Vorläufer des heutigen Zoos in Halle war der in den 1880er Jahren bestehende „Thierpark“ im Süden von Halle um das Areal der ehemaligen Gaststätte „Zum Hofjäger“ an der heutigen Willy-Brandt-Straße.
Der Initiator des Zoos auf dem Reilsberg war der Grundstücksmakler Eduard Keerl (1842–1907), an den eine Gedenktafel am Aussichtsturm erinnert. Keerl bot 1898 dem damaligen Privatdozenten am Zoologischen Institut der Universität, Gustav Brandes, den Reilsberg als Zoogelände an. Obwohl das Projekt zunächst an den Finanzen zu scheitern drohte, kam es am 15. Mai 1900 zur Gründung des Vereins „Thiergarten“, der mit zahlreichen Veranstaltungen für sein Anliegen warb.
Nach der Gründung der Aktien-Gesellschaft Zoologischer Garten Halle a.S. am 24. Februar 1901, die das der Witwe Nagel gehörende Grundstück – den Reilsberg – für 260.000 M sowie ein weiteres Grundstück für 80.000 M kaufte, wurde in großer Eile gebaut, um den durch einen Pachtvertrag gebundenen Eröffnungstermin am 23. Mai 1901 halten zu können.
2022 erschien BESUCH UNTER VERWANDTEN – Streifzüge durch 120 Jahre Bergzoo Halle von Thomas Jeschner.
Spenden der Bürger der Stadt Halle begründeten im Jahr 1901 den einzigen Bergzoo Deutschlands. Die Anlage wurde auf dem Reilsberg, einem weithin sichtbaren Porphyrfelsen, mitten in der alten Stadt der Halloren gebaut. Johann Christian Reil (1759-1813) hatte dort einen bemerkenswerten Park angelegt, dessen Verlauf und Bestand heute noch sichtbar ist. Der Bergzoo Halle ist für die Menschen aus Halle Erholungsort und Bildungsstätte. Er ist für die Fachwelt ein wichtiger Ort für besondere Züchtungen, so von Wombats und Zibetkatzen. Und der Zoo ist vor allem ein Ort ganz besonderer Geschichten. Von Tieren, die in keinem Zooverzeichnis stehen, vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier, vom Fluchten und Räubereien, Dressuren und Eskapaden. Und darin ein Spiegel der Gesellschaft.
BESUCH UNTER VERWANDTEN, die kurze, aber durchaus unterhaltsame CHronik des Bergzoo Halles stellt eine Mischung aus historischen Fakten und erzählerischen Episoden dar. Jeschner schildert nicht nur die Entwicklung des Zoos seit seiner Gründung im Jahr 1901, sondern zeigt auch, wie eng der Zoo mit der Geschichte Halles verbunden ist. Themen wie Tierhaltung, Architektur, koloniale Vergangenheit und die schwierigen Kriegsjahre werden ebenso behandelt wie kuriose Anekdoten über Tierfluchten, Diebstähle oder außergewöhnliche Zuchterfolge.
Die zahlreichen historischen Fotografien und Abbildungen ergänzen die Inhalte sinnvoll und verleihen dem Werk einen beinahe nostalgischen Charakter (auch wenn einige Bilder nur deswegen veraltet wirken, weil sie in B/W sind.
Fragen des Tierwohls oder des historischen Tierhandels werden angesprochen, ohne belehrend zu wirken. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild des Zoos als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen über mehr als ein Jahrhundert hinweg.
Ein nettes kleines Büchlein, dass dem Leser (der vielleicht auch Besucher des Zoos ist) den einzigen Bergzoo Deutschlands nahe bringt. Allerdings wird das Buch meiner Meinung nach nicht gerecht. Ja, man bekommt einen kleinen Überblick über den Zoo, aber … es scheint noch so viel mehr zu geben, das es wert gewesen wäre erzählt zu werden. Die Gründung des Zoos, die Direktoren, die Völkerschauen, der Zoo während der Kriege und in der DDR, da hätte ich mir mehr gewünscht. Es gäbe noch so viel mehr, was sich in 120 Jahren zugetragen hat. Jüngere Zoos haben teilweise dickere Chroniken …
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Das Buch gibt es auch im Shop des Zoos


