Mücken und ihre Krankheiten 3

Mücken … der perfekte Vektor für Infektionskrankheiten.
Ein Vektor (von lateinisch vector ‚Reisender‘, ‚Träger‘) oder Krankheitsüberträger ist in der Biologie und der Medizin ganz allgemein ein Überträger von Krankheitserregern, die Infektionskrankheiten auslösen. Der Vektor transportiert einen Erreger vom Wirt auf einen anderen Organismus; der Vektor selbst erkrankt nicht. Dies gilt auch für Menschen und Tiere mit Infektionen, die schon während der Inkubationszeit ansteckend sind. Das entspricht einem indirekten Infektionsweg.
Und weil Mücken so „erfolgreich“ sind, wurden sie schon mehrmals im Blog erwähnt:
Rifttalfieber, West-Nil-Fieber, Chicungunya
Herzwürmer, Blauzungenkrankheit, Pferdeenzephalomyelitis
und natürlich Malaria (1,2)
Herzwürmer, Blauzungenkrankheit, Pferdeenzephalomyelitis stellen keine Gefahr für den Menschen dar, sind aber nicht die einzigen Krankheiten, die ausschließlich Tiere betreffen und damit keine Zoonosen sind. Andere Krankheiten werden eher selten auf Menschen übertragen, sind aber nicht auszuschließen
Das von Mücken der Gattung Culex (den umgangssprachlich als Stechmücken bezeichnete Mücken) übertragene Usutu-Virus (USUV, Spezies Orthoflavivirus usutuense) gehört dazu. Das Virus wird meist bei Vögeln diagnostiziert, Fälle beim Menschen sind selten, aber möglich. Das Virus verursacht Infektionen bei Vögeln und Säugetieren. Bei Vögeln ist die Infektion oft tödlich, beim Menschen verläuft die Infektion in der Mehrheit der Fälle symptomfrei oder mit geringen Beschwerden ab. Neurologische Symptome und schwere Krankheitsverläufe sind beim Menschen selten, aber nicht ausgeschlossen.
Infektionen verlaufen bei den meisten Vögeln symptomlos, jedoch tritt bei Amseln oder Bartkäuzen häufig auch eine deutliche klinische Symptomatik, gefolgt von Todesfällen, auf. Zunächst zeigen die Tiere oft struppiges Kleingefieder im Hals-Kopfbereich mit einer hellen Verfärbung, welches bis zur teilweisen oder vollständigen Kahlheit im Kopfbereich führen kann. Auch folgen Apathien und Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS) wie Taumeln oder Kopf-Verdrehen. Die erkrankten Individuen sterben meist innerhalb weniger Tage. Amseln sind nach den entdeckten Fällen besonders anfällig für eine Erkrankung, weshalb die Usutu-Epizootie teilweise auch als „Amselsterben“ bekannt wurde. Jedoch werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können dann daran sterben.
Bei Pferden in Kroatien, Italien und Serbien wurden bisher nur USUV-spezifische Antikörper nachgewiesen, eine klinische Symptomatik bei Pferden trat bisher in Europa nicht auf.
In der Mehrheit der Fälle verläuft die Infektion beim Menschen symptomfrei oder mit geringen Beschwerden ab. 1981 wurde erstmals in der Zentralafrikanischen Republik ein Infektionsverlauf beim Menschen beschrieben. Bei immungeschwächten und älteren Patienten wurden schwere Verläufe beobachtet. Typische Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge. Das Virus kann jedoch auch eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) auslösen.

Blutausstrich mit Plasmodium relictum (violett gefärbt) in roten Blutkörperchen (Vogel-Erythrozyten mit Kernen) (USGS)

Plasmodium relictum ist ein Endoparasit und eine der häufigsten Ursache für die Vogelmalaria. Wie alle Plasmodium-Arten benötigt P. relictum Wirbeltiere als Endwirte sowie blutsaugende Insekten als Vektoren und Zwischenwirte.
P. relictum ist einer der häufigsten Malariaparasiten für eine Vielzahl von Vögeln verschiedener Ordnungen. Infektionen bei zahlreichen Wildvögeln und Versuchstieren wurden beschrieben, darunter Eulen, Gänsevögel, Hühnervögel, Pinguine, Sperlingsvögel und Tauben. Die Erkrankung verläuft bei endemisch auf Hawaii lebenden Kleidervögeln sehr oft tödlich, experimentell bis zu 100 % nach Mehrfachinfektion (hohe Dosierung) und bis zu 90 % nach Einfachinfektion junger Iwikleidervögel, während junge Muskatbronzemännchen aus Hawaii, ursprünglich aus Südostasien stammend, Resistenz gegen die Vogelmalaria zeigten.
Als Vektor zur Ausbreitung und Übertragung wurden die blutsaugenden Weibchen der Gemeinen Stechmücke identifiziert, insbesondere die Unterart Culex pipiens pipiens, außerdem die nahe verwandte Art Culex quinquefasciatus. Auch in anderen Stechmücken wurde Plasmodium relictum beschrieben.
Säugetiere sind von der Vogelmalaria nicht betroffen.

