10.03.2026, Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz
Citizen-Science-Studie zeigt: Der Mäusebussard verliert seine Farbvielfalt
• Farbkartierung: Forschende nutzten fast 100.000 Beobachtungen aus der Bevölkerung, um die Gefiederfarbe des Mäusebussards in Europa zu kartieren.
• Unerwartetes Ergebnis: Das Verteilungsmuster der unterschiedlichen Gefiederfarben lässt sich nicht mit Theorien erklären, die die Farbe mit dem Lebensraum oder dem Klima in Verbindung bringen.
• Schwindende Vielfalt: In den letzten 20 Jahren nahm die Anzahl der Vögel mit mittlerer Färbung in ganz Europa stark zu, während die Zahl der dunkleren und helleren Vögel zurückging.
• Zukünftige Forschung: Weitere Studien müssen zeigen, ob die verändernde Vielfalt Auswirkungen auf die Anpassungsfähigkeit dieser Vogelart hat.
Der Mäusebussard ist einer der bekanntesten Raubvögel Europas. Wir können ihn oft beobachten, wie er auf Zaunpfählen nach Mäusen oder Würmern Ausschau hält oder während der Balzzeit spektakuläre Sturzflüge über Feldern vorführt. Im Französischen trägt er den Namen buse variable, also „variabler Bussard”, was darauf zurückzuführen ist, dass seine Gefiederfärbung sehr vielfältig ist und von hell bis dunkel reicht. Dies hat schon dazu geführt, dass einige Individuen für andere Arten gehalten wurden. Seit Jahren protokollieren Naturliebhaber in ganz Europa ihre Bussard-Sichtungen online. Mithilfe dieser Aufzeichnungen ist es Forschenden des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz und ihren Kooperationspartnern nun gelungen, die erste kontinentweite Karte der Gefiederfärbung des Bussards zu erstellen und nachzuverfolgen, wie sie sich verändert.
Eine Karte der Gefiederfärbung
Im gesamten Tierreich erfüllt Farbe viele Zwecke – sie spielt eine Rolle bei der Tarnung, der Thermoregulierung oder der Balz. Selbst innerhalb einer einzigen Art kann es große farbliche Unterschiede geben. Einige ökologische Theorien sagen bestimmte Färbungsmuster voraus: Dunkleres Gefieder beispielsweise in Wäldern zur Tarnung und in kälteren Regionen zur Absorption der Sonnenwärme. Ob diese Theorien aber auch die Farbvariationen beim Mäusebussard erklären können, war bisher nicht bekannt.
Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass hellere Mäusebussarde eher in Nord- und Mitteleuropa zu finden sind, während dunklere Vögel häufiger in der Bretagne und auf der Iberischen Halbinsel vorkommen. Die Zwischenform, eine weder besonders dunkle noch besonders helle Färbung, ist am häufigsten in Südosteuropa und auf den Britischen Inseln anzutreffen. Dies entspricht einem geografischen Mosaik, das nur lose mit den untersuchten Umweltfaktoren zusammenhängt.
„Interessanterweise konnten die von uns getesteten ökologischen Theorien die Farbvariationen bei Mäusebussarden nur in sehr geringem Maße erklären. So waren beispielsweise hellere Vögel eher in kälteren Regionen vorherrschend und nicht in wärmeren“, sagt Kaspar Delhey, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz. „Die Farbe des Mäusebussards wird vererbt, sodass diese Muster stattdessen eher widerspiegeln könnten, wie der Mäusebussard nach der letzten Eiszeit Europa besiedelt hat. Es könnten auch noch nicht identifizierte ökologischen Faktoren eine Rolle spielen – oder auch beides. Der Mäusebussard ist einer der am weitesten verbreiteten und farblich variabelsten Vögel Europas. Er ist daher ein aussagekräftiges Modell, um zu verstehen, wie eine solche Vielfalt in wildlebenden Populationen erhalten bleibt oder verloren geht. Die Beobachtungen aus der Bevölkerung liefern eine unglaubliche Quelle an Informationen, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.“
Abnehmende Vielfalt
Die Studie vereint Beobachtungen von Bürger*innen aus verschiedenen Quellen, darunter ein von den Forschenden Elena Kappers und Bart Kempenaers speziell entwickeltes Portal. Dort konnten Beobachtende die Farbe von Bussarden auf einer Sieben-Punkte-Skala von hell bis dunkel bewerten. Zudem analysierte das Team die Farbe von Tausenden weiterer Bussard-Fotos, die von der Öffentlichkeit auf Online-Plattformen wie iNaturalist, Observation.org und Ornitho.it bereitgestellt wurden – und stellte so einen Datensatz mit fast 100.000 Beobachtungen zusammen, der mehr als zwei Jahrzehnte zurückreicht. Das Team verglich die Sichtungen mit Satellitendaten zu Klima, Vegetation und Boden und erstellte statistische und räumliche Modelle, um die Ergebnisse zu interpretieren.
