Entschlüsselung der Geschichte afrikanischer Zebugenome
„Unscrambling the history of African indicine cattle genomes“
Mulusew Kassa Bitew, Helina Solomon Woldekiros, Christian Persichilli, Marika Di Civita, Slim Ben Jemaa, Salvatore Mastrangelo, Joram M. Mwacharo, Olivier Hanotte, Fabio Pilla und Gabriele Senczuk
Veröffentlicht am 10. März 2026 in iScience (Band 29, Artikel 115295), DOI: 10.1016/j.isci.2026.115295
Das genetische Erbe afrikanischer Rinder spiegelt jahrtausendealte Beziehungen zwischen afrikanischen und asiatischen menschlichen Gesellschaften und Zivilisationen wider. Durch die Analyse genomweiter SNP-Daten von 1.043 Individuen aus 38 Rassen – darunter 36 aus Afrika – mittels eines „Approximate Bayesian Computation“-Verfahrens in Kombination mit einer „Random Forest“-Klassifizierung zeigen wir, dass diese Geschichte durch mindestens zwei unabhängige Einwanderungswellen von Zebu-Rindern (Indicinae) vom indischen Subkontinent geprägt ist. Die zeitlichen Einordnungen korrespondieren mit bedeutenden kulturellen Umbrüchen in Afrika, etwa der Entstehung von Staaten, der Verbreitung der Eisenverarbeitung und der Intensivierung der Viehwirtschaft, wie sie beispielhaft durch das Reich von Aksum und die Swahili-Kultur repräsentiert werden. Zudem weisen wir nach, dass Sanga-Rinder aus einer Vermischung zwischen einheimischen afrikanischen Taurin-Rindern und den Zebu-Rindern der ersten Einwanderungswelle hervorgegangen sind. Diese Ergebnisse liefern eine präzisierte Chronologie der Rinderverbreitung und der Viehwirtschaft in Afrika, verdeutlichen, wie kulturelle Wandlungsprozesse der Menschen die Genome der Nutztiere geprägt haben, und unterstreichen die zentrale Rolle Afrikas bei der Gestaltung der weltweiten Rindervielfalt.
Die genetische Geschichte afrikanischer Rinder lässt sich nicht durch eine einzige Einwanderung asiatischer Zebus erklären. Die Autoren finden vielmehr die stärkste Unterstützung für mindestens zwei voneinander unabhängige Zebu-Einführungen aus dem indischen Subkontinent:
– eine erste Welle ungefähr vor 1.365 bis 2.680 Jahren, zeitlich im Umfeld des Aufstiegs des aksumitischen Reiches
– eine zweite ungefähr vor 315 bis 1.280 Jahren, die mit dem Ausbau des Handels im Indischen Ozean und der Swahili-Kultur zusammenfällt.
Die heute als Sanga-Rinder zusammengefassten Populationen entstanden dem Modell zufolge vor allem durch Vermischung einheimischer afrikanischer tauriner Rinder mit Zebus der ersten Einwanderungswelle. Damit sind sie nicht bloß Zwischenformen zwischen Taurinern und Zebus, sondern Zeugnisse einer frühen, historisch bestimmbaren Hybridisierung.
Datengrundlage und Methode
Untersucht wurden genomweite SNP-Daten von 1.043 Rindern aus 38 Populationen beziehungsweise Rassen, darunter 36 afrikanische. Die Autoren verglichen neun demografische Szenarien mit einfacher oder mehrfacher Zebu-Einwanderung. Dazu kombinierten sie:
– Analysen der Populationsstruktur und genetischen Beimischung,
– Approximate Bayesian Computation,
– Random-Forest-Klassifikation zur Auswahl des am besten passenden historischen Modells,
– Modellierungen der Zeitpunkte von Migration und Vermischung.
