Homosexualität im Tierreich


Gestern nahm ich an einer Führung zum Thema Homosexualität im Tierreich im Tierpark Hellabrunn teil. Innerhalb von anderthalb Stunden erfuhren wir einniges über das homosexuelle Verhalten von Flamingos, Pinguinen, Bisons, Löwen und andere. Ein spannendes und interessantes Thema, das zeigt, dass Tiere nit der Sexualität anders umgehen als Menschen. Allerdings muss ich auch zugeben, dass trotz des interessanten Themas die Führung relativ langweilig war (der Podcast vom Zoo ist besser, auch wenn man die Tiere natürlich nicht sieht,).
Aber die Grundaussage war folgende: Homosexualität ist bei Tieren nicht ungewöhnlich, aber es gibt wenige dauerhaft gleichgeschlechtlich lebende Tiere. Andererseits haben Tiere nicht nur Sex um sich fortzupflanzen.
Grund für diese Führung zu diesem speziellen Thema war die Münchner Prideweek, die am Wochenende mit dem CSD endet.
Aber Menschen und Tiere üben natürlich das ganze Jahr homosexuellen Sex aus (oder heterosexuellen oder bisexuellen), aber es ist doch interessant zu wissen, wie sich homosexuelles Verhalten bei Tieren auswirkt. Dort ist es normal, geduldet und Homophobie gibt es nicht, aber Menschen denken anders als andere Tiere, weshalb für viele Menschen Homosexualität abnormal ist und der Mensch das einzige Tier ist, das homophob sein kann.

Was ich allerdings persönlich sehr interessant finde: Sowohl in den Führungen, als auch im Podcast geht es um Säugetiere und Vögel, andere Tiergruppen wurden ignoriert, aber andererseits vielleicht auch verständlich, da sich der Zoo auf die Tiere beschränkt, die er auch zeigen kann, Aber eine Randbemerkung wäre schön gewesen.
Ich habe aber auch nicht gefragt, denn während der Führung habe ich nicht daran gedacht.
Es gibt Anhaltspunkte, dass mindestens 110 Insekten- und Spinnenarten homosexuelles Verhalten zeigen. Homosexuelles Verhalten bei Insekten wurde unter Wissenschaftlern stark debattiert. Obwohl verschiedene Theorien vorgeschlagen wurden, ist die führende Behauptung jedoch die, dass männliche Homosexualität, die bei einigen Insektenarten zu bis zu 85 % vorkommen soll, das Resultat von falsch zugeschriebenen Geschlechtern ist. Indem die Fortpflanzung mit einem Weibchen ausgeschlagen wird, verliert das Männchen mehr, als es im Gegenzug durch homosexuelle Handlungen mit einem anderen männlichen Tier gewinnt.

Lange wurde homosexuelles Verhalten von Tieren ignoriert oder absichtlich „fehl“interpretiert. Dabei wurde Homosexualität im Tierreich bereits in der Antike dokumentiert: Aristoteles schrieb bereits im vierten Jahrhundert vor Christus über die Promiskuität männlicher Hyänen. Das Thema geriet aber lange in Vergessenheit und Paarungen unter Männchen wurden lediglich als Bestandteil von Kampfritualen angesehen. Auch das „abartige“ Sexualverhalten der Adeliepinguine wurde lange geheim gehalten (dabei geht es aber unter anderem um weitaus dramatischere „Praktiken“ als gleichgeschlechtlicher Sex).

Während Studien homosexuelles Verhalten für eine bestimmte Anzahl an Arten nachweisen, schätzt Petter Bøckman, der wissenschaftliche Betreuer der Ausstellung Against Nature?, dass das ganze Ausmaß dieses Phänomens deutlich größer sei als bisher angenommen:
Bisher wurde noch keine Art gefunden, bei der sich homosexuelles Verhalten nicht zeigt, mit der Ausnahme von Arten, die sich nicht geschlechtlich vermehren, wie Seegurken oder Blattläuse. Des Weiteren ist ein Teil des Tierreichs hermaphrodit, das heißt wirklich bisexuell. Für diese gibt es praktisch keine Homosexualität.

Das Sexualverhalten der Tiere geht aber manchmal auch seltsame Wege und homosexuelles Verhalten ist dabei nur ein Aspekt, der für manche irritierend oder befremdlich ist. Aber wie man sieht: Es ist nicht wider die Natur.

Und zum Schluss noch ein paar Buchtipps, die sich nicht nur mit der Homosexualität im Tierreich auseinander setzen:
Lloyd Spencer Davis: Das geheime Liebesleben der Pinguine
Mario Ludwig: Das Familienleben der Tiere
Lisa Signorile: So macht es das Krokodil
Matt Simon: Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt

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