Hantaviren

Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff im Atlantik sind drei Menschen gestorben, darunter auch ein deutscher Passagier, wie es aus dem Auswärtigen Amt hieß.
Es gibt mehrere Hantavirus-Verdachtsfälle, es handelt sich um Menschen, die alle an Bord des Kreuzfahrtschiffes «Hondius» waren. Das Schiff war unterwegs von Argentinien nach Kap Verde. Drei Passagiere sind bisher gestorben: Ein Deutscher starb am Sonntag, davor starb bereits ein niederländisches Ehepaar – der Mann an Bord und die Frau auf ihrer Heimreise. Bei der Frau wurde eine Variante des Hantavirus nachgewiesen, bei den übrigen Todesfällen ist ein Zusammenhang mit dem Hantavirus bislang noch nicht bestätigt. Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt; er wird auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt.
Symptome reichen von Fieber und Magen-Darm-Beschwerden bis zu schweren Atemproblemen (typisch für eine Hantavirus-Erkrankung). Auch Crewmitglieder zeigen Symptome, sind aber teils noch nicht bestätigt. Die WHO schätzt das Risiko für die breite Öffentlichkeit als gering ein, Reisebeschränkungen werden nicht empfohlen. Ein Ausbruch auf einem Schiff gilt als ungewöhnlich, da Infektionen typischerweise über Kontakt zu Nagetieren erfolgen. Diese scheiden die Viren mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten, weshalb die Infektionsquelle bisher unklar ist.
Noch ist unklar, ob tatsächlich alle drei Todesfälle durch das Hantavirus verursacht wurden.
Nun, man wird in der Tagespresse bestimmt mehr über die Fortschritte der Infektion erfahren, für Spekulationen ist es noch zu früh. Aber irgendwie fühlt man sich doch an diverse Horrorbuch- oder filmszenarien erinnert. Und wenn man sich an den Beginn von Corona erinnert …
Gut, ich will keine Panik verursachen, ich versuche nur einen Übergang zu finden, der mir nicht wirklich gelingen will. Also einfach das: FAKTEN ZUM HANTAVIRUS.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Sin Nombre Hantavirus (CDC/Cynthia Goldsmith)

Die Familie Hantaviridae aus der Ordnung der Bunyavirales umfasst unter anderem die humanpathogenen Arten Hantaan-Virus (HTNV), Puumala-Virus (PUUV), Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV), Seoul-Virus (SEOV), Sin-Nombre-Virus (SNV) und Andes-Virus (ANDV). Je nach Virustyp werden verschiedene Erkrankungen verursacht. Dazu zählen schwere Lungenerkrankungen (Pneumonie), ein akutes Nierenversagen (nephrotisches Syndrom) oder hämorrhagische Fiebererkrankungen. Die Viren sind weltweit verbreitet und treten auch in Mitteleuropa auf. Sie werden durch den Kot oder Urin infizierter Nagetiere (Mäuse und Ratten), der als Staub eingeatmet wird, auf den Menschen übertragen. Die infizierten Nagetiere selbst zeigen keine Krankheitssymptome. Die menschlichen Erkrankungen verlaufen unterschiedlich schwer. Während die in Mitteleuropa auftretenden Puumala-Virus-Infektionen in weniger als 1 Prozent der klinisch auffälligen Fälle tödlich verlaufen, beträgt die Letalität bei Infektionen mit dem in Ostasien auftretenden Hantaan-Virus und mit dem auf dem Balkan zu findenden Dobrava-Virus bis zu 15 Prozent und bei den amerikanischen Hantaviren (Sin-Nombre-Virus, Andes-Virus und andere) etwa 30–40 Prozent.

Bei den Nagern sind vor allem Mäuse, in Deutschland besonders die Rötelmaus, als Überträger festgestellt, die jedoch selbst nicht erkranken, auch wenn sie, einmal infiziert, lebenslang infektiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt sowohl durch Kontaktinfektion als auch durch orale, überwiegend jedoch durch respiratorische Aufnahme der Erreger durch die Atemwege, seltener durch Nagetierbisse. Eine typische Situation, bei der eine Übertragung mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit erfolgen kann, ist beispielsweise das Ausfegen einer im Winter nicht genutzten Hütte im Frühjahr. Generell sind vor allem Personen gefährdet, die in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten oder sich viel in der Natur aufhalten. In Asien sind häufig Reisbauern betroffen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nur bei einem Ausbruch in Südamerika 1996 beschrieben worden.

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Sin Nombre Hantavirus (CDC/Cynthia Goldsmith/Luanne Elliott)

Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion wird zum einen aufgrund des typischen Krankheitsbildes (siehe oben) und zum anderen aufgrund von spezifischen Laborwerten gestellt. Die direkte Erregerisolation ist im Tierversuch und in Zellkulturen zu Krankheitsbeginn möglich, aber ungebräuchlich. Der serologische Nachweis (d. h. Nachweis von Antikörpern gegen das Virus im Blut) wird im Immunfluoreszenztest und mittels ELISA erbracht. IgM-Antikörper sind nur einige Wochen nachweisbar, wohingegen die 14 Tage nach Krankheitsbeginn auftretenden IgG-Antikörper jahrelang bestehen bleiben können.
Die Therapie ist vor allem symptomatisch und unterstützend mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, intensivmedizinischer Versorgung und Intubation bei Ausbildung eines akuten Lungenversagens bzw. mit einer Dialyse bei akuter Niereninsuffizienz.
Das antiviral wirksame Ribavirin zeigt im Laborversuch zwar eine gute Aktivität gegen Hantaviren, die therapeutischen Ergebnisse sind aber uneindeutig und die schweren Nebenwirkungen führen dazu, dass es in der Regel nicht verwendet wird.
Eine Impfung gegen Hantaviren gibt es noch nicht (befindet sich aber in der Entwicklungsphase)

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