Parasiten von Parasiten

Parasiten sind die Geißel der Menschheit … oder eigentlich für alle Lebewesen. Aber … auch Parasiten sind nicht vor Parasitzen sicher. Ausgleichende Gerechtigkeit oder anders ausgedrückt: Hyperparasitismus.
Man unterscheidet obligate Hyperparasiten, die für ihre Entwicklung zwingend auf eine andere Art angewiesen sind, die selbst parasitisch lebt, und fakultative Hyperparasiten, die daneben auch primäre Wirte akzeptieren; in der Regel befallen diese den Primärwirt, und dann, wenn dieser bereits selbst parasitiert ist, stattdessen den Parasiten. Hyperparasitismus ist verbreitet bei echten Parasiten und bei Parasitoiden. Hier wird begrifflich in der Regel nicht mehr unterschieden, d. h., es ist üblicher, auch in diesem Fall von Hyperparasiten (an Stelle von „Hyperparasitoiden“) zu sprechen.

Eine 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Bei tierischen Parasiten dienen schätzungsweise nur etwa 0,3 % oder weniger selbst als Wirte anderer Parasiten. Allerdings hängt die Häufigkeit stark davon ab, welche Gruppen betrachtet werden; bei parasitoiden Insekten sind solche Beziehungen wesentlich verbreiteter.
Juan T. Timi, Robert Poulin
Good parasites make bad hosts: why is hyperparasitism uncommon among metazoan parasites, International Journal for Parasitology, 2026,
104926, ISSN 0020-7519, https://doi.org/10.1016/j.ijpara.2026.104926.

Hyperparasitische Insektenarten treten in drei Ordnungen auf, den Hautflüglern, Zweiflüglern und Käfern. Wirt der Hyperparasiten ist eine andere Insektenart, die als Parasitoid lebt, meist bei einer pflanzenfressenden (phytophagen) Art, aber gelegentlich auch bei räuberischen oder saprophagen Wirten. Wie bei den Parasitoiden selbst gibt es auch bei Hyperparasiten sich im Körperinneren des Wirts entwickelnde Endoparasiten und von außen an ihm fressende Ektoparasiten. Außerdem unterscheidet man direkte Hyperparasiten, die gezielt den Parasitoiden mit Eiern belegen, von indirekten, die den Wirt parasitieren, unabhängig davon, ob dieser selbst parasitiert ist oder nicht. Hyperparasiten sind unter den Hymenopteren verbreitet bei elf Familien der Erzwespen (Chalcidoidea), vier Unterfamilien der Schlupfwespen (Ichneumonidae), sehr vielen Ceraphronidae und Megaspilidae, Gallwespen der Unterfamilie Alloxystinae und einigen Arten der kleinen Familie Trigonalidae. Bei den Dipteren treten sie in den Familien Bombyliidae und Conopidae auf. Hyperparasiten bei Käfern sind selten und auf wenige Arten der Rhipiphoridae und Cleridae beschränkt.
Am besten erforscht wegen ihrer ökonomischen Bedeutung sind Hyperparasiten von Parasitoiden der Blattläuse (Aphidoidea). Diese umfassen die Gattungen Asaphes, Pachyneuron und Coruna (Pteromalidae), Aphidencyrtus (Encyrtidae) und Tetrastichus (alles Goldwespen), die Gattung Dendrocerus (Megaspilidae) und die Gattungen Alloxysta, Phaenoglyphis, Lytoxysta (Gallwespen). Ihre Wirte sind die Brackwespen der Unterfamilie Aphidiinae und die Erzwespen der Familie Aphelinidae. Beispielsweise legt das Weibchen von Allocysta victrix sein Ei in eine bereits parasitierte, aber noch aktive Blattlaus, wobei sie durch die Kutikula des Wirts hindurch gezielt die Parasitenlarve ansticht. Ihr eigenes Ei bleibt zunächst dormant. Erst wenn der primäre Parasitoid die Blattlaus abgetötet hat und sich in der verbleibenden Hülle („Blattlausmumie“) verpuppen will, schlüpft die Larve des Hyperparasiten, die die Parasitenlarve von innen her ausfrisst und abtötet.
Ein Spezialfall unter den parasitoiden Hautflüglern sind einige Arten, bei denen sich das Weibchen in einem anderen Wirt entwickelt als das Männchen (heteronome Parasitoide). Bekannt sind einige Arten der (auch in der biologischen Schädlingsbekämpfung bedeutsamen) Gattung Encarsia (Familie Aphelinidae). Hier entwickelt sich das Weibchen als normaler Parasitoid in Blattläusen oder anderen Schnabelkerfen, während sich Männchen als Hyperparasitoide an den Parasitoidenlarven, entweder einer anderen oder auch der eigenen Art, entwickeln – in diesem Fall spricht man von Autoparasitoiden.