Mit diesem Ansatz konnten die Wissenschaftler*innen verfolgen, wie sich die Färbung im Laufe der Zeit verändert hat. Frühere örtlich begrenzte Studien hatten gezeigt, dass Bussarde mit mittlerer Färbung tendenziell fitter sind, bessere Überlebenschancen haben und mehr Nachkommen zeugen als Vögel mit sehr heller oder dunkler Färbung. Die Analyse der europaweiten Daten spiegelt diese Ergebnisse wider. 2022 machten Bussarde mit mittlerer Färbung einen deutlich größeren Anteil der europäischen Population aus als im Jahr 2000, während der Anteil dunkler und heller Vögel um 22 bzw. 14 Prozent zurückging – ein Zeichen dafür, dass die Vielfalt, die dem französischen Namen des Vogels zu Grunde liegt, immer mehr verschwindet.
„Wir haben zwar einige Zusammenhänge zwischen Umweltveränderungen wie dem Rückgang der Bewaldung festgestellt, aber diese erklären nur einen Teil der Ergebnisse“, sagt Bart Kempenaers, Leiter der Abteilung Ornithologie am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz. „Wenn der Verlust an Farbvielfalt einen Verlust an genetischer Variation widerspiegelt, könnte dies die Anpassungsfähigkeit der Mäusebussarde an künftige Umweltveränderungen beeinträchtigen. Die Entschlüsselung der historischen, genetischen und ökologischen Faktoren, die hinter dem Verlust der Farbvielfalt stehen, sowie der Frage, wie sich die Färbung auf die Fitness auswirkt, muss nun Priorität haben. Dabei bieten Genomik und Museumspräparate die Möglichkeit, sowohl die lange Geschichte der Art als auch die genetischen Folgen des aktuellen Verlusts an Vielfalt zu erforschen. Was mich an der Studie jedoch am meisten begeistert, ist zu sehen, was Citizen Science ermöglicht: eine großartige Zusammenarbeit, die uns Fragen erforschen lässt, die sonst unerreichbar wären.“
Originalpublikation:
Environmental correlates of spatio-temporal patterns of colour variation in a bird of prey: The common buzzard (Buteo buteo)
Kaspar Delhey, Elena F. Kappers, Mihai Valcu, Christiaan Both, Bart Kempenaers
IBIS – International journal of avian science, online 7. March 2026
https://doi.org/10.1111/ibi.70041
10.03.2026, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Uni Würzburg: Der Campus als Zuhause für viele Wildbienen
Eine beachtliche Anzahl an Wildbienen-Arten haben Forschende der Uni Würzburg am eigenen Campus nachgewiesen. Einige Maßnahmen der Uni sorgen für geeignete Lebensräume und fördern so die Artenvielfalt.
170 Wildbienen-Arten leben am Campus Hubland der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Das ist die Bilanz einer Studie, die der Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie des JMU-Biozentrums von 2012 bis 2023 durchführte. Die Ergebnisse sind nun im Fachmagazin Ampulex erschienen.
Von den 531 nachgewiesenen Wildbienen-Arten in Bayern sind also knapp ein Drittel auf dem etwa 100 Hektar großen Campusgelände zu finden. 31 Arten befinden sich zudem auf der Roten Liste Bayerns. Sie sind somit mindestens als gefährdet eingestuft, darunter die Dunkle Zweizahnbiene (Aglaoapis tridentata) und die Steinkraut-Sandbiene (Andrena tscheki).
„Die Ergebnisse zeigen, dass der Campus ein überraschend artenreicher und ökologisch bedeutsamer Lebensraum für Bestäuber ist“, erklärt Erstautor und Lehrstuhl-Mitarbeiter Hanno Korten. Die Studie liefere eine wissenschaftliche Grundlage dafür, bei der Weiterentwicklung des Campus Biodiversität und Flächenplanung miteinander in Einklang zu bringen.
Was der Lehrstuhl für die Vielfalt der Wildbienen-Arten tut
Was das Uni-Gelände im Osten Würzburgs so attraktiv für Wildbienen macht, sind die Naturnähe und das Klima im mittleren Maintal. Gleichzeitig sorgen einige gezielte Maßnahmen der JMU dafür, die Artenvielfalt zu fördern.
Zum Beispiel pflegt der Lehrstuhl seit 2014 eine kleine Fläche als sogenannten Hymenopteren-Garten, also als speziell für Wildbienen, Wespen und andere Hautflügler angelegten Garten. Auf dem knapp 800 Quadratmeter großen Gelände östlich des Biozentrums befinden sich Bambus und Schilf, deren Hohlräume Wildbienen als Nistplätze dienen. Zudem kommen den Insekten eine Löss-Steilwand, Totholz und Sand-Nisthügel zugute.
