12.10.2026, Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz
Neuseeländische Doppelband-Regenpfeifer erreichen Australien jedes Jahr später
• Späte Ankunft: Citizen Science Daten zeigen, dass neuseeländische Doppelband-Regenpfeifer nach der Herbstwanderung jedes Jahr im Durchschnitt etwa vier Tage später in Australien eintreffen. Dadurch hat sich die geschätzte Verweildauer in ihren Überwinterungsgebieten in etwa einem Jahrzehnt um circa ein Viertel verkürzt.
• Einfluss des Klimawandels: Dies hängt womöglich mit Veränderungen der Westwinde im Südlichen Ozean zusammen, die Neuseeland im Winter milderes Wetter bescheren.
• Möglicher Verlust des Zugverhaltens: Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die Migration fast vollständig verschwinden. Die meisten Vögel würden wohl das ganze Jahr über in Neuseeland bleiben.
An offenen Stränden, auf kiesigen Flussbetten und kahlen Vulkanplateaus sind Doppelband-Regenpfeifer ein vertrauter und beliebter Anblick in ganz Neuseeland – dem einzigen Land, in dem diese charismatischen Vögel brüten. Während einige das ganze Jahr über dortbleiben, unternehmen schätzungsweise 70 Prozent von ihnen eine eher ungewöhnliche Reise: Anstatt wie die meisten Zugvögel nach Norden in wärmere Gefilde zu fliegen, ziehen sie nach Westen. Sie legen dabei fast 3.000 Kilometer über die Tasmanische See zurück, um in Australien zu überwintern.
Eine neue Studie der Abteilung Ornithologie am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz (MPI-BI) legt nahe, dass diese seit jeher praktizierte Überquerung des Ozeans aufgrund des Klimawandels verschwinden könnte. Eine Analyse von Beobachtungen auf der Citizen Science Plattform eBird zeigt, dass die Vögel zwischen 2014 und 2025 im Durchschnitt jedes Jahr etwa vier Tage später in Australien eintrafen. Gleichzeitig konnte keine deutliche Veränderung beim Zeitpunkt ihrer Rückreise in die Brutgebiete nach Neuseeland im Frühjahr festgestellt werden. Demnach verkürzte sich ihre geschätzte Gesamtaufenthaltsdauer in den australischen Überwinterungsgebieten in etwas mehr als einem Jahrzehnt um rund ein Viertel.
Die in der internationalen ornithologischen Fachzeitschrift Ibis veröffentlichte Studie führt die Verzögerung auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung zurück: Eine Verschiebung von Winden rund um die Antarktis nach Süden führt dazu, dass seit den 1950er-Jahren das Herbst- und Winterwetter in Neuseeland zunehmend ruhig und milder ist.
„Angesichts des rasanten Tempos dieser Veränderung fragen wir uns, wohin sie führen könnte“, sagte Bashar Jarayseh, Erstautor und Doktorand am MPI-BI. „Die meisten Doppelband-Regenpfeifer, die nach Australien ziehen, stammen aus raueren alpinen Lebensräumen im Landesinneren. Sie entfliehen dem neuseeländischen Winter, um in Australien mildere Bedingungen zu finden. Doch die Überquerung des Ozeans ist gefährlich. Verkürzt sich ihr Aufenthalt in Australien, könnten die Vorteile der Migration schwinden, während das Risiko gleichbleibt – sodass wandernde Individuen innerhalb weniger Jahrzehnte im Nachteil sein könnten. Wir sagen voraus, dass dies letztendlich zum Aussterben des Zugverhaltens führen könnte. Die gesamte Population würde dann in Neuseeland bleiben und dies könnte die Art anfälliger machen, beispielsweise gegenüber einem ungewöhnlich strengen Winter.“
Beobachtung von Regenpfeifern über einen Kontinent hinweg
Die Forscher verwendeten eine Karte des australischen Überwinterungsgebiets der Vögel und unterteilten dieses in Gebiete von etwa 23.000 km2. Für jedes dieser Gebiete analysierten sie, wie sich die Sichtungen in eBird aufbauten und wieder abnahmen. So konnten sie abschätzen, wann die Vögel ankamen und wieder abflogen. Dieser Ansatz ergab eine geschätzte durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 173 Tagen im Jahr 2014 und 129 Tagen im Jahr 2025 – eine Verringerung um etwa 25 %. Die Wissenschaftler verglichen anschließend das Ankunftsdatum jedes Jahres mit den monatlichen Messwerten des „Southern Annular Mode“, einem umfassenden Klimaindex für die Region. So stellten sie fest, dass die Vögel in Jahren mit milderem Wetter in Neuseeland am Ende ihrer Brutzeit später in Australien eintrafen.
