Emanuel Müller: Harzwolf (Rezension)

Ein sterbender Patient ringt dem Arzt Daniel Menk das Versprechen ab, sich im verschneiten Harz auf die Suche nach dem Ursprung seiner tödlichen Verletzungen zu begeben. Der ist zwar nicht sonderlich begeistert, möchte das Versprechen aber nicht brechen und begibt sich mit einem Freund zusammen auf die Suche. Sie ahnen nicht, wie nahe sie damit einem blutrünstigen Geheimnis kommen.
Was sie finden, gibt ihnen das Gefühl, in einen Alptraum geraten zu sein. Scheinbar gibt es kein Entkommen…

Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück. Was liegt also näher als auch Werwölfe durch den Harz streifen zu lassen.
Dass ich Wölfe und den Harz mag, sollte an vielen Beiträgen im Blog (und entsprechend vielen Besuchen in der Harzregion) ersichtlich sein. Zufällig bin ich auf die Geschichte Harzwolf gestoßen und was liegt da näher, als sich das Buch zu besorgen.

Harzwolf ist ein nette Geschichte, die sich gut liest und einen sympathischen Protagonisten aufzuweist. Allerdings bietet sie auch nichts Besonderes, sieht man davon ab, dass es durchaus reizvoll ist sich Werwölfe im Harz vorzustellen. Knappe 60 Seiten ist die Geschichte lang, dabei wäre das Potential für viel mehr vorhanden. Etwas mehr Harz, etwas mehr (Wer)Wölfe…
Aber vielleicht war Harzwolf auch nur als Kurzgeschichte gedacht und ist dann etwas länger geraten.
Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Mehr als nette Unterhaltung wird nicht geboten.
Allerdings …gibt es ja noch Die Falle, die Fortsetzung zu Harzwolf.

Daniels schreckliche Erlebnisse auf dem Brocken liegen gerade einmal ein halbes Jahr zurück, als er vom bekannten medizinischen Ermittler Dr. Phelan Braden um Hilfe gebeten wird. Braden hat den Auftrag, den vermissten Waldemar Brandes aufzuspüren, welcher Daniel damals auf dem Brocken begegnet war. Zusammen mit Phelans Assistentin Bea begeben sie sich an den Hängen des Brockengipfels auf die Spur der Harzwölfe, welche sie schließlich bis nach Schottland führt ..
Ich fand es schade, dass ein Großteil der Handlung in Schottland spielt und der Harz keine große Rolle mehr spielt. Ich hätte mehr Harz erwartet (aber da kannte ich den Trailer zum Buch noch nicht). Aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle, vielleicht darf man ja irgendwann mit weiteren „Abenteuern“ von Daniel und Phelan rechnen. Ach ja, Barbara darf man nicht vergessen. Die drei sind ein sehr sympathisches Team, das dem spannend erzählten Buch auch eine gewisse Prise Humor verleiht. Anders als in der Vorgeschichte lässt sich Emanuel Müller diesmal Zeit mit seiner Erzählung und so kommen weder die Charaktere, noch die Umgebung, noch die Spannung zu kurz. Ein bisschen wurde ich an H. G. Wells und seiner Insel des Dr Moreau erinnert, aber das liegt nur an der Verbindung von Experimenten mit Menschen/Tieren (Werwölfen?) auf einer Insel (allerdings liegt die Insel in Die Falle in einem schottischen See).
Die Falle hat mich von Anfang an gefesselt und das ist dem Ermittlerteam zu verdanken. Die Werwölfe empfand ich nur als Beiwerk (und die drei hätten von mir aus auch Einhörner oder Vampire jagen dürfen) und auch der menschliche Gegenspieler wirkt etwas blass. Dennoch wird ein fesselndes Abenteuer geboten, das (abgesehen vom Harz) all das bietet, was man in Harzwolf vermisste (aber kann man eine Kurzgeschichte mit einem Roman vergleichen, bzw. sollte man das überhaupt tun?).
Lesenswert!!!

Der Fluch der Wölfe ist das Prequel zu den Ereignissen zu Harzwolf.

Belgien, 1880. Der junge Pariser Anwalt Mathéo Leclerc reist in die Ardennen, um das Erbe seines überraschend verstorbenen Onkels Alain anzutreten: ein abgelegenes Gebirgsschloss. Als er vor Ort erfährt, dass Alain ermordet wurde, sich aber niemand darum kümmert, beginnt er, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Nach und nach kommt er mit Hilfe seiner neuen Freunde Pierre und Lene hinter die düstere Vergangenheit seines Onkels und hört Gerüchte über Geisterbeschwörungen und Werwölfe.
Nachdem er sich aufgrund seiner Erkundungen nicht gerade in der Umgebung beliebt macht, kommt es zu einem weiteren Mord.

Der Harz spielt noch weniger eine Rolle, als es in Die Falle der Fall ist, nämlich gar keine. Dafür geht es nach Frankreich. Überraschenderweise wird man hier mit Charakteren konfrontiert, die man später auch in den Harzwolf-Büchern trifft, ich werde allerdings nicht verraten, um wen es sich handelt.
Der Fluch der Wölfe ist ein bisschen wie Dracula und Frankenstein mit etwas Wolfsmensch gemischt: Ein abgelegenes Dorf, leicht beeinflussbare Dörfler, fanatische Priester, ein dunkles Zauberbuch, ein riesiges Schloss und Wölfe…alles was eine klassische Horrorgeschichte ausmacht. Und das bekommt man auch. Spannend erzählt, nicht langweilig und so, wie Werwölfe früher waren (bevor sie, ähnlich der Vampire) romantisiert/verkitscht wurden. Es gibt zwar eine kleine Liebesgeschichte, aber diese stellt nur eine Nebenhandlung dar. Es ist auch nicht nötig die Harzwolf-Bücher zu kennen (aber es  macht mehr Spaß, wenn man sie kennt).

Harzwolf ist ein schwacher Auftakt der Reihe, aber die beiden Romane (und ich hoffe es folgen noch mehr) stellen beste Unterhaltung dar. Ich mag die Protagonisten beider Romane und es wäre schön, mehr von ihnen zu lesen.

Mehr über Emanuel Müller erfährt man hier.

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