Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein!
Und findet sich damit in der wohl luxuriösesten Unterkunft am Rand der Großstadt, die ihr zuhause ist, wieder. Zusammen mit dem Who-is-who der gesamten Stadt: Klatsch, Tratsch und üble Nachrede garantiert. Aber einen-ruhigen-Wollknäuel-schieben und sich auf der beheizten Fensterbank räkeln? Nix da! Scheinen zunächst das Wiedersehen mit dem von sich überzeugten Schlagerkater Florian Silberschweif, der auch noch auf Katzengras-Entzug ist, und die Lästereien der Tratsch-Katzen um Schnurrhaar-Diva Meredith ihr größtes Problem zu werden, überschlagen sich bald die Ereignisse. Ein schrecklicher Fund beendet jäh den entspannten Luxusurlaub: Die verwöhnte Stubentigerin und Wanna-Be-Showkatze Schnurrsanne hat ihr neuntes Leben ausgehaucht. Und der Mörder oder die Mörderin scheint direkt aus der bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft verwöhnter Haustiere im Luxushotel zu sein! Oder kommt das Böse doch aus dem tiefen, dunklen Wald nebenan? Als bekannteste und beliebteste Spürnase der Stadt bleibt für Miez Marple nur eines übrig: ihren Urlaub für beendet erklären und die Ermittlungen aufnehmen!
Eine tote Showkatze, ein Hotel voller verwöhnter Tiere und beinahe so viele Tatmotive wie Gäste. Mittendrin: die schnurrende Ermittlerin Miez Marple… MIEZ MARPLE UND DIE TATZE DER VERDAMMNIS ist der dritte Teil der Krimis um MIEZ MARPLE. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich den Vorgänger kennen musste, um der Handlung zu folgen (was aber nicht heißt, dass ich MIEZ MARPLE UND DIE PFOTE DES BÖSEN nicht noch lesen werde), war aber froh, zumindest den ersten Teil zu kennen, denn zumindest tauchten „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein ebenso augenzwinkernder wie clever konstruierter CosyCrime, der vor allem von den Eigenheiten seiner Charaktere lebt. Und es sind nicht nur Katzen, die das Buch bereichern. Da gibt es Tauben, Kaninchen, Enten … die arttypisches Verhalten zeigen, aber doch als eigenständige Persönlichkeiten erkennbar sind. Schon der Titel macht klar, dass hier Humor, Wortspiel und eine liebevolle Hommage an klassische Detektivgeschichten im Mittelpunkt stehen. Konsequent wird das fortgesetzt, was mir auch schon im ersten Teil gefallen hat, auch wenn die Menschenwelt eine etwas untergeordnete Welt spielt und sich die Handlung sehr auf das Hotel beschränken und dadurch schon fast ein zeitloser Whodunit nach Christie-Art entsteht … mit viel Schnurren und Gequake. Miez Marple und ihr neuer Assistent (Silberschweif) ermitteln im Milieu der Showkatzen und es wird divenhaft. Es entwickelt sich eine wendungsreiche Geschichte, die einen überraschenden Täter präsentiert.
Die Sprache ist flüssig, pointiert und voller kleiner, oft sehr subtiler Anspielungen, nicht nur auf die klassische Kriminalliteratur. Der Autor vermenschlicht seine feline Protagonistin nicht übermäßig, sondern nutzt ihre Perspektive, um menschliche Schwächen und Absurditäten mit feiner Satire zu beleuchten.
Auch das Setting überzeugt. Die Schauplätze sind atmosphärisch dicht beschrieben, ohne ausufernd zu wirken, und bieten genügend Raum für Nebenfiguren, die mehr sind als bloße Stichwortgeber. Viele von ihnen besitzen skurrile Eigenheiten, die den Krimi zusätzlich beleben und für humorvolle Momente sorgen, ohne die Spannung zu untergraben.
Katzenkrimis gibt es viele, und nicht immer können sie überzeugen. MIEZ MARPLE kann überzeugen. Freunde von Katzenkrimis oder von Tierdetektiven im Allgemeinen, werden viel Spaß haben.
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(Rezensionsexemplar)