Direkt neben dem Garten liegt eine Streuobstwiese, auf der unter anderem alte Obstbäume stehen. Sterben diese ab, bleibt ihr Totholz als weiteres Schutz-Habitat liegen.
Lebendiger Campus sorgt für nachhaltige Mahd
Auch die Initiative Lebendiger Campus spielt eine Rolle dabei, die Artenvielfalt der Wildbienen hochzuhalten. Die Forschenden Dr. Sarah Redlich, Dr. Johannes Spaethe und Juniorprofessorin Nadja Simons vom Biozentrum haben die Initiative ins Leben gerufen.
Eines ihrer Projekte ist ihr nachhaltiges Mahd-Konzept: Ein einmaliges Mähen im Jahr mit einem insekten-schonenden Balkenmäher und Entfernen des Schnittguts ermöglicht mit der Zeit einen blühenden Lebensraum für Insekten und Vögel. Die Initiative legt zusätzlich viele Kleinst-Biotope an, die Wildbienen als Nisträume nutzen können. Dazu zählen Totholzhaufen und offene Bodenstellen.
Originalpublikation:
Hanno Korten, Paul Geisendörfer, Sebastian Hopfenmüller, Antonia Mayr: Die Wildbienenfauna (Hymenoptera, Anthopila) des Campus Hubland der Universität Würzburg. Ampulex 17/2026.
10.03.2026, Deutsche Wildtier Stiftung
Im Frühling vollbringt die Natur Höchstleistungen
Das Tier des Jahres 2026 hält den Rekord im Knochenwachstum
Endlich ist der Frühling da: Der März steht seit jeher für Aufbruch und Erneuerung. Samen keimen, Triebe sprießen und Feldhasenjunge, Fuchswelpen oder kleine Dachse erblicken das Licht der Welt. Und bei männlichen Rothirschen beginnt ein neues Geweih zu wachsen. Nachdem im Laufe des Februars die alten Geweihstangen abgefallen sind, wachsen nun die neuen – und das mit bis zu zwei Zentimetern pro Tag in rasantem Tempo. „Innerhalb von etwa 140 Tagen baut der Hirsch so durchschnittlich sechs bis sieben Kilogramm Knochensubstanz auf, manch einer sogar mehr als zehn Kilogramm. Kein anderes Wildtier in Deutschland hat ein so rasches Organwachstum“, sagt Dr. Andreas Kinser, Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung.
Der Auslöser für den Start des Geweihwachstums ist die zunehmende Tageslänge im Frühjahr. Dies regt in der Hirnanhangdrüse die Bildung eines Wachstumshormons an und gibt damit das Signal für die neue Geweihbildung. Im Sommer kommt das Geschlechtshormon Testosteron hinzu, das für das Aushärten der bis dahin weichen Knochen sorgt. Eine gut durchblutete, bastartige Hautschicht umgibt das wachsende Knochengewebe und versorgt es mit wichtigen Mineralstoffen. Ist das Wachstum abgeschlossen und das Geweih ausgehärtet, vertrocknet der Bast und wird vom Hirsch an Sträuchern und jungen Bäumen abgestreift. Im August präsentiert der Rothirsch schließlich sein blitzblank herausgeputztes Stangengeweih. Es kann mehr als zehn spitze Enden auf jeder Seite aufweisen, ist also – anders als bei Elchen und Damhirschen – nicht schaufelartig verbreitert.
Die Meisterleistung im Knochenaufbau verlangt dem Organismus viel ab. „Rothirsche müssen neben diesem Kraftakt zudem nach dem Winter ihre Energiereserven wieder auffüllen. Dafür brauchen männliche wie weibliche Rothirsch vor allem geeignete Nahrung und viel Ruhe“, sagt Kinser. Waldbesucher sollten daher auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und ihre Aktivitäten nicht in die Dämmerung oder gar die Nacht legen. Denn zu diesen Zeiten verlassen Rothirsche ihre Deckung, um auf Nahrungssuche zu gehen. Die gravierendste Störung wäre die Jagd, die in manchen Bundesländern auf junge Rothirsche bereits ab dem 1. April gestattet ist. „Jäger sollten daher nach Möglichkeit freiwillig auf die Jagd im Frühjahr verzichten“, fordert Kinser.
11.03.2026, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Schnelle Hilfe für Wildtiere per App
DBU fördert die Entwicklung mit rund 250.000 Euro
Osnabrück/Hannover. Der Frühling naht – damit steigt das Risiko für Wildunfälle und verletzte, verirrte oder alleingelassene Jungtiere. Wer ein solches Tier findet oder gar wegen Wildwechsels einen Unfall hat, muss oft schnell handeln. Dafür hat die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover die jetzt verfügbare App Wildtier-SOS entwickelt. In kurzer Zeit und mit wenigen Fragen können Tierart, Situation und eventuelle Ansprechstationen ermittelt werden. Das Ziel: schnelle Hilfe, um Tierleid durch fehlende Ansprechpersonen und unsachgemäße Versorgung zu verhindern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 250.000 Euro.
