Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Auf einem der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, ihrer Vergangenheit kann Franny nicht entfliehen. Schon bald wird die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.
Eine Ode an die bedrohten Geschöpfe dieser Erde. Eine Geschichte über die Wege, die wir gehen für die Menschen, die wir lieben. Und sei es bis zum äußersten Rand der Welt.
Charlotte McConaghys Roman ZUGVÖGEL ist ein eindringliches, atmosphärisch dichtes Buch über Verlust, Schuld und eine Welt, in der das Verschwinden der Tiere längst zum Alltag geworden ist. Was zunächst wie ein Roman über eine außergewöhnliche Forschungsreise erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem psychologischen Drama über eine Frau, die ebenso rastlos ist wie die Vögel, denen sie folgt.
McConaghy entwirft ihre Zukunft nicht als spektakuläre Science-Fiction-Dystopie. Es gibt keine ausführlichen Erklärungen des ökologischen Zusammenbruchs und keine dramatischen Katastrophenszenarien. Stattdessen zeigt sie eine erschreckend vertraute Welt, aus der nach und nach etwas verschwunden ist. Wälder, Meere und Landschaften existieren weiterhin – doch sie sind leerer geworden. Gerade diese „stille Apokalypse“ des Artensterbens wirkt ausgesprochen beklemmend.
Die Küstenseeschwalbe dient dabei als zentrales Motiv. Diese Art legt auf ihren jährlichen Wanderungen enorme Entfernungen zwischen Arktis und Antarktis zurück. Frannys rastloses Leben spiegelt sich in diesen Wanderungen. Sie kann kaum irgendwo bleiben, Beziehungen dauerhaft aufrechterhalten oder ein Gefühl von Heimat entwickeln. Das macht den Titel „Zugvögel“ auf mehreren Ebenen treffend.
McConaghy schreibt in einer bildhaften, melancholischen und häufig beinahe poetischen Sprache. Vor allem ihre Beschreibungen des Meeres, der Kälte und der Vögel besitzen große Intensität. Die Natur ist dabei nicht bloße Kulisse. Das Verschwinden der Tiere wird zu einem emotionalen Zentrum des Romans. Aber die faszinierende ökologische Ausgangslage wird kaum ausgearbeitet. McConaghy beschreibt eine Welt, in der ein großer Teil der Tierwelt verschwunden ist, erklärt aber kaum, wie dieser Zusammenbruch abgelaufen ist und welche ökologischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Konsequenzen daraus entstanden sind. Die Welt funktioniert vielerorts erstaunlich normal weiter und das Verschwinden der Arten scheint fast bedeutungslos zu sein. Aber es handelt sich hier auch nicht um eine wissenschaftlich ausgearbeitete Zukunftsvision. Dennoch habe ich das Gefühl, dass da noch mehr gegangen wäre, und der Roman durch das Hervorheben des Artensterbens noch mehr gewonnen hätte. Auch der andere Weg wäre denkbar: Das Artensterben zu ignorieren und nur auf die Bedeutung des Fischfangs und der Seeschwalben hinzuweisen. Aber der Roman enthält sehr vieles, vielleicht zu viel, denn neben Frannies Erlebnissen auf der Sterna paradisaea und der allgemeinen ökologischen Situation wird auch Frannies Vergangenheit beleuchtet, die zwar den Charakter vertieft, aber die Geschichte noch um einiges erweitert, von dem man nicht sicher sein kann, was sich die Autorin dabei gedacht hat.
McConaghy springt zwischen verschiedenen Lebensphasen Frannies hin und her und enthüllt entscheidende Informationen nur allmählich. Anfangs funktioniert das sehr gut, weil sich aus den Fragmenten langsam ein Bild der Protagonistin zusammensetzt. Später wirkt das Verfahren jedoch zunehmend wie ein dramaturgisches Mittel, um möglichst lange Geheimnisse zurückzuhalten.
ZUGVÖGEL will viel, lässt aber viele Fragen unbeantwortet und auch die Richtung des Romans ist oft unklar.
Als konsequent durchdachte ökologische Zukunftsvision überzeugt der Roman nicht. Dafür bleibt seine Welt zu skizzenhaft, und manche dramatische Wendung wirkt stärker konstruiert als notwendig. Auch Frannies persönliche Tragödie nimmt schließlich so viel Raum ein, dass das eigentlich faszinierende Thema des globalen Artensterbens zeitweise in den Hintergrund gerät.
Und ja, ich muss sagen, dass mich das Buch sehr enttäuscht hat. Vielleicht wäre es besser gewesen es zu lesen, und nicht als Hörbuch zu hören. Aber … WO DIE WÖLFE SIND hat mich als Hörbuch überzeugt. Eva Meckbach war überzeugend und die passende Stimme für dieses Buch. Was also ist bei ZUGVÖGEL falsch gelaufen. Ich weiß es nicht. Tatsächlich war ich etwas schockiert zu erfahren, dass mir die Sprecherin bereits bekannt war, und damals wirklich gut war. Bei ZUGVÖGEL ist es anders. Ich weiß nicht, wie ich es anders umschreiben soll, aber … ich habe mich etwas gelangweilt. Die Geschichte wurde lieblos erzählt, es gab keine merklichen Stimmveränderungen, es war als ob die Geschichte einfach vorgelesen wurde. Vielleicht fällt meine Meinung auch deswegen so negativ aus: Ich wurde nicht abgeholt. ich wurde eingelullt, statt aufgeweckt. Ich habe zwar bis zum Schluss durchgehalten, aber … die mir bekannten positiven Meinungen kann ich nicht nachvollziehen. Das Buch hat mich gelangweilt, aber ich weiß nicht, ob ich anders denken würde, wenn ich es selbst gelesen hätte. Nur … habe ich darauf keine Lust. Mit WO DIE WÖLFE SIND hat mich Charlotte McConaghy war ein berührendes Buch und auch die Hörbuchfassung war gelungen. Hier … eignet sich das Hörbuch schon fast für diejenigen, die Schlafstörungen haben.
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