„Vieles von dem, was wir über den Klimawandel und den Vogelzug wissen, stammt aus der nördlichen Hemisphäre, wo Vögel ihre Brutgebiete im Frühjahr früher erreichen. Unsere Ergebnisse ergänzen dies mit Daten aus der weniger erforschten südlichen Hemisphäre, wo die Doppelband-Regenpfeifer ihre Überwinterungsgebiete jedes Jahr eher später erreichen“, sagt Luke Eberhart-Hertel, Mitautor der Studie. „Dank der Beobachtungen der Bürgerinnen und Bürger konnten wir dieses Muster über einen ganzen Kontinent hinweg erkennen. Nun verfolgen wir einzelne Regenpfeifer mit Satellitensendern, Datenloggern zur Registrierung der Lichtintensität oder auch nur einer Kombination aus Farbringen, um zu untersuchen, wie sich ihre Bewegungen von Jahr zu Jahr verändern.“
„Wir möchten herausfinden, ob einzelne Vögel den Zeitpunkt ihrer Migration verschieben, und ob einige von ihnen ihre Strategie ändern und von Zugvögeln zu ganzjährigen Bewohnern Neuseelands werden. Es bleibt abzuwarten, ob es einen Punkt gibt, jenseits dessen die Überquerung gänzlich aufgegeben wird“, sagt Bart Kempenaers, Leiter der Abteilung für Ornithologie am MPI-BI. „Wir müssen besser verstehen, ob der vom Menschen verursachte Klimawandel die saisonalen Signale stört, anhand derer die Vögel den Zeitpunkt ihrer Reise bestimmen, und wie sich dies auf ihre Überlebenschancen auswirkt. Die Antworten darauf können für den Artenschutz relevant sein, da der Doppelband-Regenpfeifer in Neuseeland bereits durch eingeschleppte Raubtiere bedroht ist.“
Originalpublikation:
A rapid shift in migration schedule of an Austral shorebird is linked to a changing southern climate oscillation
Bashar Jarayseh, Luke Eberhart-Hertel*, Bart Kempenaers*
*shared last authors
IBIS – International journal of avian science, online 28.09.2026
https://doi.org/10.1111/ibi.70128
13.10.2026, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Wie Dinosaurier Vogelköpfe bekamen
Der Übergang von Dinosauriern zu Vögeln zählt zu den eindrucksvollsten evolutionären Veränderungen der Erdgeschichte. Paläontologen widerlegen nun eine lange angenommene Hypothese: Formveränderungen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr am Ursprung der Vögel waren keine direkte Anpassung an das Fliegen. Vielmehr führte der grundlegende Umbau des Schädels zu den Veränderungen im Innenohr. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte ein internationales Paläontologenteam nun in der Fachzeitschrift PNAS.
Auf dem Weg vom Dinosaurier zum modernen Vogel entstanden nicht nur Federn, Flügel und schließlich der aktive Flug. Auch Schädel, Gehirn und Sinnesorgane wurden grundlegend umgebaut. Besonders auffällig ist die Veränderung der Form des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Bislang wurde sie häufig als Anpassung der Sinnesfunktion an die besonderen Anforderungen an Gleichgewicht, räumliche Orientierung und die Stabilisierung des Blicks im Zusammenhang mit dem aktiven Fliegen interpretiert. Ein internationales Forscherteam um den Paläontologen Guillermo Navalón, Universität Alcalá, Spanien kommt zu einem anderen Ergebnis: Entscheidend für diese Umformung im Innenohr war offenbar nicht die neue Art der Fortbewegung. Vielmehr ist der grundlegende Umbau des Schädels, insbesondere im Bereich des Schädel-Hals-Gelenks verantwortlich für die Formveränderung der Bogengänge des Innenohrs bei Vögeln. An der Studie beteiligt war auch Serjoscha Evers, Paläontologe an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).
Evers und seine Kollegen verglichen die Innenohr- und Schädelanatomie von Dinosauriern, frühen Vögeln wie Archaeopteryx und Flugsauriern mit der von heute noch lebenden sowie kürzlich ausgestorbenen Vögeln, darunter auch flugunfähige Arten wie Pinguine und Kiwis. Analysiert wurden die Bogengänge des Innenohrs. Die mit Flüssigkeit gefüllten Röhren registrieren Drehbewegungen des Kopfes und sind damit ein wichtiger Teil des Gleichgewichtssinns. Ihre knöcherne Form lässt sich auch bei fossilen Tieren mithilfe hochauflösender Computertomographie dreidimensional rekonstruieren.
Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig aus: Ob ein Vogel fliegen kann oder nicht, erklärt die Form seiner Bogengänge nur schlecht. Selbst der wiederholte vollständige Verlust der Flugfähigkeit in den verschiedenen Vogellinien hinterließ keinen einheitlichen Abdruck in ihrer Form. Einen wesentlich stärkeren Zusammenhang fanden die Forschenden dagegen mit der Architektur des Schädels. Die Neuorganisation des Kopfes am Dinosaurier-Vogel-Übergang zeigt sich besonders deutlich am Hinterhaupt: Die Verbindung zwischen Schädel und Wirbelsäule verlagerte sich bei Vögeln zunehmend auf die Unterseite des Schädels. Mit dieser Neuausrichtung veränderten sich auch die umliegenden Schädelknochen – und mit ihnen die Form des darin eingebetteten Innenohrs. Das charakteristisch „vogelartige“ Innenohr erscheint damit nicht als isolierte Neuerung des Gleichgewichtssinns, sondern als Teil eines umfassenderen Umbaus des Kopf-Hals-Systems.
„Wir neigen dazu, auffällige Veränderungen eines Sinnesorgans unmittelbar als funktionelle Anpassung zu interpretieren“, sagt SNSB Paläontologe Dr. Serjoscha Evers, Mitautor der Studie. „Das Innenohr befindet sich aber nicht isoliert im Schädel. Wenn sich die gesamte Architektur des Kopfes verändert, kann das auch die Form eines Sinnesorgans mitprägen – ohne dass diese Veränderung eine direkte Anpassung an eine neue Lebensweise sein muss.“
Originalpublikation:
G. Navalón, S.W. Evers, E. Hughes, A. Bjarnason, L.M. Chiappe, S.A. Walsh, J.M. Neenan, E. Panciroli, D.J. Field, & R.B.J. Benson, Coordinated transformations of the labyrinth and occiput during the dinosaur–bird transition, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (42) e2612503123, https://doi.org/10.1073/pnas.2612503123 (2026).
14.10.2026, Universität Trier
Letztes Refugium vor tödlichem Amphibienpilz in Kolumbien bedroht
Internationale Studie unter Beteiligung der Universität Trier identifiziert die Sierra Nevada de Santa Marta als bedeutendes Rückzugsgebiet für Amphibien – doch eine Einschleppung des Chytridpilzes könnte die einzigartige Artenvielfalt gefährden.
Es ist eine gute Nachricht mit einem ernsten Vorbehalt: In der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens lebt eine außergewöhnlich artenreiche Amphibiengemeinschaft, die von den verheerenden Epidemien des Amphibien-Chytridpilzes bislang offenbar verschont geblieben ist. Gleichzeitig zeigen Forschende der Universität Trier, der Universität Gent und zahlreicher internationaler Partner, dass der Erreger in unmittelbarer Nähe vorkommt und viele der dort heimischen Amphibien bei einer Einschleppung hochgradig gefährdet wären.
Der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd, gilt als Ursache der schwersten bekannten durch eine Infektionskrankheit ausgelösten Biodiversitätsverluste der Tierwelt. Seit den 1980er-Jahren hat er weltweit zu dramatischen Bestandsrückgängen und zum vollständigen Aussterben zahlreicher Amphibienarten geführt. Besonders schwer betroffen sind die Bergregionen Mittel- und Südamerikas.
Eine bemerkenswerte Ausnahme ist die isolierte Sierra Nevada de Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste. Das Gebirge beherbergt mindestens 48 Amphibienarten. 25 dieser Arten kommen sogar ausschließlich dort vor.
Über 2000 Proben untersucht
In mehrjährigen Untersuchungen analysierte das internationale Forschungsteam über 2.000 Proben von Amphibien sowie Umwelt-DNA aus Gewässern. An keinem der 34 untersuchten Standorte in der Sierra Nevada de Santa Marta und den angrenzenden Tiefländern konnte Bd aktuell nachgewiesen werden. Auch genomische Analysen einer dort endemischen Harlekin-Kröte ergaben keine Hinweise auf einen früheren starken, möglicherweise durch den Pilz verursachten Populationseinbruch.
Nur rund 20 Kilometer entfernt, in den nördlichsten Ausläufern der Anden, wiesen die Forschenden dagegen eine besonders virulente Variante des Chytridpilzes nach. Klimamodelle zeigen zugleich, dass große Teile der Sierra Nevada de Santa Marta für den Pilz und durch ihn verursachte Amphibienrückgänge sehr gut geeignet wären. Vermutlich bilden die heißen und trockenen Tiefländer rund um das Gebirge bislang eine natürliche Barriere gegen seine Einschleppung.
Wie gefährlich eine Einschleppung sein könnte, zeigten Infektionsversuche mit drei ausschließlich in der Sierra Nevada vorkommenden Amphibienarten. Während eine Harlekin-Krötenart vergleichsweise tolerant reagierte, erwies sich insbesondere der Frosch Cryptobatrachus boulengeri als hochgradig anfällig.
