Ratten können eine Reihe von Krankheiten auf den Menschen übertragen – entweder direkt über Bisse, Urin oder Kot, indirekt über Flöhe und Milben oder durch kontaminierte Lebensmittel und Wasser. Wichtig ist: Die meisten Wildratten tragen nicht alle dieser Erreger, und das tatsächliche Infektionsrisiko für die Allgemeinbevölkerung ist in Deutschland eher gering. Bei engem Kontakt mit Wildratten oder deren Ausscheidungen sollte man jedoch vorsichtig sein.
Aber das trifft wohl bei jedem Kontakt mit Wildtieren zu.
Denkt man an Ratten und Krankheiten muss man wohl an erster Stelle an die Pest denken. Auch das Murine Fleckfieber wird von Ratten, bzw. Flöhen auf Ratten übertragen. Man mag die Ratte schon fast als Opfer sehen. Viren und Bakterien sind die Verursacher diverser Krankheiten, Ratten (oder Flöhe) sind nur die Überträger.
Krankheiten, die von Tieren auf Menschen (oder umgekehrt) übertragen werden können, nennt man Zoonosen (das nur am Rande, falls ich das nicht schon irgendwo erwähnt haben sollte.
Ratten haben die Menschheitsgeschichte mehrfach beeinflusst – allerdings oft indirekt. In vielen Fällen waren sie Reservoirwirte, während die eigentliche Übertragung durch Flöhe oder andere Vektoren erfolgte. Einige Krankheiten führten zu Pandemien, andere beeinflussten Kriege, Städte oder den Handel.
Ratten sind aber nicht böse, es ist nur eine Tatsache, dass Tiere, die sich gut an den Menschen angepasst haben und in großer Zahl auftauchen (können) schnell zum Problem werden (aus menschlicher Sicht).
Leptospirose (oder Leptospirosis) ist eine Infektionskrankheit, die durch bestimmte Vertreter der Bakterien-Gattung Leptospira (aus der Ordnung der Spirochäten) verursacht wird. Beim Menschen wird die Krankheit durch Leptospira interrogans verursacht. Sie kann unter anderem die Leber, die Niere und die Hirnhaut betreffen. Eine Leptospirose verursacht beim Patienten grippeähnliche Symptome und verläuft in Phasen.
Es handelt sich dabei um eine meldepflichtige Zoonose, deren natürliche Wirte vor allem Ratten und Mäuse, im Falle der Schweinehüterkrankheit auch Schweine und Rinder sind. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontakt mit Urin, Blut oder Gewebe infizierter Tiere bzw. verunreinigtem Wasser, vor allem aus Bächen, Sümpfen, Tümpeln und der Kanalisation.
Leptospiren gelangen über den Urin infizierter Säugetiere (vor allem Ratten und andere Nagetiere, aber auch viele Wild- und Nutztierarten sowie Hunde) in die Umwelt. Infizierte Nagetiere erkranken zumeist selber nicht, scheiden den Erreger aber z. T. lebenslang aus. In stehendem Wasser sind Leptospiren wochenlang überlebensfähig, teilen sich dort aber nicht weiter.
Durch kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhaut kann der Mensch sich dann bei Kontakt mit kontaminiertem Wasser mit dem Erreger anstecken. Leptospirosen treten dabei vor allem in Gebieten auf, in denen landwirtschaftliche Flächen bewässert werden.
