Portrait: Mongolische Rennratte

Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Untertribus: Rhombomyina
Gattung: Rennratten (Meriones)
Art: Mongolische Rennratte (Meriones unguiculatus)

Mongolische Rennratte (Zoo Prag)

Die Mongolische Rennratte ist eine zu den Rennratten gehörende Art der Rennmäuse. Sie bewohnt Steppen, Halbwüsten, Wüsten sowie Grasländer in der Mongolei und in angrenzenden Gebieten im Norden Chinas, in der Mandschurei sowie im Süden Sibiriens und ist nicht gefährdet. 1867 von Alphonse Milne-Edwards als Gerbillus unguiculatus beschrieben, bezieht sich ihr wissenschaftlicher Artname auf die auffälligen, vergleichsweise großen, dunkel gefärbten Krallen.
Sie ist tag- und nachtaktiv, hält keinen Winterschlaf und lebt innerhalb von Kolonien in Familienverbänden. Ihr Bau ist gewöhnlich fünf bis sechs Meter lang mit fünf bis zehn Eingängen, einer Nestkammer und ein oder zwei Vorratskammern. Sie ernährt sich bevorzugt von grünen Pflanzenteilen sowie von Pflanzensamen und legt Wintervorräte an. Die Mongolische Rennratte ist die am häufigsten als Versuchs- und Heimtier gehaltene Rennmaus und es existieren verschiedene Farbschläge.
Als deutsche Trivialnamen werden „Mongolische Rennratte“, „Mongolische Rennmaus“, „Mongolische Wüstenmaus“, „Mongolischer Gerbil“ und „Mongolische Wüstenrennmaus“ verwendet. Auch wird die Mongolische Rennratte schlicht als „Wüstenrennmaus“, „Rennmaus“ oder, von der englischen Entsprechung, als „Gerbil“ bezeichnet.

