Der Silberfasan in Brehms Tierleben

Silberfasan (Brehms Tierleben)

Der Silberfasan (Euplocomus nycthemerus und Andersoni, Phasianus und Gennaeus nycthemerus, Nycthemerus argentatus) gilt als Vertreter einer besonderen, ihm gleichnamigen Untersippe (Nycthemerus), unterscheidet sich jedoch von den Fasanhühnern einzig und allein durch langen, aus zerschlissenen Federn bestehenden hängenden Kopfbusch und keilförmig verlängerten dachartigen Schwanz dessen mittlere Federn sich nicht mehr seitlich hinausbiegen und nur noch seicht herabkrümmen.
Der lange und dicke Farbenbusch am Hinterkopfe ist glänzend schwarz, der Nacken und der Vordertheil des Oberhalses weiß, die ganze übrige Oberseite weiß, mit schmalen, schwarzen Zickzacklinien quer gewellt, die Unterseite schwarz, stahlblau schimmernd; die Schwingen sind weiß, sehr schmal schwarz quer gesäumt und mit einander gleichlaufenden, breiten Querstreifen gezeichnet, die Schwanzfedern auf weißem Grunde ähnlich gebändert, je weiter nach außen hin, um so dichter und deutlicher, die nackten Wangen schön scharlachroth. Das Auge ist hellbraun, der Schnabel bläulichweiß, der Fuß lack-oder korallroth. Die Länge beträgt einhundertundzehn, die Fittiglänge sechsunddreißig, die Schwanzlänge siebenundsechzig Centimeter. Das Gefieder des bedeutend kleineren Weibchens zeigt auf rostbraungrauem Grunde eine sehr feine graue Sprenkelung; Kinn und Wange sind weißgrau, Unterbrust und Bauch weißlich, rostbraun gefleckt und schwarz in die Quere gebändert, die Handschwingen schwärzlich, die Armschwingen der Rückenfärbung entsprechend, die äußeren Schwanzfedern mit schwarzen Wellenlinien gezeichnet.

Wir kennen die Zeit nicht, in welcher die ersten lebenden Silberfasanen nach Europa gelangten, dürfen aber annehmen, daß es nicht vor dem siebzehnten Jahrhundert geschehen ist, da die Schriftsteller des sechzehnten Jahrhunderts, Geßner z.B., den so schönen und auffallenden Vogel nicht erwähnen. Seine Heimat ist Südchina, nach Norden hin bis Fokien und Tschekiang; er lebt gegenwärtig jedoch nur noch in wenigen Gegenden, wird dagegen in ganz China und in Japan sehr häufig zahm gehalten. In Europa gedeiht er bei einfacher Pflege ausgezeichnet, und zwar im Freien ebenso gut wie auf dem Hofe oder in einem größeren Gebauer. Daß er noch nicht in unseren Waldungen ausgesetzt worden ist, hat seine guten Gründe. Versucht wurde eine solche Einbürgerung, der Erfolg war aber ungünstig. Das Männchen macht sich wegen seiner weißen Oberseite so bemerklich, daß es dem Raubzeuge mehr ausgesetzt ist als jeder andere Vogel seiner Größe. Aber das ist nicht das einzige Hindernis; ein zweites verursacht der Fasan selber. Unter allen Verwandten ist er der muthigste und rauflustigste. Zwei Männchen, welche ein und dasselbe Gebiet bewohnen, liegen mit einander in beständigem Streite; der Silberfasan sucht seine Herrschaft jedoch auch anderen Thieren gegenüber fühlbar zu machen, kämpft mit dem Haushahne auf das äußerste und vertreibt, wenn er im Walde frei umherschweifen kann, jedes andere Wildhuhn, welches hier lebt, zunächst natürlich den gemeinen oder Edelfasan. Und da nun der letztere doch immer noch mehr Nutzen gewährt als er, zieht man es vor, nur jenen zu pflegen.

Hinsichtlich seiner Bewegungsfähigkeit und Beweglichkeit steht der Silberfasan hinter anderen Verwandten zurück. Man ist versucht, ihn einen faulen Vogel zu nennen. Zum Fliegen entschließt er sich nur im Nothfalle, und wenn er wirklich aufstand, streicht er höchstens eine kurze Strecke weit dahin und fällt dann sofort wieder auf den Boden herab. Im Laufen fehlt ihm zwar die Gewandtheit und Behendigkeit des Goldfasanes; er steht auch an Schnelligkeit vielleicht hinter dem Edelfasane zurück, übertrifft aber beide durch die Ausdauer dieser Bewegungen. Die Stimme ist nach der Jahreszeit verschieden. Im Frühlinge, während der Paarung, vernimmt man am häufigsten ein langgedehntes, klangvolles Pfeifen, außerdem meist nur ein dumpfes, gackerndes »Radara Dukdukduk«, welchem erst, wenn der Vogel in Aufregung geräth, das Pfeifen angehängt wird. In seiner Bewerbung um die Gunst des Weibchens zeigt er sich noch nachlässiger als seine Verwandten. Er ist allerdings auch sehr aufgeregt und im höchsten Grade kampflustig, läßt seinen Muth unter anderem auch an Menschen aus, indem er letztere wüthend anfällt und mit Schnabelhieben und Sporenstößen zu vertreiben sucht; dem Weibchen gegenüber aber geberdet er sich keinesweges auffallend. Gewöhnlich hebt er nur die Haube, wenn er seine Liebesgefühle ausdrücken will; zu einem Senken des Kopfes, Breiten der Flügel und Spreizen des Schwanzes kommt es schon seltener.

Die Henne legt zehn bis achtzehn Eier, welche entweder gleichmäßig rothgelb von Farbe, oder auf weißgelblichem Grunde mit kleinen bräunlichen Punkten gezeichnet sind. Wenn man ihr die Eier läßt, brütet sie selbst, und zwar mit großer Hingebung. Nach fünfundzwanzig Tagen schlüpfen die Küchlein aus, kleine, allerliebste Geschöpfe, welche das höchst ansprechend gezeichnete Dunengefieder vortrefflich kleidet. Sie wachsen ziemlich rasch soweit heran, daß sie fliegen oder wenigstens flattern können, erlangen aber erst im zweiten Lebensjahre die volle Größe und die Tracht ihrer Eltern. In der frühesten Jugend bevorzugen auch sie Kerbthiernahrung; später halten sie sich hauptsächlich an Grünes der verschiedensten Art; schließlich verzehren sie härtere Fruchtstoffe, namentlich Körner und Getreide. Kohl, Salat, Obst sind Leckerbissen.

Das Wildpret ist ebenso wohlschmeckend wie das eines jeden anderen Fasanes, erreicht seinen Hochgeschmack aber nur dann, wenn man dem Vogel größere Freiheit gewährt und ihm wenigstens gestattet, sich im Hofe und Garten umherzutreiben.

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