Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Das Geheimnis des Gelben Geparden (Rezension)

Eliane ist noch eben rechtzeitig aus dem alten, längst nicht mehr benutzten Brunnen gezogen worden; François Rauchelle, ihr Mann, kann nicht begreifen, wie es zu dem Unfall kommen konnte … Oder will er es nicht begreifen? Es gibt keine rationale Erklärung. Aber …
Da ist Miriam, die Frau, die er zu lieben glaubte und deren Einfluß er sich noch immer nicht entziehen kann – die schöne, geheimnisvolle Fremde, die mit einer schwarzen Dienerin und einem Geparden auf der kleinen Insel lebt, die, der Küste vorgelagert, nur bei Ebbe über eine Dammstraße zu erreichen ist. Miriam, die an Schwarze Magie glaubt, die ihn aus der spießigen Enge seiner ländlichen Tierarztpraxis reißen und der bürgerlichen Eliane endgültig abspenstig machen will … Hat Miriam etwas mit dem unerklärlichen Unfall zu tun?
Die heile, gesicherte Welt François Rauchelles ist zerbrochen. Wie er sich auch dagegen wehrt – er ist Miriam verfallen. Er beschließt, mit ihr zu fliehen. In aller Heimlichkeit brechen sie eines Nachts auf, um die Insel zu verlassen.

Die Romane von Boileau/Narcejac habe ich als Jugendlicher gerne gelesen und geliebt. In den 1990ern wurden auch einige Romane für das deutsche Fernsehen verfilmt, auch DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GEPARDEN (mit Iris Berben). Auch die Filme sind mir gut in Erinnerung geblieben. Aber manchmal ist es besser in Erinnerungen zu schwelgen, als Erinnerungen wiederzubeleben.
Das Geheimnis des Gelben Gepardenist ein mäßig spannender, psychologischer Kriminalroman. Irgendwie hatte ich mehr erwartet. Gerade die mystischen Andeutungen in Bezug auf Afrika hätte man besser ausarbeiten können. Auch ist der Titel irreführend … es gibt kein Geheimnis um einen gelben Geparden, der Gepard ist der Aufhänger für die eigentliche Handlung, aber nicht mehr als Beiwerk. Eine größere (oder bedeutendere) Rolle hat er nicht. Maléfices, so der Originaltitel („Hexen“) befasst sich eher mit den menschlichen Problemen und Geheimnissen (1975 erschien eine Ausgabe des Romans im Verlag Volk und Welt der Deutschen Demokratischen Republik unter dem passenderen Titel „Hexenspuk“).
Die Affäre, die sich sehr leidenschaftlich darstellt, wird nach und nach zu einer „verhängnisvollen Affäre“. Thrillerpotential wäre vorhanden, doch leider wird das vorhandene Potential nicht genutzt und selbst die afrikanischen Verbindungen ergießen sich in Belanglosigkeiten. DAS GEHEIMNIS DES GELBEN GEPARDE ist kein Thriller, eher ein Krimi, der Thriller sein möchte, aber leider nicht überzeugen kann.
Mein Geschmack hat sich wohl im Laufe der vergangenen Jahre verändert, oder meine Erinnerungen haben sich einfach romantisiert. Ob ich noch weitere Boileau/Narcejac-Romane lesen werde? Ich weiß es nicht … vermutlich eher nicht (aber wer kann das mit Sicherheit sagen)

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