Neues aus Wissenschaft und Naturschutz



25.10.2021, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Insekten-Verdauungsenzym aktiviert zuckerhaltigen Pflanzenabwehrstoff
Der Abbau von Pflanzenabwehrstoffen durch Insekten-Verdauungsenzyme kann die Vorliebe der Insekten für bestimmte Futterpflanzen beeinflussen, zeigt eine neue Studie nun erstmals. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, der Universität Bern (Schweiz) und des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena untersuchten dieses Phänomen bei Larven des Maikäfers und ihrer Futterpflanze Löwenzahn.
Pflanzen sind ihren Fraßfeinden nicht schutzlos ausgeliefert. Oft sorgen chemische Abwehrstoffe dafür, dass die Pflanzen ungenießbar oder sogar giftig sind und Insekten sowie andere hungrige Tiere einen Bogen um sie machen. Eine neue Studie zeigt nun erstmals, dass der Abbau von Pflanzenabwehrstoffen durch Insekten-Verdauungsenzyme die Vorliebe der Insekten für bestimmte Futterpflanzen beeinflussen kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, der Universität Bern (Schweiz) und des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena untersuchten dieses Phänomen bei Larven des Maikäfers (Melolontha melolontha) und ihrer Futterpflanze Löwenzahn (Taraxacum officinale).
Bei der Bekämpfung von Fraßfeinden nutzt der pflanzliche Organismus häufig einen chemischen Trick: Er bindet eine Zuckerkomponente an den Abwehrstoff und inaktiviert diesen so. Dadurch wird verhindert, dass die Substanz die Pflanze selbst schädigt. Erst wenn ein Fraßfeind an der Pflanze knabbert, wird die Zuckerkomponente entfernt. Folglich wird die Verbindung giftig oder abschreckend für den Angreifer. „Seltsamerweise entfernen einige Insekten bei der Verdauung auch selbst den Zuckeranteil der pflanzlichen Abwehrstoffe“, berichtet Biologin Dr. Meret Huber von der WWU Münster. „Welche Folgen dies für die Insekten und vor allem für ihr Verhalten hat, ist noch nicht genau bekannt.“
Ein Beispiel für eine zuckerhaltige Abwehrverbindung ist eine Substanz namens Taraxinsäure-β-D-Glucopyranosylester (TA-G), die der Löwenzahn in besonders hohen Konzentrationen in seinen Wurzeln anreichert. TA-G ist ein wichtiger Abwehrstoff des Löwenzahns, welcher die Larve des Maikäfers vom Fressen abschreckt.
Das Team um Dr. Meret Huber und Prof. Dr. Matthias Erb (Universität Bern) zeigte, dass die pH-Bedingungen im Darm des Maikäfers die Aktivität von Löwenzahnenzymen, die sonst den Zucker aus TA-G entfernen würden, hemmen. Stattdessen entfernt die Maikäferlarve den Zucker selbst, und zwar mithilfe eines Enzyms aus dem Darm, das zur Klasse der sogenannten Beta-Glucosidasen (zuckerspaltende Enzyme) gehört.
Indem die Forscher gleichzeitig die Produktion von TA-G und die Präsenz des Insektenenzyms durch biotechnologische Verfahren manipulierten, zeigten sie, dass die Insekten-Glucosidase das Wachstum der Larve auf TA-G haltigen Löwenzahnpflanzen fördert. Gleichzeitig führt die Abspaltung des Zuckers von TA-G zu einer Vermeidung von TA-G haltigen Löwenzahnpflanzen. „Somit konnten wir zum ersten Mal nachweisen, dass die Metabolisierung von Pflanzenabwehrstoffen durch Insekten-Verdauungsenzyme die Futterpflanzenwahl verändert“, unterstreicht Meret Huber. „Diese Erkenntnis ist wichtig, da die Wahl der Wirtspflanze von zentraler Bedeutung für die Verteilung pflanzenfressender Insekten ist und somit großen Einfluss auf den verursachten Schaden hat.“
Warum die Abspaltung des Zuckers das Wachstum der Maikäferlarve erhöht, aber gleichzeitig die Larve abschreckt, ist eine der offenen Fragen. Möglicherweise hilft dieses Vermeidungsverhalten der Larve, die Seitenwurzeln der Pflanze zu finden. Diese hat eine niedrigere TA-G-Konzentration, aber einen höheren Nährstoffgehalt als die Hauptwurzeln.
Für ihre Studien setzten die Wissenschaftler unterschiedliche Methoden der chemischen Analytik und der Biotechnologie ein. Außerdem führten sie sogenannte Bioassays durch, um die Auswirkungen von TA-G auf die Wahl der Futterpflanzen durch die Larven zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen dabei helfen, das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und ihren Konsumenten zu verbessern. Zukünftige Studien in verschiedenen Systemen könnten es ermöglichen, Medikamente oder Schädlingsbekämpfungsmittel zu entwickeln, die nur in Anwesenheit bestimmter art- oder umweltspezifischer Bedingungen aktiviert werden.
Die Arbeit erhielt finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, durch den Schweizerischen Nationalfond sowie durch das siebte Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission.
Originalpublikation:
Meret Huber et al. (2021): A beta-glucosidase of an insect herbivore determines both toxicity and deterrence of a dandelion defense metabolite. eLife 2021;10:e68642; doi: 10.7554/eLife.68642
26.10.2021, Technische Universität Berlin
TU Berlin: Keine Wildschäden durch Wildschweine auf Magerrasen
TU-Forschungsgruppe untersuchte den Einfluss des Schwarzwildes auf die Biodiversität von Grünland
Bei der Nahrungssuche durchwühlen Wildschweine unter anderem den Boden, was zu sichtbaren Störungen der Bodenoberfläche in Grünflächen führen kann. Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Biodiversität von Pflanzen und Tieren, die diese Flächen besiedeln.
Die Biodiversität der Pflanzen nimmt hierbei im Gesamten nur geringfügig ab, ohne dass eine Gefährdung der einzelnen Arten an sich erkennbar ist. Bei den Tieren hingegen profitieren Heuschrecken und Zauneidechsen von den Aktivitäten der Wildschweine. Zu diesen Ergebnissen kam eine Forschungsgruppe des Fachgebietes Ökosystemkunde/Pflanzenökologie der TU Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Sascha Buchholz und Dr. Moritz von der Lippe.
Magerrasen – Lebensraum für gefährdete Arten
Von September 2019 bis Juni 2021 untersuchte sie den Einfluss von Wildschweinen auf die Biodiversität auf insgesamt 22 Magerrasenflächen Berlins. Magerrasen sind gesetzlich geschützte Lebensräume und bieten nährstoffarme Umgebungen in der weitgehend nährstoffreichen Stadtlandschaft. Sie beherbergen besonders artenreiche Pflanzengemeinschaften, sind ein geeigneter Lebensraum für viele geschützte und gefährdete Arten und sind in Berlin weit verbreitet. Diese wertvollen Lebensräume werden allerdings auch von Wildschweinen aufgesucht, über deren direkte Auswirkung auf die Biodiversität bislang wenig bekannt war. Um diese Wissenslücke zu schließen, wurde ein Forschungsprojekt durch die Stiftung Naturschutz Berlin gefördert.
Um zunächst die Intensität der Wildschweinaktivitäten einschätzen zu können, wurden auf allen Untersuchungsflächen die Wühlspuren von Wildschweinen untersucht. Auch wurde auf den gleichen Flächen die Vielfalt von Pflanzen- und Heuschreckenarten sowie die Anzahl von Zauneidechsen erfasst, um den Zusammenhang zwischen der Wühlaktivität und der Biodiversität zu überprüfen.
„Die gesamte Pflanzendiversität reagiert negativ auf die Intensität der Wühlspuren. Für gefährdete Arten und Magerrasenrasenspezialisten konnte dagegen kein Zusammenhang zwischen Wildschweinaktivitäten und Artenvielfalt festgestellt werden.“ sagt Miriam Bui, studentische Mitarbeiterin in diesem Projekt.
Zerwühlte Flächen sind gut für Heuschrecke und Zauneidechse
Bei den Tieren beobachteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dagegen eindeutig positive Wirkungen der Wildschweine auf Heuschrecken und Zauneidechsen. Beide reagieren sehr empfindlich auf ökologische Veränderungen und sind somit gute Indikatoren für den Zustand eines Lebensraums. „Durch das Aufwühlen des Bodens werden die lokalen Bedingungen stark verändert. Offene Bodenflächen befinden sich neben bewachsenen Stellen. So entsteht ein Mosaik kleinerer Strukturen, aus abwechselnd schattigen und sonnigen Stellen, sowie auch Versteckmöglichkeiten – wir sprechen hier von heterogenen Mikrohabitatstrukturen –, und die machen den Lebensraum für ein breites Spektrum von Heuschreckenarten und auch die Zauneidechse attraktiv. Diese profitieren von den komplexen Strukturen, da manche Prozesse in ihren Lebenszyklus wie beispielsweise Temperaturregulation, Nahrungssuche, Verstecken, Überwinterung und Eiablage auf eine Kombination solcher Strukturen angewiesen sind.“, sagt Valentin Cabon, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.