Wichtig ist die Einschränkung, dass es sich überwiegend um DNA heutiger Rinder und nicht um eine Zeitreihe afrikanischer archäologischer Genome handelt. Die Datierungen sind daher modellgestützte Schätzungen und hängen unter anderem von der angenommenen Generationsdauer sowie den gewählten Ausgangspopulationen ab.
Die Studie verbindet die Entstehung afrikanischer Rindergruppen erstmals besonders präzise mit historischen Verkehrs- und Handelsräumen. Rassenbildung erscheint hier nicht als geradlinige Abstammung von einer uralten Lokalform, sondern als Ergebnis wiederholter Tiertransporte, regionaler Kreuzungen und anschließender Anpassung. Das ist besonders relevant für Sanga- und Zenga-Rinder sowie für die Rekonstruktion der Herkunft von Langhorn-, Buckel- und Mischtypen in Ost-, Süd- und Westafrika.
Zugleich warnt das Ergebnis indirekt vor allzu einfachen Rasseerzählungen: Heutige Rassenamen und äußere Typen müssen nicht jeweils einer einzigen historischen Abstammungslinie entsprechen.
Populationsstruktur und Domestikationsgeschichte des Java-Bantengs
„Population structure and domestication history of the Javan banteng“
Xi Wang, Sabhrina Gita Aninta, Genís Garcia-Erill, Zilong Li, Anubhab Khan, Xiaodong Liu, Laura D. Bertola, Anik Budhi Dharmayanthi, Yulianto, Yonathan, Conor Rossi, Reagan Cauble-Sims, Benjamin D. Rosen, Darren E. Hagen, Michael P. Heaton, Timothy P. L. Smith, Johannes A. Lenstra, Nuno F. G. Martins, Mikkel-Holger S. Sinding, Muhammad Agil, Bambang Purwantara, Christina Hvilsom, Gono Semiadi und Rasmus Heller.
Veröffentlicht am 19. Januar 2026 in Current Biology, 36(2), 458–473.e8.
doi.org/10.1016/j.cub.2025.11.076
Die Domestizierung des Bantengs in Südostasien zählt zu den weltweit am wenigsten bekannten Domestizierungsprozessen von Nutztieren, stellt jedoch einen wesentlichen Bestandteil des Agrarsystems in Indonesien und den Nachbarländern dar. Im Rahmen dieser Studie erstellten wir das erste Referenzgenom des Bantengs und analysierten damit einen Datensatz von 78 resequenzierten wildlebenden und domestizierten Bantengs; dieser umfasste 19 neu generierte, vollständig sequenzierte Genome, von denen drei aus historischen Proben stammten. Wir stellten eine geringe Heterozygotie sowie eine signifikante Differenzierung fest; Letztere war vorwiegend auf jüngste genetische Drift und Inzucht in zwei Populationen zurückzuführen und ließ sich eindeutig auf anthropogen bedingte Gründereffekte oder Ex-situ-Zuchtmaßnahmen zurückführen. Unter Ausschluss dieser beiden Populationen war die Populationsstruktur nur gering ausgeprägt; zudem zeigte sich, dass die evolutionäre Divergenz zwischen wildlebenden und domestizierten Bantengs moderat (FST = 0,14) und relativ jungen Datums (10.356 Jahre) war, wobei nach der Divergenz weiterhin Genfluss stattfand. Wir fanden lediglich schwache Hinweise auf einen Domestizierungs-Flaschenhals im Zeitraum vor etwa 6.100 bis 2.900 Jahren, und die genetische Diversität war bei domestizierten Bantengs im Durchschnitt höher als bei wildlebenden Exemplaren. Trotz der eher schleichenden Domestizierungsgeschichte identifizierten wir 36 Kandidatengene, die während der Domestizierung potenziell unter Selektionsdruck standen; von besonderem Interesse ist hierbei das Gen für den Leptin-Rezeptor (LEPR), da es über verschiedene Analysemethoden hinweg ein starkes Selektionssignal zeigte und bekanntermaßen mit Stoffwechselprozessen, Adipositas sowie der Energiehomöostase assoziiert ist. Schließlich ergab die Abschätzung der genetischen Last, dass Bali-Rinder in Australien eine hohe realisierte genetische Last aufweisen, während Bali-Rinder von der Insel Bali eine hohe maskierte genetische Last zeigen. Diese Ergebnisse liefern erste genomische Einblicke in eine bislang wenig erforschte Rinderart, die in ihrer Wildform vom Aussterben bedroht ist, jedoch als Nutztier eine große landwirtschaftliche Bedeutung besitzt.