Rechtzeitige Schutzmaßnahmen notwendig
„Wir haben hier die einzigartige Situation, dass wir eine außergewöhnlich diverse Amphibiengemeinschaft möglicherweise noch schützen können, bevor eine verheerende Epidemie einsetzt“, sagt Prof. Dr. Stefan Lötters von der Biogeographie der Universität Trier. „Gerade deshalb müssen wir verhindern, dass der Erreger durch Menschen, Tiere oder kontaminiertes Material in dieses Gebirge eingeschleppt wird.“
Die Forschenden fordern daher strenge Biosicherheitsmaßnahmen wie z. B. Desinfektion von Schuhen, Autoreifen und Equipment vor Betreten der Region. Zudem sei eine kontinuierliche Überwachung des Erregers und der Amphibienpopulationen sowie der frühzeitige Aufbau von Schutz- und Erhaltungsprogrammen für besonders gefährdete Arten notwendig. Denn sobald sich hochvirulente Bd-Stämme etabliert haben, lassen sie sich in natürlichen Ökosystemen kaum noch bekämpfen.
„Fundación Atelopus” befasst sich als lokaler Projektpartner mit der Umsetzung der Maßnahmen in Zusammenarbeit mit örtlichen Ämtern und Regierungen sowie Naturschutzorganisationen.
Originalpublikation:
Amadeus Plewnia et al.: The chytrid fungus threatens the last epidemiologically naïve Neotropical montane amphibian biodiversity hotspot, in: Current Biology
DOI: 10.1016/j.cub.2026.09.048
15.10.2026, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Gerade bei Trockenheit: Artenreichtum schützt ökologische Funktionen von Tümpeln
Ein Forschungsteam unter Leitung der spanischen Central University of Catalonia mit Beteiligung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat in einer umfassenden Freilandstudie den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und den ökologischen Funktionen von stehenden Kleingewässern, wie Tümpeln und Teichen, in sieben europäischen Ländern untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe Biodiversität – insbesondere bei Kleinstlebewesen – mit einem geringeren Algenwachstum und niedrigeren Methanemissionen einhergeht. Vor allem Tümpeln in trockenen Regionen kommt eine hohe Artenvielfalt zugute. Die Studie wurde in „Nature Ecology & Evolution“ veröffentlicht.
Die Studie umfasst 206 Kleingewässer in sieben europäischen Ländern und deckt ein breites Spektrum an Klimazonen, Landschaften und Gewässertypen ab. Für jeden Tümpel erfasste das Forschungsteam wichtige Umweltfaktoren wie den Nährstoffgehalt im Wasser, die Landnutzung im Umkreis von 100 Metern, die Größe und Tiefe des Tümpels sowie die klimatischen Bedingungen. Darüber hinaus untersuchten die Forscherinnen und Forscher die Biodiversität in vier Hauptgruppen der Süßwasserfauna und -flora: Wasserpflanzen, kleine Wirbellose (Zooplankton), große Wirbellose (Makroinvertebraten) und Amphibien. Diese Daten fassten sie zu einem Multidiversitätsindex zusammen, der die gesamte Biodiversität jedes Tümpels widerspiegelt. Schließlich bewerteten sie verschiedene Ökosystemfunktionen – wie Methanemissionen, Algenproduktion, tierische Biomasse und Pflanzenwachstum –, um zu beurteilen, wie die Biodiversität zur Multifunktionalität – der Vielfalt der Ökosystemfunktionen, beiträgt.
Zooplanktonvielfalt bestimmt maßgeblich hohe Multifunktionalität:
Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Tümpel mit größerer Artenvielfalt wiesen eine höhere Multifunktionalität des Ökosystems auf. Interessanterweise trugen nicht alle Gruppen gleichermaßen dazu bei: Die Vielfalt des Zooplanktons erwies sich als einer der stärksten Indikatoren für Multifunktionalität. Je höher die Zooplanktonvielfalt war, desto weniger Methan wurde freigesetzt und desto geringer war die Chlorophyll-a-Konzentration – ein Indikator für das Algenwachstum. „Die Vielfalt der winzigsten Tiere im Tümpel kann dazu beitragen, die ökologischen Funktionen aufrechtzuerhalten. Sie fressen die Algen und unterstützen den Energietransfer durch das Nahrungsnetz, was zu geringeren Emissionen schädlicher Treibhausgase führt“, sagt IGB Forscher Dr. Thomas Mehner, Mitautor der Studie.
