Qualzuchten bei Hunden
Qualzuchten bei Katzen
Auf Qualzuchten bei Hunden und Katzen bin ich eingegangen, da diese Tiere die häufigsten Heimtiere darstellen. Aber man darf auch die anderen Tiere, u. a. auch das, was man als Kleinsäuger bezeichnet, nicht vergessen, denn auch dort finden sich Qualzuchten, die vor aller Augen zu sehen sind. Gescheckte Kaninchen, Widder oder Zwegkaninchen, jeder kennt sie, aber dass es sich um Qualzuchten handelt (oder handeln kann), daran denkt niemand. Also … wie so oft wenn man sich überlegt ein Heimtier anzuschaffen: Augen auf!
Beispiele für Qualzuchten bei Kaninchen:
Schlappohren: Rassen wie das Widderkaninchen haben oftmals extrem lange Ohren, die zu Verletzungen und Infektionen neigen. Kommunikation mit Artgenossen und das Sichtfeld sind eingeschränkt.
Außergewöhnliche Fellfärbung: Rassen wie beispielsweise Albinokaninchen sind oftmals taub. Schecken leiden oft unter einem erweiterten Dickdarm (Mega Colon), welcher zu Verstopfungen und Haarballenansammlungen im Magen-Darm-Trakt führen kann.
Zwergwuchs: Zwergkaninchen oder Kaninchen mit sehr kleinen Köpfen (brachycephale Rassen) können Atemprobleme und Zahnfehlstellungen haben, die die Nahrungsaufnahme erschweren und zu Schmerzen führen können.
Ein weiteres Qualzuchtmerkmal bei Zwergkaninchen kann die Verkürzung eines Kiefers gegenüber dem anderen, meist des Oberkiefers, darstellen. Dies wird als Brachygnathia bezeichnet.
Durch die Kieferverkürzung findet kein ausreichender Abrieb der Schneidezähne statt. Die Nahrungsaufnahme wird eingeschränkt. Meist bei kugelköpfigen Tieren wird auch gelegentlich der Tränennasenkanal verstopft, was zu Tränenabflussstörungen führt.
Veränderte Haarstruktur: Rassen wie die Rexkaninchen haben gekräuselte Tasthaare, die die Orientierung erschweren, zudem entwickeln sie oftmals Ballenentzündungen (Pododermatitis) aufgrund der speziellen Haarstruktur. Rassen wie Teddy- und Angorakaninchen, sogenannte Langhaarrassen, haben dauerhafte Fellwachstum und neigen durch die unnatürliche Länge der Haare führen häufig zu Verfilzungen und Verklebungen. Weitere gesundheitliche Probleme wie Hitzestau im Sommer oder Madenbefall im Fell treten gehäuft auf.
Rexzwergwidder sind eine noch nicht in Deutschland anerkannte Rasse. Ich lasse das mal kommentarlos.
Meines Wissens gibt es keine anerkannte Kaninchenrasse, die kein Fell aufweist, ähnlich bei Nackthunden oder Nacktkatzen (oder Nacktmeerschweinchen). Hin und wieder werden einzelne haarlose Kaninchen durch spontane Mutationen beschrieben. Manche kommen mit sehr dünnem Flaum zur Welt, verlieren ihn später oder bleiben fast völlig nackt. Diese Tiere sind extrem selten und meist gesundheitlich empfindlicher.
In der biomedizinischen Forschung wurden vereinzelt haarlose Kaninchenlinien gezüchtet/erhalten, ähnlich wie haarlose Labormäuse.
Jun Song, Mark Hoenerhoff, Dongshan Yang, Ying Yang, Cheng Deng, Luan Wen, Linyuan Ma, Brooke Pallas, Changzhi Zhao, Yui Koike, Tomonari Koike, Patrick Lester, Bo Yang, Jifeng Zhang, Y. Eugene Chen, Jie Xu,
Development of the Nude Rabbit Model, Stem Cell Reports, Volume 16, Issue 3, 2021, Pages 656-665, ISSN 2213-6711,
https://doi.org/10.1016/j.stemcr.2021.01.010.
- Deutsche Riesenschecke (Zoo Linz)
- Angorakaninchen (Zoo Halle)
- Meissner Widder (Tierpark Hirschfeld)
Beispiele für Qualzuchtrassen:
Rheinische Schecke
Deutsche Riesenschecke
Zwergkaninchen
Allerdings müssen diese Rassen nicht unbedingt als Qualzuchten gelten. Man sollte sich die Tiere aber besonders gut ansehen, wenn es sich um Qualzuchten handeln könnte. Und auch wenn der Meißner Widder von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) auf die Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen (Stand 2022) gesetzt und in Kategorie II – stark gefährdet – eingestuft wurde, sollte man wirklich darüber nachdenken ob es sinnvoll ist diese Rasse zu halten (und zu züchten)