Schwarzkittel sind „positive Ökosystemingenieure“
Die Verknüpfung des Wildschweinaktivitätsgradienten und der Biodiversitätsdaten ergab, dass auf den intensiver durchwühlten Flächen mehr Heuschreckenarten und Zauneidechsen gezählt wurden als auf denen mit niedriger Wildschweinaktivität. Außerdem konnte auf den von Wildschweinen aufgesuchten Flächen eine höhere Anzahl an Heuschrecken der Roten Liste Berlins nachgewiesen werden wie zum Beispiel die Gefleckte Keulenschrecke.
Ziel des Projektes war es auch, die Frage zu beantworten, ob die Aktivitäten der Wildschweine auf den für die Biodiversität wertvollen Magerrasen als Wildschäden zu bewerten sind und ob sich daraus Konsequenzen für die Bejagung ergeben. „Da wir einen positiven Zusammenhang zwischen dem Wühlen der Wildschweine und dem Vorkommen von naturschutzrelevanten Tierarten auf Magerrasen nachweisen konnten, bewerten wir das Wühlen auch nicht als Wildschaden, sondern bezeichnen Wildschweine als positive Ökosystemingenieure“, sagt Valentin Cabon.

27.10.2021, NABU
NABU zählt stark gefährdete Kaspische Robbe in Russland
Bestände der Art um 90 Prozent eingebrochen
NABU erarbeitet Schutzmaßnahmen
Ab dieser Woche beteiligt sich der NABU an der ersten flächendeckenden Zählung der stark gefährdeten Kaspischen Robbe im russischen Teil des Kaspischen Meeres. „Die Bestände der endemischen Robbenart sind in den vergangenen 100 Jahren um etwa 90 Prozent zurückgegangen“, erklärte Thomas Tennhardt, NABU-Direktor Internationales. „Von ursprünglich über einer Million Tiere verbleiben Schätzungen zufolge nur noch etwa 68.000 auf der gesamten Fläche des Kaspischen Meeres.“ Als Ursache für den dramatischen Rückgang stünden zahlreiche Faktoren wie Wilderei, Beifang, Wasserverschmutzung, Öl- und Gasgewinnung, Überfischung und der Klimawandel im Verdacht. Hinzu käme ein aktuelles, unerklärliches Massensterben. „Zur tatsächlichen Populationsgröße und dem genauen Einfluss der einzelnen Faktoren existieren aber keine verlässlichen Daten“, so Tennhardt weiter. Diese Wissenslücke wolle der NABU nun mit seinem Engagement schließen.
Mit einem Amphibienflugzeug fliegen die am Projekt beteiligten Wissenschaftler*innen in den kommenden Wochen festgelegte Routen entlang der russischen Küste des Kaspischen Meeres ab, um die Bestände der Tiere zu erfassen. Mit dabei sind unter anderem der ehemalige Kosmonaut und Robbenschützer, Waleri Iwanowitsch Tokarew sowie der Leiter des NABU-Kaukasusprogramms, Vitalij Kovalev. Im zweiten Schritt wird das Expeditionsteam mit Schnellbooten zu Sandbänken im Naturschutzgebiet Astrachan auslaufen, um Satellitensender an den Tieren zu installieren und biologische Proben zu entnehmen. „Diese Maßnahmen helfen dabei, mehr über die Robben herauszufinden und Rückschlüsse auf die Gefährdungsfaktoren zu ziehen“, so Kovalev. Die Bestandserfassung in einem großen Teilgebiet des Kaspischen Meeres und die Analyse seien entscheidende erste Schritte, um verlässliche Daten als Grundlage zum Schutz der Art zu gewinnen.
Die Kaspische Robbe wurde im Jahr 2008 in die Rote Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) aufgenommen und gilt aktuell als „stark gefährdet“. Zum Schutz des Kaspischen Meeres setzt der NABU das Projekt „Kaspi ohne Plastik“ um. Über seinen Meeresschutzfonds finanziert der NABU zudem die Bestandserfassung und Erforschung der Gefährdungsursachen der Kaspischen Robbe. Diese sind Teil des Projektes „Die Seele des Kaspischen Meeres“ und werden vom Institut für Ökologie und Evolution an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Stiftung Saubere Meere und dem Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen der Russischen Föderation durchgeführt.

27.10.2021, NABU
NABU: Wiedehopf und Mehlschwalbe haben zur Halbzeit den Schnabel vorn
Mehr als 85.000 Menschen haben bereits abgestimmt
Fünf Vogelarten kämpfen um den Titel Vogel des Jahres 2022
Wer wird Vogel des Jahres 2022? Diese spannende Frage bewegt Naturinteressierte in ganz Deutschland. Bei der zweiten öffentlichen Wahl des Jahresvogels von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) führen zur Halbzeit Wiedehopf und Mehlschwalbe die Rangliste an.
„Doch auch Steinschmätzer, Feldsperling und Bluthänfling können sich noch Hoffnung auf den Titel Vogel des Jahres 2022 machen“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Bisher haben bereits mehr als 85.000 Menschen abgestimmt. Da wir aber erst Halbzeit haben und unser virtuelles Wahllokal noch ganze drei Wochen geöffnet ist, dürften es noch deutlich mehr Stimmen werden, die die Rangliste völlig durcheinander wirbeln können.“
Wer seinen Favoriten nach vorne bringen will, kann wie bei der ersten öffentlichen Vogelwahl ein Wahlkampfteam gründen und Stimmen für seinen Lieblingsvogel sammeln. In den sozialen Medien wird das bereits fleißig getan. Bisher gibt es mehr als 100 Wahlkampfteams, die jeweils für einen der fünf Kandidaten für Stimmen werben. So kämpft beispielsweise das Team „Platz für den Spatz!“ für den Feldsperling, das Team „Internationale Rotfront“ für den Bluthänfling und die „Luftikusse“ für die Mehlschwalbe.
Zur Wahl stehen Bluthänfling, Feldsperling, Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf. Die Kandidaten repräsentieren eine Vielfalt kleinerer Vertreter der Vogelwelt. Jeder der Kandidaten steht für ein Naturschutzthema, das Aufmerksamkeit braucht. So findet die Mehlschwalbe als Gebäudebrüter immer weniger Nistmöglichkeiten. Der Steinschmätzer kämpft für mehr offenes Brachland, der Wiedehopf will, dass weniger Pestizide eingesetzt werden. Der Feldsperling vermisst Baumhöhlen zum Brüten und der Bluthänfling fordert: Hecken zum Verstecken.
Bis zum 18. November ist das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.
Mein Wahlteam für den Wiedehopf.

27.10.2021, Ludwig-Maximilians-Universität München
Fossile Überraschungen in Bernstein
Larven mit ungewöhnlichem Körperbau und die erste Lebensphase früher Fluginsekten: Was LMU-Zoologen in fossilem Bernstein entdeckten.
Jedes Fossil ist wie eine kleine Zeitkapsel: In Bernstein eingeschlossene Insekten werden nahezu perfekt konserviert. „Die äußere Erhaltung in Bernstein ist fast so gut, als hätte man die Tiere in Kunstharz eingegossen,“ sagt Professor Joachim T. Haug. Der LMU-Zoologe und sein Team haben nun in etwa 100 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar neue Entdeckungen zur Evolutionsgeschichte der Insekten gemacht.
Die Forschenden fanden fossile Florfliegenlarven, deren Aussehen stark vom typischen Erscheinungsbild von Insektenlarven abweicht. Ungewöhnlich sind vor allem die langen, wie Injektionsnadeln geformten saugenden Mundwerkzeuge. „Vermutlich waren die Larven wie bei allen modernen Arten räuberisch, wir wissen aber nicht, was die Beute der fossilen Larven war,“ sagt Haug. Rezente Arten jagen Blattläuse, injizieren Gift und saugen die Beute dann aus. Blattlauskörper sind aber so weich, dass auch ein deutlich kleinerer Stechapparat genügt. „Vielleicht diente der lange Stechapparat auch einfach dazu, mehr Abstand halten zu können und sich so vor Verletzungen durch die noch zappelnde Beute zu schützen, bis die Wirkung des Gifts einsetzte“, vermutet Haug. Da die extremsten Beispiele für ausufernde Körperanhänge bei ausgestorbenen Arten zu finden sind, nehmen die Forschenden aber an, dass dieser Körperbau letztendlich doch einen evolutionären Nachteil darstellte.
Fossile Larven geben Auskunft über Ökologie und Entwicklungsbiologie
Der Artenreichtum der Gruppe in den Fossilfunden deutet indes darauf hin, dass die heute eher seltenen Florfliegen in der Kreidezeit einen deutlich größeren Teil der Insekten ausmachten und daher eine bedeutende ökologische Rolle spielten: „Sie waren vermutlich ein wichtiges Glied in der Nahrungskette, verwandelten praktisch Ungenießbares in gutes Vogelfutter,“ sagt Haug.
