Ausgestorbene Wirbellose – Noch mehr Parasiten

Hypothetische Darstellung einer ausgestorbenen Laus (ChatGPT)

Ein paar Parasiten, die es nicht mehr gibt, habe ich bereits hier vorgestellt. Man könnte denken, dass die Wirte froh darüber sein dürften, dass sie von ein paar Plagegeistern befreit sind, aber … sie sind meist genauso ausgestorben wie ihre Parasiten.
Und vermutlich sind noch mehr Parasiten ausgestorben als man denkt… man hat sie nur noch nicht entdeckt.
Und selbst Dinosaurier und andere prähistorische Tiere haben unter Parasiten gelitten. Warum auch nicht? In den letzten Jahren werden immer mehr gefunden… und wer weiß welche noch gefunden werden, beziehungsweise nie gefunden werden, weil keine Spuren hinterlassen wurden.
Von Dinosauriern selbst sind keine Parasiten als Weichkörper direkt überliefert, aber es gibt mehrere indirekte und direkte Fossilbelege, die ziemlich klar zeigen, welche Parasiten sie hatten – ähnlich wie bei heutigen Reptilien und Vögeln.

In kreidezeitlichem Bernstein wurden Zecken und andere Milben gefunden, oft in unmittelbarer Nähe von Dinosaurierfedern. Einige Exemplare sind vollgesogen, was stark für Blutsaugen an Dinosauriern spricht.
In Dinosaurierkot (Koprolithen) wurden Parasiteneier entdeckt. Vergleichbar sind diese mit den eiern heutiger Spul- und Peitschenwürmern.
Einzellige Parasiten kann man nur vermuten (aber nichts spricht dagegen, das es sie damals schon gab, irgendwoher müssen sie ja kommen).
Mücken und andere Stechinsekten gab es bereits zu Zeiten der Dinosaurier und es ist höchst wahrscheinlich, das sie sich auch an diesen bedient haben. Das populäre Jurassic-Park-Motiv (Dino-DNA aus Mücken) ist wissenschaftlich widerlegt.

Ektoparasitäre Insekten (Zecken, Läuse, aber auch Mücken) verursachen Beschwerden oder Krankheiten bei ihren Wirten, die sich heute bei Dinosauriern nur vermuten lassen.
Anzeichen dafür könnten u . a. Knochenveränderungen (Entzündungen, Deformationen) oder Wachstumsstörungen sein.

Die Parasitologie der Urzeit ist ein spannendes Thema, auch wenn sie weniger spektakulär erscheinen mag als die Entdeckung neuer Dinosaurier oder alter Säugetierformen.

Eine der ältestem bekannten fossilen Läuse, Megamenopon rasnitsyni, stammt aus dem Eozän Deutschlands (vor 44 Millionen Jahren) und weist bereits eine vollständig moderne Gestalt auf. Die Evolution von federfressenden Insekten im Mesozoikum bleibt daher unklar, obwohl zahlreiche gefiederte Dinosaurier, darunter frühe Vögel, aus dem Jura und der Kreidezeit beschrieben wurden.
Eine weitere Laus, die man ursprünglich als Parasit einstufte ist Mesophthirus engeli.
Mesophthirus ist eine ausgestorbene Insektengattung, die aus burmesischem Bernstein aus Myanmar aus der mittleren Kreidezeit vor etwa 100 Millionen Jahren bekannt ist. Ihre einzige Art, Mesophthirus engeli, ist durch mehrere Exemplare bekannt, die zusammen mit Dinosaurierfedern erhalten geblieben sind. Ursprünglich ging man davon aus, dass sich Mesophthirus von Federn ernährte, da beschädigte Dinosaurierfedern, die mit ihm konserviert waren, dies belegten. Spätere Studien ordneten es jedoch einer Schildlaus im Larvenstadium zu, die wahrscheinlich zur Familie der Xylococcidae gehört, und nicht einem parasitären Insekt, das sich von Federn ernährte.
Mesophthirus engeli ist nur als Larve bekannt; adulte Exemplare dieser Insektenart sind unbekannt. Sie erreicht eine Länge von bis zu 229 μm, besitzt winzige Augen, kurze Beine und kurze Fühler und keine Flügel. Ihre Klauen und Fühler sind mit langen, steifen Borsten bedeckt. Seine Körperform ist oval bis länglich, ohne Einschnürung zwischen Kopf, Thorax und Abdomen. Ursprünglich ging man davon aus, dass es riesige Mandibeln mit mindestens vier Zähnen besaß. Dies erwies sich jedoch später als Fehlbestimmung; tatsächlich besitzt es saugende Mundwerkzeuge. Zudem sind seine Klauen nicht wie bei Läusen spezialisiert, sondern identisch mit denen von Schildläusen.
Obwohl es nur als Nymphe bekannt ist, wurde es aufgrund seiner Gesamtmorphologie ursprünglich den Liposcelidae und Phthiraptera zugeordnet. Im Jahr 2021 wurde es jedoch aufgrund mehrerer Merkmale als Schildlaus eingestuft. 2022 wurde es der Schildlausfamilie Xylococcidae zugeordnet, obwohl die Autoren der Erstbeschreibung weiterhin die Einstufung als lausartiges Insekt befürworteten.
Mesophthirus-Exemplare wurden zusammen mit beschädigten Dinosaurierfedern gefunden. Die ursprüngliche Beschreibung legte nahe, dass die Morphologie der Insekten und der beschädigten Federn darauf hindeutet, dass sich diese Insekten von Federn ernährten. Diese Interpretation wurde 2021 widerlegt, da dem Insekt tatsächlich kauende Mandibeln fehlten. Als Schildlauslarve kletterte es auf Pflanzenstreu, Baumstämmen und sogar auf abgefallenen Federn. Beschädigte Federn wurden stattdessen von Speckkäferlarven gefressen. 2022 wurde angenommen, dass der Windtransport dazu führte, dass sich mehrere Larven auf derselben Feder befanden. Seine geringe Größe und die sehr langen Femoralborsten sind an die Verbreitung durch die Luft angepasst. Diese Larven kletterten wahrscheinlich auf Federn, die sich an der Rinde verfangen hatten und im Wind flatterten, und nutzten diese, um wie auf einem „fliegenden Teppich“ zu anderen Stämmen zu gelangen.