Die Mongolische Rennratte ist etwas kleiner als andere Rennmäuse ihres Verbreitungsgebiets. Ihre Kopf-Rumpf-Länge beträgt meist 97 bis 132 Millimeter, die Schwanzlänge 85 bis 110 Millimeter, die Hinterfußlänge 24 bis 32 Millimeter, die Ohrlänge 13 bis 15 Millimeter und die größte Schädellänge 30 bis 36 Millimeter. Mit 70 bis 92 Prozent der Länge ist der Schwanz etwas kürzer als Kopf und Rumpf.
Der Kopf ist kurz und breit mit schlanken, hervorstehenden Ohrmuscheln. Der Hals wirkt sehr kurz. Die Hinterbeine sind lang und gut ausgebildet, die Hinterpfoten sind jedoch nicht ausgesprochen verlängert. Die Krallen der Vorderpfoten sind dagegen deutlich vergrößert und nehmen eine Mittelstellung zwischen denen der Indischen Wüstenrennratte und denen der anderen Rennratten ein.
Hinsichtlich der Körpergröße konnten in der Natur keine merklichen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen festgestellt werden. So betrug das Körpergewicht von 25 erwachsenen Männchen in der Inneren Mongolei durchschnittlich etwa 60 Gramm und das von 11 Weibchen etwa 59 Gramm, wobei ein Körpergewicht von weniger als 50 Gramm bei drei Männchen und keinem Weibchen vorkam. In Gefangenschaft sind Männchen dagegen durchschnittlich etwas größer als Weibchen. So wiegen Männchen gewöhnlich 80 bis 130 Gramm und Weibchen 70 bis 100 Gramm.
Das Fell der Mongolischen Rennratte ist eher kurz und weniger weich als bei Rennratten üblich. Das Unterfell ist fein und wollig, das Oberfell etwas fester und länger. Die Haare der Ober- und Unterseite sind meist etwa zehn Millimeter lang.
Von der Schnauze bis zum Schwanz ist das Fell der Oberseite gräulich-braun, rötlich-braungelb oder ockerfarben-braungelb. An den Körperseiten ist es blasser braungelb. Die einzelnen Haare sind ockerfarben-braungelb, an der Basis schiefergrau, teilweise mit schwarzen Spitzen. Dazwischen befinden sich auf dem Rücken einige längere, vollständig schwarze Haare, die zu einer insgesamt etwas dunkleren Färbung führen.
Um die Augen verläuft ein undeutlicher, hellbrauner bis braungelblich-weißer Ring. Diese Färbung erstreckt sich nach hinten über die Backen bis zum Ansatz der Ohrmuscheln. Kurze Haare derselben Farbe bedecken die vordere Außenseite der Ohrmuscheln und längere, weißliche Haare die hintere Außenseite. Die Ränder sind mit kurzen, ebenfalls weißlichen Haaren gesäumt. Abgesehen von einigen sehr kurzen, weißlichen bis braungelblichen Haaren nahe der Ohrspitze ist die Innenseite der Ohrmuscheln nahezu unbehaart. Die Augen sind schwarz und die 5 bis 40 Millimeter langen Schnurrhaare sind gemischt schwarz und weiß gefärbt.
Die Unterlippe, das Kinn, der obere Teil der Kehle und die Innenseite der Vorderbeine sind reinweiß bis zur Basis der Haare. In der oberen Mitte der Brust befindet sich manchmal eine blasse, braungelbliche Färbung. Der Rest der Unterseite ist weiß oder hellbraun und die Haare haben anders als bei anderen Rennratten in ihrem Verbreitungsgebiet eine graue Basis. Der Übergang zwischen dem Fell der Körperseiten und dem der Unterseite ist gräulich und verschwommen.
Die Haare des Schwanzes sind an der Wurzel weniger als 10 Millimeter und zur Spitze hin bis zu 20 Millimeter lang. Die hintere Hälfte weist oberseits einen Kamm längerer Haare auf und an der Spitze befindet sich eine ausgeprägte, schwarze Quaste. Der Schwanz wird als rundherum ockerfarben oder deutlich zweifarbig, oberseits dunkelgräulich und unterseits blassbraun, beschrieben. Anders als bei der Mittagsrennratte befinden sich auf dem Schwanzrücken kurze, schwarze Haare.