Und noch eine weitere wichtige Erkenntnis bescherten die fossilen Insektenlarven den Forschenden: Bisher nahmen Entwicklungsbiologen an, dass das Längenwachstum von Strukturen wie Antennen, Tastorganen oder Beinen in der Larvenphase generell begrenzt ist. Bei den meisten Insektenlarven sind diese nämlich deutlich kürzer als beim jeweiligen erwachsenen Tier und die Körperform der Larven ist generell eher wurmähnlich. Viele Florfliegenlarven aus dem Bernstein weisen jedoch deutlich verlängerte Antennen, Mundwerkzeuge oder Beine auf. „Das zeigt, dass es prinzipiell bei Larven kein entwicklungsbiologisches Wachstumshindernis für solche Strukturen gibt“, so Haug.
Die Frage nach dem Lebensraum
Ein weiteres Rätsel umgibt die Entwicklungsbiologie der Insekten: Verbrachten die ersten Fluginsekten ihre Larvenphase an Land oder im Wasser? In 99 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar fand Joachim Haug einen Hinweis darauf: Aus dem Körperbau einer Larve der fossilen Libellenart Arcanodraco filicauda schließen die Forschenden, dass Fluginsekten am Beginn ihrer Entwicklungsgeschichte aquatische Larven hatten. Noch mehr spricht dafür: Libellen, Eintagsfliegen und Steinfliegen bilden sehr alte Linien innerhalb der Fluginsekten, und auch die rezenten Vertreter dieser drei Gruppen verbringen ihre Larvenphase, die mehrere Jahre dauern kann, im Wasser, bevor sie sich für ihr kurzes Erwachsenenleben in die Lüfte erheben. „Es sieht danach aus, dass frühe Fluginsekten in ihrer Fortpflanzung noch stark auf Gewässer angewiesen waren“, sagt Joachim Haug. Vielleicht fand sogar der allererste Start eines Insekts mithilfe von segelartigen Flügeln von der Wasseroberfläche aus statt.
Originalpublikation:
Joachim T. Haug, Viktor Baranov, Patrick Müller et al.: New extreme morphologies as exemplified by 100 million-year-old lacewing larvae. Scientific Reports, 2021
https://www.nature.com/articles/s41598-021-99480-w
Joachim T. Haug, Patrick Müller, Carolin Haug: Fossil dragonfly-type larva with lateral abdominal protrusions and implications on the early evolution of Pterygota. iScience, 2021
https://www.cell.com/iscience/fulltext/S2589-0042(21)01130-5

27.10.2021, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie
Archaeen-Vielfalt im Wirbeltier-Darm
Archaeen werden oft mit Bakterien verwechselt. Beide sind kleine, einzellige Organismen. Und doch unterscheiden sich Archaeen genetisch von Bakterien sehr erheblich. Obwohl Archaeen in vielen Lebensbereichen wie dem menschlichen Darm vorkommen, ist relativ wenig über sie bekannt. Ein internationales Team von Forschern aus Deutschland und Österreich unter der Leitung von Nicholas Youngblut vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen hat deshalb eine erste groß angelegte Untersuchung der Archaeenvielfalt im Darm verschiedener Wirbeltiere durchgeführt. Die Studie zeigt, dass die Vielfalt von Archaeen im Darm der Tiere größer ist als bisher angenommen.
Außerdem konnten die Forscher zeigen, wie sich die Verwandtschaft der Tiere und ihre Ernährung auf die Archaeenvielfalt auswirken.
Archaeen bilden neben Bakterien und Eukaryoten eine dritte Lebensdomäne in der Biologie. Zwar sind sowohl Bakterien als auch Archaeen einzellige Organismen ohne Zellkern, doch unterscheiden sie sich in wichtigen Aspekten. So erzeugen Archaeen beispielsweise Methan, indem sie die Abfallprodukte der bakteriellen Gärung verzehren. Im Gegensatz zu Bakterien wurden bisher keine pathogenen Arten von Archaeen entdeckt, was zentrale Ursache dafür ist, dass Bakterien im tierischen Mikrobiom mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Daher weiß man bisher vergleichsweise wenig über die Vielfalt der Archaeen im Wirbeltierdarm und darüber, welche Faktoren diese Vielfalt beeinflussen.
Wie ein biologischer Fingerabdruck besiedeln bestimmte Gruppen von Mikroben die Därme von Vögeln, Säugetieren, Amphibien, Reptilien und Fischen. Mit ihrer Veröffentlichung in Nature Microbiology zeigen die Forscher nun, wie sich Archaeen in das Gesamtbild der Mikroben im Darm einpassen. „Wir waren erstaunt über die Spezifität, aber auch über die Vielfalt der Archaeenarten, die wir im Darm von Wirbeltieren fanden. Darunter war auch das Archaeon Methanothermobacter“, erklärt Nicholas Youngblut vom Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, der Erstautor der Studie. „Es ist bekannt, dass Methanothermobacter nur in heißen Umgebungen von etwa 60 Grad Celsius vorkommt, daher war sein Nachweis in einer großen Anzahl verschiedener Wirbeltiere überraschend. Wir konnten feststellen, dass diese Gattung besonders häufig und weit verbreitet bei Vögeln vorkommt, was auf deren höhere Körpertemperatur von etwa 40 Grad Celsius und wärmer zurückzuführen sein kann.“
Breiter Datensatz von beeindruckender Qualität
Ähnliche Studien bei Tieren wurden nicht immer auf so einheitliche Weise durchgeführt. Dem Forschungsteam war es wichtig, wann immer möglich, Proben von Wildtieren zu erhalten, da sich das Mikrobiom von Tieren in Gefangenschaft stark von dem in freier Wildbahn unterscheidet. Der Ansatz war daher sehr umfassend, da möglichst vollständige Daten gesammelt und analysiert werden sollten, um die verschiedenen Archaeengemeinschaften in wilden Wirbeltieren zu identifizieren und auch zu klassifizieren. „Drei Viertel der von uns untersuchten Proben, die mit Unterstützung der Veterinärmedizinischen Universität Wien gesammelt wurden, stammten von Wildtieren“, sagt Georg Reischer vom Forschungszentrum Wasser und Gesundheit der Technischen Universität Wien und ICC Water & Health, der die Studie mitverfasst hat. „Das ist einzigartig und liefert uns ein umfassendes Bild.“
Frühere Arbeiten der Forscher haben gezeigt, dass bestimmte den Darm bewohnende Archaeen vererbbar sind, ähnlich wie Augenfarbe oder Körpergröße. Das deutet darauf hin, dass die menschliche Genetik die Archaeenvielfalt im Darm beeinflusst. Die Arbeit von Youngblut und seinen Forscherkollegen erweitert nun das Blickfeld auf eine bislang nicht erkannte evolutionäre Bandbreite und zeigt Beweise für eine uralte Verbindung zwischen Archaeen und Tieren. Die Forscher beweisen auch, dass eng verwandte Tierarten mehr ähnliche Archaeen beherbergen und dass bestimmte spezifische Archaeen wahrscheinlich in den Därmen der ersten Wirbeltiere bereits vorhanden waren. Zuvor hatten die Forscher bereits gezeigt, dass die Ernährung ein wichtigerer Faktor für die bakterielle Vielfalt im Darm von Wirbeltieren ist.
Besseres Verständnis über die Koevolution von Mikroben
Nicholas Youngblut, Gruppenleiter in der von Ruth Ley geleiteten Abteilung für Mikrobiomforschung am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, beschäftigt sich mit Fragen zur Ökologie und Evolution von wirtsassoziierten Methanogenen, d. h. Methan produzierenden Archaeen. Die Studie steht in direktem Zusammenhang mit seinen Fragen nach einer gemeinsamen Evolutionsgeschichte von Mensch und Darmmikroben und dem Potenzial für Koevolution.
Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Verständnis, wie sich die Darmmikroben an die Darmumgebung angepasst haben und welche Auswirkungen dies auch auf die Gesundheit des Wirts hat. Dazu gehören Projekte, die sich mit der Frage befassen, wie die Evolutionsgeschichte und die Ökologie von Wirbeltieren die Variationen in der mikrobiellen Gemeinschaft des Darms erklären. Auch befasst sich Youngblut mit Fragen zur Ökologie und Evolution von Methanogenen im menschlichen Darm. Dabei nutzt er eine Kombination aus molekularbiologischen und bioinformatischen Methoden.
Originalpublikation:
Nicholas Youngblut et al. Vertebrate host phylogeny influences gut archaeal diversity. Nature Microbiology (2021).

28.10.2021, Klaus Tschira Stiftung gGmbH
Eiszeitliche Begegnung: Flusspferd trifft Mammut
Aktuelle Ergebnisse des von der Klaus Tschira Stiftung geförderten Forschungsprojekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ revidieren die Vorstellung von der Lebenswelt der Eiszeit: Flusspferd und Mammut sind aufeinandergetroffen.