Die Domestikation des Java-Bantengs zum Balirind war offenbar kein scharfer, einmaliger Einschnitt mit starker Isolation und drastischem Flaschenhals. Stattdessen rekonstruieren die Autoren einen vergleichsweise „weichen“ Domestikationsprozess:
– Wild- und Hausform trennten sich modelliert vor ungefähr 10.356 Jahren, tauschten danach jedoch weiterhin Gene aus.
– Der eigentliche Domestikationsflaschenhals zwischen etwa 6.100 und 2.900 Jahren vor heute war überraschend schwach.
– Domestizierte Balirinder besitzen im Durchschnitt sogar mehr genetische Vielfalt als die heute überlebenden wilden Bantengpopulationen.
– Unter 36 möglichen Selektionskandidaten sticht LEPR, das Gen für den Leptinrezeptor, hervor. Es beeinflusst Stoffwechsel, Energiehaushalt und Körperfett und könnte deshalb während der Umwandlung zum Nutztier begünstigt worden sein.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zweier Balirindbestände: Die australische Population trägt relativ viele bereits homozygot ausgeprägte schädliche Varianten, während auf Bali mehr rezessive Belastung heterozygot „verdeckt“ vorhanden ist. Beide Bestände benötigen daher unterschiedliche Erhaltungsstrategien.
Die Forscher erstellten zunächst das erste Referenzgenom des Bantengs und werteten anschließend 78 vollständige Genome wilder und domestizierter Tiere aus. Darunter befanden sich 19 neu sequenzierte Exemplare sowie drei historische Museumsexemplare. Untersucht wurden unter anderem:
– Populationsstruktur und genomweite Differenzierung,
– frühere Populationsgrößen und Domestikationsflaschenhälse,
– Genfluss zwischen Wild- und Hausformen,
– Selektionssignaturen,
– Heterozygosität, Inzucht und genetische Belastung.
Die historischen Proben sind besonders wertvoll, weil sie helfen, jüngste Veränderungen durch kleine Gründerbestände und Zucht in menschlicher Obhut von älteren Domestikationssignalen zu unterscheiden.
Die Studie korrigiert das einfache Bild, nach dem eine domestizierte Rasse zwangsläufig nur einen genetisch verarmten Ableger ihrer Wildform darstellt. Beim Balirind bewahrte die großräumig gehaltene Hauspopulation einen Teil der Vielfalt, den der stark gefährdete wilde Java-Banteng inzwischen durch Lebensraumverlust, Bestandszerfall und Inzucht eingebüßt hat.
Damit wird das Balirind zugleich zu einem genetischen Archiv der Wildform. Allerdings darf es nicht als unveränderte Kopie des ursprünglichen Bantengs gelten: Domestikationsselektion, regionaler Genfluss und spätere Gründerereignisse haben seine Teilpopulationen unterschiedlich geprägt. Die Arbeit liefert somit ungewöhnlich konkrete Anhaltspunkte dafür, wie Wildtier- und Nutztierschutz miteinander verbunden werden könnten.
Balirinder gibt es derzeit in keinem europäischen Zoo zu sehen (laut Zootierliste). Ob es sie in Privathaltung gibt, bezweifle ich (ohne es wirklich zu wissen). Afrikanische Hausrinder sind ebenso selten zusehen, die Ausnahme bildet das Ankole, das durch seine langen Hörner zu den auffälligsten Rinderarten gehört. Asiatische Zeburassen sind jedoch sehr oft in Zoos zu sehen, vor allem Zwergzebus.
