Ölkäfer, Wespen, Schaben, Mücken & Co. sind bei uns nicht gerade beliebt. Aber Insekten können weit mehr als Ekel, Angst und Schrecken zu verbreiten. Der forensische Entomologe Marcus Schwarz stellt die interessantesten und skurrilsten unserer heimischen Insekten vor. Giftige Verteidigungsstrategien, waghalsige Flugmanöver, blutrünstige Ernährungsweisen und morbide Überlebensstrategien: Unsere Insekten haben eine Bandbreite an kuriosen Lebensstilen zu bieten.
Mit wissenschaftlicher Präzision und viel Humor nimmt Marcus Schwarz seine Leser mit in die Welt der Insekten und zeigt, dass sie nicht nur unverzichtbar für unser Ökosystem, sondern auch ganz spannend sind, wenn man sich nur näher mit ihnen befasst.
Insekten gehören zu den erfolgreichsten und vielfältigsten Lebewesen unseres Planeten. Dennoch begegnen ihnen viele Menschen mit Unbehagen, Ekel oder schlichtem Desinteresse. Und für manche (Autofahrer! Allergiker) ist das Insektensterben eher Segen als Fluch. Dass diese kleinen Tiere alles andere als langweilig sind, stellt Marcus Schwarz mit VON INSEKTEN MIT ABGEFAHRENEN LEBENSSTILEN eindrucksvoll unter Beweis. Obwohl der Titel vielleicht etwas irreführend ist, zumindest für diejenigen, die sich etwas mit Insekten auskennen. Denn … was ist an den Lebensstilen der Insekten nicht abgefahren. Da kann man mit den Schmetterlingen anfangen, die erst als Raupen leben und dann zu etwas ganz anderem werden. Was bei anderen Insekten (Libellen, Eintagsfliegen, Mücken …) auch der Fall ist. Da wirkt es fast, als wäre jedes Insekt mindestens mehr als ein Lebewesen. Ich will den Inhalt des Buchs nicht schmälern, lesenswert ist es auf jeden Fall, aber … so abgefahren wie man es erwarten möchte ist es nicht. Im Vergleich zu Säugetieren (wie wir) sind Insekten eben anders. Und es geht nicht nur um Insekten …
Als forensischer Entomologe bringt Schwarz einen besonderen fachlichen Hintergrund mit. Er beschäftigt sich mit einer Tiergruppe, deren Vertreter oft übersehen oder vorschnell als lästig abgestempelt werden. Dabei offenbaren gerade Insekten eine unglaubliche Vielfalt an Anpassungen, Verhaltensweisen und Überlebensstrategien. Die die vorgestellten Arten/Familien zeigen, wie erfinderisch die Evolution sein kann. Was aus menschlicher Perspektive mitunter grotesk oder absonderlich erscheint, erweist sich bei genauerer Betrachtung als bemerkenswerte Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen.
Und vieles, was Schwarz beschreibt kann man mit Glück und Geduld kann man vieles, was Schwarz in seinem Buch beschreibt auch selbst beobachten.
Der Autor widmet sich nicht ausschließlich exotischen Insekten aus fernen Regenwäldern, sondern größtenteils Arten, denen man grundsätzlich auch in unserer unmittelbaren Umgebung begegnen kann. Die spektakulärsten Naturphänomene müssen keineswegs am anderen Ende der Welt gesucht werden – manchmal finden sie direkt vor unserer Haustür statt.
Schwarz vermittelt biologische Zusammenhänge auf unterhaltsame und allgemein verständliche Weise und bringt dem Leser damit das meist unbekannte Leben der heimischen Insektenwelt näher.
Wer die erstaunlichen Lebensweisen von Käfern, Fliegen, Schaben und anderen Insekten kennenlernt, wird ihnen möglicherweise mit größerer Neugier und Wertschätzung begegnen. Und nur weil irgendetwas stechen kann, muss es nicht weniger faszinierend sein. Wobei ich jetzt Bremsen gerne aus dem Weg gehe, das sind ja echte Monster. Dagegen sind Mücken oder die zu Unrecht gefürchteten Hornissen harmlos.
Ein Buch, das jedem Insektenliebhaber und solchen, die es werden wollen, ans Herz gelegt wird. Fast perfekt könnte man sagen, da der Autor dem Leser einen interessanten Einblick in die Insektenwelt gibt (abgefahrene Lebensstile hin oder her).
Mit Vorsicht zu genießen ist nur das letzte Kapitel, Wie fängt und beobachtet man Insekten. Da hätte ich mir gerne einen Hinweis auf die rechtlichen Grundlagen gewünscht, denn so einfach ist es nicht, Insekten (oder Tiere im allgemeinen) aus der Natur zu entnehmen, zumindest wenn es nach dem Gesetz geht.
Nach § 39 Absatz 1 BNatSchG ist es verboten, wild lebende Tiere (also auch Insekten oder andere Wirbellose) ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
Für besonders geschützte Insekten gilt auch § 44 BNatSchG: Ihr Fang ist grundsätzlich verboten, auch wenn die Tiere anschließend wieder freigelassen werden. Hierfür kann eine behördliche Ausnahme erforderlich sein.
Das nur als Anmerkung, abgesehen davon … ein empfehlenswertes, leicht verständliches und informatives Buch, das sehr anschaulich von Sandra Hähle (velozee) illustriert wird.
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(Rezensionseexemplar)