Noch vor rund 30.000 Jahren tummelten sich Flusspferde im Rhein. Dies wies ein interdisziplinäres Forscherteam jetzt im Rahmen des Projekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ nach. Seit fünf Jahren untersuchen Wissenschaftler der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie sowie der Universität Potsdam Hunderte von Knochenfunden. Neu vorliegende Ergebnisse revidieren bisher gängige Vorstellungen von der Lebenswelt der letzten Eiszeit in Südwestdeutschland. Das Projekt wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung.
Der Oberrheingraben ist ein wichtiges kontinentales Klimaarchiv. Tierknochen, die die Jahrtausende in den Kies- und Sandablagerungen überdauert haben, sind eine wertvolle Quelle für die Forschung. Die Funde öffnen ein Fenster in die Vergangenheit und liefern zahlreiche neue Erkenntnisse zur Klima- und Umweltentwicklung der letzten Kaltzeit in Südwestdeutschland.
Zu einem überraschenden Ergebnis führte jetzt die Analyse von Flusspferdfunden im Rahmen des Forschungsprojekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“. Dass diese Tiere, die heute nur noch in Afrika heimisch sind, einst auch in Deutschland lebten, war seit langem bekannt. Es wurde jedoch angenommen, dass die wärmeliebende Art hier bereits am Ende der letzten Warmzeit vor 116.000 Jahren ausgestorben ist. Die aktuellen Datierungen an Funden aus unterschiedlichen Kiesgruben im Oberrheingraben widerlegen diese Annahme.
„Es ist schon erstaunlich, wie gut die Knochen erhalten sind. An vielen Skelettresten war es möglich auswertbare Proben zu entnehmen – nach dieser langen Zeit keine Selbstverständlichkeit.“ betont Dr. Ronny Friedrich, Experte für Altersbestimmung am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie.
Insgesamt 30 Flusspferdfunde haben er und sein Team mit der C14-Methode untersucht. Die Ergebnisse wurden von einem zweiten Labor bestätigt. Sie zeigen, dass zwischen 48.000 und 30.000 Jahre vor heute noch Flusspferde im Oberrheingebiet lebten. Damit ist bewiesen, dass Flusspferde während der letzten Kaltzeit gleichzeitig mit Mammut, Wollhaarnashorn, Höhlenlöwe und Co. in der Region heimisch waren.
„Das Flusspferd ist am Rhein also ein waschechter Eiszeit-Bewohner. Das zeigt, dass die Tiere in der Lage waren, sich gut an die entsprechenden Temperaturen und Umweltverhältnisse im kaltzeitlichen Oberrheingraben anzupassen.“ fasst rem-Generaldirektor und Projektleiter Prof. Dr. Wilfried Rosendahl zusammen. „Die Isotopenanalysen zur Ernährung ergaben, dass die tonnenschweren Flusspferde neben Gewässern dort auch ausreichend geeignete Pflanzennahrung vorgefunden haben.“
Eine weitere Untersuchung stützt die Schlussfolgerung, dass das Klima im Oberrheingraben milder war als bisher allgemein angenommen. Neben Knochen wurden auch Holzfunde mit der C14-Methode analysiert. Dabei kam heraus, dass es sich um Eichen mit einem Umfang von bis zu 80 cm handelt, die vor rund 40.000 Jahren in der Oberrheinregion wuchsen. „In der letzten Eiszeit wuchsen in unserer Region noch stattliche Eichen – etwas, was wir bisher nicht für möglich gehalten haben.“ ergänzt Rosendahl.
Die neusten Forschungsergebnisse spiegeln sich auch in der Sonderausstellung „Eiszeit-Safari“ wider. Die Schau lädt Kinder und Erwachsene auf eine spannende Reise in die Welt der letzten Eiszeit vor 40.000 bis 15.000 Jahren ein. Hier treffen die Besucher ab sofort nicht nur auf Mammut & Co., sondern auch auf ein Flusspferd. Aus aktuellem Anlass wurde speziell für die Ausstellung eine lebensechte Rekonstruktion angefertigt. Diese wirkt wie in der Bewegung erstarrt. Der Oberkörper ragt aus dem Wasser, das Maul ist weit aufgerissen. Das Flusspferd wird in direkter Nachbarschaft zur Mammutgruppe präsentiert. Die Schau ist noch bis 13. Februar 2022 in Mannheim zu sehen.
Klimaarchiv Oberheingraben
Der Oberrheingraben erstreckt sich auf bis zu 40 km Breite und 300 km Länge von Basel bis Frankfurt / Main. Die Senke ist reich an unterschiedlichen Sedimentschichten aus verschiedenen geologischen Zeiten. Die obersten, durchschnittlich 30 Meter mächtigen Kies- und Sandablagerungen im zentralen Grabenbereich werden in der internationalen geologischen Gliederung als „Mannheimer Formation“ bezeichnet und umfassen einen Zeitraum von etwa 400.000 Jahren.
Über den wirtschaftlichen Abbau von Sand und Kies kamen und kommen immer wieder Tierknochen aus dem Eiszeitalter zum Vorschein. Die Familie Klaus Reis aus Deidesheim trug über Jahrzehnte eine bedeutende paläontologische Privatsammlung zusammen. Die Sammlung Reis umfasst fast 20.000 Objekte und weist ein großes Artenspektrum auf – komplette Schädel von Riesenhirschen und Steppenbisons sind hier ebenso vertreten wie z.B. Skelettreste von Mammut, Wollhaarnashorn, Höhlenlöwe, Elch, Wildpferd, Wasserbüffel oder Flusspferd. Über die Curt-Engelhorn-Stiftung konnte die Sammlung 2016 an die Reiss-Engelhorn-Museen geholt werden. Hier bildet sie eine wichtige Basis für die Wissenschaft.
Forschungsmethoden
Ausgewählte Probenserien werden im Rahmen des interdisziplinären Projekts „Eiszeitfenster Oberrheingraben“ mit modernsten Methoden untersucht. Durchgeführt werden beispielsweise radiometrische und bioarchäologische Untersuchungen wie die C14-Datierung zur Altersbestimmung, die Analyse stabiler Isotope zur Ernährungs- und Umweltrekonstruktion sowie paläogenetische Untersuchungen zur Klärung von Verwandtschaftsverhältnissen verschiedener Arten.
Einzelne Erkenntnisse wurden im Laufe der letzten Jahre bereits publiziert. So war das Projektteam 2020 an einer internationalen Genetikstudie beteiligt, die nachweisen konnte, dass der Höhlenlöwe eine eigene Löwenart (Panthera spelaea) war.

29.10.2021, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Eine Frage der Tentakel? Evolution der Schnecken in neuem Licht
Vier statt nur zwei Tentakel am Kopf: Dieses Merkmal könnte eine der Grundlagen für die große Vielfalt an Schnecken sein. Forscher der SNSB und der University of Tokyo haben durch genetische Analysen herausgefunden, dass Schnecken vor 400 bis 300 Millionen Jahren begannen vier Tentakel anstatt zwei zu entwickeln – erdgeschichtlich kurz vor der evolutionären Explosion, nach der wiederum fast 40 Prozent aller heute lebenden Weichtierarten entstanden sind. Die Wissen-schaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse diese Woche in der Fachzeitschrift Scientific Reports.
In ihren Tentakeln sind alle Sinne versammelt: Schnecken riechen, schmecken, tasten oder sehen mit ihren Sinnesantennen. Rund die Hälfte aller Schnecken verfügen über zwei Tentakel. Die andere Hälfte, die sogenannten Euthyneura, besitzen vier. Bei ihnen sind beispielsweise Geruchs- und Geschmackssinn voneinander getrennt.
Artenforscher aus München und Tokio entdeckten nun sogenannte „Missing Links“ – fehlende Bindeglieder der Evolution – zwischen den beiden Schneckengruppen: Die Fühler am Kopf von winzigen Meeresschnecken-Arten der Gattungen Parvaplustrum und Tjaernoeia sind an deren Ende gabelartig gespalten. Die Nervenstränge in den Fühlern dieser Schnecken verlaufen an der Basis noch fast zusammen und spalten sich zum Ende hin auf. „Diese Form der Sinnestentakel war bisher unbekannt – Schnecken hatten sonst entweder ein paar Fühler oder zwei, aber kein Mittelding,“ erläutert Bastian Brenzinger, Schneckenforscher an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie.
Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München und der University of Tokyo haben viele Daten zu teils winzigen Meeres- und Landschnecken analysiert, um deren Entwicklungsgeschichte aufzudecken. Manche von ihnen sind nur wenige hundert Mikrometer lang, wie beispielsweise die Meeresschnecke Tjaernoeia exquisita mit rund einem halben Millimeter Körperlänge – eine der kleinsten lebenden Schneckenarten. Mithilfe von dreidimensionalen Rekonstruktionen machten die Schneckenforscher die Kopfanatomie sowie das zentrale Nervensystem der Tiere sichtbar.
