Sven Herzog: Die Wildtiere Mitteleuropas (Rezension)

 


Vom Alpenschneehuhn über Fasane und Rehe bis hin zu Wölfen – wer mehr über unsere heimischen Wildtiere wissen möchte, der braucht dieses Buch! Sven Herzog, Professor für Wildökologie und Jagdwirtschaft, behandelt in diesem Buch alle wichtigen Säugetiere und Vögel. Die Tierporträts informieren über die Naturgeschichte und Verbreitung, den Lebensraum, die Ernährung und Fortpflanzung sowie über das Management der Wildtiere. Ein Buch, das allen Nutzen bringen wird, die in den Bereichen Jagd, Forst und Naturschutz unterwegs sind oder die relevanten Fächer studieren. Aber auch diejenigen, die sich außerhalb der beruflichen Felder für unsere heimische Tierwelt interessieren, werden hier wertvolle Informationen finden.
DIE WILDTIERE MITTELEUROPAS ist kein Bestimmungsbuch. Es stellt nicht die gesamte Tierwelt Mitteleuropas vor (so fehlen vor allem viele Singvögel und Nagetiere, um ein paar Beispiele zu nennen) und beschränkt sich nicht auf Beschreibungen der vorgestellten Tierarten. Wer also auf der Suche nach einem Bestimmungsbuch ist, wird sich anderweitig umsehen müssen. Aber das soll keine negative Kritik an diesem Buch sein, denn auch wenn es auf der Bestimmungsebene versagt (weil es nicht der Grund seiner Existenz ist), so hat es andere Stärken, die es lesenswert machen. Und so richtet sich das Buch an all jene, die Interesse an der heimischen Fauna haben, sei es aus beruflicher Sicht (Studenten, Jäger, Förster …) oder rein aus persönlichem Interesse. Leicht verständlich sind die Portraits trotz des vermittelnden Fachwissens auf jeden Fall.
Der Aufbau der einzelnen Portraits ist größtenteils identisch. Bilder und ein kurzer Steckbrief stellen das Tier vor, bevor es um Systematik und Naturgeschichte der einzelnen Art geht, sowie deren Biologie und Ökologie. Interessant für Naturschützer (und Jäger) dürfte die Populationsdynamik und das Management der entsprechenden Tierart sein (wenn es darum geht den Bestand einer bestimmten Art zu regulieren, nach unten, wenn sie zu viele werden, oder nach oben, wenn die Art bedroht ist). Manche Tiere haben auch eine besondere Bedeutung für den Menschen, auch das wird hervorgehoben.
Der Autor gibt Vorschläge zum Management der Arten, die größtenteils mit der Erhaltung/Erweiterung der vorhandenen Lebensräume zusammenhängen, gibt aber auch an, was bereits getan wird bzw. wurde. Die Poulationsdynamik vieler Arten zeigt an, wie weit sich der Bestand seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verändert hat. Viele Tiere, die damals bedroht waren bilden wieder stabile Populationen, wobei das (leider) nicht auf alle Arten zutrifft.
Lesenswert und Informativ.
Was mich besonders interessiert hat (und teilweise auch befremdet) war die systematischen Ansichten des Autors, die natürlich auch eine wissenschaftliche Grundlage haben, aber durch die Festlegung mancher Arten als „biologische Art“ zu mir bisher nicht bekannten Ansätzen führten. So könnten Sikahirsch und Rothirsch eine Art darstellen, wobei ich von anderen Taxonomen die Aufspaltung in drei Arten kenne (Rothirsch, Wapiti und Sikahirsch). Auch bei Gämsen oder Steinböcken werden verschiedene Arten nur als Unterarten einer Art (Steinbock und Gämse) betrachtet … und bei den Vögeln ist es nicht anders, wenn neuere Erkenntnisse (vor allem bei den sogenannten Schreitvögeln) wenig Beachtung finden. Für (Hobby)Taxonomen ein Buch, das eine wahre Fundgrube an neuen (oder wenig bekannten) Erkenntnissen ist.
Wie gesagt, DIE WILDTIERE MITTELEUROPAS stellt kein Bestimmungsbuch dar, stellt aber einen großen Teil der heimischen Fauna vor, oft mit Informationen, die jedes Bestimmungsbuch vermissen lässt. Und alleine schon deswegen ist es ein Buch, das für jeden Tierliebhaber geeignet ist.

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(Rezensionsexemplar)

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