Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse (Hörbuch) (Rezension)


Chase Andrews stirbt, und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Schuld ist das Marschmädchen. Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.
Was ein Filmtrailer so ausmachen kann… Nachdem ich die Inhaltsangabe zu DER GESANG DER FLUSSKREBSE gelesen habe, war ich mir sicher, dass ich das Buch nicht lesen werde. Selbst nachdem ich ständig und überall über den Titel gestolpert bin konnte er mich nicht reizen. Dann habe ich den Filmtrailer gesehen und meine Meinung schlagartig geändert. Das sah interessanter aus als ich dachte. Und über netgalley habe ich das Hörbuch angefragt (und wie man sieht wurde es mir auch zur Verfügung gestellt).
Luise Helm (Synchronsprecherin u. a. von Scarlett Johannsson) macht zumindest einen guten Job. Es macht Freude ihr zuzuhören und sie schafft es alleine mit ihrer Stimme der Situation Atmosphäre einzuhauchen und den Charakteren eine glaubwürdige Persönlichkeit zu geben.
Das Buch selbst wirkt auf mich sehr philosophisch und langatmig, auch in der Erzählweise, was ich teilweise sehr ermüdend finde (und ich weiß nicht, ob ich das Buch zu Ende gelesen hätte, wenn ich es als Printausgabe vor mir hätte). Wirklich spannend fand ich die Gerichtsverhandlung, in der Kyas Schuld (oder Unschuld) bewiesen werden sollte. Ein bisschen erinnerte mich das an WER DIE NACHTIGALL STÖRT, und das war der Moment, in dem ich dachte, das Buch würde gut werden und würde die Beschreibungen von Kyas Kindheit (und Jugend) entschädigen. Denn auch wenn diese wichtig für das Verständnis von Kyas Charakterentwicklung ist (und Kya ist ein durchaus interessanter Charakter), so war diese mir zu lang. Leider war die Gerichtsverhandlung nur ein kleiner Ausschnitt aus Kyas Lebensgeschichte und danach verfiel das Buch wieder in langatmige Beschreibungen …. bis zu Kyas Tod.
Einzig und allein Luise Helm kann ich den Verdienst anrechnen, durchgehalten zu haben. Der Mordfall, der sowohl im Klappentext als auch im Trailer zum Film hervorgehoben wurde, kam mir zu kurz und der Rest war mir zu langatmig und konnte mich nicht so fesseln, wie es bei vielen anderen Lesern der Fall war.
Den Film werde ich wohl auch nicht sehen.

Delia Owens ist Zoologin. Ihr Debütroman war 2019 mehrere Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times. In Deutschland wurde er zum Lieblingsbuch der Unabhängigen 2019 gewählt. Im deutschen Buchmarkt stand der Roman ab der 31. Woche 2019 über 80 Wochen lang auf der Spiegel-Bestsellerlist. Wobei sich mir wieder gezeigt hat: Bestseller treffen selten meinen Geschmack …
Delia Owens schrieb übrigens zusammen mit ihrem Mann Mark Owens auch einige Sachbücher, allerdings liegt davon meines Wissens nur DER RUF DER KALAHARI auf deutsch vor. Noch kenne ich das Buch nicht, aber ich werde es im Auge behalten.

Kya Clark ist eine fiktive Person, könnte aber, so wie sie im Buch beschrieben wird auch eine reale Person sein (oder gewesen sein). Irgendwie finde ich es schade, dass uns so die anscheinend schönen Bücher Kyas vorenthalten bleiben.

Und noch eine abschließende Nebenbemerkung: Flusskrebse können nicht singen.

(Rezensionsexemplar)

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