Eine ausführliche Diagnose von genetischen Daten der Schnecken ermöglichte den Experten neue Einblicke in die Vergangenheit und die Verwandtschaftsverhältnisse. Die genetischen Analysen haben im Vergleich mit den Körperbauplänen gezeigt, dass die neu entdeckten „Gabelfühlerschnecken“ ein sehr ursprünglicher Teil der Gruppe der „Vierfühlerschnecken“ sind. Denen gegenüber stehen alle übrigen „Zweifühlerschnecken“, die entwicklungsgeschichtlich älter sind. Die Forscher vermuten, dass der Erwerb der verbesserten Kopfsensoren im Meer des Paläozoikums stattgefunden hat. Gehalten hat sich das „Vierfühler“-Merkmal bis heute erfolgreich: augenscheinlich bei so gut wie allen in Deutschland vorkommenden Landschnecken, aber auch bei einem großen Teil der Wasserschnecken, insbesondere den Meeresnacktschnecken. Über dreißigtausend Schneckenarten haben diese Kopfform.
„Eventuell sind die Veränderungen der Sensoren am Kopf ein bisher übersehenes Schlüsselereignis in der Evolutionsgeschichte der Schnecken. Sie könnte sogar mit der explosionsartigen Ausbreitung der Schnecken vor 320-220 Mio. Jahren in Zusammenhang stehen. Danach gab es eine enorme Steigerung in Vielfalt und Artenzahl“, deutet Bastian Brenzinger die Ergebnisse der Studie.
Originalpublikation:
Brenzinger, B., Schrödl, M. & Kano, Y. Origin and significance of two pairs of head tentacles in the radiation of euthyneuran sea slugs and land snails. Sci Rep 11, 21016 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-99172-5

29.10.2021, Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Eine Frage der Tentakel? Evolution der Schnecken in neuem Licht
Vier statt nur zwei Tentakel am Kopf: Dieses Merkmal könnte eine der Grundlagen für die große Vielfalt an Schnecken sein. Forscher der SNSB und der University of Tokyo haben durch genetische Analysen herausgefunden, dass Schnecken vor 400 bis 300 Millionen Jahren begannen vier Tentakel anstatt zwei zu entwickeln – erdgeschichtlich kurz vor der evolutionären Explosion, nach der wiederum fast 40 Prozent aller heute lebenden Weichtierarten entstanden sind. Die Wissen-schaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse diese Woche in der Fachzeitschrift Scientific Reports.
In ihren Tentakeln sind alle Sinne versammelt: Schnecken riechen, schmecken, tasten oder sehen mit ihren Sinnesantennen. Rund die Hälfte aller Schnecken verfügen über zwei Tentakel. Die andere Hälfte, die sogenannten Euthyneura, besitzen vier. Bei ihnen sind beispielsweise Geruchs- und Geschmackssinn voneinander getrennt.
Artenforscher aus München und Tokio entdeckten nun sogenannte „Missing Links“ – fehlende Bindeglieder der Evolution – zwischen den beiden Schneckengruppen: Die Fühler am Kopf von winzigen Meeresschnecken-Arten der Gattungen Parvaplustrum und Tjaernoeia sind an deren Ende gabelartig gespalten. Die Nervenstränge in den Fühlern dieser Schnecken verlaufen an der Basis noch fast zusammen und spalten sich zum Ende hin auf. „Diese Form der Sinnestentakel war bisher unbekannt – Schnecken hatten sonst entweder ein paar Fühler oder zwei, aber kein Mittelding,“ erläutert Bastian Brenzinger, Schneckenforscher an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie.
Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München und der University of Tokyo haben viele Daten zu teils winzigen Meeres- und Landschnecken analysiert, um deren Entwicklungsgeschichte aufzudecken. Manche von ihnen sind nur wenige hundert Mikrometer lang, wie beispielsweise die Meeresschnecke Tjaernoeia exquisita mit rund einem halben Millimeter Körperlänge – eine der kleinsten lebenden Schneckenarten. Mithilfe von dreidimensionalen Rekonstruktionen machten die Schneckenforscher die Kopfanatomie sowie das zentrale Nervensystem der Tiere sichtbar.
Eine ausführliche Diagnose von genetischen Daten der Schnecken ermöglichte den Experten neue Einblicke in die Vergangenheit und die Verwandtschaftsverhältnisse. Die genetischen Analysen haben im Vergleich mit den Körperbauplänen gezeigt, dass die neu entdeckten „Gabelfühlerschnecken“ ein sehr ursprünglicher Teil der Gruppe der „Vierfühlerschnecken“ sind. Denen gegenüber stehen alle übrigen „Zweifühlerschnecken“, die entwicklungsgeschichtlich älter sind. Die Forscher vermuten, dass der Erwerb der verbesserten Kopfsensoren im Meer des Paläozoikums stattgefunden hat. Gehalten hat sich das „Vierfühler“-Merkmal bis heute erfolgreich: augenscheinlich bei so gut wie allen in Deutschland vorkommenden Landschnecken, aber auch bei einem großen Teil der Wasserschnecken, insbesondere den Meeresnacktschnecken. Über dreißigtausend Schneckenarten haben diese Kopfform.
„Eventuell sind die Veränderungen der Sensoren am Kopf ein bisher übersehenes Schlüsselereignis in der Evolutionsgeschichte der Schnecken. Sie könnte sogar mit der explosionsartigen Ausbreitung der Schnecken vor 320-220 Mio. Jahren in Zusammenhang stehen. Danach gab es eine enorme Steigerung in Vielfalt und Artenzahl“, deutet Bastian Brenzinger die Ergebnisse der Studie.
Originalpublikation:
Brenzinger, B., Schrödl, M. & Kano, Y. Origin and significance of two pairs of head tentacles in the radiation of euthyneuran sea slugs and land snails. Sci Rep 11, 21016 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-99172-5

02.11.2021, Dachverband Deutscher Avifaunisten
Der Frühling wird leiser: Vogelgesang im Wandel
Naturgeräusche, insbesondere Vogelgesang, sind wichtig für unsere Verbindung zur Natur. Doch durch veränderte Landnutzung und Klimawandel nimmt die Zahl der Vögel ab. Wie hat sich dies auf unsere Klanglandschaften, also den im Hintergrund immer präsenten Vogelgesang, ausgewirkt? Ein internationales Forschungsteam, an dem auch die Universität Göttingen beteiligt ist, kombinierte Daten aus Vogelmonitoring-Programmen mit Tonaufnahmen einzelner Arten in freier Wildbahn, die durch Bürgerinnen und Bürger gemacht wurden. So konnten sie Klanglandschaften von mehr als 200.000 Aufnahmeflächen in den vergangenen 25 Jahren erstellen. Die Studie zeigt, dass sich die Geräusche des Frühlings verändern: Das Vogelkonzert wird in Nordamerika und Europa leiser und weniger abwechslungsreich. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.
Die Forscherinnen und Forscher kombinierten Daten aus Langzeitprogrammen, die Veränderungen in der Häufigkeit von Vogelarten überwachen, mit Aufnahmen von über 1000 Arten aus Xeno Canto, einer Online-Datenbank für Vogelrufe und -gesänge. Sie charakterisierten die Klanglandschaften anhand verschiedener Indizes. Diese Indizes geben wieder, wie komplex, variabel und intensiv die Klanglandschaft ist — dies wird gesteuert von der Anzahl der vorhandenen Arten, ihrer Häufigkeit, aber auch den stimmlichen Eigenschaften einzelner Arten. Änderungen in der Artenzusammensetzung über mehrere Jahre haben daher auch Änderungen im Klangbild zur Folge.
Das Team der Abteilung für Naturschutzbiologie der Universität Göttingen arbeitete dabei eng mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) zusammen, welcher die Millionen Datensätze zur Verfügung stellte. Der DDA ist ein Zusammenschluss vogelkundlicher Vereinigungen in Deutschland, der bundesweite Citizen-Science-Programme koordiniert. Dazu gehört auch das Monitoring häufiger Brutvogelarten, bei der jedes Jahr Freiwillige an 1700 Orten zwischen Nordseeküste und Alpen Daten über Vogelarten sammeln, und aus dem Daten die für die hier vorgestellte Studie stammen. Das Forschungsteam der Universität brachte für die Studie sein analytisches Fachwissen zu den veränderten Vogelpopulationen ein.
Prof. Dr. Johannes Kamp, Leiter der Abteilung Naturschutzbiologie an der Universität Göttingen, erklärt: „Die akustische Vielfalt und Intensität der natürlichen Klanglandschaften scheint in ganz Europa abzunehmen. In Deutschland haben wir große Populationen von Arten mit charakteristischen Stimmen verloren, zum Beispiel Feldlerche und Kiebitz. Das sind Klänge, die das Erleben des Frühlings in der Landschaft ausmachen. Vor allem die Agrarlandschaften sind viel ruhiger geworden.“ Dort, wo insgesamt weniger Vögel geblieben sind oder der Artenreichtum abgenommen hat, nimmt auch die akustische Vielfalt und Intensität ab. Auch eine veränderte Zusammensetzung der Vogelgemeinschaft oder die Art und Weise, wie sich die Stimmen der einzelnen Arten ergänzen, beeinflussen die Klanglandschaft.
