2025 beschriebene „Amphibien“ der Urzeit

2025 beschriebene Dinosaurier
2025 beschriebene Reptilien der Urzeit (keine Saurier)

Platyhystrix rugosus, beschrieben 1910 (© N. Tamura)

Vieles, was man als Amphibien bezeichnet muss nicht zwangsläufig auch mit dem Begriff übereinstimmen, der heute allgemein für Frösche, Kröten, Molche, Salamander und Wühlen gebräuchlich ist. Und so gibt es vor allem in der Urzeit (was ja auch ein eher schwammiger und weit gefasster Begriff ist) zahlreiche Arten, die oberflächlich betrachtet wie Amphibien aussehen, aber nicht unbedingt mit ihnen verwandt sind.
Dazu gehören u. a. die Temnospondyli wie Platyhystix.

Huangfuchuansuchus haojiamaoensis
Chen, Jian-Ye; Liu, Jun (2025-07-08). „A basal member of Capitosauria from the Lower Triassic Heshanggou Formation, China“. Palaeoworld (in press) 200988. doi:10.1016/j.palwor.2025.200988
In der Trias Nordchinas und Xinjiangs sind Fossilien von Temnospondyli zwar häufig, aber fragmentarisch; bisher konnte kein Exemplar sicher einer Gattung zugeordnet werden. Kürzlich wurde in der Heshanggou-Formation des Jungar-Banners in der Inneren Mongolei ein gut erhaltener Temnospondyli-Schädel mit Unterkiefer gefunden. Basierend auf diesem Exemplar wurde ein neues Taxon, Huangfuchuansuchus haojiamaoensis n. gen. n. sp., beschrieben. Das neue Taxon zeichnet sich durch eine zweilappige vordere Gaumengrube mit glatt konvexem Hinterrand, V-förmige transvomerine Zahnreihen, eine flache Einkerbung am lateralen Rand des Subtemporalfensters, einen bis zum Vorderrand der Interpterygoidgruben reichenden Cultriformfortsatz sowie eine in der Mittellinie zusammenlaufende und anteromedial-posterolateral positionierte Crista muscularis des Parasphenoids aus.

Buxierophus pouilloni
Werneburg, Ralf; Logghe, Antoine; Steyer, J.-Sébastien (2025-07-21). „Buxierophus pouilloni n. gen. n. sp., a new dissorophid temnospondyl from the Lower Permian of France (Allier)“. Journal of Paleontology: 1–21. doi:10.1017/jpa.2025.10112
Buxierophus ist eine Gattung der Dissorophiden aus dem frühen Perm Frankreichs. Sie ist die einzige Dissorophide aus dem frühen Perm Europas und repräsentiert einen möglicherweise semiaquatischen Vertreter dieser Gruppe, die aufgrund ihrer Skelettanatomie ansonsten als stark terrestrisch gilt. Der Name leitet sich vom Fundort Buxières-les-Mines und dem griechischen Wort „-orophe“ für „Dach“ ab, das sich auf die Osteoderme bezieht.
Buxierophus ist durch die Typusart Buxierophus pouilloni bekannt, die nach dem französischen Geologen Jean-Marc Pouillon benannt wurde. Die Art ist nur durch den Holotypus (RH-D 20–03–99) bekannt, einen Teilschädel und ein artikuliertes vorderes Postcranium.

Morovius juliaromanorum
Novikov, I.V., Shishkin, M.A. New Data on Lonchorhynchid Trematosauroids (Amphibia, Temnospondyli) from the Early Triassic of Eastern Europe. Paleontol. J. 59, 421–432 (2025). https://doi.org/10.1134/S0031030125600416
Die Trematosauroidea-Familie Lonchorhynchidae umfasst die Unterfamilie Cosgriffiinae mit den Gattungen Cosgriffius Welles und Morovius gen. nov. Die übrigen gültigen Taxa der Gruppe werden entweder der eigentlichen Unterfamilie Lonchorhynchinae zugeordnet oder als Formen mit weniger eindeutigen Verwandtschaftsverhältnissen betrachtet. Eine neue Gattung und Art der Cosgriffiinae, Morovius juliaromanorum gen. et sp. nov., wird anhand von Schädel- und Unterkieferfragmenten aus dem Zaplavnium-Horizont der Untertrias (Oberinduanische Substufe) des Obshchii-Syrt-Hochlands beschrieben.