Was wohl noch an prähistorischen Parasiten gefunden wird?

Pelzralle, Guamralle, Zwergkiwi (ChatGPT)

Ursprünglich wollte ich auf andere Läuse hinweisen, aber irgendwie bin ich ein bisschen vom Thema abgekommen. Dennoch: Das Artensterben geht weiter und mit dem Sterben großer Tiere (nennen wir sie parasitengerecht einfach Wirte) verschwinden auch jene Nutznießer, die sich zu sehr spezialisiert haben.
So ist das u. a. bei Läusen Rallicola piageti und und Rallicola extinctus. Ihre Wirte sind höchstwahrscheinlich (oder mit Sicherheit) ausgestorben und die Läuse dieser Arten wurden bisher nicht auf anderen Tieren entdeckt.
R. piageti: Pelzralle
R. extinctus: Huia
Zwei weitere Vertreter dieser Läusegattung, Rallicola guami und Rallicoli pilgrimi sind ausgestorben, weil ihre Wirte so selten waren, dass sie meist nur in menschlicher Obhut überleben konnten (Guamralle und Zwergkiwi). Durch die Pflege der Tiere verschwanden die Parasiten … und bis deren Aussterben entdeckt wurde war es zu spät. Aber wenn man ehrlich ist: Parasiten interessieren vermutlich nur Parasitologen und die Denkweise des Normalsterblichen („Nur ein toter Parasit ist ein guter Parasit“) ist absolut nachvollziehbar.
Auch Colpocephalum californici ereilte das Schicksal. Diese Laus lebte parasitär auf dem Kalifornischen Kondor. Dieser konnte nur in menschlicher Obhut überleben, auch wenn es jetzt wieder freifliegende Tiere gibt, aber durch das strenge Hygieneprogramm war kein Platz für die Laus.

Kalifornischer Kondor (ChatGPT)

In den 1980er Jahren wurden alle Kalifornischen Kondore für ein Zuchtprogramm in den Zoo von Los Angeles und den Wildtierpark des Zoos von San Diego gebracht. Naturschützer behandelten alle Kondore mit einem Pestizid, um die Läuse abzutöten. Das Aussterben dieser Art ist ein Beispiel für durch Naturschutzmaßnahmen bedingtes Aussterben.
Bereits in den 1990er Jahren äußerten viele Menschen Besorgnis über den Verlust der Kalifornischen Kondorlaus. Ein Leserbrief an die Zeitschrift Nature aus dem Jahr 1990 begann mit der Frage: „Wie viel Aufmerksamkeit wird den natürlichen Parasiten zuteil, wenn es darum geht, bestimmte Arten vor dem Aussterben zu bewahren, beispielsweise den Kalifornischen Kondor, das Schwarzfußfrettchen usw.?“ Ein weiterer Leserbrief an Nature schloss mit den Worten: „Es kann zu Konflikten zwischen den Naturschutzbedürfnissen kommen, die uns zwingen, uns von der Gorillalaus oder den Läusen des Kalifornischen Kondors zu verabschieden, während wir ihre Wirte erhalten. Wenn dem so ist, sollten wir dies in vollem Bewusstsein dessen tun, was wir dadurch verlieren.“ Das Aussterben von C. californici wird häufig als Beispiel angeführt, um die Bedeutung des Parasitenschutzes sowohl in wissenschaftlichen Arbeiten als auch anderswo zu unterstreichen. Eine 2011 im Annual Review of Entomology veröffentlichte Studie bezeichnete dies als ein „eindringliches Beispiel“ für den Verlust der Biodiversität und merkte an, dass die Rolle dieser Art im Ökosystem ihres Wirtes noch nicht vollständig verstanden sei. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Untersuchung der Genetik von C. californici Aufschluss über die Evolutionsgeschichte des Kalifornischen Kondors hätte geben können. Biologen fragten sich zudem, ob die Kalifornischen Kondore parasitenfrei blieben oder ob generalistische Parasiten, die möglicherweise schwerwiegendere gesundheitliche Folgen haben, diese später verdrängten.

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