Ignaz Netzer: Wie die Katzen auf den Blues kamen (Rezension)


Es läuft nicht wirklich rund im Leben des Musikers Ben Häberle. Eine kaputte Liebesbeziehung, Ladehemmung beim Komponieren und das tägliche Leben vergällt ihm die spießig-schwäbische Nachbarschaft, vor allem in Person des Hausdrachens Frau Schultheiß. Alles ändert sich auf wundersame Weise, als der kleine Kater Bärchen Willy auftaucht. Vor seinem Charme kapituliert selbst der Hausdrachen, und das Komponieren von Liebesliedern zeitigt Erfolge als die ebenso bildhübsche wie zunächst unnahbar wirkende Investmentbankerin Maya in Bens Leben auftaucht. Man mag die Erzählung als Handbuch für künftige Katzenbesitzer verstehen, als amüsantes Lesevergnügen für alle zweibeinigen „Dosenöffner“ oder als heitere Liebesgeschichte, feststeht aber eines: Wenn Katzen lesen könnten, wäre dieses Buch schon heute ein Bestseller.

Ignaz Netzer (*1956 in Wangen im Allgäu) ist ein deutscher Bluesmusiker, Gitarrist und Sänger. Seit den 1970er-Jahren tritt er als Solokünstler und mit verschiedenen Bands auf. Sein Stil orientiert sich am traditionellen amerikanischen Blues. 2025 veröffentlichte Netzer seinen ersten Roman Wie die Katzen auf den Blues kamen.
Ignaz Netzers Buch verbindet hier autobiografische Elemente, den Katzen und den Blues. Stilistisch bleibt die Sprache schlicht und zugänglich. Der Reiz liegt weniger in erzählerischer Spannung als in der fast schon tagebuchartigen Darstellung aus Bens Leben. Manchmal kommt auch Ouzo (oder, wie er später umbenannt wird, Bärchen Willy) zu Wort. Netzer verbindet musikalische Erfahrungen mit der Katzenhaltung und gibt dadurch auch interessante Einblicke in die Aufgaben und Probleme eines „Dosenöffners“. Eine andere Art des Ratgebers, eigene Erfahrungen verpackt in einen Roman, der durchaus auch ein bisschen vom Schwäbischen Gemüt durchblicken lässt. Eine durchaus amüsante Lektüre eines Katzenfans, der sich anderen Katzenfreunden mitteilen möchte und dazu einen etwas anderen Weg wählt. Ist das gelungen? Teilweise, denn auch wenn die verarbeiteten Erfahrungen eines langjährigen „Dosenöffners“ von anderen Katzenbesitzern nachempfunden werden können und sich das eine oder andere Schmunzeln sicher nicht verkneifen, aber jemand anderer als ein Katzenliebhaber wird auch kaum zu diesem Buch greifen. Obwohl … wer den Blues liebt (aber das ist eine Welt die sich meinem Verständnis entzieht). Aber was die Geschichte selbst anbelangt, so fehlt etwas. Liebenswerte und schrullige Personen findet man in diesem Buch gehäuft, aber diese sind nur Beiwerk zu einer Geschichte, die einfach zu normal ist. Was vielleicht eine Stärke sein kann, ein Leben wie es tatsächlich sein könnte, aber … vielleicht wäre mehr Biografie mit IgnazNetzer (und nicht Ben Häberle in der Hauptrolle) spannender gewesen. Ach ja … was die angekündigte Liebesgeschichte anbelangt … nun Wie die Katzen auf den Blues kamen erhebt nicht den Anspruch einer RomCom, und so ist das eher subtil. Ein Buch für Hardcore-Katzenfreunde (oder solche, die es werden wollen) und vielleicht auch für jene, die dem Blues verfallen sind.

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(Rezensionsexemplar)

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