Die Sohlen der Hinterpfoten sind mit Ausnahme eines unbehaarten Flecks an der Ferse vollständig mit sandig-grauen Haaren bedeckt. Ihre Oberseite ist blass-braungelblich gefärbt. Anders als bei der Libyschen Rennratte und Meriones chengi weisen die Hinterpfoten nahe dem Knöchel keine unbehaarte Stelle auf. Die Krallen sind im Gegensatz zu denen der Mittagsrennratte gräulich schwarz oder dunkelbraun.
Der Schädel der Mongolischen Rennratte ähnelt dem der Mittagsrennratte, jedoch ist der Gesichtsschädel höher und die Jochbögen sind weiter gespreizt.Mit bis zu 36 Millimetern Länge ist er kürzer als der Schädel der Afghanistan-Rennratte und anders als bei dieser ist die Jochbogenplatte am hinteren Ende deutlich vom Körper der Jochbögen getrennt. Ihre größte Breite übertrifft gewöhnlich die gemeinsame, an den Zahnfächern gemessene Breite der oberen Schneidezähne.Die Knochenleisten über den Augenhöhlen sind schwach ausgebildet und stehen leicht hervor. Die Nasenbeine sind schmal und etwas kürzer als der Nasenfortsatz der Zwischenkieferbeine. Das Zwischenscheitelbein ist hauptsächlich oval geformt und die hintere Grenze ist nach hinten gewölbt, jedoch bildet die vordere Grenze dort, wo sie die Scheitelbeine berührt, eher ein Dreieck mit Spitze nach vorne.
Die Paukenblasen sind hinten aufgebläht und mit einer Länge von etwa 31 Prozent der Schädellänge groß, wenn auch kleiner und vorne weniger aufgebläht als bei der Mittagsrennratte. Sie reichen nicht bis zur vorderen Außenseite der Gehörgänge, ihre Größe führt jedoch zu einer Verengung des Basioccipitale des Hinterhauptsbeins sowie zu einer Annäherung ihrer Vorderenden zueinander bis auf einen Abstand von 1,5 Millimetern. Die äußeren Gehörgänge reichen nicht bis zu den Jochbögen, anders als bei der Afghanistan-Rennratte ist ihre untere Wand jedoch deutlich angeschwollen. Das Nebentrommelfell ist größer als bei der Aserischen Rennratte und kleiner als bei der Afghanistan-Rennratte, der Mittagsrennratte und der Libyschen Rennratte.
Kennzeichnend für den Unterkiefer sind die vergleichsweise breiten aufsteigenden Äste, die kurzen Muskel- und Gelenkfortsätze und der lange Winkelfortsatz. Die Ansatzstellen der Kaumuskulatur sind somit gut ausgebildet. Die größte Schädellänge von fünf Exemplaren aus Shaanxi und der Mongolei betrug 33,9 bis 35,8 Millimeter, die Basallänge 29,2 bis 30,5 Millimeter, die Palatallänge 17,5 bis 18,8 Millimeter, die zygomatische Breite 18,2 bis 19,6 Millimeter, die Mastoidbreite 18,5 bis 19,6 Millimeter, die Breite über die Backenzähne 6,8 bis 7,0 Millimeter, die Länge der oberen Backenzahnreihe 4,3 bis 5,0 Millimeter und die Länge der unteren Backenzahnreihe 4,6 bis 4,8 Millimeter.
Das Gebiss weist wie das aller Rennratten in jeder Kieferhälfte einen als Nagezahn ausgebildeten Schneidezahn und drei hochkronige, nicht nachwachsende Backenzähne auf. Ein Zahnwechsel findet nicht statt. Die Längsfurche der oberen Schneidezähne ist ausgeprägt und liegt leicht seitwärts der Mitte. Der erste Backenzahn weist drei Zahnleisten auf, die innen und außen durch zwei Einbuchtungen voneinander getrennt sind, der zweite Backenzahn weist zwei Leisten auf und der dritte Backenzahn ist klein mit beinahe kreisförmiger Krone.