Sven Trautmann, Koordinator des Monitorings häufiger Vögel beim DDA, ergänzt: „Wir müssen den Rückgang der Vogelpopulationen stoppen. Die heutigen verarmten Klanglandschaften werden von der jüngeren Generation bereits als normal empfunden. Wir können nicht zulassen, dass sich die Situation weiter verschlechtert, sonst drohen negative Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit.“
Ein Klang-Beispiel ist unter https://owncloud.gwdg.de/index.php/s/kk6cCa0sL4AZ7SE verfügbar (Dateninhaber: University of East Anglia, Simon Butler, und https://www.xeno-canto.org/).
Originalveröffentlichung: Morrison CA et al. „Bird population declines and species turnover are changing the acoustic properties of spring soundscapes“. Nature Communications 2021 (online). DOI: 10.1038/s41467-021-26488-1,
Online access: https://www.nature.com/articles/s41467-021-26488-1

03.11.2021, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Wo der Bär läuft
Neue Software sagt Bewegungen großer Landtiere voraus
Mithilfe einer neuen Software lassen sich die Bewegungen großer Wildtiere berechnen und damit Konflikte mit Menschen verringern. Die Software ist einfacher als Messungen mithilfe von Funksendern und kann dort eingesetzt werden, wo herkömmliche Methoden versagen. Ein internationales Team unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Universität Aarhus und der Universität Oxford hat die Beschreibung der neuen Software in der Fachzeitschrift Methods in Ecology and Evolution veröffentlicht.
Große Landtiere haben einen erheblichen Einfluss auf die Ökologie und Biodiversität der Gebiete, in denen sie sich aufhalten und die sie durchqueren. Wenn sich zum Beispiel die Laufwege und Aufenthaltsorte von Rindern, Pferden, Schafen, aber auch Wölfen oder Bären mit denen von Menschen überlagern, führt dies nicht selten zu Konflikten. Die Bewegungsmuster von Tieren zu kennen und voraussagen zu können, ist daher für den Natur- und Landschaftsschutz, die Land- und Forstwirtschaft oder auch die Sicherung von Wanderern und menschlicher Infrastrukturen von großer Bedeutung.
Beispiel Braunbär
Im Sirente-Velino-Regionalpark in den italienischen Abbruzzen lebt der stark gefährdete und daher geschützte europäische Braunbär (Ursus arctos marsicanus). Die Erfassung der Bewegungsmuster der Tiere in dem rund 50.000 Hektar großen, teils besiedelten Gebiet dient ihrem Schutz, aber auch jenem der dort lebenden Menschen und der sensiblen Flora. Durch Bewegungsmusterkarten können die Laufwege und Rückzugsorte der Bären besser bestimmt, entsprechend geschützt und gegebenenfalls auch angepasst werden.
Traditionelle Verfahren sind kostenintensiv
Traditionelle Bewegungsmusterkarten basieren meist auf Langzeit-Erhebungen so genannter Telemetriedaten. Diese stammen von einzelnen Tieren mit Funksendern. Diese Art der Kartierung ist oft zeitaufwendig und teuer. In manchen Gebieten können aufgrund fehlender Funkverbindungen überhaupt keine Daten erhoben werden, so auch im Sirente-Velino-Regionalpark.
Forscherinnen und Forscher entwickelten Alternative
Forscherinnen und Forscher von iDiv, der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Aarhus University und der Universität Oxford haben nun eine Software namens „enerscape“ entwickelt, mit der solche Karten einfach und kostengünstig erstellt werden können. Dr. Emilio Berti, Postdoktorand in der Forschungsgruppe Biodiversitätstheorie am Forschungszentrum iDiv und der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Erstautor der Studie hebt hervor: „Das Besondere ist, dass die Software nur sehr wenig Datenmaterial als Grundlage benötigt.“ Aus dem Gewicht eines Tieres und seinem allgemeinem Bewegungsverhalten wird zunächst der Energieaufwand ermittelt, den ein Tier für eine Strecke benötigt. Der ermittelte Energieaufwand wird dann mit Topographie-Informationen eines Gebietes verknüpft. „Aus diesen Informationen können wir dann „Energielandkarten“ für Einzeltiere wie auch Tiergruppen erstellen. Diese Energielandkarten sind errechnete statt gemessene Bewegungsmusterkarten und stellen damit eine kostengünstige Alternative zu traditionellen Karten dar. In speziellen Anwendungsfällen, wie zum Beispiel im italienischen Nationalpark, macht unser Verfahren das Erstellen von Bewegungsmusterkarten überhaupt erst möglich“, so Berti.
Software hilft bei der Ausweisung von Schutzzonen
Mit „enerscape“ konnten die Forschenden zeigen, dass Bären Wege wählen, die für sie mit einem geringen Energieaufwand verbunden sind. Diese führen häufig auch durch Siedlungen, so dass die Bären Menschen begegnen – was für die Tiere nicht selten tödlich endet. Die Software sagt auch voraus, dass Bären um Energie zu sparen auch Täler wählen, die von menschlichen Siedlungen weit entfernt sind. Mit „enerscape“ können nun mit geringem Aufwand sowohl Konflikt- als auch Schutzzonen für Bären ermittelt werden. Mit den Karten kann zudem überprüft werden, ob Landschaftselemente noch gut genug vernetzt sind, damit sich die Tiere ausreichend im Gebiet bewegen können.
enerscape ist frei verfügbar und anpassbar
Die Software der Forscherinnen und Forscher basiert auf der weit verbreiteten und offen zugänglichen Programmiersprache „R“. Sie ist modular aufgebaut und kann so Tierfortbewegungs- und Topographiedaten unterschiedlichster Ökosystemtypen verarbeiten. „Das eröffnet sowohl Forschenden als auch Wildtiermanagerinnen und -managern die Möglichkeit, die Software auf unterschiedlichste Landschaften und eine Vielzahl von Tieren anzupassen“, betont Prof. Fritz Vollrath vom Department Zoologie an der Universität Oxford und Senior-Autor der Studie. „Das wird dazu führen, dass sich die Anzahl von Karten zu Tierbewegungen in Landschaften in nur kurzer Zeit vervielfältigen wird. Mit wesentlich mehr Kartenmaterial wird sich auch das Verständnis der Verhaltensökologie einer Art in einem bestimmten Lebensraum grundlegend ändern. Und das wird vor allem dem Naturschutz und insbesondere Rewilding-Maßnahmen zugutekommen, also der Wiederansiedlung von Wildtieren“, so Vollrath.
Die Entwicklung von enerscape wurde durch iDiv unterstützt, das mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Darüber ist enerscape Teil des VILLUM Investigator Projekts „Biodiversity Dynamics in a Changing World“, das durch die dänische VILLUM-Stiftung und seinem „Independent Research Fund Denmark | Natural Sciences Projekt MegaComplexity“ finanziert wird.
Originalpublikation:
Berti, E., Davoli, M., Buitenwerf, R., Dyer, A., Hansen, O., Hirt, M., Svenning, S., Terlau, J., Brose, U., Vollrath, F. (2021): The R package enerscape: a general energy landscape framework for terrestrial movement ecology. Methods in Ecology and Evolution. DOI: 10.1111/2041-210X.13734

05.11.2021, Max-Planck-Institut für Ornithologie
Marshmallow-Test bei Papageien
Afrikanische Graupapageien lehnen eine sofortige Belohnung mit Aussicht auf eine bessere eher ab als Aras. Sie können also möglicherweise eine Belohnung länger herauszögern als Aras. Dies haben Wissenschaftler*innen um Auguste von Bayern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen herausgefunden. Die Vögel, die sich mit auf- und abgehen ablenkten, hielten das Warten am längsten durch.
Der Marshmallow-Test ist ein bekanntes Experiment zu Impulskontrolle und Belohnungsaufschub aus den frühen 1970er Jahren. Er misst das Vermögen, auf eine Belohnung zu warten, wenn diese mit der Zeit größer wird. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle wurde mittlerweile auch bei einigen Tierarten nachgewiesen, darunter Schimpansen, Kapuzineraffen, Haushunden, Tintenfische und Krähen.
Ein Team von Forscher*innen rund um Auguste von Bayern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie hat nun auf der Max-Planck Forschungsstation im Loro Parque – Animal Embassy, in Spanien die Selbstkontrolle von vier Papageienarten verglichen. Dafür wurden acht große Soldatenaras, sechs Blaukehlaras, sechs Blaukopfaras und acht Graupapageien untersucht, die die Loro Parque Stiftung den Forscher*innen zur Verfügung stellte. Die Wissenschaftler*innen testeten, wie lange die Papageien in der Lage waren, dem Verzehr eines für sie mäßig attraktiven Futters zu widerstehen, während sie auf ein bevorzugtes Futter warteten.