Viele verschiedene Plasmodienarten infizieren Reptilien. Die weitaus meisten Wirte dieser Parasiten sind Echsen, lediglich drei Arten wurden bei Schlangen gefunden. Die Wirtsspezifität ist hoch. Eine Literaturübersicht aus dem Jahr 1988 nennt 69 beschriebene Arten. Die meisten Arten wurden in Lateinamerika und Afrika gefunden, einige wenige auch in den USA, in Südostasien, Australien und Neuseeland.
Für viele dieser Parasiten sind die Vektoren nicht bekannt. Neben Stechmücken wie Culex, die beispielsweise P. floridense bei Anolis übertragen, wurden auch andere Zweiflügler als Vektoren untersucht. So konnte gezeigt werden, dass P. mexicanum von Sandmücken der Gattung Lutzomyia übertragen werden kann.
Die Infektion verläuft meist ohne erkennbare Symptome, nur bei starkem Befall kann es Anzeichen von Blutarmut (Anämie), Schwäche und verlangsamte Regeneration geben.
Todesfälle sind selten dokumentiert, aber nicht ausgeschlossen – meist nur bei stark geschwächten oder fehlangepassten Tieren.

Als Vogelpocken oder Geflügelpocken (Variola avium, veraltet Pockendiphtherie oder Pockendiphtheroid) wird eine pockenartige Viruserkrankung bei Vögeln bezeichnet, die durch Vertreter der Gattung Avipoxvirus (Avipoxviren) in der Familie der Pockenviren (Poxviridae) hervorgerufen wird. Sie gehört in Deutschland und Österreich zu den meldepflichtigen Tierseuchen. Die Vogelpocken sind hochansteckend, die Erkrankungsrate bei einer Infektion beträgt 100 %, die Sterblichkeit bei einer Erkrankung ist, außer bei Erkrankungen mit dem Kanarienpockenvirus, jedoch nur gering. Die Vogelpocken äußern sich in Haut- und Schleimhautveränderungen, können aber auch septikämisch verlaufen.
Vogelpockenviren und -erkrankungen sind bei einer Vielzahl von Vogelarten weltweit nachgewiesen. Die Wirtsspezifität ist nicht sehr hoch, die einzelnen Vertreter gehen auch auf heterologe Wirte über. Dabei wird jedoch eine Infektion aber im Regelfall nur über Insektenstiche/-bisse ausgelöst, nicht wie sonst durch Kontakt mit virushaltigen Sekreten. Ein Übergang vom heterologen Wirt auf den eigentlichen Wirt findet vermutlich nicht statt. Vogelpockenviren wurden auch aus Hautverletzungen bei Nashörnern isoliert.
Die Infektion erfolgt im Regelfall durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder indirekten Kontakt mit virushaltigem Material über kleinste Haut- und Schleimhautverletzungen, bei heterologen Wirten jedoch nur, bei Wildvögeln vor allem durch Insektenstiche (Stechmücken).
Die Inkubationszeit beträgt 8 Tage. An der Infektionsstelle kommt es zunächst zu einer umschriebenen Hautrötung, die sich nach ein bis zwei Tagen in eine Papel und kurz darauf in eine borkige Veränderung („Primärpocke“) umbildet. Nach einer Virusvermehrung an der Infektionsstelle erfolgt die erste Ausschwemmung in das Blut (Virämie) und dann zur Besiedlung der lymphatischen Organe und der Leber. Nach einer weiteren Vermehrung erfolgt eine zweite Virämie, durch die sich die Krankheit an der Haut, den Schleimhäuten oder der Lunge manifestiert.
Infizierte Tiere scheiden Viren über das Nasen- und Augensekret sowie über die Hautveränderungen aus.
Nach der zweiten Virämie kann sich die Erkrankung in verschiedenen Formen äußern:
Die Hautform ist durch papulöse Veränderungen vor allem in unbefiederten Regionen, um das Auge herum, am Schnabelansatz, am Kamm und an den Ständern gekennzeichnet. Die Papeln trocknen ein, färben sich gelblich und später bräunlich und fallen dann ab. Bei mildem Verlauf treten im Anschluss daran häufig gutartige Hauttumoren auf.
Die diphtheroide Form zeigt sich durch fibrinöse Beläge an den Schleimhäuten in der Schnabel-Rachenhöhle (Oropharynx) und am Kehlkopf. Die diphtheroide Form kann mit Hauterscheinungen kombiniert sein.
Die septikämische Form zeigt sich in Allgemeinstörungen wie Abgeschlagenheit, Fressunlust und Zyanosen. Sie endet meist tödlich, ohne dass typische pockenartige Effloreszenzen auftreten.
Bei Papageienvögeln werden auch Sonderformen wie schwere diphtheroide Darmentzündungen und Nekrosen des Herzmuskels beschrieben. Bei Kanarienvögeln kommt es häufig zu schweren Atembeschwerden, wobei die Vögel den Schnabel beim Atmen schnappend öffnen („Schnappkrankheit“).
Eine Therapie ist nicht möglich. Zur Prophylaxe kann ein Lebendimpfstoff eingesetzt werden. Dieser wird vor allem bei Ausbrüchen der Vogelpocken an noch nicht infizierte Tiere verabreicht. Ziervögel sollten zumindest in größeren Beständen zum Schutz vor Kanarienpocken geimpft werden. Der Impfstoff wird intramuskulär oder durch Durchstechen der Flughaut (wing-web-Methode) verabreicht.

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