Tümpel in trockenen Regionen profitieren besonders von hoher Artenvielfalt:
Die Studie zeigt außerdem, dass die Artenvielfalt in trockenen Klimazonen eine größere Rolle spielt. Dort fanden die Forscher*innen einen stärkeren Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und ökologischen Funktionen als in feuchten Gebieten. „Eine mögliche Erklärung ist der sogenannte Komplementaritätseffekt. Das bedeutet, dass viele Arten innerhalb des Lebensraums unterschiedliche ökologische Rollen einnehmen und so in einer unwirtlichen Umgebung Ressourcen effektiver nutzen können, wodurch die Funktionsfähigkeit des Ökosystems stabilisiert wird“, sagt Thomas Mehner.
Nährstoffbelastung schränkt die Funktionen von Teichen ein:
Die Ergebnisse der Studie untermauern zudem ein bereits bekanntes Phänomen: dass eine hohe Nährstoffbelastung die Funktionen von Kleingewässern beeinträchtigt. Viele Tümpel befinden sich auf landwirtschaftlichen Flächen. Düngemittel, die im Pflanzenanbau eingesetzt werden, erhöhen häufig die Menge an Stickstoff und Phosphor, die in nahegelegene Gewässer gelangt. Diese übermäßige Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) wurde in dieser Studie mit einer verminderten Multifunktionalität des Ökosystems in Verbindung gebracht. Das bestärkt die aktuellen Bedenken, dass die Eutrophierung nach wie vor eine der größten Bedrohungen für Süßwasserökosysteme in ganz Europa ist. „Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung der Förderung der Artenvielfalt in Tümpeln, insbesondere in trockenen Regionen, um die ökologischen Funktionen dieser Gewässer zu erhalten und zu verbessern“, sagt Thomas Mehner. „Zudem zeigt sie die negativen Auswirkungen einer hohen Nährstoffbelastung auf die Multifunktionalität von Kleingewässern auf.“
Originalpublikation:
Cuenca-Cambronero, M., Delgado-Baquerizo, M., Anton-Pardo, M. et al. Biodiversity enhances pond ecosystem multifunctionality across Europe. Nat Ecol Evol (2026). https://doi.org/10.1038/s41559-026-03197-w
15.10.2026, Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung
Vom Spreizgang zum Zweibeiner: Wie sich die Fortbewegung der Dinosaurier-Vorfahren entwickelte
Fossile Fußspuren zeigen, wie sich die Fortbewegung der Vorfahren der Dinosaurier über Millionen Jahre veränderte. Der Wandel vom seitlichen Abspreizen der Beine zum aufrechten Gang verlief schrittweise – und bereitete den Weg für die spätere Entwicklung der Zweibeinigkeit. Das zeigt eine neue Studie unter Leitung des Museums für Naturkunde Berlin. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Palaeontology veröffentlicht.
Wie bewegten sich die Vorfahren der Dinosaurier fort? Fossile Fußspuren geben Antworten, die Skelette allein nicht liefern können. Ein Forschungsteam um Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin untersuchte Fußspuren aus den Dolomiten in Italien und beschrieb sie neu als bislang älteste bekannte Fährten von Archosauriern. Diese Tiergruppe umfasst frühe Vorläufer der Archosaurier, zu denen unter anderem die Dinosaurier gehören. Die Fährten stammen aus dem GEOPARC Bletterbach, der Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten ist.
Die Spuren sind besonders wertvoll, weil Fossilien aus der Zeit vor dem großen Massenaussterben am Ende des Perms nur selten erhalten sind. Dieses Ereignis vor rund 252 Millionen Jahren markiert den Übergang zur Trias und zählt zu den umfangreichsten Artensterben der Erdgeschichte. Archosaurier gab es bereits vor diesem Einschnitt. Wie sie sich bewegten und wie sich ihr Körperbau entwickelte, lässt sich jedoch nur lückenhaft rekonstruieren.
Neue Einordnung einer alten Spur
Bislang wurden die Fährten aus den Dolomiten mit Spuren aus der frühen Trias verglichen, die unter anderem aus Deutschland, Polen und Marokko bekannt sind. Eine erneute Untersuchung durch Lorenzo Marchetti und Hendrik Klein (Saurierwelt Link) führte nun zu einer anderen Einordnung. Die Forschenden verglichen die Form und Maße der Abdrücke mit den Füßen und Händen früher Archosaurier. Dabei stellten sie fest, dass die Spuren zu einer eigenständigen Gruppe gehören. Sie gaben ihr den wissenschaftlichen Namen Pachychirotherium gardenaensis – sinngemäß „kräftiger Chirotherien-Verwandter aus dem Grödnertal“. Die Fährten werden heute in den Sammlungen der Universität La Sapienza in Rom und des Naturmuseums Südtirol in Bozen aufbewahrt.