- Watussi (Zoo Plankendael)
- Zwergzebu (Tiergarten Nürnberg)
- Java-Banteng (Tierpark Hellabrunn)
Und passend zum Thema (Hausrinder) noch eine Mitteilung der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Passend zum Welttag der Nutztiere.
01.10.2026, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Tierwohl im Wandel der Perspektiven – Forschungsbeitrag (nicht nur) zum „Welttag der Nutztiere“ am 2. Oktober
WAS BRAUCHEN TIERE?
Perspektivwechsel in der Nutztierforschung
Im noch fahlen Morgenlicht steht ein neugeborenes Kalb dicht bei seiner Mutter auf wackeligen Beinen im Stroh. Die Kuh leckt sein Fell, ruhig und routiniert. Ein selbstverständliches Bild, oft kaum beachtet im Alltag und doch von besonderer Tragweite. Denn genau hier, in diesem flüchtigen Moment, beginnt die zentrale Frage moderner Forschung: Was brauchen Nutztiere für ein gutes Leben?
Für die Forschung markiert dieser Moment den Einstieg zu einer Frage, die Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft gleichermaßen beschäftigt: Was bedeutet Tierwohl eigentlich? Die Antworten darauf sind komplexer geworden. Lange standen vor allem Gesundheit, Fütterung und Leistungsfähigkeit im Mittelpunkt. Heute interessieren sich Forschende zunehmend auch für Sozialverhalten, Bindungen zwischen Tieren, Haltungsumwelt und die Gestaltung landwirtschaftlicher Systeme. Tierwohl wird nicht mehr nur als Zustand verstanden, sondern als Zusammenspiel vieler Faktoren.
Dr. Theresa Hautzinger betont: „Neben den meist gut messbaren und interpretierbaren Parametern zur Einordnung der Tiergesundheit geht Tierwohl darüber hinaus. Am Beispiel der kuhgebundenen Kälberaufzucht wird das besonders deutlich. Die Kälbergesundheit kann in einem herkömmlichen Aufzuchtsystem (über Tränkeeimer oder -automat) hervorragend sichergestellt werden. Allerdings können Kühe und Kälber nur in kuhgebundenen Systemen ihr natürliches Säuge- und Sozialverhalten ausleben. Hier wiederum müssen Landwirt:innen unbedingt darauf achten, dass eine optimale Kolostrum- und Tränkeversorgung stattfindet, was in einem Kuh-Kalb-System deutlich anspruchsvoller ist. Tiergesundheit und Tierwohl sollten unbedingt ineinandergreifen.”
PROJEKTE ZUR ERFORSCHUNG DES TIERWOHLS
Tierwohl endet nicht am Stalltor: Das Projekt „mehrWERT Öko-Milch + Fleisch“
https://www.hswt.de/forschung/projekt/1603-mehrwert-oeko-milch-fleisch
Wer im Supermarkt zu Biomilch greift, verbindet damit häufig bestimmte Vorstellungen: mehr Platz für die Tiere, Weidegang, regionale Kreisläufe und eine besonders verantwortungsvolle Form der Landwirtschaft. Das ist alles richtig – und doch gibt es in derart komplexen Systemen Herausforderungen, die sich erst beim genauen Hinsehen zeigen und nicht von heute auf morgen gelöst werden können. Mit dem Ausbau der ökologischen Milchproduktion stellt sich zunehmend die Frage, wie auch die Kälber, insbesondere männliche Tiere, sinnvoll in regionale Wertschöpfungsketten integriert werden können.