Mongolische Rennratte (Wilhelma)

Die Mongolische Rennratte bewohnt häufig denselben Lebensraum wie die Brandt-Steppenwühlmaus sowie deren Baue.
Der Lebensraum der Mongolischen Rennratte sind Steppen, Halbwüsten, Wüsten und Grasländer. In Gebieten mit Tonböden, auf Ackerland und an Dämmen ist sie häufig, in gebirgigem Gelände dagegen gar nicht anzutreffen. Ihr bevorzugter Lebensraum sind Halbwüsten mit Getreide-Salzkraut-Erbsenstrauch-Gesellschaften sowie mit Salpeterkraut bewachsene Dünen. Sie kann sich jedoch leicht an felsige Lebensräume anpassen sowie an verhältnismäßig feuchte Gebiete, die mit der Schwertlilie Iris tenuifolia und Bocksdorn bewachsen sind. Von Süden nach Norden bevorzugt sie zunehmend leichte, trockene Böden sowie den menschlichen Siedlungsbereich. So kann sie im nördlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets am besten beobachtet werden. Im Osten der Mongolei sind 36 Prozent der auf Gehöften anzutreffenden Nagetiere Mongolische Rennratten.
Im Norden und Nordosten Chinas bewohnt sie Sandwüsten. In der Inneren Mongolei kommt sie in Wüstensteppen und einer Vielzahl anderer Lebensräume vor. Sie bevorzugt als Weideland und zum Anbau von Kartoffeln genutzte Steppen mit Sandböden und spärlichem, unterbrochenem Bewuchs aus Gras, Kräutern sowie Sträuchern. Das Klima ist kontinental und halbtrocken mit kaltem und trockenem Winter sowie heißem Sommer. Die jährlich etwa 300 Milliliter Niederschlag fallen hauptsächlich von Juni bis August als Regen und von Oktober bis April als Schnee, der 20 Tage am Stück liegen bleiben kann. Die Monatsmitteltemperatur beträgt im Januar etwa minus 20 Grad und im Juli etwa plus 21 Grad Celsius, wobei Temperaturen von minus 40 Grad und plus 50 Grad Celsius erreicht werden können. Im Frühling sind starke Winde häufig. Im Sommer kann der Bewuchs zeitweise hauptsächlich aus dem Sievers-Beifuß bestehen.
Im Süden der Mongolei bevorzugt die Mongolische Rennratte sandige Böden nicht sonderlich und kommt auf eher festen Böden vor. Im Nordosten der Mongolei ist sie in Getreide-Steppen und auf mit Erbsenstrauch bewachsenen, kleinen Sandhügeln anzutreffen sowie auf Salzböden und in Salzsümpfen, die mit Salzkraut bewachsen sind. Am zahlreichsten ist sie gewöhnlich auf Abfallhaufen am Rande von Gemüsegärten. In der Altai-Gobi lebt sie in mit Getreide, Salzkraut sowie Bocksdorn bewachsenen Halbwüsten und ist in den Schluchten häufig. In der Trans-Altai-Gobi ist sie in den Oasen sowie in den mit dem Salpeterkraut Nitraria sibirica bewachsenen Dünen anzutreffen. Am zahlreichsten ist sie jedoch in den Tälern der Flüsse, nahe Ackerland und menschlicher Siedlungen sowie ebenfalls in Abfallhaufen. Sie wurde in der flachen, kargen Steppe südlich des Tannu-ola-Gebirges beobachtet. Im Nordwesten der Mongolei meidet sie die sandigen Sicheldünen, ist jedoch in den flachen Salzkraut-Ebenen recht zahlreich.
In Tuwa lebt sie hauptsächlich auf Ackerland, auf den Ablagerungen von Sedimenten der höheren Wermut-Getreide-Steppen sowie in den Wüstensteppen und auf den vom Kleinblättrigen Erbsenstrauch bewachsenen, älteren Ablagerungen der niederen Höhenlagen. In der Region um den Baikalsee fehlt sie in gemischten Graslandsteppen, in felsigen sowie in sumpfigen Gebieten. Sie kommt dort nahe menschlicher Siedlungen und häufiger in Wermut-Steppen, in Salzgebieten sowie auf Acker- und Weideland vor. Zudem bewohnt sie trockene Sandsteppen, die mit Kleinblättrigem Erbsenstrauch sowie Weißem Wermut bewachsen sind, und ist in Steppen mit leichten, lehmigen Böden sowie verschiedenartigem, gemischtem Getreide-Gras-Bewuchs anzutreffen. Dort kommt sie auf Ackerland mit Buchweizen-, Hirse- sowie Weizen-Anbau vor und ist auf den künstlichen Erddämmen von Eisenbahn, von Straßen mit und ohne Deckschicht sowie von Anlagen zur Bewässerung recht zahlreich. Sie gräbt Baue in Abfallhaufen sowie Erdbaue und meidet unberührte Böden.

Die Mongolische Rennratte ist ein Pflanzenfresser und ihre Ernährung wird durch die Samen und den Grünteil vieler Pflanzen bestimmt. Sie frisst aber auch Insekten. Rennmäuse können Grashüpfer fangen und mit ihren Vorderpfoten das Insekt so drehen, dass sie an dessen Kopf mit dem Fressen beginnen. Im Sommer bevorzugt die Mongolische Rennratte grüne Pflanzenteile, insbesondere von Hanf, Gänsefüßen, Buchweizen, Melden und der Strauchmelde Atraphaxis scoparia, im Winter Samen und Früchte. Die Zusammensetzung der Nahrung ist von Region zu Region unterschiedlich.
Die Mongolische Rennratte ist tag- und nachtaktiv, im Winter jedoch hauptsächlich tagaktiv, und hält weder Winter- noch Sommerschlaf. Sie bevorzugt den frühen Morgen und den frühen Abend, ist jedoch selbst bei Temperaturen über 38 Grad Celsius im Sommer und unter 0 Grad im Winter auf der Erdoberfläche aktiv. Während der heißen Jahreszeit ist sie mittags nicht aktiv, im Frühling sowie im Herbst ist sie in kalten Nächten ebenfalls inaktiv und im Winter erscheint sie nur an warmen Tagen auf der Erdoberfläche. Wenn das Wetter kalt und windig ist, verlässt sie den Bau nicht und ernährt sich von ihren Vorräten. Am aktivsten ist sie während der Fortpflanzungsperiode und beim Eintragen der Vorräte.