Die Forschenden fanden heraus, dass afrikanische Graupapageien im Durchschnitt knapp 30 Sekunden auf ihr bevorzugtes Futter warten konnten, verglichen mit 20 Sekunden bei großen Soldatenaras, 12 Sekunden bei Blaukopfaras und 8 Sekunden bei Blaukehlaras. Die Bestleistung erzielte ein Graupapagei namens Sensei, er war in der Lage, bis zu 50 Sekunden zu warten – 20 Sekunden länger als die maximale Wartezeit des geduldigsten Aras.
Matthew Petelle, der korrespondierende Autor der Studie, sagt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Selbstkontrollfähigkeiten zwischen eng verwandten Ara-Arten und einzelnen Individuen stark variieren. Wir vermuten, dass dies mit Unterschieden in der relativen Gehirngröße oder der allgemeinen Intelligenz zusammenhängen könnte.“ Auch die Ernährungsweise oder die soziale Organisation der verschiedenen Arten könnte einen Einfluss haben. Selbstbeherrschung ist möglicherweise bei Vogelarten stärker ausgeprägt, die mehr Zeit in ihre Futtersuche investieren müssen oder die in einem komplexeren sozialen Umfeld leben.
Um die Fähigkeiten zur Selbstkontrolle zwischen Papageienarten zu vergleichen, wurden den Vögeln Sonnenblumenkerne – ein mäßig beliebtes Futter – auf einem feststehenden Löffel durch eine kleine Öffnung in einem durchsichtigen Fenster dargeboten. Sie mussten zwischen fünf und 60 Sekunden warten, bis ein weiterer, an einer Drehscheibe befestigter Löffel mit einer Walnuss – eine ihrer Leibspeisen – sich in Ihre Reichweite bewegte. Die Vögel konnten während des gesamten Versuchs sowohl die Samen als auch die Nüsse durch das transparente Fenster sehen. Wenn der Vogel sich über die Sonnenblumenkerne hermachte, bevor er die Walnüsse vorgesetzt bekam, stoppte die Drehscheibe sofort. Das Experiment war damit beendet, und der Vogel konnte die Walnüsse nicht mehr fressen.
Während die Vögel auf die Walnüsse warteten, beobachteten die Forscher*innen einige von ihnen dabei, wie sie sich bewegten und mit Gegenständen hantierten. Je mehr Zeit ein Vogel mit diesen Verhaltensweisen verbrachte, desto erfolgreicher war er beim Warten, insbesondere wenn er länger als zehn Sekunden warten musste. Die Wirksamkeit dieser Verhaltensweisen variierte je nach Vogelart. Graupapageien waren beim Warten erfolgreicher als Blaukehl- und Blaukopfaras, obwohl sie diese Verhaltensweisen ähnlich lange ausübten.
Auguste von Bayern, Leiterin der Studie sagte: „Wir vermuten, dass die Vögel sich so verhalten, um den Impuls zu unterdrücken, das von ihnen nicht bevorzugte Futter zu fressen. So können sie das Warten auf das von ihnen bevorzugte Futter besser bewältigen.“ Ähnliche Bewältigungs- oder Ablenkungsverhaltensweisen, die bei anderen Tierarten beobachtet wurden, wie z. B. das Hinlegen und Wegschauen bei Hunden oder das Spielen mit Spielzeug bei Schimpansen, wurden schon früher mit einem größeren Erfolg beim Warten in Verbindung gebracht.
Die Autor*innen geben zu bedenken, dass derzeit nur wenig darüber bekannt ist, wie die untersuchten Papageienarten mit ihrer natürlichen Umgebung und anderen Papageien in freier Wildbahn interagieren. Aus diesem Grund lassen sich nur begrenzt Schlussfolgerungen über die die beobachteten Unterschiede bei den Selbstkontrollfähigkeiten zwischen den Arten ziehen. Mit künftigen Untersuchungen zur sozialen Organisation, dem Verhalten bei der Nahrungssuche und der Gehirngröße von Papageienarten wie Blaukopf- und Blaukehlaras könnte deren Einfluss auf die Entwicklung von Selbstbeherrschung und Geduld ermittelt werden.
Originalpublikation:
Désirée Brucks, Matthew Petelle, Cecilia Baldoni, Anastasia Krasheninnikova, Eleonora Rovegno and Auguste M.P. von Bayern (2021). Intra- and interspecific variation in self-control capacities of parrots in a delay of gratification task. Animal Cognition

05.11.2021, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Was Zootiere über ein gesundes Mikrobiom lehren
Umfangreiche Vergleichsstudie an der CAU zur Zusammensetzung der Bakterienbesiedlung von Zootieren liefert neue Erkenntnisse über den Verlust an mikrobieller Vielfalt im menschlichen Körper
Im Mittelpunkt der lebenswissenschaftlichen und medizinischen Forschung steht seit einigen Jahren die Frage, wie die in und auf einem Körper lebenden Mikroorganismen zentrale Lebensprozesse und damit Gesundheit und Krankheit ihres Wirtslebewesens beeinflussen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnten zahlreiche Belege sammeln, dass es Zusammenhänge zwischen der Gesamtheit der mikrobiellen Besiedlung des Körpers, dem sogenannten Mikrobiom, und der Entstehung von Krankheiten gibt. Speziell chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind eng mit der Zusammensetzung und Balance des Mikrobioms verknüpft. Gemeinsam mit zahlreichen anderen sogenannten Umwelterkrankungen hat ihre Häufigkeit in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Eine mögliche Ursache sehen Forschende im massiven Rückgang der mikrobiellen Artenvielfalt des menschlichen Mikrobioms. Dessen Verarmung geht vermutlich auf die radikale Änderung der Lebensbedingungen in der westlichen Gesellschaft zurück, die unter anderem von industriell hergestellten Lebensmitteln, umfassenden Hygienemaßnahmen, massiver Antibiotikanutzung und sozial isolierten Lebensweisen geprägt sind. Großes Potenzial sehen Forschende in künftigen Interventionen zur Wiederherstellung eines gesunden Mikrobioms. Wichtige Anhaltspunkte, um einen solchen gesunden Zustand zu definieren, liefern vergleichende Mikrobiomstudien – sowohl mit ursprünglich lebenden menschlichen Gesellschaften, als auch mit Tieren.
Forschende der CAU haben nun in einer umfangreichen Vergleichsanalyse im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ insgesamt 368 Stuhlproben von 38 verschiedenen Tierarten von Wiederkäuern bis hin zu Primaten analysiert, um die Einflüsse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnissen der verschiedenen Arten untereinander und der äußeren Lebensbedingungen auf die Zusammensetzung des Mikrobioms zu untersuchen. Das Probenmaterial sammelten sie in sieben deutschen Zoos und verglichen es sowohl untereinander als auch auch mit menschlichen Proben, indem sie darin enthaltenen Mikrobenarten per Genomsequenzierung bestimmten und so jeweils die verschiedenen Mikrobiomzusammensetzungen der diversen Tierarten charakterisieren konnten. Das Forschungsteam vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) unter Leitung von Professor Andre Franke stellte fest, dass das Vorkommen bestimmter Bakterienarten zum Beispiel bei einigen Affenarten aber auch beim Menschen zurückgeht und ihr Mikrobiom offenbar insbesondere in Anpassung an Veränderungen ihrer Lebensbedingungen verarmt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden, die auch an der DFG-Forschungsgruppe miTarget beteiligt sind, kürzlich in der Fachzeitschrift BMC Microbiology.
Lebensweise beeinflusst das Mikrobiom bei Mensch und Tier
Die Zusammensetzung des Mikrobioms hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Ernährung, Umwelteinflüsse oder die Verwandtschaftsbeziehungen der Wirtslebewesen untereinander. Um ihre Daten unter kontrollierten Bedingungen gewinnen zu können, sammelten die Kieler Forschenden Proben von in Gefangenschaft lebenden und nach einheitlichen Standards gefütterten Tieren, unter anderem in Zoos in Hamburg, Berlin und Neumünster. Für die Wissenschaft sind solche Kooperationen von hohem Wert, da sie einfach zugängliches Probenmaterial und damit wichtige Datenquellen für ein ganzes Spektrum von Forschungsfragen zur Verfügung stellen können. In der aktuellen Arbeit bildet das in den Zoos gesammelte Probenmaterial zum Beispiel die Grundlage einer neuartigen Biobank, die teilweise noch gänzlich unbekannte Mikrobenarten beinhaltet und daher von großem wissenschaftlichem Interesse ist. „Bei der Analyse der Mikrobiomdaten stellten wir zunächst fest, dass die Geografie keinen großen Einfluss auf die Bakterienbesiedlung des Darms zu haben scheint und die Zusammensetzung der Mikroorganismen weitgehend unabhängig vom Standort ist“, sagt Erstautorin Dr. Corinna Bang, Leiterin des Mikrobiomlabors am IKMB. „Die Phylogenie, also die evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Lebewesen – und damit auch das eigene Erbgut – spielt dagegen grundsätzlich die wichtigste Rolle für die Mikrobiomkomposition. Je näher verschiedene Arten miteinander verwandt sind, desto ähnlicher ist auch ihr Mikrobiom, denn es hat sich über lange evolutionäre Zeiträume weitgehend parallel entwickelt“, so SFB 1182-Mitglied Bang weiter.