Vom Spreizgang zum aufrechten Gang
Besonders aufschlussreich ist, was die Spuren über die Entwicklung der Fortbewegung verraten. Durch den Vergleich von Fährten aus dem Perm und der Trias konnten die Forschenden nachvollziehen, wie sich die Beinstellung der Tiere über Millionen Jahre veränderte. Im späten Perm waren ihre Beine noch seitlich abgespreizt. Erst im Laufe der Trias bewegten sie sich zunehmend mit einer aufrechten Beinstellung fort. Dieser Wandel war spätestens in der mittleren Trias abgeschlossen.
Mit der veränderten Haltung gingen weitere Anpassungen einher: Die mittleren Zehen wurden länger, die Tiere setzten beim Laufen vor allem ihre Zehen auf und ihre Hände wurden kleiner. Diese Merkmale stehen mit einer effizienteren Fortbewegung und der Anpassung an schnelles Laufen in Verbindung. Sie schufen wichtige Voraussetzungen für die spätere Entwicklung der Zweibeinigkeit bei Dinosauriern, wie zum Beispiel beim T. rex, und nahen Verwandten.
„Es ist faszinierend, wie viele Details über die Biologie und Fortbewegung von Archosauriern in fossilen Fußspuren erhalten geblieben sind. Das ist besonders wichtig, wenn nur wenige Skelettfossilien vorliegen. Tatsächlich sind Spurenfossilien die einzigen Fossilien, die die Fortbewegung von Tieren unmittelbar dokumentieren“, sagt Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin.
Die Studie zeigt, wie wichtig Spurenfossilien für das Verständnis der Evolution sind. Während Skelette den Körperbau ausgestorbener Tiere sichtbar machen, halten Fußspuren fest, wie sich diese Tiere tatsächlich bewegten. Sie eröffnen damit einen direkten Einblick in das Verhalten längst ausgestorbener Lebewesen – und helfen zu verstehen, wie sich grundlegende Merkmale im Laufe der Erdgeschichte entwickelten.
Originalpublikation:
Marchetti, L. and Klein, H. (2026), The new archosauriform track Pachychirotherium and the stepwise acquisition of digitigrady, cursoriality and erect stance in the group between the Permian and Triassic. Palaeontology, 69: e70089. https://doi.org/10.1111/pala.70089
15.10.2026, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Wildvögel schreiben die Regeln der Fortbewegung neu: Segelflug kann die effizienteste Bewegungsart für Tiere sein
Die bislang umfangreichste Studie die zum Energieaufwand der Fortbewegung von Wildvögeln kommt zu dem Ergebnis, dass Segel- oder Gleitflug auf Luftströmungen energetisch günstiger sein kann als Schwimmen – und widerlegt damit eine gängige Lehrbuchmeinung. Die in SCIENCE veröffentlichte Arbeit unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und der Swansea University kombiniert 17 Jahre Positions- und Beschleunigungsdaten von 850 Vögeln und Fledermäusen aus 38 Arten mit vier Jahren Radardaten. Die Luft ist für Segelflieger wie Geier kein neutrales Medium, sondern wird geschickt genutzt um den Energieverbrauch beim Fliegen auf ein Minimum zu reduzieren.
Ein Andenkondor und ein Trompeterschwan wiegen beide etwa 11 Kilogramm. Dennoch legt der Kondor jeden Kilometer seiner Flugstrecke mit etwa einem Fünftel des Energieaufwands des Schwans zurück. Der Unterschied liegt in der Luft: Der Kondor nutzt Aufwinde und schlägt nur während 0,1 Prozent seiner Flugzeit mit den Flügeln, der Schwan jedoch während 99 Prozent der Zeit. Eine neue Studie an 50 Vogel- und Fledermausarten in freier Wildbahn zeigt, dass, sobald die Dynamik der Atmosphäre berücksichtigt wird, das Fliegen die kostengünstigste Fortbewegungsart sein kann.
Die in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Arbeit unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie (MPI-AB) und der Swansea University ist die bislang umfangreichste Studie, die die Kosten von Langstrecken-Fortbewegung für Wildtiere untersucht. Sie kombiniert 17 Jahre Positions- und Beschleunigungsdaten (GPS und ACC) von 850 Vögeln und Fledermäusen aus 38 Arten mit vier Jahren Radardaten. Das Körpergewicht der Tiere reicht von etwa 12 Gramm bis zu mehr als 11 Kilogramm. Ein internationales Team aus 68 Forschenden lieferte Daten für dieses Projekt, darunter Dr. Ortwin Aschenborn und Dr. Teja Curk von der GAIA-Initiative am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW).
