Marc Elsberg: Eden – Wenn das Sterben beginnt (Rezension)

Frühjahr: In der Karibik attackiert ein Riesenkalmar vor den Augen entsetzter Touristen einen Walhai. In der Bucht von Triest treiben Schwärme toter Fische. Im Amazonas verdorrt der Boden. Lokale Einzelphänomene der Natur – so scheint es. Doch weltweit beginnt etwas zu kippen …
Als das neue KI-Programm des IT-Experten Piero Manzano Alarm schlägt, ist die Prognose eindeutig: Binnen Monaten droht eine globale Megakrise. Gemeinsam mit dem reichweitenstarken Influencer Linus Strand und der jungen Meeresbiologin Sarah Keller macht Piero die Warnung öffentlich – und sie alle damit zur Zielscheibe. Mächtige Gegenspieler tun alles, um sie zum Schweigen zu bringen, während sich am Horizont ein Sturm zusammenbraut …

EDEN ist mein erster Elsberg und hat mich auf gewisse Art begeistert und auch überzeugt. Die Handlung ist brisant, erschreckend und doch sehr aktuell (und weniger übertrieben als man hoffen möchte).
Komplexe Zusammenhänge und Spannungsfelder zwischen Politik, Wirtschaft und Umwelt werden verständlich verknüpft, nachvollziehbar dargestellt und mit viel Hintergrundwissen versehen, ohne dass der Leser das Gefühl bekommt belehrt oder mit dem Wissen überfrachtet zu werden. Die Rahmenhandlung, bzw. der Hintergrund ist die Stärke des Romans und sorgt dafür, dass man über die Schwächen hinwegsehen kann, bzw. diese tolerieren oder ignorieren kann. Das Thema an sich ist schon spannend genug. Und ja, das alleine sorgt schon dafür, dass das Buch ein Pageturner ist. Was weniger überzeugen kann, sind die Charaktere. Im Mittelpunkt stehen Sarah und Linus, ihre Darstellung ist lebensnah und die beiden wirken sehr sympathisch, auch wenn Linus am Anfang doch eine echte Nervensäge ist. Seine Charakterentwicklung ist am stärksten sichtbar und gut nachvollziehbar. Die anderen Charaktere bleiben oft oberflächlich und schemenhaft, fast schon austauschbar. Zudem hat man das Gefühl, dass es zu viele sind, da ist der Personenüberblick am Ende des Buchs auch nicht hilfreich. Dort tauchen auch Personen auf, die eine kaum bedeutende Rolle haben. Auf sie hätte man auch verzichten können. Den Lesefluss ebenfalls störend ist der ständige Perspektivwechsel in kurzen Kapiteln. Weniger Schauplätze, weniger schnelle Wechsel wären besser gewesen.
Wie gesagt, über die Schwächen kann man tatsächlich hinwegsehen, die Handlung spricht für sich selbst. Sie ist der eigentliche Hauptakteur und alle menschlichen Charaktere sind nur Beiwerk um die Brisanz des Themas deutlich zu machen.
Spannend ist EDEN auf jeden Fall, aber mit den Charakteren mitfiebern, das kann man nicht. Und trotzdem ist EDEN ein Umwelt-Thriller, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

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(Rezensionsexemplar)

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