Unter gewissen Umständen kann es aber im Tierreich dazu kommen, dass dieser eigentlich bestimmende Faktor in den Hintergrund tritt und von den Auswirkungen spezieller Lebensbedingungen überlagert wird. Diesen Aspekt konnten die Forschenden des SFB 1182 nun beleuchten, als sie die Mikrobiomdaten bestimmter afrikanischer Affenarten mit jenen von Affen aus Südamerika verglichen. Obwohl sie relativ nah verwandt sind, weichen ihre Lebensweisen stark voneinander ab: Im Falle der afrikanischen Tiere leben sie in großen sozialen Verbänden am Boden, ihre südamerikanischen Verwandten leben, vor allem in Zoos, auf Bäumen in relativ isolierten Kleingruppen. Überraschenderweise spiegelten sich ihre gegensätzlichen Lebensweisen auch in deutlichen Unterschieden in der Zusammensetzung ihres jeweiligen Mikrobioms wider: „Die Unterschiede in der Lebensweise überlagern hier also den Einfluss der relativ engen Verwandtschaft. Konkret bedeutet dies, dass es bei den südamerikanischen Affen zu einem deutlichen Rückgang charakteristischer einzelner Bakterienarten im Vergleich mit den afrikanischen Tieren kommt. Wir vermuten, dass diese Verarmung ihres Mikrobioms mit ihrer vergleichsweise kontaktarmen Lebensweise zusammenhängt“, so Bang weiter.
In diesem Aspekt sehen die Kieler Forschenden eine wichtige Parallele zur Entwicklung des menschlichen Mikrobioms. „Der Verlust bestimmter Bakterienarten des Mikrobioms – insbesondere Spirochaeta und Prevotella, die bei der Verdauung ballaststoffreicher, pflanzlicher Nahrungsbestandteile helfen – ist nicht nur bei den südamerikanischen Affen, sondern auch beim Menschen zu beobachten. Diese übereinstimmenden Muster untermauern die Annahme, dass die Verarmung des Mikrobioms mit den schnell geänderten menschlichen Lebensbedingungen zusammenhängen könnte“, betont Dr. Louise Thingholm, Bioinformatikerin am IKMB.
Gesundes Mikrobiom fördern
Der Übergang zur industriell und urban geprägten Lebensweise in der westlichen Welt hat in den vergangenen Jahrzehnten aus evolutionärer Sicht in sehr kurzer Zeit stattgefunden. Eine Hypothese der Forschenden ist daher, dass sich die menschlichen Mikrobengemeinschaften -nachdem sie sich wie im Tierreich über Jahrtausende nur wenig veränderten – an das abrupte Aufkommen des westlichen Lebensstils nicht mehr anpassen konnten. So sei der drastische Rückgang der mikrobiellen Vielfalt mit seinen zahlreichen gesundheitlichen Folgen zu erklären. „Eine fundamentale Aufgabe für die künftige Mikrobiomforschung wird es daher sein, genau zu definieren, welche Bestandteile der ursprünglichen Bakterienbesiedlung des Körpers wiederhergestellt werden müssen, um bestimmte Mikrobiom-assoziierte Krankheiten zu lindern oder zu vermeiden“, fasst miTarget-Sprecher Franke zusammen, der auch ein Teilprojekt im SFB 1182 leitet. „Dies könnte künftig einerseits durch gezielte Eingriffe in das Mikrobiom auf therapeutischem Wege geschehen. Ebenso wichtig wird es aber sein, eine präventive Lebensweise zu fördern, die wieder mehr mikrobielle Diversität zulässt“, so Franke weiter. Bei der Identifizierung von therapeutischen Zielen im Mikrobiom steht die Forschung trotz vielversprechender Perspektiven zurzeit noch am Anfang. Eine Mikrobiom-freundliche Lebensweise hingegen lässt sich bereits heute realisieren und besteht im Wesentlichen darin, die aus mikrobiologischer Sicht problematischen Aspekte des westlichen Lebensstils zumindest abzumildern und in vielfältiger Weise wieder mehr Kontakte mit Mikroorganismen zuzulassen.
Originalpublikation:
Louise B. Thingholm, Corinna Bang, Malte C. Rühlemann, Annika Starke, Florian Sicks, Verena Kaspari, Anabell Jandowsky, Kai Frölich, Gabriele Ismer, Andreas Bernhard, Claudia Bombis, Barbara Struve, Philipp Rausch and Andre Franke (2021): Ecology impacts the decrease of Spirochaetes and Prevotella in the fecal gut microbiota of urban humans. BMC Microbiology First published 11. October 2021
https://doi.org/10.1186/s12866-021-02337-5

05.11.2021, Universität Wien
Wie man die Melodien von Tierlauten entschlüsseln kann
Evolution bedingte Gemeinsamkeiten tierischer Lautäußerungen und menschlicher Sprachen
Bei genauem Hinhören weisen die Melodien von menschlichen Sprachen und von Tiervokalisationen viele Ähnlichkeiten auf. Ob gleiche Muster in diesen Tonfolgen von Menschen und Tieren auch ähnlich wahrgenommen werden, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Wissenschaftler*innen der Universität Wien stellten nun eine neue Methode vor, um die Bedeutung melodischer Muster in Tiervokalisationen zu entschlüsseln: den Vergleich tierischer Lautäußerungen mit menschlichen Sprachen. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forschenden im Fachjournal Philosophical Transactions of the Royal Society B.
Hundebellen, Vogelzwitschern und menschliche Sprachen wirken beim ersten Hinhören sehr unterschiedlich. Wenn man diese Vokalisationen genauer analysiert, finden sich jedoch viele Gemeinsamkeiten: So sind zum Beispiel fast alle menschlichen Sprachen und Vokalisationen von Landwirbeltieren durch Pausen sowie Variationen in der Tonlänge und Tonhöhe strukturiert. Nur die genauen Ausprägungen dieser Eigenschaften, etwa die Betonungsmuster einzelner Phrasen, unterscheiden sich zwischen den verschiedenen menschlichen Sprachen und Tiervokalisationen. Theresa Matzinger und Tecumseh Fitch vom Institut für Anglistik und dem Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien nahmen die Melodien unterschiedlicher Sprachen und von Vokalisation von Landwirbeltieren in einem Review-Artikel genauer unter die Lupe.
Ähnlichkeiten in Melodien von Sprachen und Tiervokalisationen sind evolutionär bedingt
Die Gemeinsamkeiten zwischen den Melodien verschiedener Sprachen und der Lautproduktion von Tieren lässt sich durch die Evolution von Menschen und anderen Landwirbeltieren erklären, die über lange Zeit hinweg parallel verlief. Dadurch gleichen sich ihr Vokaltrakt und die Gehirnstrukturen, die für die Lauterzeugung verantwortlich sind. Unterschiede entstanden als individuelle Anpassungen verschiedener Gruppen an die jeweiligen Umweltbedingungen. Dass diese Adaptionen flexibel sind, zeigte sich auch zu Beginn der Covid-19 Pandemie – als Anpassung an das reduzierte Verkehrsaufkommen sangen Vögel tiefer und leiser.
Untersuchung der Wahrnehmung von sprachübergreifenden Strukturen bei Tieren vielversprechend
„Wie Landwirbeltiere Laute produzieren und wie ihre Vokalisationen aufgebaut sind, wurde schon häufig untersucht. Daten dazu, wie Tiere die Melodien in ihren Vokalisationen wahrnehmen und interpretieren, gibt es jedoch kaum“, stellt Matzinger fest, die derzeit als Gastwissenschaftlerin an der Universität Toruń (Polen) forscht. Doch wie können Wissenschaftler*innen am besten damit beginnen, die Bedeutung der melodischen Muster in Tiervokalisationen zu entschlüsseln? „Als vielversprechende Kandidaten für die Untersuchung der Bedeutung von melodischen Mustern erweisen sich jene melodischen Eigenschaften, die in allen menschlichen Sprachen vorkommen und dort ähnlich interpretiert werden“, erklärt Matzinger. So werden zum Beispiel lang ausgesprochene Silben von Menschen unabhängig von ihrer Muttersprache als Satz- oder Phrasengrenzen aufgefasst. Aufgrund dieser ähnlichen Funktion von verlängerten Silben über alle Sprachen hinweg ist es wahrscheinlich, dass nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Wahrnehmung von melodischen Mustern sehr grundlegende physiologische und kognitive Prozesse verantwortlich sind. Ihre gemeinsame Evolution macht es wahrscheinlich, dass verlängerte Silben auch von anderen Landwirbeltieren als Grenzen zwischen Phrasen interpretiert werden. Dies experimentell zu testen ist der nächste wichtige Schritt in der Entschlüsselung der Bedeutung von Melodien in Tiervokalisationen.
Originalpublikation:
https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.2020.0393

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