Von Flöhen übertragene Krankheiten

Denkt man an Flöhe und Krankheiten fällt einem sofort die Pest ein. Aber es gibt noch ein paar andere Krankheiten, die durch einen Flohbiss übertragen werden können.

Rickettsia typhi ist der Erreger des murinen Fleckfiebers (endemisches Fleckfieber) beim Menschen und kommt weltweit vor. Es handelt sich um eine akute, fieberhafte Erkrankung, die hauptsächlich durch Nagetierflöhe übertragen wird und häufig in Städten und Häfen vorkommt, wo Stadtratten (Rattus rattus und Rattus norvegicus) weit verbreitet sind. Menschen infizieren sich durch Einatmen oder durch Selbstinfektion mit infizierten Flöhen oder Flohkot auf der Haut, wenn sie sich in von Ratten befallenen Endemiegebieten aufhalten. Die meisten Patienten weisen Fieber auf, viele haben auch einen Hautausschlag und Kopfschmerzen. Es kann jedoch auch zu einer disseminierten Multisystemerkrankung kommen, die das Gehirn, die Lunge, die Leber, die Nieren und das Herzendothel befällt. Da diese Anzeichen und Symptome denen anderer Erkrankungen, einschließlich anderer Rickettsien, ähneln, ist das murine Fleckfieber klinisch schwer zu diagnostizieren. Neben uneinheitlichen und unspezifischen Symptomen mangelt es an wirksamen Diagnoseverfahren in der akuten Phase der Erkrankung, was zu einer verzögerten, angemessenen Behandlung führt. Murines Fleckfieber verläuft in der Regel klinisch mild, es wurden jedoch auch schwere und sogar tödliche Fälle beschrieben. Der Schweregrad der Infektion mit murinem Fleckfieber korreliert mit Alter, ethnischer Zugehörigkeit und verzögerter Diagnose. Doxycyclin ist das Antibiotikum der Wahl, da es nachweislich den Krankheitsverlauf verkürzt, obwohl 99 % der Infizierten die Erkrankung innerhalb weniger Wochen auch ohne spezifische Behandlung überwinden.

Ebenfalls von Rickettsien übertragen wird das Flohfleckfieber, auch Katzentyphus genannt. Verursacher ist hier Rickettsia felis. Die Übertragung erfolgt durch den Katzenfloh, aber auch der Menschenfloh, der Hundefloh, der Igelfloh und Anomiopsyllus nudata können R. felis übertragen.
Die Krankheitssymptome sind leicht- bis mittelgradig. Es treten Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen sowie Magen-Darm- oder Atemwegsinfektionen auf. Gelegentlich tritt an der Flohstichstelle ein Exanthem oder ein lokales Geschwür (Inokulationsgeschwür) auf. Die Diagnose wird durch serologischen Nachweis gestellt, wobei zu beachten ist, dass Kreuzreaktionen zu R. typhii und R. conorii (Erreger des Boutonneuse-Fiebers) bestehen. Zur Behandlung eignen sich Antibiotika wie Doxycyclin, Fluorchinolone und Rifampicin.
Welche epidemiologische Bedeutung Katzen haben, ist bislang nicht genau bekannt. Sie erkranken nicht, es ist bislang noch nicht einmal gelungen, den Erreger aus dem Blut von Katzen zu isolieren. Dafür lässt sich R. felis aus dem Blut von infizierten Hunden und aus Katzenflöhen isolieren. Diese dienen vermutlich als Erregerreservoir, während Katzen nur für die Aufrechterhaltung der Katzenflohpopulation eine Rolle spielen.
Flohübertragenes Fleckfieber ist häufig unspezifisch und wird deshalb oft mit grippalen Infekten verwechselt.
Beide Fleckfieberarten sprechen sehr gut auf Antibiotika an.

Bartonella henselae (dunkle Partikel) in der Herzklappe eines Menschen(Warthin Starry, from Traditional and Molecular Techniques for the Study of Emerging Bacterial Diseases: One Laboratory’s Perspective, Emerging Infectious Diseases Journal, Vol. 8, No, 2, February 2002, Center for Disease Control)

Die Katzenkratzkrankheit (KKK) wird durch Kratzverletzungen von Katzen übertragen wird. Es ist eine Infektionskrankheit, die meist anhand von Lymphknotenschwellungen an der Achsel oder am Hals erkannt wird und in der Regel gutartig verläuft. Katzen sind nur Überträger der durch das Bakterium Bartonella henselae verursachten Krankheit, zeigen aber nach derzeitigem Kenntnisstand nur sehr selten Krankheitszeichen. Auch im Katzenfloh sind die Erreger der Katzenkratzkrankheit nachweisbar. Über ihn wird die Krankheit wahrscheinlich von Katze zu Katze übertragen.
Darüber hinaus spielt auch Bartonella clarridgeiae eine Rolle. Das in der Vergangenheit ebenfalls als Auslöser angesehene Bakterium Afipia felis wird heute als unbedeutend für diese Erkrankung angesehen.
Die Krankheit kann bei Kindern und bei Erwachsenen ausbrechen. Insbesondere Menschen mit einer Immunschwäche erkranken schneller. Obwohl die Katzenkratzkrankheit weltweit verbreitet ist, wird sie meist nicht sofort erkannt, da eine spezifische Blutuntersuchung notwendig ist. Erfolgt diese nicht, kann die Krankheit nicht eindeutig identifiziert werden. Der Erreger lässt sich bei 10 bis 70 % der Katzen in Deutschland nachweisen. Ein familiäres Auftreten der Krankheit kann durch eine neu angeschaffte Katze ausgelöst werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beschrieben. Die Krankheit ist nicht meldepflichtig.

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