Im Projekt „Kälber der ökologischen Milchviehhaltung in Bayern – Eine Status-Quo-Analyse sowie Marktpotentiale der kuhgebundenen Kälberaufzucht (KK) und der ökologischen Rindermast“ (mehrWERT Öko-Milch + Fleisch) betrachteten die Forschenden Tierwohl nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren Systems. Sie untersuchten Vermarktungswege, analysierten betriebliche Herausforderungen und beschäftigten sich mit alternativen Haltungsformen wie der kuhgebundenen Kälberaufzucht in der Milchviehhaltung. Dabei bleiben Kuh und Kalb länger zusammen und können ihre natürliche Bindung über einen erweiterten Zeitraum ausleben. Für viele Betriebe bedeutet dies jedoch weit mehr als eine Anpassung im Stall. Arbeitsabläufe verändern sich, Managemententscheidungen müssen neu bewertet werden und auch die Vermarktung erfordert neue Ansätze. Das Projekt macht deutlich: Tierwohl entsteht nicht allein durch gute Absichten. Es braucht Strukturen, die tiergerechte Lösungen langfristig tragfähig machen.
Wenn Beobachtungen verwertbar werden: Das Projekt „KuKIndiTM“
https://www.hswt.de/forschung/projekt/2177-kukinditm
Wie erkennt man eigentlich, dass es einem Kalb gut geht? Die Frage klingt zunächst einfach. Tatsächlich gehört sie zu den zentralen Herausforderungen der modernen Tierwohlforschung. Tiere können ihr Wohlbefinden nicht in Worte fassen. Forschende müssen deshalb andere Wege finden, um Rückschlüsse auf ihre Bedürfnisse und ihr Befinden zu ziehen. Sie beobachten Verhalten, analysieren Bewegungsmuster und erfassen Veränderungen über längere Zeiträume. Genau hier setzte das Verbundprojekt von HSWT und TUM „Kuhgebundene Kälberaufzucht auf Milchviehbetrieben in Süddeutschland – Entwicklungen von Indikatoren zur Bewertung von Tierwohl und Milchmengen“ (KuKIndiTM) an. Ziel war es, wissenschaftlich belastbare Indikatoren für Tierwohl in der kuhgebundenen Kälberaufzucht zu entwickeln. Die Forschenden dokumentierten Sozialkontakte zwischen Kuh und Kalb, beobachteten Aktivitätsmuster und untersuchten die Entwicklung der Tiere. Besonders spannend war die Verbindung klassischer Tierbeobachtung mit modernen Technologien. Sensoren lieferten zusätzliche Informationen über Bewegungen und Aktivitäten. Gleichzeitig zeigt diese Forschung, dass Tierwohl nie auf einzelne Zahlen reduziert werden kann. Erst das Zusammenspiel verschiedener Beobachtungen ergibt ein aussagekräftiges Gesamtbild. Das Projekt steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Bereiche der Agrarwissenschaften prägt: Forschung versucht zunehmend zu verstehen, wie Tiere ihre Umwelt wahrnehmen und welche Bedingungen sie für ein gutes Leben benötigen. Ein Landwirt beschreibt seine Erfahrung folgendermaßen: „Die Kälber sollten ihr natürliches Verhalten ausleben dürfen. In der Vergangenheit kamen sie oft zu kurz. Die kuhgebundene Kälberaufzucht ist das beste Verfahren, um Kühen und Kälbern gerecht zu werden.”
[Erläuterung: Bei der kuhgebundenen Aufzucht in der Milchviehhaltung bleiben Kuh und Kalb anders als in herkömmlichen Systemen nach der Geburt für mindestens 90 Tage nach Richtlinien der Interessensgemeinschaft kuhgebundene Kälberaufzucht zusammen. Das Kalb trinkt direkt bei der Mutter oder bei einer Ammenkuh am Euter. Das Verfahren gilt als besonders tiernah, stellt Betriebe jedoch vor organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen.]