„Uns mag der Himmel nur als Kulisse für fliegende Tiere erscheinen, tatsächlich aber ist er eine wesentliche Ressource, die die Kosten einer Reise dramatisch verändern kann“, sagt die Erstautorin Dr. Martina Scacco, Wissenschaftlerin an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). In Lehrbüchern werden die Fortbewegungsarten von Tieren nach ihren Kosten geordnet: Schwimmen ist am günstigsten, Fliegen folgt an zweiter Stelle und Laufen stellt die energetisch teuerste Form dar. Diese Rangfolge basiert auf Labormessungen an Tieren in Schwimmbecken, Windkanälen und auf Laufbändern. Die neue Studie zeigt, dass sich diese Rangfolge außerhalb des Labors ändert.
„Die Laborregeln besagen, dass Kondore und Schwäne denselben Energieaufwand haben müssen, da sie die gleiche Körpermasse aufweisen. Doch wenn wir sehen, wie Kondore gleiten und Schwäne mit den Flügeln schlagen, wissen wir, dass es ganz klar einen Unterschied geben muss“, sagt die leitende Autorin Prof. Emily Shepard von der Swansea University. Die Studie beziffert diesen Unterschied: Die Transportkosten des Kondors liegen um 79 Prozent unter denen des Schwans, wodurch der Gleitflug kostengünstiger wird als das Schwimmen. „Wenn fliegende Tiere Zugang zu natürlichen Luftströmungen haben, erhalten sie kostenlosen Treibstoff aus dem Himmel. Diese Studie deckt die Fehler auf, die wir begehen, wenn wir die realen Bedingungen ignorieren, auf die Tiere seit Jahrmillionen reagieren“, fügt Shepard hinzu.
Messung der Transportkosten in freier Wildbahn
Die Studie untersucht erstmals für so viele wildlebende Arten weltweit, welche Rolle die Atmosphäre beim Flug spielt, und liefert damit wichtige Erkenntnisse für den Schutz und das Management fliegender Arten. „Wenn sich die atmosphärischen Bedingungen ändern, ändern sich auch die Flugkosten. Das beeinflusst, wann Tiere ziehen und wo sie rasten, und sogar, wie sich die Gemeinschaften zusammensetzen, die sie bilden“, sagt der leitende Autor Dr. Kamran Safi vom MPI-AB. Die Ergebnisse bieten einen neuen Rahmen für die Vorhersage des Energieaufwands beim Flug und dafür, wie sich klimatische Veränderungen in Zukunft darauf auswirken könnten, wohin und wann Tiere wandern.
Das Team nutzte Beschleunigungsmesser (ACC-Sensoren), um energieintensives Flügelschlagen von energiearmem Gleiten zu unterscheiden. Mithilfe von GPS-Daten ordneten die Forschenden jeden Flugabschnitt den Windverhältnissen und Aufwinden zu, denen die Tiere unterwegs begegneten. So konnten sie berechnen, wie viel Zeit einzelne Tiere entlang eines Flugabschnitts mit Flügelschlagen oder Gleiten verbrachten, und abschätzen, wie viel Energie sie pro zurückgelegtem Meter verbrauchten – ihre Transportkosten. „Wir haben die Unterschiede auf den Kraftstoffverbrauch reduziert – das Naturäquivalent zu Liter pro Kilometer“, sagt Scacco. So konnten die Forschenden die Transportkosten über Arten und Flugweisen hinweg vergleichen, „so wie wir die Frachtkosten von Seepost und Luftpost vergleichen“, fügt sie hinzu. Die 50 Arten ließen sich in zwei Hauptgruppen einteilen: Segel- und Flügelschlagflieger. Bei den segelnden Vögeln hatte die Größe einen deutlichen Einfluss auf die Transportkosten: Je schwerer ein Segelvogel war, desto weniger schlug er mit den Flügeln und desto geringer waren daher seine Transportkosten.
Wie man hundert Runden um den Planeten fliegt
Segelnde Geier bieten ein anschauliches Beispiel. Die sieben in der Studie untersuchten Geierarten, darunter auch der Weißrückengeier (Gyps africanus), legten an insgesamt 128.000 Tagen mehr als 4,3 Millionen Kilometer zurück – genug, um den Planeten mehr als 100 Mal zu umrunden. Sie erreichten dies, während sie nur 0,1 Prozent bis 7 Prozent der Flugzeit mit den Flügeln schlugen. Der schwerste Geier, der Andenkondor (Vultur gryphus), schlug am allerwenigsten mit den Flügeln. Dies gelang ihnen, indem sie die Energie der Atmosphäre nutzten. Segelflugvögel ließen sich von aufsteigenden Luftsäulen (Thermiken) tragen, was ihre Transportkosten am stärksten senkte, „so wie wir mit dem Aufzug in die oberste Etage fahren“, sagt Shepard. „Segelflugvögel sind Meister darin, Energie aus der Umgebung zu gewinnen. Wenn die Bedingungen stimmen, können sie ihre Kosten auf ein Minimum senken.“ Doch die Bedingungen sind nicht immer günstig. Je größer ein Segelflugvogel war, desto stärker hing er von diesen Bedingungen ab und desto eingeschränkter war er darin, wann und wo er fliegen konnte.