Das Rattenbissfieber (Synonyme: japanisch Sodoku; Spirillen-Rattenbisskrankheit, kurz Rattenbisskrankheit) ist eine weltweit eher selten vorkommende, in Japan aber besonders häufig auftretende akute Infektionskrankheit des Menschen. Übertragen werden die früher als Spirillum (morsus) muris bezeichneten Erreger (Spirillum minus und Streptobacillus moniliformis) durch Bisse von Ratten, Mäusen, Eichhörnchen und nagetierfressenden Haustieren. Es handelt sich somit um eine Zoonose. Nach einer Inkubationszeit von einem bis 22 Tagen, gelegentlich auch erst nach zwei Monaten, entsteht meist ein tief dunkelrotes Exanthem an der Wunde. Fieberschübe von 4 bis 5 Tagen wechseln mit fieberfreien Intervallen (Man spricht von einem rekurrenten Fieber). Lymphangitis und Schwellungen von Lymphknoten, Leber und Milz können Begleiterscheinungen sein. Das Rattenbissfieber heilt meist nach einigen Wochen bis Monaten von selbst ab, führt aber nach Ansicht mancher Autoren unbehandelt in 5–10 % der Fälle zum Tod.
Das Hantavirus bezeichnet eigentlich eine ganze Gruppe von Viren aus der Familie Hantaviridae. Verschiedene Hantaviren sind jeweils an bestimmte Nagetierarten angepasst und werden meist von diesen getragen, ohne sie krank zu machen. Menschen infizieren sich in der Regel nur zufällig.
Die Übertragung geschieht fast immer über Aerosole – also winzige Staubpartikel, die virushaltigen Urin, Kot oder Speichel von Nagetieren enthalten. Seltener kann eine Infektion durch Bisse, direkten Kontakt mit Ausscheidungen oder kontaminierte Lebensmittel erfolgen.
In Deutschland ist die Rötelmaus mit Abstand das wichtigste Reservoir, aber auch Ratten und andere Nagetiere können Überträger sein.
Ratten können, neben dem Rattenfloh, auch zahlreiche Ekto- und Endoparasiten beherbergen. Einige davon können auch dem Menschen schaden.
Die Tropische Rattenmilbe Ornithonyssus bacoti ist meistens eher lästig als gefährlich. Sie kann jedoch in bestimmten Situationen zu größeren Problemen führen, insbesondere wenn ein starker Rattenbefall besteht oder ein Nest verlassen wird und die Milben neue Wirte suchen.
Der Parasit stammt zwar ursprünglich aus den Tropen, kommt aber mittlerweile weltweit, mit Ausnahme der Polarregionen, vor. In Mitteleuropa kommt der Befall des Menschen vor allem im Zusammenhang von Heimtierhaltungen von Hamstern und anderen Nagern vor.
Ein Stich verursacht oft starken Juckreiz, kann aber auch zu allergischen Hautreaktionen führen. Die Hautveränderungen treten häufig an Armen, Beinen, Bauch oder Hals auf und können mehrere Tage anhalten.
Laborstudien haben gezeigt, dass die Tropische Rattenmilbe verschiedene Krankheitserreger aufnehmen und theoretisch übertragen kann. Gesicherte Krankheitsübertragungen sind selten.
Hymenolepis diminuta, auch als Rattenbandwurm bekannt, infiziert Säugetiere unter Nutzung von Insekten als Zwischenwirte. Auch der Zwergbandwurm (Hymenolepis nana) kann in Ratten vorkommen.
Eine Hymenolepiasis beim Menschen verläuft nicht immer symptomatisch; treten Symptome auf, so werden meist Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Juckreiz im Analbereich, Reizbarkeit und Durchfall beschrieben.
Die Symptome beim Menschen sind auf allergische Reaktionen oder eine systemische Toxämie infolge der Stoffwechselprodukte des Bandwurms zurückzuführen. Leichte Infektionen verlaufen meist symptomlos, während ein Befall mit mehr als 2000 Würmern Enteritis, Bauchschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, unruhigen Schlaf sowie Juckreiz im Anal- und Nasenbereich verursachen kann. Zu den seltenen Symptomen zählen gesteigerter Appetit, Erbrechen, Übelkeit, blutiger Durchfall, Nesselsucht, Schmerzen in den Extremitäten, Kopfschmerzen, Schwindel und Verhaltensstörungen. Gelegentlich treten bei infizierten Kindern epileptische Anfälle auf.