Gutgemeinte Hilfe kann der falsche Weg sein
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde weist auf die verletzlichen heimischen Ökosysteme hin, die Lebensräume für zahlreiche Tierarten bieten. Bonde: „Werden zu viele Wildtiere aus ihrem natürlichen Revier entnommen, kann das ganze Populationen und das ökologische Gleichgewicht gefährden.“ Dies ist laut Prof. Dr. Michael Pees von der Stiftung Tierärztliche Hochschule vor allem bei Jungvögeln und Feldhasen ein alljährliches Problem – auch durch eigentlich gutgemeinte Hilfeaktionen. Pees: „Wenn Menschen vermeintlich verwaiste Jungtiere finden, sind viele mit dem richtigen Vorgehen überfragt. Häufig werden die Tiere einfach ihrer natürlichen Umgebung entnommen – obwohl das oft das falsche Vorgehen ist.“ Bei wirklich hilfsbedürftigen Tieren fehle es hingegen meistens an Fachwissen oder geeigneten Kontaktpersonen. Tiere leiden Pees zufolge demnach etwa dann unnötig, wenn sie zu lange auf fachgerechte Hilfe warten müssen oder von Laien selbst versorgt werden. Um dies zu verhindern, haben sein Team und er die App Wildtier-SOS entwickelt, die ab heute (Mittwoch) kostenlos zum Herunterladen auf den üblichen Plattformen bereitsteht. Damit wird laut Pees durch die Beantwortung von wenigen Fragen mit Ja- und Nein-Antworten die in der jeweiligen Situation passende Hilfe angeboten – ganz ohne Anmeldung oder das Sammeln persönlicher Daten.
Mit wenigen Fragen Identifizierung eines Tieres
Wenn man ein potenziell hilfsbedürftiges Tier findet, erfüllt die App nach Pees‘ Worten drei Grundfunktionen: „Innerhalb von im Regelfall zwei Fragen wird eine Tiergruppe bestimmt. Danach gehen die Fragen vom Allgemeinen ins Spezielle.“ So finde man heraus, ob das Tier ein Problem hat oder ob das Verhalten natürlich ist. Pees: „Sitzt ein Rehkitz allein im Feld, ist Eingreifen oft die falsche Entscheidung. Meist kommt die Mutter des Tiers bald zurück.“ In so einem Fall gebe die App die passenden Handlungsvorschläge. Pees weiter: „Bei Hilfebedarf vermittelt die App zügig die richtigen Ansprechpartner wie Wildtierstationen, Veterinärkliniken, zuständige Behörden sowie Polizei und Feuerwehr in der Region.“ Sollte eine offensichtliche Verletzung vorliegen oder ein Wildunfall passiert sein, kommt man schneller zu einer Empfehlung. „Hier zählt jede Minute, damit dem Tier geholfen werden kann“, so Pees.
Datenbasierter Schutz für Mensch und Tier
Das Ziel der App: „Wir wollen möglichst viele Tiere schützen – sowohl die einzelnen eventuell verletzten als auch die Population der Wildtiere“, so Pees. Der Projektleiter weiter: „Viele Menschen bringen verirrte oder verletzte Tiere früher als nötig zu Hilfestellen – obwohl sie in der Natur viel besser überleben könnten.“ Daher würden jedes Jahr zu viele Wildtiere ihren Lebensräumen entrissen. „Gleichzeitig kann unbedachtes Handeln bei wilden Tieren Menschen gefährden – wir wollen mit der App vertrauenswürdige Unterstützung liefern“, sagt Pees. Das Projekt soll laut DBU insgesamt einen Beitrag zur Stabilisierung von Wildtierpopulationen und zum Biodiversitätsschutz leisten. Aktuell umfasst die Datenbank nach Pees‘ Angaben rund 100 in Deutschland am häufigsten vorkommende Wildtierarten, was knapp 95 Prozent der anfallenden Fälle abdeckt. Dazu kommen mehr als 4.000 bundesweit verteilte Notfallkontakte. Pees: „Ziel ist eine deutliche Erweiterung beider Datenbanken.“ Dabei kooperieren die Forschenden wie bei der Entwicklung der App mit dem Berliner Unternehmen Initree-Software.