Die Mongolische Rennratte lebt in Kolonien, bevorzugt in Familienverbänden, die ihre Baue gemeinsam verteidigen. Im Südosten Dauriens wurden im Sommer ein bis drei erwachsene Männchen, zwei bis sieben erwachsene Weibchen und insgesamt 3 bis 14 Tiere in einem Bau gefangen. Auch den Winter verbringen Familiengruppen bestehend aus Eltern und deren letztem Wurf im selben Bau. Wie die Große Rennmaus lebt sie jedoch nicht ausschließlich in kleinen Familiengruppen, sondern in etwas größeren Gruppen, die aus mehreren erwachsenen Männchen und Weibchen, Halbwüchsigen sowie Jungtieren verschiedener Generationen bestehen können. So suchen Tiere benachbarte Baue auf, die manchmal miteinander verbunden sind. Fremde Artgenossen werden dagegen verjagt, im Vergleich zu anderen Rennmäusen ist sie jedoch gesellig und äußerst duldsam gegenüber Artgenossen. Im November können häufig ihre Pfiffe gehört werden, die denen des Daurischen Pfeifhasen ähneln, jedoch etwas leiser und melodischer sind. Im Frühling ist sie dagegen eher still. Gefahr signalisieren die Tiere einander durch das Trommeln mit den Hinterpfoten.

Die Fortpflanzung der Mongolischen Rennratte findet hauptsächlich im Februar bis September statt. So waren bei Untersuchungen in Daurien im Februar 90 Prozent der Weibchen trächtig, im März waren es 13 bis 27 Prozent, im April bis Mai 38 bis 50 Prozent, im Juni 30 bis 33 Prozent, im Juli 0 Prozent und im August bis September 0 bis 33 Prozent. Pro Jahr brachten die Weibchen bis zu drei Würfe zur Welt und die Jungtiere des ersten Wurfes begannen noch im selben Jahr mit der Fortpflanzung. Durch eine kürzere Fortpflanzungsperiode gibt es in der Mongolei dagegen nur zwei Würfe pro Jahr, vereinzelt auch einen dritten Wurf im September.] Die Paarung spielt sich gewöhnlich nachts ab. Das Männchen klopft während des Werbens mit den Hinterbeinen und begattet das Weibchen mehrmals. Nach einer Tragzeit von 29 bis 30 Tagen werden zwei bis elf Jungtiere geboren; im Schnitt sind es 6,4. Die Tragzeit in Gefangenschaft wird dagegen meist mit 24 bis 26 Tagen, jedoch auch mit 19 bis 21 Tagen angegeben. Während dieser Zeit nimmt das Weibchen um 10 bis 30 Gramm zu. Die Wurfgröße beträgt in Gefangenschaft ein bis zwölf, meist vier bis sechs und im Schnitt fünf Jungtiere. Zur Geschlechterverteilung bei der Geburt gibt es widersprüchliche Angaben: So soll die Verteilung entweder ausgeglichen sein oder die männlichen Tiere sollen überwiegen. Die Jungtiere werden am Tag oder in der Nacht geboren und gewöhnlich verzehrt das Muttertier die Nachgeburt und eventuelle Totgeburten. Am Nestbau und an der Pflege der Jungtiere beteiligen sich sowohl das Männchen als auch das Weibchen.