Landwirtschaftliche Systeme der Zukunft: Das Projekt „OptiBioRind“
https://www.hswt.de/forschung/projekt/2112-optibiorind
Die Diskussion über Tierwohl endet nicht bei einzelnen Tieren. Sie führt zwangsläufig zu einer weiteren Frage: Wie müssen landwirtschaftliche Systeme und Wertschöpfungsketten gestaltet sein, um Tierwohl dauerhaft umzusetzen? Mit dieser Perspektive beschäftigt sich das Projekt „Zukunftsperspektiven für eine nachhaltige Öko-Rindfleischproduktion auf bayerischen Grünlandstandorten“ (OptiBioRind). Im Mittelpunkt stehen nachhaltige Konzepte für die ökologische Rindermast, die sowohl den Bedürfnissen der Tiere als auch den Anforderungen von Betrieben in Anbetracht des Strukturwandels gerecht werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Grünlandregionen. Sie spielen eine wichtige Rolle für Biodiversität, Wasserhaushalt, Kulturlandschaft, wiederkäuergerechte Fütterung und regionale Landwirtschaft. Aber auch in ökologischen Ackerbaubetrieben können Rinder durch die Verwertung von sowieso anfallendem Ackergrünland wie beispielsweise Kleegras oder Nebenprodukten sinnvoll zum Schließen von Kreisläufen beitragen. Die Forschenden untersuchen deshalb, wie diese Ressourcen sinnvoll genutzt und gleichzeitig regionale Kreisläufe gestärkt werden können. Dabei geht es nicht um die Suche nach einer universellen Lösung. Vielmehr untersucht das Projekt, welche Ansätze unter unterschiedlichen regionalen und betrieblichen Bedingungen funktionieren und wie Tierwohl, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit gemeinsam gedacht und dadurch zukunftsfähig gemacht werden können.
TIERWOHL NEU BETRACHTET
Die drei Projekte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Fragestellungen und doch verbindet sie die gemeinsame Erkenntnis, dass sich Tierwohl nicht reduzieren lässt: weder auf Stallgrößen noch auf Gesundheitsdaten. Es entsteht aus Beziehungen: zwischen Kuh und Kalb, zwischen Tier und Umwelt, zwischen landwirtschaftlicher Praxis und gesellschaftlichen Erwartungen. Für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eröffnet sich damit ein Forschungsfeld, das weit über klassische Fachgrenzen hinausreicht. Biologie, Ethologie, Agrarwissenschaften, Datenanalyse, Ökonomie und Nachhaltigkeitsforschung greifen ineinander. Vielleicht liegt genau darin die spannendste Entwicklung: Die Frage nach dem Wohlbefinden von Tieren wird zunehmend zu einer Frage danach, wie wir Landwirtschaft insgesamt verstehen und gestalten wollen und wie landwirtschaftliche Betriebe auf ihrem nicht immer leichten Weg dabei unterstützt werden können. Die Antworten darauf entstehen nicht im Labor oder am Schreibtisch, sie beginnen dort, wo Forschung und Praxis aufeinandertreffen: im Stall, auf der Weide und vor allem in den Betrieben, die die Landwirtschaft von morgen mitgestalten.
Tierportraits
Hausrind
Watussi-Rind
Banteng
Balirind





Beim Vergleich von Bali und Australien fehlt mir noch der Schritt zur konkreten Zuchtplanung. „Beide Bestände benötigen daher unterschiedliche Erhaltungsstrategien.“ Welche Paarungen man jeweils vermeiden sollte, wäre dazu eine hilfreiche Ergänzung. Mehr Vielfalt allein erklärt ja noch nicht, wie man mit der verdeckten Belastung auf Bali umgeht. Als kleine Randnotiz zur Offenlegung: Ich arbeite an ReceiptBoard, einem kostenlosen receipt maker zum Erstellen von Quittungen.
Die Studie legt nur dar, wie die genetische Vielfalt des Balirinds verbreitet ist. Eine konkrete Zuchtplanung hätte den Rahmen dieser Studie wohl gesprengt. Der Ansatz ist aber ein guter, und aufgrund der vorliegenden Daten lässt sich sicher auch eine Zuchtempfehlung bzw. konkrete Zuchtplanung erstellen. Wenn daran Interesse besteht ,,,