten Zwergenwuchs verursacht werden. Eine Fehlbildung der langen Röhrenknochen führen zu einer Verkürzung der Beine. Die Vorder- und Hinterbeine sind kurz, der Rumpf ist normal groß.
Betroffene Rassen: Munchkin-Katze und Kreuzungen wie Minskin, Minuet oder Lambkin
Kurzköpfigkeit / Brachyzephalie
Den Katzen wurde ein immer kürzerer Kopf angezüchtet. Der Kopf ist rundlich, das Gesicht wirkt eingedrückt und flach, die Nase ist wenig oder kaum noch vorhanden. Eine Extremform ist eine Stupsnase auf gleicher Höhe der unteren Augenlider. Der Unterkiefer steht vor. Mit der Brachyzephalie verbundene Beeinträchtigungen werden zusammengefasst unter dem Begriff des brachyzephalen obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS).
Betroffene Rassen: Perser; Exotic Shorthair
Abweichungen / Anomalien der Ohren
Bei den sogenannten Kippohren oder Faltohren sind die Ohrmuscheln der Katze nach vorne oder nach hinten abgeknickt.
Betroffene Rassen: Scottish Fold und Highland Fold; Ukrainische Levkoy; Pudelkatze
Abweichungen / Anomalien des Fells und der Haut
Das Haarkleid weist ein gestörtes Haarwachstum bis zur vollständigen Haarlosigkeit auf. Weitere Merkmale sind eine Verkürzung oder völliges Fehlen der Tasthaare (Vibrissen) und Wimpern.
Betroffene Rassen: Nacktkatzen wie Sphinx, Peterbald, Kohana; Rex Katzen (Devon-, Cornish-, German Rex u. a.); Lykoi
Vielfingerigkeit / Polydaktylie
Bei der sogenannten Vielfingeringkeit haben betroffene Katzen überzählige Zehen an den Pfoten. Es handelt sich um eine Mutation, die bei allen Rassen zufällig auftreten kann.
Betroffene Rassen: diverse; gezielt bei Maine Coon „Superscratcher“; häufig bei Pixie Bob-Katze
Entropium
Der Lidrand des Auges ist nach innen gedreht, was zu Irritationen und Verletzungen der Horn- und Bindehaut führt.
Betroffene Rassen: gehäuft bei brachyzephalen Rassen wie Perser und Exotic-Shorthair
Farbaufhellungen des Felles und der Iris
Katzen mit dem Zuchtziel eines weißen oder aufgehellten Fells. Die Augenfarbe ist variabel, jedoch meistens blau.
Betroffene Rassen: häufig bei Türkisch Angora, Perser, Foreign White, Orientalisch Kurzhaar, Russian White, Van-Katze

Es gibt einige Qualzuchtrassen bei denen man sich fragen muss, warum sie gezüchtet werden, außer um dem Menschen zu gefallen (wobei das Aussehen dann auch wieder im Auge des Betrachters liegt). Wenn es unbedingt eine Rassekatze sein muss, dann gibt es genug „Auswahl“ für weniger anfällige Rassen. Und wenn es um Farbe geht … unter den klassischen Katzenrassen gibt es auch schöne Färbungen …

Die Europäisch Kurzhaar ist natürlich keine Qualzucht. Die Existenz der sogenannten Qualzuchten auch, dass diese Tiere ihre Liebhaber haben.

Das Deutsche Tierschutzgeset regelt in Paragraf 11b, was unter einer Qualzucht zu verstehen ist. Die Kurzfassung: Wenn erwachsenen (Wirbel)Tiere oder ihren Nachkommen aus erblichen (zuchtbedingten) Gründen Körperteile oder Organe fehlen oder ihr Körper so umgestaltet ist, dass sie dadurch Schmerzen oder Einschränkungen erleiden, handelt es sich um eine Qualzucht. Dabei sind alle physischen oder psychischen Erkrankungen, die durch die Zucht entstehen und zu Leiden, Beeinträchtigungen oder Untauglichkeit des Tieres führen, als Qualzuchtmerkmale zu bewerten.

Aber trotz der gesetzlichen Grundlage heißt es nicht, dass die Zucht dieser Katzen (und anderer Tiere, die den Qualzuchtkriterien entsprechen) in Deutschland verboten ist. Die Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimzucht in einem vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung beauftragten Gutachten hat Qualzuchtmerkmale für Wirbeltiere festgelegt hat.
Das Gutachten kann man hier einsehen.

Der Besitz ist nicht verboten: Wer eine solche Katze hat, macht sich nicht strafbar.
Zucht und Verkauf können jedoch verboten sein, wenn die Merkmale zwangsläufig Leiden verursachen.
In der Praxis gibt es aber auch Schlupflöcher, weil „moderate“ Linien mancher Rassen (z. B. nicht weiße Perser mit normalem Gesicht) nicht betroffen sind.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert