Gibt es Neues vom Beutelwolf?
Nein. Noch nicht. Auch wenn er in der wissenschaftlichen Forschung noch nicht tot ist (siehe hier) und es Firmen gibt, die ihn wiederbeleben wollen … bisher bleibt er tot oder ungesehen (wer kann das schon sagen).
Aber das Thema Beutelwolf gibt noch mehr her als es bisher im Blog zu lesen war. Und die Entdeckungsgeschichte (durch die Europäer) ist durchaus einen Blick wert.
Die Entdeckungsgeschichte des Beutelwolfs ist eng mit der europäischen Kolonialisierung Australiens und Tasmaniens verbunden – und zugleich ein Beispiel für die frühe europäische Missdeutung der australischen Fauna.
Die indigene Bevölkerung Tasmaniens kannte den Beutelwolf seit Jahrtausenden. Felszeichnungen deuten darauf hin, dass die Tiere Teil der Kultur und Mythologie waren – jedoch wurde dieses Wissen von europäischen Forschern lange ignoriert.
1642: Der niederländische Entdecker Abel Tasman war der erste Europäer, der Tasmanien (damals „Van Diemen’s Land“) sichtete, aber er dokumentierte keine Fauna.
1805: Die erste wissenschaftlich dokumentierte Begegnung mit dem Beutelwolf fand im frühen 19. Jahrhundert statt. Europäische Siedler meldeten Begegnungen mit einem „wolfsähnlichen Tier“ mit Streifen auf dem Rücken.
1808–1810: Das erste bekannte Tier gelangte lebend nach Europa. Es wurde im Londoner Zoo ausgestellt.
1808: Der Zoologe George Prideaux Harris, Assistent des Gouverneurs von Tasmanien, beschrieb den Beutelwolf wissenschaftlich und gab ihm den Namen Didelphis cynocephala (später in Thylacinus cynocephalus geändert). Der Name bedeutet sinngemäß „beuteliges Tier mit hundeähnlichem Kopf“.
G. P. Harris, XI. Description of two new Species of Didelphis from Van Diemen’s Land, Transactions of the Linnean Society of London, Volume os-9, Issue 1, November 1808, Pages 174–178, https://doi.org/10.1111/j.1096-3642.1818.tb00336.x
Im Artikel wird auch der Beutelteufel beschrieben.
Harris war Assistent des damaligen Gouverneurs von Van Diemen’s Land und sammelte Exemplare vor Ort.
Er fertigte eine Zeichnung an und beschrieb das Tier als „einen Wolf in Gestalt, aber mit Beutel“, mit auffälligen Streifen am Rücken.
In seiner Beschreibung betonte er die Zähne, Pfoten, Ohren und das Verhalten – sehr ungewöhnlich für die damalige Zoologie.
Spätere Zoologen erkannten, dass das Tier (und der Beutelteufel) nicht zur Gattung Didelphis (den Opossums) gehört.
Der Name wurde schließlich in die eigene Gattung Thylacinus überführt.
1815: Der französische Naturforscher Georges Cuvier erklärte anhand von Abbildungen und Berichten, dass das Tier einzigartig in der Tierwelt sei – eine bemerkenswerte Feststellung, denn Cuvier hatte das Tier nie selbst gesehen.
Im 19. Jahrhundert wurde der Beutelwolf oft mit einem Wolf, Tiger oder einer Hyäne verglichen, aufgrund seiner äußeren Ähnlichkeit, nicht aber seiner tatsächlichen Verwandtschaft. Die Tatsache, dass es sich um ein Beuteltier-Raubtier handelte (eine seltene ökologische Nische in der Beuteltierwelt), wurde lange unterschätzt.
Wissenschaftler staunten über seine merkwürdigen Merkmale wie das Vorhandensein eines Beutels auch beim Männchen, eine einzigartige Zahnanordnung und die 120 Grad Öffnung zu der der Kiefer fähig war.
Ab den 1820er-Jahren wurde der Beutelwolf systematisch verfolgt, da er Schafen nachgestellt haben soll. Die Regierung Tasmaniens setzte Prämien aus, und zwischen 1888 und 1909 wurden über 2.000 Tiere als getötet gemeldet. Rückblickend ist allerdings umstritten, wie groß die tatsächliche Gefahr für Nutztiere war. Aber das ist eher Teil des Untergangs und nicht der Entdeckungsgeschichte.