Es gibt auch einige sehr ungewöhnliche Fälle von Hyperparasitismus.

Histopathologie der Leishmaniose des subkutanen Gewebes, verursacht durch Leishmania donovani. (CDC/ Dr. Martin D. Hicklin)

So können auch einzellige Krankheitserreger können von Parasiten befallen werden.
Leishmania ist ein einzelliger Parasit, der bei Menschen die Leishmaniose verursachen kann. Doch der Parasit kann selbst mit dem Leishmania-RNA-Virus 1 (LRV1) infiziert sein.
Das Ungewöhnliche: Das Virus schwächt den Parasiten nicht unbedingt. Stattdessen kann es die Immunreaktion des Säugetierwirts so verändern, dass die Leishmaniose schwerer verläuft.
Hier profitiert der Parasit unter Umständen sogar von seinem eigenen Virus.

Lysibia nana (ChatGPT)

Lysibia nanus aus der Familie der Schlupfwespen ist ein solitärer Hyperparasit, der die Präpuppen verschiedener Brackwespen-Arten der Unterfamilie Microgastrinae befällt. Hierbei wird insbesondere die Art Cotesia glomerata als Wirt genutzt. Cotesia glomerata befällt hauptsächlich die Raupen des Großen Kohlweißlings. Die Brackwespenlarven entwickeln sich im Wirt und verlassen schließlich diesen, um sich außerhalb von diesem in einem Kokon zu verpuppen. Hier kommt nun Lysibia nanus ins Spiel. Die weiblichen Schlupfwespen finden ihre Wirte über deren Kairomone sowie die Duftstoffe der Nahrungspflanzen von deren Wirten. Die Raupen des Großen Kohlweißlings fressen Pflanzen, die Senfölglycoside bilden. Die Schlupfwespen-Weibchen stechen ein Ei in den kurz zuvor fertiggestellten Kokon der Brackwespenlarve. Die geschlüpfte Larve ernährt sich von ihrem Wirt und verpuppt sich schließlich in dessen Kokon. Aus einem Mitte September vorgefundenen Brackwespen-Kokon erschien im April des Folgejahres die Schlupfwespe. Weitere Brackwespenkokons waren von jeweils einem weiteren Hyperparasiten aus der Unterfamilie der Mesochorinae befallen, welche etwa drei Wochen später erschienen. Die Mesochorinae befallen die Brackwespenlarven im Gegensatz zu Lysibia nanus schon in der Raupe und entwickeln sich als koinobionter Endoparasitoid. Lysibia nanus ist polyvoltin, das heißt, die Art kann unter günstigen klimatischen Bedingungen mehrere Generationen im Jahr ausbilden. Unter natürlichen Umständen treten etwa doppelt so viele Weibchen wie Männchen auf.

Bei manchen Arten der Encarsia (einer Gattung der Erzwespen) entwickeln sich die Weibchen als Primärparasitoide in Schildläusen oder anderen Insekten.
Die Männchen dagegen entwickeln sich als Hyperparasitoide in anderen parasitoiden Wespen – teilweise sogar in Individuen ihrer eigenen Art.

Das sind nur ein paar Beispiele, tatsächlich gibt es noch viel mehr. So gibt es parasitäre Krebstiere die andere parasitäre Krebstiere befallen, aber das klingt nach einem eigenen Beitrag.

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