Joséphine und ihre fünf Klassenkameraden lieben ihre kleine Förderschule, vor allem ihre bezaubernde Lehrerin Mademoiselle Jennings. Doch ein Wasserschaden führt dazu, dass die kleine Klasse in die benachbarte Gesamtschule ziehen muss. Nun haben die sechs Kinder viel zu tun: Zum einen ermitteln sie voller Eifer, wie es zu dem mysteriösen Wasserschaden kommen konnte, und finden bald erste Hinweise. Zum anderen müssen sie an der Gesamtschule eine ganze Reihe von Vorurteilen aus dem Weg räumen. Alles gipfelt in einem spektakulären Zoobesuch, der allen noch lange in Erinnerung bleiben wird …
Bisher habe ich zwei Bücher von Joël Dicker gelesen, aber so richtig warm geworden bin ich mit seinen Geschichten nicht. Aber wie hätte ich bei einem Buch mit dem Titel DER ÄUSSERST KATASTROPHALE AUSFLUG IN DEN ZOO widerstehen können. Zumal es ein Kinderbuch war, und manche Autoren das in meinen Augen besser können als wenn sie für Erwachsene schreiben. Und ja, dieses Buch hat mich begeistert, auch wenn es nicht explizit ein Kinderbuch ist. Es liest sich so, aber gegen Ende erfährt man vom Autor, dass es ein Buch für alle ist. Und damit kann ich leben. Das Buch hat seine Stärken, was bei den Protagonisten beginnt (den Kindern), bei den Antagonisten (die Eltern oder so…) nicht endet, denn im Großen und Ganzen ist es ein großer Lesespaß, erzählt aus der Sicht eines „besonderen“ Kindes, und das Ende, der äußerst katastrophale Ausflug in den Zoo, ist nur das Ende… davor passieren schon genügend andere Katastrophen… die für kurzweilige Unterhaltung sorgen.
DER ÄUSSERST KATASTROPHALE AUSFLUG IN DEN ZOO ist eine liebenswerte, humorvolle und stellenweise herrlich absurde Geschichte über Freundschaft, Toleranz und die kleinen Verrücktheiten des menschlichen Zusammenlebens. Anders als seine „großen“ Romane des Autors wird hier ein einfacher Sprachstil genutzt, kindgerecht, und für jeden verständlich. In meinen Augen ein Pluspunkt, und Joël Dicker darf (und sollte9 gerne mehr Bücher für eine jüngere Leserschaft schreiben. Statt eines komplexen Kriminalromans mit zahlreichen Wendungen und klischeehaften Charakteren präsentiert er eine ebenso turbulente wie warmherzige Geschichte für alle.
Dicker versteht es, alltägliche Situationen durch die unbefangene Logik seiner jungen Figuren ins Absurde zu steigern. Die Kinder nehmen vieles wörtlich, stellen unbequeme Fragen und entlarven dabei ganz nebenbei die Widersprüchlichkeiten erwachsener Verhaltensweisen. Gerade dieser Perspektivwechsel sorgt für zahlreiche amüsante Momente.
Hinter der heiteren Oberfläche verbirgt sich allerdings eine durchaus ernsthafte Botschaft. Der Roman beschäftigt sich mit Ausgrenzung, Anderssein, gegenseitigem Respekt und der Frage, was eine Gemeinschaft eigentlich zusammenhält. Dicker vermittelt diese Themen überwiegend mit Leichtigkeit und ohne den erhobenen Zeigefinger. Besonders sympathisch ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder Unterschiede akzeptieren, während die Erwachsenen häufig erst lernen müssen, über ihre eigenen Vorurteile hinauszudenken. Ja, man kann durchaus sagen, dass die Erwachsenen hier nicht wirklich gut weg kommen.
Literarisch bleibt die Geschichte bewusst einfach. Die Figuren sind eher liebevoll gezeichnete Typen als psychologisch tiefgründige Charaktere. Die Handlung lebt weniger von literarischer Raffinesse als von ihrem Tempo, ihrem Charme und ihrer unbeschwerten Erzählfreude.
DER ÄUSSERST KATASTROPHALE AUSFLUG IN DEN ZOO … kurzweilig und sehr amüsant. Und wohl tatsächlich für Leser jeden Alters.
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(Rezensionsexemplar)