Kamera-Erkennung per KI und Populationsüberwachung
In Planung ist Pees zufolge nun ein KI-gestütztes System zur Erkennung der Tiere per Handykamera. Wer ein Tier findet, muss so die Art nicht vorab selbst bestimmen, wenn unklar ist, um welches Tier es sich handelt. Diese Entwicklung wird gleichfalls durch die DBU gefördert. Geht es nach Pees, entwickelt sich die App zu einer umfangreichen Plattform für Wildtierarten – mit Beteiligung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger in sogenannten Citizen-Science-Projekten. Nach Pees‘ Worten wird die Identifizierung von Populationsgebieten seltener Tierarten dadurch erleichtert, dass Bürgerinnen und Bürger dafür die App nutzen können. Pees: „Durch diese ehrenamtliche Beteiligung der Bevölkerung können Forschende zahlreiche wichtige Daten sammeln, die ansonsten viel schwieriger zu beschaffen wären und so zur Wildtierforschung und zum -schutz beitragen.“
12.03.2026, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Doppelt hält besser: Das ungewöhnliche Sexleben der Eintagsfliegen
Insektenforscher des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart haben mithilfe modernster Computertomographie das Paarungsritual von Eintagsfliegen im Detail analysiert.
Wie facettenreich und überraschend das Fortpflanzungsverhalten in der Natur sein kann, zeigt eine neue Studie über Eintagsfliegen der Gattung Ecdyonurus. Insektenforscher des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart haben mithilfe modernster Computertomographie erstmals das Paarungsritual dieser Insekten im Detail analysiert. Die Ergebnisse decken überraschende Mechanismen der speziell angepassten Fortpflanzungsorgane auf, die den akrobatischen Paarungsflug der Eintagsfliegen in der Luft ermöglichen. Damit liefert die Studie nicht nur faszinierende Einblicke in das außergewöhnliche Sexualverhalten dieser kurzlebigen Tiere, sondern trägt auch maßgeblich zum Verständnis der Evolution komplexer Fortpflanzungsmechanismen bei Fluginsekten bei. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Insect Systematics and Diversity” veröffentlicht.
„Schwarm-Kamasutra“: Ein akrobatisches Paarungsritual in der Luft:
Das Leben der ausgewachsenen Eintagsfliegen, deren Larven sich im Süßwasser entwickeln, ist kurz: Nach dem Schlupf bleibt den Insekten nur wenig Zeit, die sie für einen eindrucksvollen Paarungstanz nutzen, der meist in Schwärmen über Gewässern stattfindet. Die Kopulation selbst ist ein akrobatischer Akt in der Luft: Das Männchen nähert sich dem Weibchen von unten, umklammert es vorne mit verlängerten Vorderbeinen und hinten mit speziellen Genitalfüßen und biegt den Hinterleib nach oben, um die Paarung einzuleiten.
„Der akrobatische Paarungsflug, verknüpft mit direkter innerer Befruchtung und einer einzigartigen Körperhaltung, ist ein hochspezialisiertes Verhalten und evolutionär bemerkenswert“, erklärt Benedict Stocker, Erstautor der Studie und Entomologe am Naturkundemuseum Stuttgart. „Unsere Forschung ermöglicht wertvolle Einblicke in die außergewöhnlichen Lebensweisen und anatomischen Besonderheiten dieser Tiere und trägt zum besseren Verständnis der Evolution der Insekten bei.“
Mikro-CT-Aufnahmen: Neue Einblicke dank moderner Bildgebung:
Was genau bei der Paarung im Inneren der Weibchen vor sich geht, haben die Entomologen des Naturkundemuseums Stuttgart mit Computertomographie-Experten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) analysiert. Um die Tiere untersuchen zu können, wurden kopulierende Pärchen mit einem Kescher aus der Luft gefangen und anschließend mit Vereisungsspray in der Paarungsstellung fixiert. Mithilfe der Mikro-CT-Aufnahmen gelang es den Wissenschaftlern anschließend, das Zusammenspiel der Geschlechtsorgane bei der Paarung erstmals dreidimensional darzustellen und die zugrunde liegenden Mechanismen aufzuklären.
Fortpflanzungsorgan mit ausgeklügeltem Mechanismus:
Die Untersuchungen brachten Bemerkenswertes zu Tage: Männliche Eintagsfliegen sind mit einem ca. 0,8 mm langen, doppelten Penis ausgestattet, der aus einem gemeinsamen Schaft und zwei getrennten Penisloben mit jeweils einer Geschlechtsöffnung besteht. Entsprechend besitzen die Weibchen zwei Eileiter, die getrennt in eine Paarungstasche münden. Diese befindet sich auf der Unterseite des Hinterleibs. Besonders auffällig bei den männlichen Geschlechtsteilen sind zwei Penis-Stacheln, die eine besondere Rolle während der Paarung spielen:
„Kräftige Muskeln bewirken während der Paarung eine Verformung des Penis, so dass die Penisloben umklappen, die Stacheln ausfahren und diese sich in die Paarungstasche des Weibchens bohren. Dadurch wird die Paarungstasche gedehnt und kann so das Sperma aufnehmen. Gleichzeitig sorgen die Sexstacheln dafür, dass das Geschlechtsorgan während der Paarung gut verankert ist“, so Dr. Arnold Staniczek, Eintagsfliegenexperte und Kurator für aquatische Insekten am Naturkundemuseum Stuttgart.