Kostspieliger, aber flexibler Flug
Vögel und Fledermäuse, die quasi durchgehend mit ihren Flügeln schlagen, setzen hingegen auf energieintensiven Flügelschlag und können so auch unter wechselhafteren Bedingungen fliegen. Für solche Arten hatte der Wind den größten Einfluss auf ihre Transportkosten, wobei Rückenwind half und Gegenwind bremste. Safi sagt: „Luft kann die Flugkosten für Flügelschlagflieger sowohl erhöhen als auch senken. Was uns überrascht hat, war, wie oft Flügelschlagflieger unter energieaufwändigen Bedingungen fliegen, bei denen ihre Energieeffizienz wirklich gering ist. Wir hoffen, dass unser Konzept weitere Untersuchungen zu den unterschiedlichen Kompromissen, denen diese beiden Gruppen gegenüberstehen, sowie zu potenziellen Energiesparmechanismen anregen wird, die wir möglicherweise noch übersehen haben.“ In zukünftigen Arbeiten wollen die Autoren auf ihren Erkenntnissen aufbauen, indem sie den Energieverbrauch der Tiere direkt messen, beispielsweise durch Herzfrequenzüberwachung. Auf diese Weise lassen sich Unterschiede in der individuellen Physiologie erfassen, was eine noch realistischere Messung der energetischen Kosten des Fluges ermöglicht.
GPS- und ACC-Messungen zeigen, dass die Luft für Vögel ein äußerst variables Medium ist
„Es ist fantastisch, zu dieser bedeutenden Zusammenarbeit und zu den spannenden Ergebnissen beigetragen zu haben, die in Science veröffentlicht wurden“, sagt Dr. Ortwin Aschenborn, Leiter der GAIA-Initiative am Leibniz-IZW und Mitautor der Studie. Die GAIA-Initiative fokussiert sich auf das Aufspüren von Aas in trockenen Lebensräumen, in denen ein sparsamer Umgang mit Energie unerlässlich ist. Namibia, das im Mittelpunkt der GAIA-Forschungen steht, ist ressourcenarm, sodass Tiere die begrenzten Ressourcen effizient nutzen müssen – worin sich beispielsweise Weißrückengeier besonders auszeichnen. Die Daten und Analysen zeigen, wie effektiv – und wie unterschiedlich – Tiere diese Ressourcen nutzen können, indem sie die Luft als Transportmedium einsetzen. „Für den am Boden lebenden Menschen mag die Luft homogen erscheinen, doch die Ergebnisse zeigen, dass fliegende Tiere auf ein äußerst variables Medium treffen, das bei geschickter Nutzung den Energieaufwand für die Fortbewegung erheblich senken kann“, sagt Aschenborn.
„Es ist ein echtes Privileg, Teil einer so wichtigen Studie und internationalen Zusammenarbeit zu sein, die Forschende und Tracking-Daten aus aller Welt zusammenbringt, um unser Verständnis davon zu vertiefen, wie Tiere in freier Wildbahn fliegen und Energie einsetzen“, sagt Dr. Teja Curk, Mitautorin der Studie und Wissenschaftlerin der GAIA-Initiative. „Was diese Studie besonders spannend macht, ist, dass sie langjährige Annahmen über den Energieaufwand beim Fliegen in Frage stellt und aufzeigt, wie Tiere die Atmosphäre nutzen, um mit bemerkenswert geringem Energieaufwand große Entfernungen zurückzulegen. Dies ist ein bedeutender Fortschritt für die Biologging-Forschung und die Bewegungsökologie, der neue Einblicke in den Energieaufwand beim Fliegen in freier Wildbahn bietet und Möglichkeiten eröffnet, zu untersuchen, wie Tiere auf Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren.“
„Seit vielen Jahren stattet die GAIA-Initiative Geier in ganz Afrika mit modernen Sendern aus, um deren Biologie und Ökologie zu erforschen“, sagt Dr. Jörg Melzheimer, Leiter der GAIA-Initiative am Leibniz-IZW. „Als Forschende ist es uns wichtig, dass die von uns gesammelten Daten zu einer breiteren Zusammenarbeit beitragen. Wir danken daher den Hauptautoren, Dr. Martina Scacco, Prof. Emily Shepard und Dr. Kamran Safi, für ihre harte Arbeit und ihren großen Einsatz, diese spannenden Daten zusammenzutragen.“
Originalpublikation:
Martina Scacco et al. (2026) Airflows redefine the cost of aerial transport in the wild. SCIENCE, Vol. 394, No. 6821. DOI: 10.1126/science.aee6550

