Leonie Swann: Glennkill (Rezension)


Im beschaulichen Glennkill liest der Schäfer George Glenn Abend für Abend seiner Herde Geschichten vor – auch mal einen Krimi. Als er dann selbst leblos im irischen Gras liegt, einen Spaten in der Brust, wissen die Schafe: Das war Mord. Aber wer hat den alten Schäfer umgebracht? Was war das Motiv? Und wie findet man einen Mörder?
Entschlossen suchen die Schafe nach Hinweisen, allen voran Miss Maple, das klügste Schaf der Herde (und vielleicht auch weit und breit). Zum Glück können sie sich von den vielen Geschichten inspirieren lassen, die sie über die Jahre zu hören bekommen haben. Zwischen Dorfkirche und Schäferwagen erwarten sie unzählige Rätsel, die sich nur mit einer Menge Scharf- und Schafssinn lüften lassen – dem Täter stets auf der Spur.
Und so nähert sich die Herde Schritt für Schritt, Huf für Huf, den Geheimnissen und Eigenarten der Menschenwelt …

2005 erschien der Debütroman GLENNKILL von Leonie Swann. Ein Schafskrimi… und ich habe ihn damals schon gelesen, nur … so wirklich gefallen hat er mir nicht. Inzwischen gibt es zwei Fortsetzungen und am 14. Mai erscheint die hochkarätig besetzte Verfilmung. Geschmäcker ändern sich mit der Zeit und ich habe mich erneut an GLENNKILL gewagt (nachdem mir dieses und die beiden Nachfolger als rezensionsexemplare angeboten worden sind).
Also … die Idee gefällt mir eigentlich ganz gut. Hunde und Katzen sind ja recht häufig als tierische Ermittler zu entdecken (vor zwanzig Jahren ebenso wie heute …), aber Schafe … das ist doch einmal was anderes. Und Leonie Swann gelingt es die Schafe auf der einen Seite leicht zu vermenschlichen, nimmt ihnen auf der anderen Seite aber ihre nichtmenschlichen Attribute nicht. Schaf bleibt Schaf und jedes Schaf wird zum Individuum (okay, fast jedes Schaf … es gibt da ja noch die Fleischschafe, aber die sind wohl ein Thema für sich). Und ja, das Herdenleben wird auf sehr amüsante und nachvollziehbare Weise beschrieben. Das ist auch die Stärke des Romans. Was mich aber etwas enttäuscht hat war der Krimianteil. Gegen Ende wurde es zwar zum einen witzig, aber auch spannend, nur … davor war es … vielleicht ein bisschen zu cosy, und vielleicht zu schaflastig (okay, was will man von einem Schafkrimi mehr). Ich weiß nicht was mir vor 20 Jahren nicht gefallen hat, aber auch jetzt kann ich nicht sagen, dass ich begeistert bin. Es gibt Ansätze die mir gefallen haben, aber für einen Krimi war es mir dann doch irgendwie zu seicht (aber auch da muss ich selber einwenden: Was kann man von einem Schafskrimi, bei dem es nicht die Schafe sind, die ermordet werden, erwarten). Leonie Swann hat etwas neues gewagt, und damals wie heute scheint sie auch eine große Leserschaft begeistern können. Wer Schafe mag und/oder unblutige Krimis, oder nur Schafe, die mal ein bisschen anders sind, als man es von Schafen erwartet … der wird sicher viel Spaß damit haben, aber … für echte Krimifans ist GLENNKILL kein wirklicher Krimi.
Ich bin dennoch gespannt, was mich in den Fortsetzungen erwartet…

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(Rezensionsexemplar)

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