Bedeutung für die Evolutionsforschung der Insekten:
Der akrobatische Paarungsflug, kombiniert mit innerer Befruchtung und einer speziellen Körperhaltung, stellt eine außergewöhnliche Verhaltensweise und eine evolutionäre Neuerung der Eintagsfliegen dar. Die Studie zeigt, dass das männliche Geschlechtsorgan bei Eintagsfliegen im Gegensatz zu anderen Insekten paarig angelegt ist und während der Paarung eine Formänderung durchläuft, die zur Verankerung im Weibchen dient. Insgesamt bieten diese Erkenntnisse wertvolle Einblicke in die Fortpflanzungsbiologie der Eintagsfliegen und erweitern das Verständnis zur Evolution des Paarungsverhaltens bei Insekten.
Originalpublikation:
Stocker, F.C.B., Gamba, R., Van de Kamp, T., Hamann, E., Zuber, M., Vagovič, P., Staniczek, A.H. (2026): When mayflies have an erection: Functional morphology of the genitalia in Ecdyonurus (Insecta: Ephemeroptera: Heptageniidae). Insect Systematics and Diversity 10(2): ixag011.
DOI: https://www.doi.org/10.1093/isd/ixag011
12.03.2026, Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz
Vertrautheit beeinflusst die Kommunikation von Zebrafinken
• Gleiche Rufe, flexible Antworten: Kontaktrufe von Zebrafinken sind angeboren und unveränderlich, ihr Einsatz aber ist flexibel. Die Antwortgeschwindigkeit wird vom sozialen Kontext beeinflusst: Auf vertraute Artgenossen antworten die Tiere häufiger und mit präziserem Timing.
• Neuronale Grundlage: Über 70% der Nervenzellen in einer bestimmten Gehirnregion reagieren auf Rufe von Artgenossen. Sind diese vertraut, feuern regulierende Interneurone besonders stark.
• Relevanz: Selbst angeborene Verhaltensmuster werden durch soziale Interaktion beeinflusst. Dies wirft die Frage auf, wie das Gehirn vokale Kommunikation im sozialen Kontext steuert und wie relevant dies für verschiedene Arten ist
Unterhaltungen zwischen guten Freunden sind oft ungezwungen. Man ist auf einer Wellenlänge und Antworten kommen meist ganz von selbst. Eine ähnliche Harmonie findet man bei miteinander vertrauten Zebrafinken. Der Austausch von Kontaktrufen folgt dann einem deutlich anderen Rhythmus, als wenn die geselligen Singvögel mit einem fremden Artgenossen kommunizieren. Forschende des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz konnten nun zeigen, dass sozialer Kontext die Aktivität der an vokaler Kommunikation beteiligten Nervenzellen beeinflusst und wie die resultierenden Kommunikationsmuster im Gehirn gesteuert werden.
Angeborene Flexibilität
Zebrafinken zählen zu den am besten untersuchten Singvogelarten. Vor allem für den Bereich der Neurowissenschaften sind die männlichen Tiere interessant, da sie das Singen ganz ähnlich lernen, wie Menschen das Sprechen – durch Zuhören und durch das Nachahmen von Artgenossen. Zebrafinken nutzen neben ihrem Gesang aber auch kurze Kontaktrufe, welche Männchen und Weibchen gleichermaßen von Geburt an beherrschen. Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass die Tiere mit vertrauten Artgenossen häufiger und regelmäßiger per Ruf kommunizieren, als mit fremden Tieren. Wie das Gehirn aber zwischen vertrauten und fremden Rufen unterscheidet und wie Antworten entsprechend beeinflusst werden, blieb bislang unklar.
