Daniel Bleckmann/Thomas Hussung: Dunkle Künste – PudelPanik (Rezension)

Ein Zwergpudel in Gefahr!
Im Keller findet der zwölfjährige Henri ein Bündel alter Notizbücher. Geheimnisvolle Aufzeichnungen von magischem Wissen und Anleitungen, wie es scheint. Doch dieser Fund verändert alles. Nicht nur dass Henri mit seinen Freunden Sahin und Charlotte das ein oder andere brandgefährliche Experiment ausprobiert, auch sein Zwergpudel verhält sich immer merkwürdiger … unheimlicher. Spannendes Geheimnis oder teuflische Gefahr? Am Ende hilft nur: Augen zu und durch die Pudel-Panik!

Wer glaubt, dass Zwergpudel grundsätzlich harmlose, etwas überzüchtete Schoßhündchen sind, wird in Daniel Bleckmanns neuem Kinderbuch eines Besseren belehrt. Denn in PUDEL-PANIK, dem Auftakt einer neuen Gruselreihe, wird aus einem niedlichen Vierbeiner ziemlich schnell eine ausgewachsene Bedrohung. Nichts, was man noch als niedlich, oder Zwergpudel, bezeichnen möchte. Aber das ist erst der Anfang eines herrlich verrückten Abenteuers voller Magie, merkwürdiger Kreaturen und reichlich Chaos. Mag sein, dass sich der Autor (und der Illustrator) eher an eine junge Leserschaft richtet, aber auch für den erwachsenen Leser ist das Buch ein großer Spaß. Ziemlich abgedreht, ziemlich unterhaltsam und … eigentlich auch ziemlich eklig (und damit meine ich nicht nur die Hundekacke).
Daniel Bleckmann versteht es alltägliche Situationen mit fantastischen und reichlich absurden Einfällen zu verbinden. Besonders reizvoll ist dabei die Mischung aus klassischer Gruselliteratur, alchemistischen Motiven und modernem Kinderalltag. Die Geschichte spielt augenzwinkernd mit bekannten Vorstellungen von Zauberei, künstlich erschaffenem Leben (Homie, der Homunkulus ist mein Highlight, seine Erschaffung ist einfach … durchaus kindgerecht) und dämonischen Erscheinungen. Selbst Anspielungen auf Goethes Faust lassen sich entdecken – ein zusätzlicher Spaß für erwachsene Mitleser.
Bleckmann erzählt temporeich, mit viel Situationskomik und einem ausgeprägten Gespür für skurrile Einfälle. Henri und seine Freunde bilden ein sympathisches Trio, dessen Neugier und Experimentierfreude immer wieder zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten führen. Dass dabei ausgerechnet ein Zwergpudel zum Mittelpunkt des Schreckens wird, verleiht der Geschichte einen ganz eigenen Humor.
Einen wesentlichen Anteil am Lesevergnügen haben die Illustrationen von Thomas Hussung. Seine farbenfrohen, ausdrucksstarken Zeichnungen sind weit mehr als bloße Ergänzungen des Textes (und ja, es ist nicht einfach, einen Zwergpudel bedrohlich wirken zu lassen). Sie prägen die Atmosphäre des Buches entscheidend mit. Comicartige Szenen, handschriftliche Aufzeichnungen und abwechslungsreich gestaltete Seiten lassen die Geschichte wie eine Mischung aus geheimem Forschungstagebuch und fantastischem Abenteuerbericht erscheinen. Gerade für Kinder, die sich mit längeren Fließtexten schwertun, dürfte diese Gestaltung besonders ansprechend sein. Gleichzeitig wird dadurch das Lesevergnügen vergrößert, Texte und Illustrationen erzeugen eine Faszination, der man sich nicht entziehen kann (und will), Viel zu schnell ist das Vergnügen aber auch wieder vorbei.
Natürlich darf man keine komplexe Handlung erwarten (wird man als junger Leser nicht und als Erwachsener … kann man auch darüber hinwegsehen). Die Handlung setzt stärker auf turbulente Ereignisse, überraschende Wendungen und komische Situationen als auf eine tiefere Entwicklung ihrer Figuren. Auch die Gruselelemente bleiben überwiegend spielerisch und sind eher amüsant charmant als wirklich zum Fürchten. Andererseits … erwartet man das wenn es um Zwergpudel geht? Leichte Schauer laufen dennoch über den Rücken (vermutlich besonders für alle, die ihre Haushalt mit einem oder mehreren kleinen Hunden teilen).
PUDEL-PANIK ist ein Buch für alle, die sich auf unterhaltsame, abgedrehte Weise gruseln, aber nicht fürchten wollen.

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(Rezensionsexemplar)

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