Als Nesthocker kommt die Mongolische Rennratte nackt und rosafarben mit verschlossenen Augen und Ohren zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt 3 Gramm, am zehnten Tag wiegen die Jungtiere 7 Gramm, nach einem Monat 23 Gramm, nach zwei Monaten 40 bis 41 Gramm, nach drei Monaten 46 Gramm und nach fünf Monaten 48 bis 60 Gramm. Im Frühling geborene Tiere erreichen bis zum Herbst ein Körpergewicht von 60 bis 70 Gramm und eine Körperlänge von 110 bis 120 Millimetern. Ähnliche Maße erreichen im Sommer geborene Tiere bis zum Frühling. Bis zu einem Alter von 20 bis 25 Tagen werden die Jungtiere gesäugt. Das Geburtsgewicht in Gefangenschaft wird mit 2,5 Gramm angegeben. Vom 2. bis zum 5. Tag nach der Geburt entfalten sich die Ohrmuscheln, die ersten Haare entwickeln sich am 6. oder 7. Tag, der Durchbruch der Schneidezähne erfolgt zwischen dem 10. und dem 16. Tag und die Augen öffnen sich zwischen dem 16. und dem 20. Tag. Die Jungtiere nehmen ab dem 16. Tag feste Nahrung zu sich, sie werden jedoch in Gefangenschaft noch bis zu einem Alter von 20 bis 30 Tagen und einem Körpergewicht von 12 bis 18 Gramm gesäugt. Dann können sie sich selbständig von Samen ernähren.] Der Hodenabstieg erfolgt zwischen dem 28. und 45. Tag und die Vagina öffnet sich zwischen dem 40. und 76. Tag. Weibchen werden nach 65 bis 85 Tagen geschlechtsreif, Männchen nach 70 bis 85 Tagen. In Gefangenschaft pflanzen sich die Weibchen gewöhnlich im Alter von 7 bis 20 Monaten fort, Männchen auch im Alter jenseits von 24 Monaten.

Das Verbreitungsgebiet der Mongolischen Rennratte sind die Mongolei und angrenzende Gebiete im Norden Chinas, in der Mandschurei und im Süden Sibiriens. In der Mongolei kommt sie in der Großen Seensenke, dem Tal der Seen, dem südlichen Changai-Gebirge, im nordöstlichen Changai-Gebirge entlang der Flussläufe von Orchon und Selenge, in der Mittel-Chalcha, der Nord-Gobi und der Ost-Mongolei vor.
In China ist sie im Zentrum und Norden der Inneren Mongolei sowie vom Osten Gansus über den Norden Ningxias, Shaanxis und Shanxis bis Hebei und Liaoning verbreitet. Östlich kommt sie bis Manjur und Hailar in der Inneren Mongolei sowie Tongyu und Changchun in Jilin vor, südlich bis Chifeng und Hohhot in der Inneren Mongolei und bis ins Ordos-Plateau nordwestlich von Jingbian in Shaanxi. Von Funden aus dem Hami-Gebirge und dem Bogda-Gebirge wurde berichtet, jedoch ist ihr Vorkommen in Xinjiang umstritten.

Mongolische Rennratte (Tierpark Hamm)

1935 fing T. Kasuga 20 Paare der Mongolischen Rennratte im Amurbecken im Osten der Mongolei und sandte sie zur Untersuchung von Rickettsien ans Kitasato-Institut in Tokio. Aus diesem Bestand baute Mitchi Nomura 1949 eine weitere Kolonie im Tokioter Zentrallabor für Versuchstiere auf. 1954 sandte sie elf Paare an die zur Produktion von Versuchstieren gegründete Tumblebrook Farm von Victor Schwentker in Brant Lake, New York, wo mit vier Männchen und fünf Weibchen die Nachzucht gelang. Kurz darauf gelangten die ersten Exemplare in die Heimtierhaltung. In Europa begann die Haltung als Versuchstier in den 1960er Jahren. 1964 führte J. H. Marston zwölf Paare aus Massachusetts nach Großbritannien ein und gründete eine Kolonie an der Universität von Birmingham. Weitere Exemplare wurden 1995 in der zentralen Mongolei gefangen und mit 60 von diesen gelang die Nachzucht.
Die Mongolische Rennratte ist die am häufigsten als Versuchs- und Heimtier gehaltene Rennmaus. So werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr etwa 100.000 Exemplare in der Forschung eingesetzt und 1996 wurden mehr als 760.000 Exemplare in knapp 280.000 Haushalten gehalten. Sie wird zudem als Futtertier gehalten. Es existieren verschiedene Farbschläge.

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