Der Fratzenkuckuck in Brehms Tierleben

Fratzenkuckuck (Brehms Tierleben)

Der Riesen- oder Fratzenkukuk ( Scythrops Novae-Hollandiae, australis, australasiae und Goerang), welcher die einzige Art der Sippe bildet, ist auf Kopf und Hals schön aschgrau, auf der Oberseite, Flügel und Schwanz inbegriffen, graubraun, jede Feder des Mantels, der Schultern, des Bürzels und der oberen Schwanzdecken breit umberbraun gerandet, auf der Unterseite hell aschgrau, auf Bauch, Schenkeln und unteren Schwanzdecken graulichweiß, dunkel in die Quere gebändert. Die Schwingen zeigen am Ende eine breite schwarzbraune Binde, die Schwanzfedern, deren Innenfahnen auf rostfarbenem, gelblichweißem Grunde mit sieben schwarzen Binden gezeichnet sind, ein eben solches Band vor dem breiten, weißen Schwanzende. Das Auge ist braun, die nackte Stelle um dasselbe scharlachroth, der Schnabel gelblich hornfarben, der Fuß olivenbraun. Das Weibchen unterscheidet sich nur durch etwas geringere Größe. Die Länge beträgt fünfundsechzig, die Fittiglänge vierunddreißig, die Schwanzlänge sechsundzwanzig Centimeter.

Laut brieflicher Mittheilung von Rosenbergs bewohnt der Riesenkukuk keineswegs Neuholland allein, sondern findet sich auch auf Neuguinea, Celebes, Ternate, Ceram und den Aruinseln.

Gould begegnete ihm in Neusüdwales, wo er ein Zugvogel ist, welcher im Oktober erscheint und im Januar wieder wegzieht. Nach Latham sieht man ihn gewöhnlich früh und abends, zuweilen in kleinen Trupps von sieben bis acht Stücken, öfters aber paarweise. Sein Anstand und seine Sitten, seine Bewegungen, seine Ernährung und die Art und Weise seiner Fortpflanzung kennzeichnen ihn auf das entschiedenste als Kukuk. Im Sitzen nimmt er sich prächtig aus, weil er den langen Schwanz oft fächerartig ausbreitet; im Fluge erinnert er oft täuschend an einen großen Falken. Der erste Riesenkukuk, welchen Bennett im Pflanzengarten zu Sidney schoß, wurde von ihm zuerst als ein Falk angesehen. Gleich einem solchen kreiste er in hoher Luft umher, unterbrach diese Bewegung zuweilen, um zu rütteln, ließ sich dann langsam herab, setzte seinen Flug dicht über den Spitzen der hohen Gummibäume und Kasuarinen fort, schwenkte sich auch rund um diese Bäume, bald volle Kreise beschreibend, bald von einem Zweige zum anderen ziehend und dort anhaltend, um nach Heuschrecken und anderen großen Kerbthieren zu spähen, stieß endlich wiederholt auf diese herab und nahm sie von den Blättern oder selbst von den Stämmen der Bäume weg, gelegentlich laut und kreischend aufschreiend und mit ausgebreiteten Schwingen vor den äußersten Spitzen rüttelnd, alles ganz wie Falken zu thun pflegen. Erst nachdem er die verschiedensten Uebungen dieser Art ausgeführt und sich seine Morgenmahlzeit gesichert hatte, ließ er sich auf einem sehr hohen Zweige nieder, von welchem er herabgeschossen wurde. Das erwähnte durchdringende Geschrei läßt er im Sitzen wie im Fliegen, insbesondere aber dann vernehmen, wenn ein Falk oder ein anderer Raubvogel ihm zu Gesichte kommt. Elsey, welcher den Vogel im Norden beobachtete, sagt, daß er mitunter fünf Minuten lang sein klägliches Geschrei ausstoße. »Zuweilen kümmerte er sich nicht um unsere Gegenwart; gewöhnlich aber war er sehr scheu. Zu dem Boden kam er niemals herunter; ich habe ihn stets nur auf den Wipfeln der höchsten Bäume gesehen.« Der Magen des von Bennett erwähnten Vogels enthielt Goldkäfer und große Heuschrecken in Menge. In den Magen anderer Fratzenkukuke wurden neben Kerbthieren auch Früchte und Samen, insbesondere solche vom rothen Gummi- und Pfeffermünzbaum, gefunden.

Ueber die Fortpflanzung fehlen noch ausführliche Berichte, doch scheint so viel festzustehen, daß auch der Riesenkukuk seine Eier fremden Eltern anvertraut. Gould erhielt einen, welcher angeblich von zwei anderen fremden Vögeln gefüttert worden war. Strange fand in dem Legschlauche eines von ihm erlegten Weibchens ein reifes Ei, welches auf graulichem Grunde überall mit röthlichbraunen Flecken und Punkten gezeichnet war.

Ein junger Riesenkukuk wurde in ein Gebauer, welches bis dahin ein Riesenfischer innegehabt hatte, gebracht und hier von Bennett beobachtet. Sofort nach seiner Ankunft öffnete der Neuling, anscheinend hungrig, den Schnabel, und siehe da, der Riesenfischer erbarmte sich der Waise. Gutmüthig nahm er ein Stückchen Fleisch, bearbeitete dasselbe mit seinem Schnabel so lange, bis es ihm die nöthige Weiche zu haben schien, und steckte es seinem Schützlinge sorgfältig in den Schnabel. Dieses Pflegegeschäft setzte er so lange fort, bis der junge Kukuk fähig war, selbst zu fressen. »Als ich ihn sah«, schreibt Bennett, »saß er auf der höchsten Spitze des Käfigs, erhob sich gelegentlich, schlug mit den Flügeln und bäumte dann wieder, nach Art gewisser Falken, mit denen er überhaupt Aehnlichkeit zeigt. Wenn ihm des Morgens Futter gebracht wurde, kam er herab, kehrte aber augenblicklich wieder zu seinem erhabenen Sitzplatze zurück. Von dem, was ich gesehen habe, möchte ich schließen, daß er in der Gefangenschaft sehr zahm werden muß.«

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.