Polly Clark: Tiger (Rezension)

Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.
Tiger hat mich enttäuscht. Anhand des Klappentextes hatte ich ein spannendes Abenteuer erwartet, aber am Ende war es für mich eine nett erzählte, aber nicht besonders nahe gehende Geschichte. Die Charaktere waren interessant (auch ihre Verbindung zu den Tigern), die Beschreibung der Szenerie gab tiefe Einblicke in die Arbeit von Zoopersonal, Wissenschaftlern und Umweltschützern und die Verknüpfung der einzelnen Personen (und der Tiger) untereinander war eine nette Idee, aber mir fehlte die Emotion. Kalt wie die Taiga (so könnte man sagen) war die Erzählweise, so dass ich das Umfeld interessant, die Handlung aber nur nett fand und in Tiger ein Buch vor mir hatte, das in die Kategorie „kann man lesen, muss man aber nicht“.

Aber als wirklich schlecht kann ich das Buch auch nicht bezeichnen. Es hat eben Stärken und Schwächen, und wenn man beides vergleicht bleibt nette Unterhaltung. Irgendwie schade, ein imposantes Tier wie der Tiger hätte eine bessere Liebeserklärung verdient.

(Rezensionsexemplar)

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