2024 habe ich das Buch VOM TYRANNOSAURUS ZUM HUHN vorgestellt. Das Buch hat mich zu einem Beitrag über „Dinobirds“ inspiriert. Und eigentlich war das Thema damit noch nicht erledigt… aber es hat doch einige Zeit gedauert, bis ich mich wieder um die Dinobirds gekümmert habe. Die Tierwelt ist so vielseitig, da kommt es vor, dass das eine oder andere Thema (leider) auf der Strecke bleibt oder lange auf eine Fortsetzung warten muss. Nun ja, wie damals geschrieben: Archaeoptery, Confuciusornis und Jeholornis sind nur ein kleiner Teil der ausgestorbenen Vogelwelt … da gibt es noch viel mehr … und vielleicht hat man noch viel mehr noch gar nicht entdeckt.
Sapeornis ist eine urtümliche Vogel-Gattung, die vor ca. 110–120 Mio. Jahren in der Unterkreide (oberes Aptium-unteres Albium) lebte. Die Gattung enthält (bisher) nur die Art Sapeornis chaoyangensis, dokumentiert durch Fossilienfunde aus der Jiufotang-Formation in der Nähe der Stadt Chaoyang, Provinz Liaoning in der Volksrepublik China. Es wurden hier mehrere nahezu vollständige Skelette entdeckt.
Sapeornis chaoyangensis hatte eine Lebensgröße von ca. 30–33 cm, die Schwanzfedern (von denen keine Funde vorliegen) nicht mit eingerechnet. Auf Grund seines Körperbaus und einigen bemerkenswerten Übereinstimmungen mit Arten der Oviraptorosauria wie z. B. Caudipteryx wird Sapeornis meist in die verwandtschaftliche Nähe von Omnivoropteryx gerückt.
Die Hand von Sapeornis war wesentlich weiter entwickelt als bei Archaeopteryx. Sie besaß drei Finger, die beiden äußeren Finger hatten jeweils zwei, der Mittelfinger drei Fingerglieder, der Carpometacarpus war fest verwachsen. Die Arme waren eineinhalb mal so lang wie die Beine, was auf eine recht große Flügelfläche schließen lässt. Offensichtlich war der Aufbau des Schultergürtels aber für den Rüttelflug nicht besonders geeignet; auch das Gabelbein war etwas ungewöhnlich – es besaß zwar bereits das Hypokleidum (zentraler Fortsatz am Gabelbein) der weiter fortentwickelten Vogelarten, seine Formgebung war aber noch primitiver als bei Archaeopteryx. Wie bei den Confuciusornithidae war der Humerus groß und durchlöchert – wahrscheinlich um Gewicht einzusparen.
Nur im vorderen Oberkieferbereich hatte der Schädel Zähne. Er ist in etwa vergleichbar mit dem Schädelbau des Archaeopteryx, mit den kleinen Oviraptorosauria und Omnivoropteryx besteht jedoch eine bestechende Ähnlichkeit. Sapeornis besaß außerdem Gastralia (Knochen der Bauchregion) aber keine oder nur verknorpelte Rippenfortsätze (Processus uncinatus). Ein Brustbein war entweder nicht vorhanden oder nur von geringer Größe und ging daher leicht verloren. Das Pygostyl war wie bei Confuciusornis und Nomingia stabförmig und wie Confuciusornis hatte auch Sapeornis keinerlei Schwanzknochen mehr. Die Tarsometatarsi waren im Vergleich mit Archaeopteryx wesentlich stärker miteinander verwachsen, das Wadenbein war lang und reichte bis zum entfernten Ende des oberen Sprunggelenks – im Gegensatz zu den moderneren Vögeln (und einigen Nicht-Vogel-Theropoden, wie z. B. Avimimus). Die erste Zehe zeigte nach hinten. Im Fundstück V12375 des Instituts für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (IVPP) enthielt der Magen zahlreiche kleine Magensteine (Gastrolithen).
Ein interessanter „Vogel“ ist Aurornis xui, der 2013 entdeckt wurde. Er lebte während des Juras (rund 149,2 bis 165,3 mya) im östlichen Eurasien. Aurornis war wohl vollständig befiedert, aber wahrscheinlich nur zum Gleitflug in der Lage. Die Gattungsbeschreibung basiert auf Fossilmaterial, das Anfang des 21. Jahrhunderts in der nordostchinesischen Tiaojishan-Formation gefunden wurde.
