«Wildtiere am Haus. So gelingt des Miteinander» widmet sich den Tierarten, welche Gebäude als Teil ihres Lebensraums nutzen, und den Maßnahmen, die zur Erhaltung und zur Förderung dieser Arten bzw. zum friedlichen Zusammenleben beitragen. Im Fokus stehen gebäudebewohnende Tierarten wie z. B. Mauersegler und Schwalben, spaltenbewohnende Fledermäuse, Falken, Steinmarder, Spinnen und Wildbienen sowie viele weitere Tierarten. Das Buch widmet sich zudem den Maßnahmen und der Gestaltung von Maßnahmen, die den Schutz des Gebäudes und die Minimierung der Konflikte zwischen wild lebenden Mitbewohnern mit den menschlichen Hausbewohnenden gewährleisten. Die Autor:innen präsentieren hier ihr persönlich gesammeltes Wissen, das sie über viele Jahre in der Begleitung von Sanierungen (u. a. Wärmedämmungen) und Neubauten von Gebäuden im Zusammenhang mit «Wildtieren an Gebäuden» gewonnen haben. Dabei geht es darum, die wesentlichen Aspekte und Maßnahmen zu zeigen, die im Umgang mit Wildtieren am Gebäude zu berücksichtigen sind. Mit Beispielen aus ihrer Praxis zeigen die Autor:innen beispielhaft auf, was vor, während und nach der Sanierung gemacht werden kann. Es wird sichtbar, dass die Lösungen oft sehr genau und individuell auf das Gebäude, seine Architektur und Bauweise abgestimmt werden müssen. So sollen das Erfahrungswissen und die Beispiele die Lesenden in ihren eigenen Bemühungen zum Thema «Wildtiere an Gebäuden» unterstützen und für Maßnahmen am eigenen Haus animieren.
Unsere Häuser sind weit mehr als bloße Wohnstätten für Menschen. Unter Dachziegeln, hinter Fassadenverkleidungen, in Mauerspalten und an Dachvorsprüngen existiert eine erstaunlich vielfältige Tierwelt. Mauersegler und Schwalben ziehen hier ihre Jungen auf, Fledermäuse finden geschützte Quartiere, Wildbienen nutzen kleinste Hohlräume, aber auch Steinmarder und Waschbären haben längst die Vorzüge menschlicher Bauwerke entdeckt. Dass dieses Zusammenleben nicht immer konfliktfrei verläuft, ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass zahlreiche dieser tierischen Untermieter zunehmend unter Wohnungsnot leiden.
Mit WILDTIERE AM HAUS widmen sich Michael Stocker, Sebastian Meyer und Iris Scholl genau diesem Spannungsfeld zwischen menschlichen Wohnbedürfnissen und dem Schutz gebäudebewohnender Tierarten. Entstanden ist ein praxisorientierter Naturführer, der zoologisches Wissen mit konkreten Empfehlungen für eine tierfreundliche Bauweise und Gebäudesanierung verbindet. Und das macht das Buch so interessant, zeigt es doch, dass man gern gesehenen Gästen (meist Vögeln) auch im Neubau oder bei sanierten Gebäuden eine Zuflucht bieten kann. Teilweise mit sehr einfachen Möglichkeiten, die das Gesamtbild eines Gebäudes nicht stören. Mauersegler und Co werden es danken. Gleichzeitig kann man auch dafür sorgen, dass andere „Hausbewohner“ fern bleiben. Neben den schon genannten Raubtieren mag man ja auch ungern Wespen oder Hornissen im Haus haben.
Dabei schöpfen die Autoren schöpfen aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Begleitung von Bau- und Sanierungsvorhaben. Sie zeigen, wie sich bestehende Nist- und Ruheplätze erhalten, Ersatzquartiere schaffen und neue Gebäude von vornherein tierfreundlicher gestalten lassen. Das geht weit über das Anbringen eines Nistkastens oder Insektenhotels hinaus. Vielmehr müssen die ökologischen Bedürfnisse der jeweiligen Tierart, die baulichen Gegebenheiten und die Interessen der Hausbewohner sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Das Buch verdeutlicht auch, dass sich Klimaschutz und Artenschutz nicht zwangsläufig widersprechen müssen, sofern die Bedürfnisse der Tiere frühzeitig in die Planung einbezogen werden.
Zur Anschaulichkeit trägt die umfangreiche fotografische Ausstattung mit 350 Farbfotos sowie die ergänzenden Illustrationen von Karin Bauer bei. Sie unterstreichen den Charakter des Werkes als anwendungsorientierten Ratgeber, der nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zur praktischen Umsetzung anregen möchte.
Man muss sich aber bewusst sein, dass es sich nicht um eine wissenschaftliche Darstellung der Ökologie gebäudebewohnender Tierarten oder eine systematische Behandlung der gesamten urbanen Fauna handelt. Im Mittelpunkt stehen konkrete Fragestellungen des Zusammenlebens und praktikable Schutzmaßnahmen. Auch lassen sich bauliche Empfehlungen naturgemäß nicht ohne Weiteres auf jedes Gebäude übertragen. Gerade bei geschützten Arten müssen zudem die jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen berücksichtigt werden. Wer Hilfe braucht oder sich eingehender mit bestimmten Teilbereichen (oder Tieren) auseinandersetzen will findet hilfreiche Links und weiterführende Literatur.
WILDTIERE AM HAUS behandelt ein im praktischen Naturschutz ausgesprochen wichtiges, aber häufig unterschätztes Thema, das nicht nur für Immobilienbesitzer von Interesse sein sollte. Das Buch richtet sich gleichermaßen an naturinteressierte Hausbesitzer, Architekten, Handwerker, Mitarbeiter von Naturschutzorganisationen und alle, die sich für die biologische Vielfalt im Siedlungsraum interessieren. Und es zeigt, das Arten- und Naturschutz an der eigenen Hauswand beginnen kann. Ein empfehlenswerter Ratgeber, der dazu anregt, Gebäude auch aus der Perspektive ihrer tierischen Bewohner zu betrachten.
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(Rezensionsexemplar)

