Elena Passarello: Berühmte Tiere der Menschheit (Rezension)

Erkennen wir uns selbst, wenn wir ein Tier betrachten? Die Kreuzspinne Arabella wurde berühmt, als ganz Amerika ihr 1973 zusah, wie sie lernte, in der Schwerelosigkeit des Alls ein Netz zu spinnen. Die Gorilladame Koko schaffte es in die Medien, weil sie per Gebärdensprache mit Menschen kommunizieren und sie bewusst zum Lachen bringen konnte. Und Mozart inszenierte eine aufwendige Beerdigung für seinen Vogel „Stahrl“, dem er womöglich einige seiner genialsten musikalischen Ideen verdankte. Wenn Tiere Geschichte schreiben, dann, weil sie uns Menschen besonders nahe kommen. Elena Passarellos hinreißende „Hall of Fame“ der Tierwelt erinnert uns daran, woher wir kommen und mit wem wir diesen Planeten teilen.
Kurz nachdem das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn gestorben war bekam ich das Angebot, das Buch von Elena Passarello zu rezensieren.
Sudan (das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn) spielt zwar keine Rolle, dafür andere mehr oder weniger bekannte Tiere, die in gewissen Kreisen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben.
Die Essays sind sehr unterschiedlich in ihrer Art, oft philosophisch, manchmal informativ und/oder nachdenklich. Allerdings ist auch die Qualität der Essays nicht vergleichbar und so finden sich in meinen Augen gute neben weniger guten und mit einigen konnte ich mich nicht anfreunden.
Als Negativbeispiele mögen die Beiträge zu Darwins Schildkröte und der Löwe Cecil gelten.
Durch die Offenlegung der Gedanken Harriets (Darwins Schildkröte) wird mir das Tier zu sehr vermenschlicht und entfremdet sich mir dazu zu sehr. Ich weiß nicht was Schildkröten denken, oder wie sie die Welt wahrnehmen (sicherlich kennen sie die Namen, die ihnen der Mensch gegeben hat nicht). Es mag ein Stilmittel sein, aber es ist eines, das ich nicht nachempfinden kann.
Dem Löwen Cecil wird eine Seite gewidmet, wobei eher sein „Mörder“ zu Wort kommt. Um diese Seite verstehen zu können, muss man sich näher mit den Umständen von Cecils Tod auseinandersetzen, auch wenn die Vorkommnisse noch nicht so lange zurück liegen.
Andere Essays haben mir aber durchaus gefallen: Die Geschichte von Dürers Nashorn, Elenas persönliche Erinnerungen an das Einhorn Lancelot (weil das Kindheitserinnerungen weckt. Ich kann mich erinnern, ebenfalls ein Einhorn wie Lancelot gesehen zu haben, aber mir war klar, dass es kein echtes Einhorn war, aber damals gab es hin und wieder diverse Tierfreakshows) oder die Geschichte der Elefanten in Europa.

Elena hat ein anspruchsvolles Buch zusammengestellt, dessen Zugang vielen Lesern vielleicht nicht gelingen wird. Es ist kein Zoologiebuch, keine Kurzgeschichtensammlung und schon gar kein Lexikon.
Mir gelang der Zugang teilweise, denn nur wenige der zusammengestellten Essays haben mich erreicht.
Es ist definitv nicht das beste Buch über Tiere, das ich je gelesen habe (wie es bei Helen McDonald auf dem Klappentext zu lesen ist)

Erwähnenswert ist allerdings die Arbeit der Übersetzerin Beatrice Fassbender, die bestimmt keine leichte Aufgabe vor sich hatte, diese aber erfolgreich meisterte.
Ebenfalls erwähnenswert ist die Bibliografie, die Elena für ihre Essays zu Rate zog. Und zu besseren Verständnis einiger der Essays schadet es nicht, dem einen oder anderen Hinweis nachzugehen.

Ich kann nicht sagen, an wen sich dieses Buch wendet.
Tierfreunde könnten enttäuscht werden, da man anhand des Titels durchaus etwas anderes erwarten könnte: Eine Ar Biografie. Die Darstellung der Tiere ist mehr die der Menschen, die mit ihnen zu tun haben.
Künstlerisch mag „Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte“ ein Gewinn sein und vielleicht macht es sich auch gut im Bücherregal, aber nur wenige der Essays sind in meinen Augen wirklich lesenswert.

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