Das Fossilmaterial von Aurornis umfasst das vollständige Skelett eines Individuums, das in eine Schieferplatte eingebettet ist. Das Exemplar wurde Anfang des 21. Jahrhunderts bei kommerziellen Ausgrabungen nahe Daxishan in der chinesischen Provinz Liaoning gefunden. Es entstammt der Tiaojishan-Formation und gelangte über einen Fossilienhändler in den Besitz des Yizhou Fossil & Geology Park, wo es unter der Inventarnummer YFGP-T5198 geführt wird. Das Alter des Exemplars ist schwer zu bestimmen: Die Tiaojishan-Formation besitzt eine komplexe Stratigraphie, einzelne Stücke lassen sich nur durch aufwändige Mikrofossilanalysen datieren. Chronostratigraphische Untersuchungen der Formation ordnen sie in einen Zeitraum von 165 ± 1,2 bis 153 ± 2 mya ein. Aurornis xui hätte demnach im Callovium (Mitteljura) oder Kimmeridgium (Oberjura) gelebt. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Fundort am Westrand Eurasiens, das durch die nördlichen Schelfmeere der Tethys von Nordamerika und Gondwana isoliert war.
Aurornis xui war mit rund 50 cm Körperlänge ein relativ kleiner Theropode. Der Schädel des Holotyps ist 57 mm lang, sein Schwanz ist im Vergleich mit dem anderer basaler Paraves sehr lang (rund vier Mal so lang wie der Oberschenkelknochen). Auch die Arme der Art waren relativ lang und erreichten rund 80 % der Beinlänge. Der Körper war von feinem Federflaum überzogen; an Beinen, Armen und Schwanz besaß A. xui wahrscheinlich ebenso wie andere Paraves lange Schaftfedern. Die befiederten Arme wurden von den Tieren womöglich beim Laufen und Springen zur Hilfe genommen.
Pascal Godefroit, Andrea Cau, Hu Dong-Yu, François Escuillié, Wu Wenhao, Gareth Dyke: A Jurassic avialan dinosaur from China resolves the early phylogenetic history of birds. In: Nature. Band 498, Nr. 7454, 2013, S. 359–362, doi:10.1038/nature12168.
Chris Woolston: New contender for first bird. In: Nature. 2013, doi:10.1038/nature.2013.13088.
Die Hesperornithiformes sind eine Gruppe ausgestorbener, bezahnter, flugunfähiger Tauchvögel, deren Fossilien in Sedimentgesteinen der Kreidezeit Nordamerikas, Eurasiens und Antarktikas vorkommen.
Die älteste der bekannten Gattungen ist Enaliornis aus der Unteren Kreide (Albium) des Cambridge Greensand bei Cambridge. Die Mehrzahl der Arten lebte in der Oberen Kreide. Hesperornis ist in marinen Ablagerungen des westlichen Nordamerikas vom Coniacium bis zum Campan nachgewiesen und somit die langlebigste der bisher entdeckten Gattungen der Hesperornithiformes. Im Maastrichtium, am Ende der Kreide, starb die Gruppe aus.
Als Tauchvögel, die mit den Beinen schwammen, besaßen Enaliornis, Hesperornis und Baptornis rudimentäre Flügel. Bei Hesperornis bestanden die Vordergliedmaßen nur noch aus einem splintartigen Oberarm. Einige kleinere Arten der Hesperornithiformes, welche die Größe von Kormoranen erreichten, waren eventuell noch flugfähig. An Land dürften hesperornithiforme Vögel ähnlich wie die rezenten Seetaucher eher unbeholfen gewesen sein. Es gibt Funde aus estuarinen und kontinentalen Ablagerungen, die belegen, dass sie nicht nur marine, sondern auch andere aquatische Lebensräume bewohnten.
Die größten bislang bekannten Vertreter gehören der 1999 beschrieben Art Canadaga arctica an. Sie konnten Längen von über 1,5 Metern erreichen.
Die Vertreter der Hesperornithiformes besaßen ebenso wie viele andere Vögel der Kreidezeit im Schnabel Reihen einfacher, scharfer Zähne, die beispielsweise zum Ergreifen von Fischbeute geeignet waren. Marsh beschrieb im Jahr 1880 Ichthyornis und Hesperornis aus der Niobrara-Formation als Mitglieder der Gruppe Odontornithes („Kreidezahnvögel“). Es zeigte sich jedoch, dass die möwenähnlichen Ichthyornithiformes näher mit den modernen Vögeln (Neornithes) verwandt sind als mit den Hesperornithiformes.
Und es gibt noch viel mehr …
Aber ich gehe davon aus, dass die Vögel der Urzeit ein Schattendasein im Bekanntheitsgrad darstellen. Die „echten“ Dinosaurier sind geläufiger und … wenn man an Tyrannosaurus oder Apatosaurus denkt, auch viel spektakulärer, zumindest wenn man diese interessanten Kreaturen auf ihre Körpergröße reduzieren will.