Ein Team unter der Leitung von Daniela Vallentin und Jonathan Benichov spielte Zebrafinken die Rufe von bekannten und unbekannten Artgenossen vor. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Vögel antworteten häufiger, schneller und zuverlässiger auf bereits bekannte Rufe. Zusätzlich wurde untersucht, was während dieser Interaktionen im Gehirn vor sich ging: „Wir konnten zeigen, dass das Gehirn von Zebrafinken auf einen vertrauten Ruf anders reagiert, als auf den Ruf eines unbekannten Artgenossen“, sagt Carlos Gomez-Guzman, Doktorand und Erstautor der Studie. „Eine der Überraschungen war das schiere Ausmaß der neuronalen Aktivität: In HVC – eine Region, die eigentlich maßgeblich für die Steuerung des Gesangs verantwortlich ist – reagierten mehr als 70 % aller Nervenzellen grundsätzlich auf Rufe von Artgenossen.“ Dies zeigt deutlich, dass dieser Gehirnbereich auch angeborene, soziale Rufe aktiv verarbeitet. Interneurone, ein Nerventyp, der durch Hemmung anderer Nervenzellen steuern kann, ob und wann ein Vogel antwortet, sind deutlich stärker und länger aktiv, wenn der Rufende bekannt ist. „Es ist nicht so, dass der Ruf eines Freundes anders klingt”, betont Gomez-Guzman, „aber wenn der Rufende erkannt wird, spiegelt sich die soziale Bindung zwischen den Vögeln eindeutig auch in der Reaktion des Gehirns wider.“
Wie das Gehirn die Kommunikation „stimmt“
Zebrafinken sind für die Wissenschaft quasi ein Fenster in die neuronale Welt der vokalen Kommunikation. Ganz ähnlich wie in menschlichen Dialogen antworten Zebrafinken auf Rufe von Artgenossen, und das in der Regel in weniger als einer halben Sekunde. Anders als erlernte Worte, aus denen eine menschliche Antwort besteht, sind Kontaktrufe bei Vögeln allerdings angeboren und unveränderlich, klingen also bei allen Artgenossen mehr oder weniger gleich. Was aber variieren kann, ist der Einsatz dieser Rufe, also wann und wie schnell ein Zebrafink zurückruft.
Um zu verstehen, was im Gehirn geschieht, wenn solche Ruf-Interaktionen stattfinden, zeichnete das Team die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gesangszentrum HVC auf, während die Vögel bekannte und unbekannte Rufe hörten. In diesem Gehirnareal finden sich Projektionsneuronen, die Signale an andere an der Gesangs- und Stimmproduktion beteiligten Gehirnregionen weiterleiten. Diese sind mit Interneuronen vernetzt, welche durch ihre hemmende Wirkung auf die Projektionsneuronen beeinflussen können, ob diese ihre Signale Richtung Muskulatur weiterleiten können und somit, wann und ob der Vogel einen Ruf auslöst. Beide Typen von Nervenzellen reagierten auf bekannte sowie unbekannte Rufe. Die hemmenden Interneuronen zeigten allerdings eine klare Präferenz für bekannte Rufe und reagierten deutlich intensiver und länger auf diese. Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen der neuronalen Reaktion und Timing der Antwort auf den gehörten Ruf gezeigt werden, was auf einen regulierenden Effekt der Interneuronen auf die Projektionsneuronen hindeutet.
„Die Intensität der neuronalen Reaktion gemessener Interneuronen deckte sich weitgehend mit der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der folgenden Antwort”, sagt Gomez-Guzman. „Mit Hilfe von KI und Machine Learning konnten wir allein anhand der Aktivität gemessener Interneuronen bekannte von unbekannten Kommunikationspartnern unterscheiden. Das bedeutet, dass nicht nur erlernte Gesänge, sondern auch angeborene Verhaltensweisen zu einem gewissen Grad flexibel sind, um sich an soziale Situationen und Kommunikationspartner anpassen zu können.“ Diese Ergebnisse werfen faszinierende Fragen auf: Muss dieses präzise soziale Timing von den Tieren gelernt werden? Wie sind die entsprechenden Gehirnbereiche mit anderen, evolutionär älteren Hirnregionen verknüpft und wie interagieren diese Regionen miteinander? Die Beantwortung dieser Fragen könnte dabei helfen zu verstehen, wieso manche Arten so viel besser mit Hilfe von Vokalisationen kommunizieren können als andere, Einblicke in die kognitiven Anforderungen vokaler Interaktionen geben und letztendlich vielleicht sogar, wieso uns Unterhaltungen mit vertrauten Menschen oft so selbstverständlich und mühelos erscheinen.
Originalpublikation:
Social familiarity strengthens neural and vocal responses to conspecific calls in zebra finches
Carlos M. Gomez-Guzman, Daniela Vallentin* & Jonathan I. Benichov*
* co-senior authors
PLOS Computational Biology, online 11 March 2026
DOI: 10.1371/journal.pcbi.1014024
13.03.2026, Ludwig-Maximilians-Universität München
Wie ein sich klonender Fisch genetischen Verfall vermeidet
Ein Bioinformatiker der LMU hat herausgefunden, wie Amazonenkärpflinge ohne sexuelle Fortpflanzung ein gesundes Genom aufrechterhalten.