Fossile Amphibien und amphibienartige Tetrapoden werden vergleichsweise selten entdeckt und beschrieben, was mehrere Ursachen hat. Ein zentraler Faktor ist ihre schlechte Fossilisation. Amphibien besitzen meist kleine, dünnwandige und poröse Knochen, die nach dem Tod schnell zerfallen. Im Gegensatz dazu haben viele andere Wirbeltiere, etwa Dinosaurier, deutlich robustere Skelette, die sich besser erhalten. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Amphibium überhaupt fossil überliefert wird, deutlich geringer.
Auch ihre Lebensräume spielen eine wichtige Rolle. Viele dieser Tiere lebten in Flüssen, Sümpfen oder feuchten Auenlandschaften. Solche Umgebungen sind oft ungünstig für Fossilbildung, da organisches Material durch Sauerstoff und Mikroorganismen schnell zersetzt wird oder durch Strömungen zerstört werden kann. Gute Fossillagerstätten entstehen eher unter ruhigen Bedingungen, etwa in Seen oder Meeresablagerungen.
Selbst wenn Fossilien erhalten bleiben, sind sie häufig fragmentarisch und schwer zu erkennen. Viele Funde bestehen nur aus kleinen Knochenstücken oder Schädelresten, die sich leicht mit anderen Tiergruppen verwechseln lassen. Dadurch bleiben zahlreiche Exemplare lange unentdeckt oder werden falsch eingeordnet.
Hinzu kommt die taxonomische Schwierigkeit. Unterschiede zwischen Arten sind oft sehr subtil und betreffen feine Details der Knochenstruktur. Gleichzeitig können sich Individuen derselben Art stark unterscheiden, etwa je nach Alter oder Entwicklungsstadium. Wissenschaftler sind deshalb vorsichtig und beschreiben neue Arten nur, wenn die Unterschiede eindeutig sind.
Ein weiterer Grund ist die begrenzte Forschungskapazität. Es gibt weltweit nur wenige Spezialisten für diese Tiergruppen, und die Forschung konzentriert sich häufig stärker auf populärere Fossilien wie Dinosaurier oder Säugetiere.
Insgesamt führen diese Faktoren dazu, dass pro Jahr nur wenige neue fossile Amphibien beschrieben werden, obwohl sie in der Erdgeschichte einst sehr vielfältig und weit verbreitet waren.

Allerdings stellen die hier vorgestellten fossilen Amphibien/amphibienartige Tetrapoden keine vollständige Liste der neu beschriebenen Arten dar. Im Vergleich zu rezenten Amphibien ist die Liste etwas überschaubar.
Neben bereits ausgestorbenen amphibienartigen Gruppierungen gibt es auch neu beschriebene Arten aus noch heute existierenden Familien:

Latonia dimenticata, ein Vertreter der Scheibenzüngler
Leonardo Sorbelli, Beatrice Azzarà, Marco Cherin, Massimo Delfino, Zbyněk Roček and Andrea Villa. 2025. Why extant, Why not Extinct? A New extinct Latonia Species (Anura: Discoglossidae) from the Early Pleistocene of the Apennine Peninsula provides clues on the survival of the genus in Eurasia. Journal of Systematic Palaeontology. 23(1); 2554727. DOI: doi.org/10.1080/14772019.2025.2554727

Venczelibatrachus palaeocenicus, ein weiterer Vertreter der Scheibenzüngler
Vasilyan, D., Macaluso, L. Palaeocene herpetofauna of Walbeck (Sachsen-Anhalt, Germany) with a focus on lissamphibians. Palaeobio Palaeoenv 105, 343–375 (2025). https://doi.org/10.1007/s12549-025-00664-3

Martintriton septatus, ein Vertreter der Salamander
Skutschas, P.P., Kolchanov, V.V., Lang, A. et al. Lissamphibian remains from the Lower Cretaceous of Germany with implications for the evolution of Late Jurassic–Early Cretaceous European faunas. Palaeobio Palaeoenv 105, 831–846 (2025). https://doi.org/10.1007/s12549-025-00675-0

Dieser Beitrag wurde unter Ausgestorben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert