Die Wiederbelebung des Blaubocks


Wenn man an die Wiederbelebung ausgestorbener Arten denkt, wird man wohl eher nicht an den Blaubock denken, wenn man überhaupt weiß, dass dieses Tier jemals existiert hat. Diese Antilopenart gehört wohl eher zu den weniger bekannten Arten, die man als ausgestorben zu betrachten hat. Wenn man sich die De-Extinktion vor Augen hält denkt man eher an Mammuts, Dodos oder Beutelwölfe, da es sich scheinbar um die prestigeträchtigeren Arten handelt. Aber De-Extinction an sich ist immer noch eine sehr umstrittene Frage.
Eine Definition findet sich hier.

Mehr zum Blaubock:
Der Blaubock im Blog
Elisabeth Hempel, Faysal Bibi et al., 2022. Blue turns to grey – Palaeogenomic insights into the evolutionary history and extinction of the blue antelope (Hippotragus leucophaeus).
https://doi.org/10.1093/molbev/msac241
Hempel et al., 2023, Colonial driven extinction despite genomic adaptation to low population size in the blue antelope, Current Biology, DOI: https://doi.org/10.1016/j.cub.2024.03.051

Blaubock (Joseph Smit/Joseph Wolf)

Der Blaubock ist die einzige große afrikanische Säugetierart, die in historischer Zeit ausgestorben ist. Dennoch liegen keine nukleären Genomdaten dieser Art vor. Eine Studie zeigte, dass viele vermeintliche Museumsexemplare des Blaubocks entweder Pferdeantilopen oder Rappenantilopen sind, was die Möglichkeiten zur Gewinnung genomischer Informationen für diese ausgestorbene Art weiter einschränkt. Obwohl der Blaubock in Südafrika über einen reichen Fossilienbestand verfügt, sind die klimatischen Bedingungen in der Region im Allgemeinen ungünstig für die Erhaltung alter DNA. Dennoch konnten Elisabeth Hempel et al 2022 Entwürfe von Blaubockgenom rekonstruieren: Aus einem historischen Exemplar (ca. 200 Jahre alt) und einem, das auf 9.800–9.300 Jahre v. Chr. datiert wird. Letzteres ist derzeit das älteste Paläogenom aus Afrika. Phylogenomische Analysen zeigen, dass der Blaubock und die Rappenantilope Schwesterarten sind. Dies bestätigt frühere mitogenomische Ergebnisse und belegt einen frühen Genfluss von der Pferdeantilope zum Blaubock. Die genomische Diversität des Blaubocks war deutlich geringer als die der Pferde- und Rappenantilope, was auf eine geringe Populationsgröße seit mindestens dem frühen Holozän hindeutet. Dies stützt Beobachtungen aus dem Fossilienbestand, die einen starken Rückgang des Blaubocks nach dem Übergang vom Pleistozän zum Holozän dokumentieren. Schließlich legt das Überleben dieser Art während des gesamten Holozäns trotz der geringen Populationsgröße nahe, dass der Einfluss des Menschen in der Kolonialzeit wahrscheinlich der entscheidende Faktor für das Aussterben der Blauen Antilope war.

Natürlich will sich Colossal Biosciences auch am Blaubock „versuchen“

Und ja, vielleiht ist die Forschung der De-Extinktion sinnvoll, vielleicht hilft es lebenden und bedrohten Tierarten, aber in wie weit der Versuch einer Wiederbelebung ausgestorbener Tierarten sinnvoll ist? Das ist eine Frage, die wirklich diskutiert werden müsste, denn … haben die Tiere (egal ob Blaubock, Mammut, Dodo oder Beutelwolf) noch einen Platz auf einer menschendominierten Welt. Und wäre es nicht wirklich sinnvoll sich erst um die Lebensräume zu kümmern als ausgestorbene Tierarten zurückzuholen?
Und natürlich ist auch die Frage, in wie weit die „neuen“ Blauböcke (oder Mammuts, oder Beutelwölfe oder… oder…) dem Original entsprechen. Und wenn das Tier (bzw. die Tiere) erst einmal da sind (woran ich persönlich nicht wirklich glaube)… was dann? Wohin mit ihnen? Sie müssen ja auch erst einmal auf ihre neue Heimat vorbereitet werden. Und weiterführend kann man sich auch fragen, was dann der Unterschied zwischen einer invasiven Art und einer wiederbelebten ist.
Aber man muss auch vorsichtig mit Ankündigungen dieser Art sein. Ein bisschen klingt das ganze doch nach ScienceFiction. Man erinnere sich an Canis dirus, den Schattenwolf, den Colossal wiederbelebt hat, bzw. haben will:

Aber auch zum Schattenwolf ist es noch ein langer Weg…

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