Amazonenkärpflinge sind eine bemerkenswerte Art: Alle Individuen sind weiblich und vermehren sich, indem sie sich selbst klonen. Obwohl sich die Weibchen mit Männchen verwandter Arten paaren müssen, um die Fortpflanzung auszulösen, wird die DNA der Männchen nicht in die Nachkommen integriert. Diese ungewöhnliche Fortpflanzungsstrategie müsste laut Evolutionstheorie eigentlich dazu führen, dass ich im Laufe der Zeit schädliche Mutationen im Genom ansammeln und schließlich das Überleben der Art gefährden. Dennoch existieren Amazonenkärpflinge seit Tausenden von Generationen – was die Frage aufwirft, wie ihr Genom gesund bleibt.
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Edward Ricemeyer, Bioinformatiker am Lehrstuhl für Tiergenomik der Veterinärmedizinischen Fakultät der LMU, hat nun herausgefunden, wie diese ungewöhnliche Fischart genetischen Verfall vermeidet, der eigentlich bei Organismen zu erwarten ist, die sich nicht sexuell fortpflanzen.
Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Amazonenkärpflinge (Poecilia formosa) ihr Genom durch einen genetischen Mechanismus namens Genkonversion intakt halten, der dazu beiträgt, schädliche Mutationen auch ohne die sogenannte Rekombination zu beseitigen.
Durch Genkonversion kann die natürliche Selektion weiterwirken
Bei sich sexuell fortpflanzenden Arten hilft die Rekombination während der Fortpflanzung dabei, schädliche Mutationen von nützlichen zu trennen, sodass die natürliche Selektion schädliche Varianten entfernen kann. Bei einer klonalen Art wie den Amazonenkärpflingen fehlt dieser Mechanismus weitgehend.
Mithilfe hochauflösender Genomssequenzen zahlreicher Individuen suchten die Forschenden nach Anzeichen für eine Anhäufung von Mutationen und nach den evolutionären Einflussfaktoren auf das Genom.
Anstelle des erwarteten genetischen Verfalls fanden sie zahlreiche Hinweise auf Genkonversion, einen Prozess, bei dem eine DNA-Sequenz über eine andere, ähnliche Sequenz kopiert wird. Durch diesen Prozess können beschädigte Genvarianten durch intakte Kopien ersetzt werden.
„Die Genkonversion kann schädliche Mutationen effektiv durch gesunde Kopien desselben Gens überschreiben“, erklärt Ricemeyer. „Das bedeutet, dass die natürliche Selektion auch in einer klonal reproduzierenden Linie schädliche Mutationen entfernen kann.“
Ein Genom, das sich eher wie eine sexuelle Spezies verhält
Die Analysen des Teams legen nahe, dass die Genkonversion die Verbreitung vorteilhafter Varianten und die Beseitigung schädlicher Mutationen aus der Population ermöglicht und so zur Aufrechterhaltung der Gesamtintegrität des Genoms beiträgt.
„Das war überraschend, da man normalerweise davon ausgeht, dass klonale Genome allmählich zerfallen“, sagt Ricemeyer. „Stattdessen sehen wir Hinweise darauf, dass diese Spezies über einen Mechanismus verfügt, der das Genom bemerkenswert funktionsfähig hält.“
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Amazonenkärpflinge trotz ihrer asexuellen Fortpflanzung einige der evolutionären Vorteile behalten, die normalerweise mit sexueller Fortpflanzung verbunden sind.
Dieser Fisch scheint das Beste aus beiden Welten zu haben – die genetische Gesundheit, die normalerweise mit sexueller Fortpflanzung einhergeht, ohne dass er die DNA eines Männchens zur Fortpflanzung benötigt“, sagt der leitende Autor Professor Wesley Warren von der University of Missouri Graduate School.
Einblicke in eine der größten Fragen der Evolution
Die Studie erklärt nicht nur den langfristigen Erfolg der Amazonenkärpflinge, sondern liefert auch Antworten auf eine grundlegende Frage der Evolutionsbiologie: Warum sind Organismen, die sich nur asexuell fortpflanzen können, obwohl sie relativ selten sind, weiter verbreitet als man erwarten würde?
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Evolution möglicherweise mehr Möglichkeiten hat, die Gesundheit des Genoms zu erhalten, als bisher angenommen“, sagt Ricemeyer. „Die Untersuchung ungewöhnlicher Systeme wie der Amazonenkärpflinge hilft uns, die grundlegenden Kräfte zu verstehen, die Genome über den gesamten Stammbaum des Lebens hinweg formen.“
Die Studie wurde von Ricemeyer (LMU und University of Missouri) und Dr. Nathan Schaefer (University of California, San Francisco) unter der Leitung der leitenden Autoren Professor Manfred Schartl (Universität Würzburg) und Professor Wesley C. Warren (University of Missouri) durchgeführt und umfasste Mitarbeitende aus mehreren Institutionen.
Originalpublikation:
Ricemeyer, E.S., Schaefer, N.K., Du, K. et al. Gene conversion empowers natural selection in a clonal fish species. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10180-9

